21st Century Schizoid Country. Das Nachleben des Nationalsozialismus

Das Veranstaltungsprogramm der AG Antifa (Winter 2019/2020)

OCT24 We don’t need no education.Erfahrungen aus d. beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam 

NOV5 Zur Kritik der politischen Ökologie.

NOV28 Die politische Sozialisation Wolfgang Pohrts 

DEC12 Die Sehnsucht nach der Unfreiheit 

DEC20 „Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe.“ (W. Benjamin) 

JAN30 The End of the World as We Know It. Zum Aufstieg des Populismus 

Auf der Website der AG Antifa kann der Einleitungstext zum Semesterprogramm nachgelesen werden:

Weiterlesen

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Magdeburg bleibt blöd

„Haltet euch ab 17 Uhr im Viertel bereit. Mobilisiert alles und jeden.“ Mit diesen Worten und der Parole „Magdeburg bleibt rot!“ riefen linke Antisemiten im Netz dazu auf, unsere Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ am 9. April mit Stephan Grigat in Magdeburg zu verhindern. Mehr als 21 Leute, drei Fahrräder und einen Hund bekamen sie allerdings nicht zusammen. Sie bauten sich in respektabler Entfernung vom Veranstaltungsort auf und versuchten, Gäste und Security mit lustigen Kampfsportposen und Schimpfworten aus dem Repertoire der 7c („Deine Mutter!“, „Hurensohn!“ usw.) zu beeindrucken. Da den Aufrufen von „Zusammen kämpfen“ und Co. selbst in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts kaum noch jemand folgen will, mussten einige der tapferen Verteidiger Magdeburgs eigens von außerhalb angekarrt werden. Natürlich durfte auch die notorische Ines Fritz alias „Thea Tiger“ nicht fehlen, die sich schon mal fälschlicherweise als Mitarbeiterin der Linkspartei ausgibt und sich im Vorfeld der Veranstaltung durch Lügen, Denunziationen und Einschüchterungsversuche besonders hervorgetan hat.

Diese Einschüchterungsversuche waren auch der Grund dafür, dass wir kurzfristig den Veranstaltungsort wechselten. Der Betreiber der Factory, wo der Vortrag ursprünglich stattfinden sollte, wurde im Vorfeld massiv bedroht, teilweise wurde ihm aber auch Geld geboten, die Veranstaltung abzusagen. Da wir ihn keinem unnötigen Druck aussetzen wollten, nahmen wir Gespräche mit der Magdeburger Rosa-Luxemburg-Stiftung auf.

Deren Mitarbeiter haben wir als freundliche und interessierte Zeitgenossen kennengelernt, die Zusammenarbeit mit der Polizei hat ebenfalls gut funktioniert. Denn selbstverständlich haben wir uns mit ihr abgesprochen. Auch wenn wir deutlich in der Überzahl waren, spielen wir weder das faschistische Spiel vom Recht des Stärkeren mit, noch sind wir von der Mafia, der Bundeswehr und anderen Männerbünden fasziniert. Männerschweiß, Mut-Koks und Geländespiele interessieren uns nicht besonders.

Während „Zusammen kämpfen“ in der Umgebung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Verkleiden und Verstecken spielten und sich beim Tritt gegen ein Auto fast verletzten,* sprach Stephan Grigat vor über 40 Zuhörern über die Notwendigkeit der linken Solidarität mit Israel, die Geschichte und Gegenwart des Zionismus, die Bedrohung Israels und den Zusammenhang der beiden kategorischen Imperative von Karl Marx und Theodor W. Adorno.

Fazit: Wie wir schon 2008 und 2013 gezeigt haben, ist es ohne größere Schwierigkeiten möglich, eine israelsolidarische Veranstaltung in Magdeburg durchzuführen – selbst in unmittelbarer Nachbarschaft der örtlichen Antiimpis. Deren Mobilisierungsfähigkeit hält sich selbst in „ihrem“ Viertel, wo der Vortrag stattfand, in engen Grenzen. Insgesamt waren wesentlich mehr Leute an der Veranstaltung als an ihrer Verhinderung interessiert. Zwar mögen die linken Antisemiten im Einzelfall eine Gefahr darstellen, sie sind jedoch weniger ein politisches als ein polizeiliches Problem. Sprich: Es wird Zeit, sie als die Horde Kleinkrimineller zu betrachten, die sie sind. Das Schlägerimage, das sich die Magdeburger Linke vor einigen Jahren mühsam erarbeitet hat, scheint auch weiterhin kaum noch Anknüpfungspunkte in der Realität zu besitzen. Uns hat sich dasselbe Bild geboten wie 2013: „Ein offensichtlich nervöser Haufen Autonomer, die angespannt an ihren unter den Jacken versteckten Waffen herumfingern, entspricht nicht unbedingt dem Bild einer schlagkräftigen Antiimp-Gang,“ war damals in der „Bonjour Tristesse“„Bonjour Tristesse“ zu lesen. Aus diesem Grund sollte man die Magdeburger Männerbündchen auch in Zukunft einfach weiter links liegen lassen.

No Tears for Krauts, 04/2019

* Grandios dabei der folgende Dialog: „Ronny guck‹ ma‹, der da war auch bei die Antideutschen.“ „Ja, den treten wir den Spiegel.“ – „Mist, ich komme nicht so hoch mit die Beine.“ „Oh man Ronny was ist das für 1 Scheiß zionistische Schwein, lass‹ schnell wegrennen.“

Solidarität mit Israel. Über den kategorischen Imperativ nach Auschwitz. (Vortrag in Magdeburg)

Vortrag von Stephan Grigat

Dienstag, 09. April 2019; 19 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt
Ebendorfer Straße 3, Magdeburg

Factory Magdeburg
Sandbreite 2, Magdeburg

Am 9. April laden wir zu unserer Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ nach Magdeburg ein. Seitdem wir auf den Vortrag hinweisen, wird der Betreiber des Veranstaltungsortes, der Factory Magdeburg, täglich mit Anrufen, E‑Mails und Posts bombardiert, um eine Absage für die Veranstaltung zu erwirken. Neben den für Magdeburger Verhältnisse typischen Vandalismus-und Gewaltandrohungen waren die anonymen Anrufer diesmal sehr kreativ und gaben sich mal als Vertreter des Studierendenrates, mal als Stadtabgeordnete aus. Nachdem Geld für eine Absage geboten wurde, wird nun mit Boykott der Factory gedroht. Diesen ganzen Aufwand betreiben einige Magdeburger Linke, um eine Veranstaltung, die Solidarität mit Israel heißt, zu verhindern. Um nicht direkt gegen Israel argumentieren zu müssen – denn dann wüsste auch der Dümmste, dass es sich um linke Antisemiten handelt –, werden die veranstaltenden Gruppen, der Referent und Supporter als Rassisten, Nationalisten und zum Teil als Rechtsradikale dargestellt. Und das alles nur, um von ihrem Hass auf Israel abzulenken. Wir freuen uns auf die Veranstaltung am 9. April, haben uns aber dazu entschlossen, den Veranstaltungsort zu ändern, den wir noch rechtzeitig bekannt geben.


Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen in Magdeburg und anderswo hinaus. In den Attacken auf Israel tritt der Antisemitismus als eine spezifische Form des Judenhasses nach Auschwitz auf, der sich gegen den kollektiven Juden, den jüdischen Staat, richtet. Der Vortrag soll zeigen, inwiefern der Antizionismus in nahezu allen seinen Ausprägungen als geopolitische Reproduktion des Antisemitismus begriffen werden muss, was der kategorische Imperativ Theodor W. Adornos bedeutet, wenn man ihn nicht lediglich zur wohlfeilen Rhetorik für die deutsche Vergangenheitsbewirtschaftung missbrauchen möchte, und was der kategorische Imperativ von Karl Marx mit einer Solidarität mit Israel zu tun hat.
Es soll erläutert werden, vor welchen Problemen Israel durch die veränderte Situation im Nahen Osten und durch die aktuellen Erscheinungsformen des Antizionismus steht, und warum die Solidarität mit Israel nicht nur antifaschistisch ist, sondern die Unterstützung seiner militärischen Selbstverteidigung beinhalten muss. Dazu gehört auch die konsequente Bekämpfung der Feinde des jüdischen Staates: insbesondere das iranische Regime und seine Verbündeten an den Grenzen Israels, die heute die größte sicherheitspolitische Herausforderung für den Staat der Holocaustüberlebenden und ihrer Nachkommen darstellen, und ihre europäischen Unterstützer.

Stephan Grigat ist als Wissenschaftler sowie Autor tätig und für STOP THE BOMB aktiv. Er hat zuletzt die Bücher „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos 2017) sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich 2017) herausgegeben.

Veranstaltet von:
AG No Tears For Krauts Halle
Offenes Antifaplenum Halle
Linksjugend [´solid] Halle
Gesellschaftskritische Odyssee

Der Lärm danach. Eine Antwort an unsere Kritiker

Der Redebeitrag, den wir kurz vor Weihnachten bei der Kundgebung vor der Moschee in der Leipziger Roscherstraße gehalten haben, hat offensichtlich eingeschlagen. Laut einigen Internetrittern, denen die Facebook-Aufmerksamkeitsökonomie längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, verderben wir mit solchen Texten die Islamkritik; andere sahen durch uns gleich die Opfer des islamischen Terrors verraten. Aber auch von einigen Freunden kam Kritik. Und das ist gut so. Denn (1.) bietet uns diese Kritik die Möglichkeit, einige der Dinge, die in unserem recht eilig entstandenen Redebeitrag notgedrungen zu kurz kommen mussten, auszuführen. (2.) glauben wir, dass zumindest einige der von Freunden vorgebrachten Kritikpunkte tatsächlich diskutiert werden sollten.

1. Islamismus: ein Nichtthema?

Es war zunächst vor allem eine Aussage, die Widerspruch hervorgerufen hat: Während wir erklärten, dass sich hierzulande nahezu alle tonangebenden Kräfte auf die Gegnerschaft zum Islamismus einigen könnten, wurde uns entgegengehalten, dass der Islamismus in Deutschland ein Anathema sei. Sowohl die offiziellen Stellungnahmen der politischen Klasse, die Förderprogramme der Bundesregierung und die Bestsellerlisten sprechen jedoch eine andere Sprache. Nur einige Beispiele: Zwischen 2016 und 2017 wurden die Bundesmittel für Islamismusbekämpfung in den Justizvollzugsanstalten fast verdoppelt, im selben Jahr (2017) wurde ein „Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Radikalismus“ ins Leben gerufen, Constantin Schreibers Buch „Inside Islam. Was in deutschen Moscheen gepredigt wird“ führte zeitweise die „Spiegel“-Bestellerliste an. Darüber hinaus sprach vor kurzem selbst der Innenminister des ziemlich abseits gelegenen Bundeslandes Brandenburg, Karl-Heinz Schröter (SPD), von einem wachsenden Islamismus-Problem zwischen Uckermark und Lausitz. Man kann und sollte über die Qualität all dieser Aussagen und Unternehmungen streiten, geleugnet werden können sie jedoch nicht.

2. Islam: ein Anathema

Während die Rede vom Islamismus also durchaus verbreitet ist, scheut man sich in der Öffentlichkeit dagegen oftmals davor, eine Verbindung zwischen Islamismus und Islam herauszustellen. Auch deshalb wurde Constantin Schreiber im „Deutschlandfunk“ und anderswo für sein Buch „Inside Islam“ angefeindet. In der Regel wird der böse Islamismus fein säuberlich vom guten Islam abgetrennt: so, als hätte das eine nichts mit dem anderen zu tun. Vor diesem Hintergrund hat es uns auch gewundert, dass sich einige Freunde – sei es in Kommentaren, sei es durch Facebook-Likes – plötzlich positiv auf den Begriff des Alltagsislams beziehen: Im Iran der siebziger und selbst noch im Frankreich der vergangenen Jahre, so das von einigen Leuten unterstützte Argument, habe es im Unterschied zu Deutschland einen durchaus vernünftigen Alltagsislam gegeben. Hier sind wir vom Gegenteil überzeugt: Denn in dem Moment, in dem der Islam im Alltag so allgegenwärtig ist, dass man von einem Alltagsislam sprechen kann, hat er gerade nichts mehr mit den früheren Säkularisierungstendenzen im Iran oder in Frankreich zu tun. Er ist nicht das pluralistische Pendant zu einem „Alltagschristentum“, von dem niemand sprechen würde, weil es weder in Berlin noch in Wien oder in Paris existiert, sondern Ausdruck der allgemeinen Islamisierung.

3. „Mach meine Familie nicht an!“

Das wirklich Bemerkenswerte wurde von unseren Kritikern dagegen nicht angesprochen: Obwohl die islamische Bedrohung aufgrund der Terroranschläge überall präsent ist und öffentlich nicht selten vom Islamismus gesprochen wird, scheint die Bedrohung zumindest in Deutschland nicht ins allgemeine Bewusstsein zu dringen. Sie dürfte allenfalls im Vorbewussten oder in den Schläfenlappen verharren. Das beste Beispiel hierfür ist die Kunst, die immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Stimmungen, Wünsche und Tendenzen ist: Während im Frankreich der vergangenen Jahre zahlreiche Romane und Erzählungen erschienen sind, die um den Terror und die Islamisierung kreisen, gibt es in Deutschland nichts dergleichen. Das mag auch auf die höhere Zahl der Terroropfer und die noch deutlichere Wahrnehmbarkeit des Islam in der französischen Öffentlichkeit zurückgehen. Es erinnert jedoch auch an die Beobachtungen, die Hannah Arendt 1945ff. in Deutschland machte: Sie sprach von einer enormen Weltabgewandtheit der Landsleute, dem fröhlichen Weitermachen und einer immensen Abwehr der Realität, die damals noch mittels Arbeit stattfand.

Für die gegenwärtige Realitätsverleugnung mag es viele Gründe geben. Justus Wertmüller hat einige davon in seinem Text „Menschenopfer für die Weltoffenheit“ in der aktuellen „Bahamas“ benannt. Nicht zu unterschätzen sind, direkt damit verbunden, zugleich die mal offenen, zumeist jedoch heimlichen Sympathien, die dem Islam hierzulande entgegengebracht werden: von einem Außenminister, der sich vor dem Grab des am Ende durchweg islamisierten Judenhassers Yassir Arafat verneigt, über die Verklärung des Kopftuchs zum Symbol von „Empowerment“ im linksliberalen Milieu bis hin zur offenen Kooperation mit Islamisten wie bei der „Unteilbar“-Demonstration.
Diese Sympathien stehen, wir beharren darauf, selbstverständlich auch im Zusammenhang mit der Rückkehr von Familie, Ehe, Ehre und Herkunft hierzulande – allerdings anders als uns unterstellt wurde. So lassen die Zumutungen des postmodernen Kapitalismus, sprich: der Abbau der sozialen Sicherungssysteme, der Zwang zu immer größerer Individualität, um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können, die Nötigung zu Flexibilität, Entgrenzung, jederzeitiger Verfügbarkeit und allseitiger Kreativität das Bedürfnis nach all dem entstehen, wofür Familie, Ehe und Herkunft im Positiven wie im Negativen stehen. Dieses Bedürfnis ist noch nicht einmal ganz irrational. So ist der Rückgriff auf die Blutsbande gerade in Ost- und Südeuropa längst zur Notwendigkeit geworden: Die Mieten sind unbezahlbar geworden, der Gelegenheitsjob wird schlecht bezahlt und von der Rente kann man nicht leben.

Neben dem nur allzu nachvollziehbaren Drang nach Sicherheit kommt der Rückgriff auf Familie und Herkunft jedoch auch dem ebenfalls von den gegenwärtigen Verhältnissen produzierten Bedürfnis nach Überschaubarkeit, einfachen Antworten, klaren Regeln und Hierarchien entgegen. Die oft gar nicht so klammheimliche deutsche Begeisterung für den Islam dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass er all dies (1.) in Reinform vertritt und (2.), nicht zu unterschätzen, zugleich für ein enormes Zerstörungs- und Vernichtungspotential steht. Dieses Potential kommt den traditionellen antibürgerlichen Affekten deutlich entgegen, die den Bürger seit seinem Erscheinen auf der gesellschaftlichen Bühne wie ein Schatten begleiten. So wird er spätestens seit Rousseaus „Zurück zur Natur“ immer mal wieder vom Bedürfnis getrieben, die Fesseln der Zivilisation hinter sich zu lassen und all das, was ihn im Guten wie im Schlechten bindet, kaputtzuschlagen. Das heißt nicht, dass wir, wie uns absurderweise unterstellt wurde, etwas gegen standesamtliche Eheschließungen haben. Das heißt ebenfalls nicht, dass die Sympathien für den Islam unter Verheirateten besonders stark ausgeprägt sind. Es spricht, im Gegenteil, sogar einiges dafür, dass die Ablehnung des Islam in traditionelleren Kreisen stärker ist als im linksliberalen Milieu – das allerdings ebenfalls wieder verstärkt auf Ehe, Vermehrung und Familie setzt. Aber es soll heißen, dass dieses neue Interesse über weite Strecken dieselben gesellschaftlichen Ursachen hat wie die deutschen Sympathien für den Islam.

Wer diesen Zusammenhang nicht sehen will, der vergisst angesichts der islamischen Bedrohung entweder, dass die hiesigen Verhältnisse, die selbstverständlich ohne Wenn und Aber gegen diese Bedrohung verteidigt werden müssen, trotzdem nicht das Paradies auf Erden sind: Die Jungen Liberalen lassen grüßen. Oder er erliegt dem alten bewegungslinken Drang, das Private, sprich: den eigenen Lebensentwurf, als politisch auszugeben. Nach der WG, dem Sitzpinkeln oder der vegetarischen Ernährung sollen nun auch die bürgerliche Ehe und der Doppelkinderhaushalt, gegen die selbstverständlich nur wenig spricht, besonders widerständisch sein. Vielleicht hat er aber einfach auch nur, um einen unserer Kritiker zu zitieren, den „sprichwörtlichen Schuss“ nicht gehört. Was auch immer es ist: Wir wünschen einen guten Rutsch nach 2019 – in welche Richtung auch immer.

AG „No Tears for Krauts“,
12/2018

Bonjour Tristesse Sonderausgabe #G20

Kurzmitteilung

Die Sonderausgabe der Bonjour Tristesse zu den G20-Protesten ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier gehts zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com


Bonjour Tristesse — Sonderausgabe
#G20
(Sommer 2017)

  • Editorial
  • Jusos mit Steinen  Ein Vertreter der »AG Antifa« fragte, ob es hierzulande eigentlich irgendjemanden gab, der nichts gegen das G20-Treffen in Hamburg hatte? 
  • Vorschein des Schlimmeren. Uli Schuster (Roter Salon, Leipzig)
    Die Proteste gegen den G20-Gipfel haben gezeigt, dass die Linke aus der eigenen Geschichte nichts gelernt hat.
  • Die Wiederkehr des Immergleichen.  Angesichts der Proteste gegen den G20-Gipfel fragte ein Vertreter der »AG Antifa« danach, warum die Linke immer wieder selbst hinter ihre eigenen theoretischen Erkenntnisse zurückfällt. 

Download [PDF] Bonjour Tristesse Sonderausgabe G20/2017

Vorschein des Schlechteren. Zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg

Hier der Hinweis auf eine dringend notwendige Veranstaltung
am Donnerstag, dem 13. Juli 2017, in Halle (Saale)

Vorschein des Schlechteren.
Zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg

Es ist bezeichnend: Die autonome Restlinke kümmert sich das ganze Jahr über um kaum etwas anderes als um die Verhinderung unbedeutender Naziaufmärsche, die Geißelung tatsächlich oder vermeintlich reaktionärer gesellschaftlicher Tendenzen oder die Organisation von „Schöner-feiern-ohne-Nazis“-Partys. Wenn es gegen „die da oben“, die vermeintlichen „Herren der Welt“ und insbesondere gegen Amerika geht, dann lässt sie jedoch gern mal Fünfe grade sein: So störte sie weder, dass auch zahllose Nazis zu Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg aufgerufen haben, noch kommen Gruppen oder Bündnisse wie die „Interventionistische Linke“, „Ums Ganze“, „TOP Berlin“ oder „Welcome to Hell“ auch nur auf die Idee, dass mit ihrem Protest etwas nicht stimmen könnte, wenn er auch bei den braunen Jungs von der Platte oder vom Ziegenhof auf Begeisterung stößt. Wie sollen sie auch, wo sich schon ihre Ästhetik teilweise kaum von der des antikapitalistischen Blocks einer x‑beliebigen Nazidemo unterscheidet. Zahllose Plakate und Videos, mit denen von links nach Hamburg mobilisiert wurde, bewegten sich mit ihrer Gewaltverherrlichung, dem Streetfighter-Gehabe und der Überhöhung des Kampfes irgendwo zwischen den Selbstdarstellungen der „Skinheads Sächsische Schweiz“ und der „Saalefront Ultras“ des Hallischen FC. Auch inhaltlich ist das angesagt, was man in den letzten Jahren unter dem Begriff „Querfront“ zu missverstehen gelernt hat. So haben sich die organisierenden Gruppen in ihren Aufrufen in der Regel weder für die zivilisatorischen Mindeststandards stark gemacht, die gerade vom IS, vom türkischen Autoritarismus oder vom russischen Neoimperialismus zur Disposition gestellt werden, noch haben sie sich auf die Produktionssphäre konzentriert, in der Marx noch die Ursachen des gesellschaftlichen Übels verortete. Stattdessen ließen sie sich über das wenige am Kapitalverhältnis aus, das zumindest als Vorschein eines Besseren zu erkennen ist: über Handel – immerhin wurde schon Wochen vor dem Event angekündigt, den Hafen blockieren zu wollen –, Luxus usw. Schon wollte man sich freuen, dass nach der Kampagne gegen die Europäische Zentralbank in Frankfurt die geradezu obsessiven Schuldzuweisungen an Banker und Politiker ein wenig abebbten, da fand die Globalisierungskritik ihre Gegner erneut schlafwandlerisch in der Zirkulationssphäre: dort, wo der Antisemit traditionell die Juden verortet. Die immergleichen Parolen gegen „Nationalismus und Rassismus“, die „Ums Ganze“, „IL“ und Co. unter ihre Texte klatschen (und die, nebenbei bemerkt, inzwischen auch den Beifall Angela Merkels, Sigmar Gabriels oder Xavier Naidoos finden würden), sind so inhaltsleer, weil sie kaum mehr als dem Zweck dienen, diese Gemeinsamkeiten zu kaschieren. Selbst einige derjenigen, die es eigentlich besser wissen, haben diesmal auf Kritik verzichtet und sich ganz postironisch zur Fahrt nach Hamburg verabredet, um es endlich mal wieder so richtig krachen zu lassen. Während sich die einen mit dem besten antifaschistischen Gewissen an der Barbarisierung der Verhältnisse beteiligen, tun es die anderen mit einem Augenzwinkern. Das regressive Bedürfnis nach dem Kaputtschlagen, dem Riot und dem Geländespiel mit der Polizei ist jedenfalls auch dort angekommen, wo man in der Zeit des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 noch ganz kritisch auf Demobiliserung gesetzt hat.
Das alles ist Anlass, die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Uli Schuster vom „Roten Salon“ im Leipziger Conne Island wird das Verständnis der aufrufenden Gruppen vom staatlichen Handeln, vom Kapital, vor allem aber von der Funktionsweise internationaler Politik kritisieren und zeigen, dass die Proteste kein Vorschein auf ein Besseres, sondern auf etwas Schlechteres sind. Gemeinsam mit einem Vertreter der „AG Antifa“ fragt er zudem danach, warum die aufrufenden Gruppen so weit hinter die Erkenntnisse zurückfallen, die in den letzten fünfzehn Jahren selbst von linker Seite formuliert wurden.

Eine Veranstaltung der AG Antifa

Der Veranstaltungsort wird noch bekanntgegeben.
Die zugehörige Facebookveranstaltung findet ihr hier:
https://www.facebook.com/events/1367423276677604

Audio: Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Wie Alltagsislam und Islamismus zusammenhängen und warum Antifaschismus ohne Islamkritik zur Lüge wird.

Vortrag von Uli Krug am 28. Juni in Berlin

(via redaktion-bahamas.org/audio-archiv)

Die Situation ist ebenso bedrohlich wie grotesk: Denn an sich sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen müssen, dass Folter, pathologische Misogynie und Homophobie, Massenmord und das Streben nach globaler Willkürherrschaft nicht ausgerechnet von Leuten, die für sich den Antifaschismus reklamieren, verharmlost, totgeschwiegen, ja sogar befördert werden. Doch genau das ist der Fall, wenn es um den Islamismus geht: Die SPD erklärte erst jüngst den Islam in einem offiziellen Papier der Parteiführung zu einem lediglich »theoretischen Konstrukt« und bestritt rundweg, dass der Verschleierungszwang irgend frauenfeindlich wäre. »Islamkritisch« steht in der Sprache des staatstreuen Medienkartells ohnehin schon synonym für »rechtsradikal«; auf der anderen Seite ist es ausgerechnet bekennenden Abtreibungsgegnern wie Beatrix von Storch und Stahlhelm-Nostalgikern wie Alexander Gauland vorbehalten, das Offensichtliche auszusprechen: Dass der praktizierte Islam per se keine unpolitische Religion ist, einen universalen Herrschaftsanspruch verkörpert und als praktizierender Sharia-Gegensouverän auftritt. Aufklärung tut in einer Welt der verkehrt scheinenden Fronten also dringend not. Nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Vortrag über die Psychopathologie des Islam und den »Islamischen Staat« als dessen notwendige Konsequenz leisten, also eine Einführung in das eigentlich Selbstverständliche geben.

Eine Veranstaltung der HUmmel Antifa im Rahmen der Maiwoche 2016 »Rackets on the rise. Zur Dialektik von Klatschen und Beklatschen« 
(via redaktion-bahamas.org/aktuell)