Veranstaltungsempfehlung

Öffentlich-rechtlicher Antisemitismus.
Ein Gespräch über die Dokumentation
„Auserwählt und ausgegrenzt“

mit Joachim Schroeder und Alex Feuerherdt

16. November 2017, 19:00 Uhr
VL (Ludwigstraße 37)

Selten hat eine Dokumentation für so viel Aufregung gesorgt: Als Bild.de am 13. Juni dieses Jahres die Produktion „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ erstmals öffentlich zugänglich machte, war schon viel über sie diskutiert worden. Die Auftraggeber, Arte und WDR, hatten es abgelehnt, den fertigen Film zu senden, offiziell aufgrund formaler Bedenken. Es ist davon auszugehen, dass weniger journalistische oder rechtliche Gründe den Ausschlag gaben, sondern poli­tische: Insbesondere Arte, wo die Ausstrahlung ursprünglich geplant war, ist für seine israelfeindlichen Inhalte bekannt. Eine Dokumentation, die nicht nur den rechten, sondern vor allem den linken und islamischen Antisemitismus thematisiert, dürfte sowohl den Pro­grammverantwortlichen, als auch dem größtenteils linksliberalen Publikum des Senders und nicht zuletzt islamischen Communities ein Dorn im Auge gewesen sein. Nachdem Hundert­tausende den zum Politikum ge­wordenen Film im Internet gesehen hatten, entschied sich der WDR dazu, ihn sogar im Ersten zu senden. Aber nicht einfach so. Man versah die Dokumentation um einen „Faktencheck“, der sie ständig unterbrach und ihre Aussagen kommentierte. Dem WDR schien weniger daran gelegen zu sein, die Dokumentation doch noch zu senden, als ihre Macher vorzuführen.

In einem Podiumsgespräch werden wir Joachim Schroeder und Alex Feuerherdt fragen, wie sich das Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Sender und die im Film porträtierten Zustände in die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland einfügen. Joachim Schroeder ist Regisseur und Produzent der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Alex Feuerherdt ist freier Autor, er schreibt unter anderem für die Jungle World und die Jüdische Allgemeine und betreibt den Blog „Lizas Welt“.

Der Film wird nicht gezeigt, ist aber auf verschiedenen Videoportalen einsehbar.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de/

Im Zweifel dagegen

Vor einiger Zeit wurden »No Tears for Krauts« Halle auf dem in Leipzig weltbekannten »Sprachlos-Blog« (sprachlos-blog.de/no-ears-for-krauts) angegriffen. Der Grund: Wir hatten uns mit dem Conne Island solidarisiert, dem wegen seiner Stellungnahme zu sexuellen Übergriffen durch Migranten in linken Kreisen Rassismus vorgeworfen worden war. Ein Statement dazu:

Im Zweifel dagegen

„Sprache ist übersät mit Irritationen, versteckten Wertungen, kleinen Frechheiten und gemeinen Deutungen“, heißt es vollkommen richtig in der Selbstverständniserklärung des in Leipzig betriebenen „Sprachlos“-Blogs. Es ist insofern überaus verdienstvoll, die Zumutungen, Falschbehauptungen und die Irrlogik, der, wie es bei „Sprachlos“ heißt, „ökonomisierten, PR- und werbegesteuerten Sprache der Gegenwart“ aufs Korn zu nehmen. Fragwürdig wird es jedoch dann, wenn die Sprachkritik nicht mehr Wahrheit, Logik und Vernunft verpflichtet ist, sondern selbst zur Ideologie wird. Das war in jüngster Zeit mehrfach ausgerechnet auf jenem „Sprachlos“-Blog zu beobachten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verdeckten Bedeutungsgehalte von Texten zu entschlüsseln. Insbesondere die Beiträge Robert Feustels – einer der Betreiber des Blogs – legen nahe, dass auch und gerade bei den selbsternannten linken Sprachwahrern Argwohn angebracht ist.

1. Robert Feustel und die Verharmlosung des Nationalsozialismus

Vor einigen Wochen verglich Feustel die Betreiber des Leipziger Conne Island mit dem Nazi Carl Schmitt, weil sie die sexuellen Übergriffe von Migranten, zu denen es bei Partys des Clubs gekommen war, nicht einfach verschweigen oder fein diskurstheoretisch auflösen wollten. Hätte jemand anders einen solchen Vergleich angestellt, dann hätte Feustel dieses Vorgehen zweifellos als das bezeichnet, was es ist – eine Verharmlosung des Nationalsozialismus: Wer ein alternatives Zentrum in den Zusammenhang mit dem Kronjuristen des Dritten Reiches bringt, der zu den Vordenkern der Vernichtung der europäischen Juden gehörte, der relativiert die deutschen Verbrechen. Wenn Feustel so etwas tut, dann ist das alles jedoch etwas vollkommen anderes: Von seiner „wichtigen Kompetenz“ des Zweifelns, von der er in seinem Text so großspurig spricht, ist zumindest dann nichts zu bemerken, wenn es um ihn selbst geht.

2. Der Antifeminismus des Robert Feustel

Anstatt damit zufrieden zu sein, dass kaum jemand auf seine NS-Verharmlosung einging, glaubte Feustel nachlegen zu müssen. In einem äußerst originell mit „No Ears for Krauts“ überschriebenen Text warf er „No Tears for Krauts“ Halle reaktionäres Gedankengut, mangelnde Differenzierungsfähigkeit, Pauschalisierung und Vorverurteilung, kurz: Rassismus vor. Das war nicht weiter verwunderlich. Solche Unterstellungen gehören abstruserweise seit Längerem zum Standardrepertoire von Leuten, die den Universalismus – zu dem auch die Forderung gehört, an das Verhalten aller Menschen die gleichen Maßstäbe anzulegen – unter antirassistischen Vorzeichen anzugreifen versuchen. Erstaunlicher war, dass Feustel „No Tears for Krauts“ ironisch als die „Kings aus Halle“ bezeichnete. Die „Queens“ unter uns fand er offensichtlich nicht erwähnenswert. In seiner Welt kommen anscheinend keine Frauen vor. Entweder glaubt Feustel, dass Politik Männersache ist, oder dass Frauen zurückhaltend, der Polemik abgeneigt und ständig offen für „Diskurse“ sind. In jedem Fall verbirgt sich hinter Feustels vermeintlichem Feminismus ein überaus traditionelles Frauenbild.

3. Robert Feustel und die Verharmlosung des islamistischen Terrors

Während Feustel kein Problem mit pauschalen Rassismusvorwürfen und Nazivergleichen hat, will er immer dann differenzieren, wenn es um einen der blutigsten Vereine der Weltgeschichte geht: den Islam. Der sei, wie er schreibt, nämlich eine „ungemein vielstimmige Religion“. Die Opfer dieser freundlichen Religion von nebenan, die vor allem unter den Moslems selbst zu finden sind, sind Feustel nicht der Rede wert. Sie sind allenfalls Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“, die es „innerhalb der islamischen Glaubensvielfalt“ auch gebe. Genau das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die zehntausenden Toten, die auf die Kappe des Islamischen Staates gehen, die Opfer von Boko Haram, die die des IS inzwischen sogar übersteigen, die 3.000 Toten von 9/11, die Opfer der Terrorherrschaft der Taliban, die Ermordeten von Paris, Brüssel, Berlin, Madrid, Nizza, Tel Aviv, Jerusalem, um nicht von den Fluchtbewegungen in Westafrika, im Irak oder in Syrien zu sprechen: Das alles ist Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“? Man fasst es einfach nicht – und spätestens hier wird deutlich, worum es Feustel tatsächlich geht: Er hat weder Religionskritik noch Differenzierung im Sinn, sondern eine Verharmlosung des islamistischen Terrors.

4. Robert Feustel und die Juden

Wie viele andere Freunde des Islam hat es auch Feustel vor allem auf das Judentum abgesehen. So schreibt er, dass es unter Juden „auch den einen oder anderen Verrückten“ gebe. Niemand würde bestreiten, dass es innerhalb des Judentums nicht nur freundliche Leute gibt. Verräterisch ist jedoch, in welchem Zusammenhang Feustel das Wörtchen „auch“ benutzt. Wer im Kontext von Ausführungen über den islamistischen Terror darüber spricht, dass es innerhalb des Judentums „auch“ den einen oder anderen Verrückten gibt, will sagen, dass es zwischen Judentum und Islam eigentlich keinen Unterschied gibt. Der Diskurstheoretiker Feustel will darauf hinaus, dass bei Nacht alle Religionen gleich sind; der Antizionist übersetzt für sich, dass die islamischen Terroristen auch nichts anderes tun würden als die Juden.
Doch selbst dabei will es Feustel nicht belassen: So war es ihm offensichtlich ein inneres Bedürfnis, eine längere Passage des „No-Tears-for-Krauts“-Textes zu zitieren und den Begriff „Moslem“ überall durch „Jude“ zu ersetzen. Damit wollte er nach eigenen Angaben zeigen, wie hanebüchen die Argumentation von „No Tears for Krauts“ sei. Das Dumme war nur: Erstens setzte er so erneut Judentum und Islam gleich. Die Frage nach den Differenzen zwischen verschiedenen Religionen – also: die Frage danach, warum sich nicht massenhaft Juden, Buddhisten, Christen, sondern Moslems in die Luft sprengen, um so viele Ungläubige wie möglich zu töten – ist nicht die Sache des Differenzierers Robert Feustel. Zweitens wäre es für seine Argumentation überhaupt nicht nötig gewesen, das Wort „Moslem“ tatsächlich überall durch „Jude“ zu ersetzen. Es hätte der Hinweis genügt, dass durch ein solches Austauschen irgendetwas besonders deutlich würde. Feustel hat es aber offenkundig danach verlangt, beide Begriffe auszutauschen. Es scheint ihm Genugtuung verschafft zu haben, endlich einmal schreiben zu können, dass „das Problem […] vor allem das Judentum“ sei. Über die Gründe dafür können wir nur spekulieren – wir kennen Feustel nicht persönlich. Allerdings haben wir genug Freud, Fromm und Adorno gelesen, um eine Vorstellung davon zu haben. Entweder wollte Feustel solche Aussagen wieder sagbar machen: Als Diskurstheoretiker dürfte er davon überzeugt sein, dass bestimmte Positionen auch durch Ex-negativo-Aussagen in der Öffentlichkeit verankert werden können. Oder es einfach mit ihm durchgegangen und er hat seine innersten Wünsche nach außen gekehrt. Egal, was es war: Beides wirft weder ein gutes Licht auf Robert Feustel und den „Sprachlos“-Blog noch auf den Netzantirassismus.

No Tears for Krauts,
03/2017

Wer schweigt, stimmt zu!

In der aktuellen Ausgabe des CEE IEH #238 verteidigt die AG »No Tears for Krauts« das Conne Island gegen seine Freunde. Im Folgenden ist der Artikel dokumentiert:

Wer schweigt, stimmt zu!
Eine Verteidigung des Conne Island gegen seine Freunde

Es dürfte inzwischen etwa ein Jahr her sein, dass die ersten Gerüchte über die Zunahme von sexuellen Übergriffen und Gewalt im Conne Island kursierten. Im Nachgang der sogenannten Flüchtlingskrise wurden die Tanzveranstaltungen des Clubs zu einem beliebten Anlaufpunkt für Migranten. Der wichtigste Grund dafür dürfte die Regelung gewesen sein, von Flüchtlingen nur 50 Cent Eintritt zu verlangen: Wer am Existenzminimum lebt, muss auf jeden Euro achten. Zur offensichtlichen Verwunderung des Conne Island waren die neuen Gäste allerdings weder sonderlich dankbar noch in großer Zahl an der politischen Arbeit interessiert, die der Laden für sie vorgesehen hatte. Einige von ihnen sorgten stattdessen dafür, dass aggressive Anmachen, sexuelle Übergriffe und Gewalt zum Dauerthema wurden. Das Ganze nahm ein Ausmaß an, das es in der Geschichte des Conne Island bis dahin nicht gegeben hatte. Einige Gäste blieben bereits weg, mehrfach war die Crew des Ladens so überfordert, dass sie – wahrscheinlich auch ein Novum in der Geschichte des Clubs – keinen anderen Ausweg sah, als die Polizei zu rufen.
Diese Entwicklung war vor allem für Leute verwunderlich, die Flüchtlinge aufgrund ihrer Herkunft für die besseren Menschen oder revolutionäre Subjekte im Wartezustand halten. Dabei ist es gar nicht schwer zu verstehen: Wer sich erfolgreich mit Schlepperbanden herumgeschlagen, Grenzzäune überwunden oder die lebensgefährliche Reise übers Mittelmeer überstanden hat, ist nicht immer ein freundlicher und umgänglicher Mensch. Er musste vielfach eine Durchsetzungsfähigkeit, Skrupellosigkeit und Abgebrühtheit an den Tag legen, von der die Türsteher des Conne Island meilenweit entfernt sind. Der Islam, von dem das Gros der hierzulande ankommenden Flüchtlinge zum Teil direkt, zum Teil indirekt geprägt wird, erledigt oft den gar nicht so kleinen Rest. Denn dass diese wohl patriarchalste aller Religionen ihren männlichen Angehörigen nicht unbedingt zu einem freundlichen und rücksichtsvollen Umgang mit Frauen ermutigt, dürfte durch Funk, Fernsehen oder Spaziergänge durch die Berliner Sonnenallee bekannt sein.
Irgendwann im Sommer war der Leidensdruck des Conne Island schließlich so groß, dass die 50-Cent-Regelung de facto abgeschafft wurde; das Plenum reichte im Oktober eine Erklärung nach.(1) Diese Stellungnahme ist, wie wir bereits beiläufig in einem Flugblatt formuliert haben,(2) in mehrfacher Hinsicht misslungen. Andere Gruppen und Einzelpersonen sind der gleichen Meinung – blöderweise aus anderen Gründen als wir. Das Einschießen auf die Stellungnahme wurde zum linken Breitensport, an dem sich Jungle-World-Autoren ebenso beteiligten wie Konkret-Pinscher und megalomane Facebook-Klugscheißer. Die Mehrheit dieser Kritiker legte bei ihrer Beurteilung der Erklärung ein so großes Maß an Realitätsverweigerung an den Tag, dass wir uns genötigt sehen, den Club trotz unserer Kritik zu verteidigen. Wer von seinen Kumpels ungerechtfertigt als Halbnazi dargestellt wird, wie es einige vermeintliche »Freundinnen und Freunde des Conne Island« im Hate-Magazin getan haben,(3) der braucht nicht nur keine Feinde, sondern der hat auch Solidarität verdient.

Trendsport Rassismusvorwurf

In den Wochen nach der Veröffentlichung der Erklärung wurde innerhalb der linken Szene ein regelrechter Wettbewerb darum geführt, wer das Statement am dummdreistesten in den Kontext neurechter Diskussionen rücken kann. Einige fanden die Erklärung allein deshalb verwerflich, weil sich Beatrix von Storch auf sie bezogen hatte. Andere warfen dem Club gleich selbst Rassismus vor. Die Allerdümmsten rückten die Erklärung sogar in die Nähe der Machwerke Carl Schmitts, des Kronjuristen des »Dritten Reiches«.(4) Unter einem Nazivorwurf macht man’s als waschechter Antirassist eben nicht. Die Aufregung war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass das Conne Island auf die Herkunft der Täter verwiesen hatte. Ein gewisser Bernhard Torsch log die Stellungnahme in einem Artikel für die Konkret schließlich bis zur Unkenntlichkeit zurecht: »Die Steinzeitmenschen aus dem mysteriösen Orient sind leider zu doof, um zu wissen, wie man sich benimmt.«(5) Diese Aussage glaubte er im Text des Conne Island erkannt zu haben.Die Empörung über den Hinweis auf die Herkunft der Täter war dabei gleich aus mehreren Gründen skurril:
Erstens hatte das Conne Island zwar tatsächlich von »jungen Männern mit Migrationshintergrund« gesprochen. Um nicht in eine vermeintlich rassistische Kerbe zu schlagen, hatte es diese Aussage jedoch sofort wieder relativiert und suggeriert, dass »Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen« gleichermaßen Probleme bereiten würden.(6)Zweitens verwundert die Aufregung über den Hinweis auf den Background der Täter, weil sie nicht zuletzt von Leuten kommt, denen die Rede von der Prägung menschlichen Verhaltens durch Diskurse, Rollenbilder und ähnlichen Schnickschnack sonst zur zweiten Haut geworden ist. Natürlich wird nicht immer aus ehrenwerten Gründen auf die sozialen, nationalen, religiösen oder politischen Hintergründe von Tätern verwiesen. Oft ist ein solcher Hinweis aber eine Voraussetzung dafür, Entwicklungen verstehen, erklären und ihnen gegebenenfalls entgegenwirken zu können. So würden den meisten Gegnern der Conne-Island-Erklärung im Falle gewaltaffiner Deutscher, die eine Tanzveranstaltung für andere Gäste zum Spießrutenlauf machen, innerhalb kürzester Zeit etliche historische, ökonomische, soziale, politische und ideengeschichtliche Gründe (Luther, Hitler, Mielke, Müllermilch etc.) für ihr Verhalten einfallen – ohne dass sie damit eine Aussage über alle Deutschen treffen würden. Im Fall eines Überfalls deutscher Neonazis wären viele von ihnen sogar regelrecht empört, wenn der Hinweis auf den Hintergrund der Täter verschwiegen würde.
Im Unterschied dazu fällt den entsprechenden Leuten bei Hinweisen auf die Lebensumstände und die Erziehung von Migranten – und darum geht es – sofort und ausschließlich die Praxis der Schädelvermessung ein. Sobald es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelt, verliert so mancher Antirassist rascher die Fassung als ein Autor der Jungen Freiheit. Das zeigt, dass ihnen weder an Erkenntnis noch an einem vernünftigen Umgang mit solchen Fällen gelegen ist. Sondern sie sind vor allem an der Aufrechterhaltung ihres eigenen Pippi-Langstrumpf-Weltbildes interessiert, in dem Migranten nur als Opfer (des europäischen Grenzregimes, der rassistischen Mehrheitsgesellschaft, des Westens etc.) vorzukommen haben. Ohne es zu realisieren, werden die selbsternannten Kämpfer für eine »universalistische, globale politische Ethik«(7) damit zu freundlichen Rassisten, die ihrer Klientel ganz paternalistisch einen Sonderstatus verschaffen und den Universalismus, will heißen: die Gleichbehandlung aller, einen guten Mann sein lassen. Dabei ist auch das gar nicht so schwer: Denn so richtig es ist, jedem Opfer eines Neonaziübergriffs beizuspringen, egal, welche Hautfarbe oder Religion er hat, egal, ob er nett zu seinen Kindern ist, Katzenbabys quält oder sich unberechtigt Zutritt zum Conne Island verschafft hat, so falsch wäre es, jeden Unsinn, den er verzapft, zu rechtfertigen, zu akzeptieren oder, wie von einigen Gegnern der Conne-Island-Erklärung verdruckst angemahnt, unter den Teppich zu kehren.Drittens könnte das Argument für die Aussetzung des Universalismus, die von einigen Leuten klammheimlich, von anderen offener gefordert wurde, nicht dümmer sein. Es lautet in etwa so: Der Verweis auf die Herkunft der Täter heizt »rassistische Diskurse« und »Meinungen« an.(8) Das ist zum einen deshalb albern, weil die Bekloppten von AfD, Legida und NPD zur Bestätigung ihrer eingeschränkten Weltsicht keine Stellungnahme eines linken Clubs nötig haben. Zum anderen steht dahinter die absurde Vorstellung, dass das Conne Island mittels einer auf seiner Homepage veröffentlichten Erklärung dazu in der Lage sein könnte, einen Menschenfreund über Nacht in einen Ausländerfeind zu verwandeln. Mit ihrer Behauptung, dass der Verweis auf die Herkunft der Täter Rassismus anstacheln würde, verhalten sich die Gegner der Erklärung darüber hinaus so wie die Intellektuellen der 30er und 40er, die die Verbrechen Stalins angesichts der antibolschewistischen Hetze der Nazis leugneten, relativierten oder sogar rechtfertigten. Die Begründung lautete, dass jede Kritik des Gulags Hitler und seinen Kumpanen helfen könnte.

Let’s talk about Islam

Wer den Universalismus ernst nimmt, hätte im Unterschied dazu darauf zu bestehen, dass die Kritik des einen Übels nicht von der des anderen entbindet. Dazu müssten die Übel allerdings zunächst einmal benannt werden. Daran ist leider auch das Conne Island gescheitert. Natürlich ist es nicht verkehrt, zur Erklärung der an den Tag gelegten Frauenverachtung und Asozialität einiger der neuen Clubgäste auf eine »autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation« zu verweisen, wie es der Club getan hat.(9) Doch anders als vom Plenum suggeriert, war das Problem, mit dem der Laden konfrontiert wurde, keine beliebige migrantische Männergruppe und nur bedingt das Patriarchat, sondern vor allem der Islam.(10) So ist es ein offenes Geheimnis, dass diejenigen, die das Conne Island zeitweise in einen Ausnahmezustand versetzten, gerade nicht aus Kumasi oder Nowosibirsk kamen, sondern aus muslimischen Ländern, in denen der Islam selbst einige derer entscheidend prägt, die sich nicht direkt zur Religion des Propheten bekennen. Auch das gilt selbstverständlich nicht für alle, aber dass der Islam viel tiefgreifender in die Sozialisation, Erziehung und Alltagskultur seiner Angehörigen eingreift als viele andere Vereine, dürfte unbestritten sein. Ohne den Hinweis auf die spezifische Rolle dieser Religion ist der Verweis auf patriarchale Verhältnisse deshalb ebenso irreführend wie der Hinweis auf fehlende Jugendclubs und Arbeitsplätze bei ostdeutschen Neonazis und Suffschlägern. Schwere Zeiten haben viele durchgemacht, mit einem polternden Familienführer sind auch nicht wenige aufgewachsen. Auch »Macht- und Hierarchisierungsverhältnisse«,(11) von denen ein Gegner der Erklärung sprach, dem das zurückhaltende Statement des Clubs noch nicht zurückhaltend genug war, gibt es überall. All diese Dinge bringen jedoch genau sowenig überall die gleiche Vehemenz an Sexismus und Frauenverachtung hervor wie alle »Gruppen umherziehender Männer«(12) gleichermaßen unerträglich sind. Denn dass vietnamesische, italienische, tschechische, israelische, deutsche oder chilenische Männercrews, so unangenehm sie sein können, im großen Stil No-Go-Areas für Frauen errichten, glaubt nicht einmal Jürgen Todenhöfer. Wer angesichts von muslimischen Männerhorden ganz allgemein von Flüchtlingen und Migranten spricht, tut denen Unrecht, die sich, wie eben die absolute Mehrheit der aus Vietnam, Italien, Tschechien, Israel oder Chile Kommenden, bei Tanzveranstaltungen nicht wie bei einer Massenerniedrigung verhalten. Mit der verblödenden Allzweckleier von globalen Machtverhältnissen und Mackertum, die dem Conne Island von vielen seiner Gegner entgegengehalten wurde, wird der Unterschied zwischen ekligen Anmachsprüchen und einem Griff zwischen die Beine, zwischen widerwärtigen Ausfälligkeiten und prinzipieller Frauenverachtung, kurz: zwischen Oktoberfest und Kölner Silvesternacht verleugnet.(13) Es dient nur einem Zweck, nicht über das strukturelle Problem des Islam mit Frauen und Sexualität sprechen zu müssen.

Verrat am Feminismus

Dem Bedürfnis, vom Islam schweigen zu dürfen, opfern einige Gegner der Conne-Island-Erklärung schließlich sogar den Feminismus, den sie sonst wie eine Schnapsfahne vor sich hertragen. Bernhard Torsch hat das in der Konkret nur offen ausgesprochen, als er den genannten Männerhorden gutes Gelingen dabei wünschte, die »Inseln selbstgerechter Saturiertheit« zu verwüsten,(14) sprich: Orte der feuchtfröhlichen Ausgelassenheit durch die öffentliche Erniedrigung von Frauen zu zerstören. Durch ihren Unwillen, den Islam zu kritisieren, geben die meisten Gegner der Conne-Island-Erklärung zunächst all diejenigen zum Abschuss frei, die unter dem religiös-gesellschaftlichen Wahn ihrer Verwandten, Nachbarn und Bekannten zu leiden haben: So sind die ersten Opfer der islamischen Gewalt Frauen aus muslimischen Familien, die dem traditionellen Rollenbild nicht entsprechen wollen. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag dazu, dass das Leben auch für andere Frauen, für Schwule oder Juden immer mehr zum alltäglichen Behauptungskampf wird. Denn natürlich sind es, so laut sie inzwischen auch wieder sein mögen, weniger die Stellungnahmen der rechten Ausländerfeinde, die in Medien und Politik Gehör finden. Es sind vielmehr die Stimmen von Akademikerheinzen wie Florian Biskamp, der in seiner Kritik am Conne Island den Diskursexperten gibt, oder der vermeintlichen »Freundinnen und Freunde des Conne Island«, die sich lieber für das, was die Linke früher Schweinepresse genannt hat, krumm machen als auf die intern bereits früh geäußerten Hilferufe »ihres« Clubs zu reagieren. Durch ihre Weigerung, den Islam überhaupt als Problem wahrzunehmen, tragen gerade diejenigen, die permanent vor einem Geländegewinn der AfD warnen, maßgeblich dazu bei, dass sich Figuren wie Beatrix von Storch, Björn Höcke oder Jürgen Elsässer als Vorkämpfer für Meinungsfreiheit inszenieren können. In Frankreich ist die Zahl der Juden, die den Front National wählen, bereits deutlich gestiegen – schlicht und ergreifend deshalb, weil es keine andere Partei gibt, die den Vormarsch des Islam offen kritisiert.(15)

Was tun? Islamkritik!

Für das Conne Island wäre die Kritik des Islam auch deshalb eine probate Möglichkeit gewesen, sich nicht nur, wie in seiner Stellungnahme geschehen, qua Deklamation sondern argumentativ von AfD und Co. abzugrenzen. Die Antira-Meute hätte zwar auch in diesem Fall geschäumt, weil ihnen »Refugees« oder »Geflüchtete« – zwei Begriffe übrigens, die bereits das verdinglichte Verhältnis der Antirassisten zu ihrer Klientel andeuten – vor allem politische Schwungmasse sind. Beatrix von Storch und anderen wäre die positive Bezugnahme auf den Text jedoch möglicherweise etwas schwerer gefallen, weil zu den Ekelhaftigkeiten ihrer Partei gehört, dass sie entgegen anderslautender Behauptungen gerade keine Islamkritik betreibt. Ihr Islambashing (und hier geben wir nur in kurzer Form wieder, was wir schon an anderer Stelle ausführlich gemacht haben)(16) basiert stattdessen auf einer Mischung aus ordinärer Ausländerfeindlichkeit und Neid. Denn warum sonst sollten Leute, die mit Tradition, Familie, Korpsgeist hausieren gehen, gegen die Halsabschneider des Propheten auf die Straße gehen, die wie kaum jemand anders dafür einstehen wollen? Hier wird ein Konkurrenzkampf um autoritäre Auswege aus der Krise geführt, bei dem der politische Islam vor allem deshalb ins Visier geraten ist, weil er hierfür die im Weltmaßstab attraktivsten Angebote bereithält. Auch darum hätte zu gelten: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen.

Fight for your right – to party!

Mit denjenigen, die in jedem Versuch, das Problem überhaupt einmal zu benennen, vor allem Rassismus erkennen wollen, lässt sich nicht diskutieren. Erst recht nicht, solange sie sich über die Ausfälle muslimischer Männer nicht halb so stark aufregen wie über die autochthoner Deutscher, und auch nicht, solange sie der Hinweis auf die gesellschaftlichen Hintergründe der Täter mehr in Rage bringt als die Tat selbst. Insgesamt war in der bisherigen Debatte auffallend wenig von den Opfern der Übergriffe die Rede. Im Unterschied zu Leuten, die nur dann die frauenbewegte Karte spielen, wenn es ihnen in den politischen Kram passt, hat das Conne Island gezeigt, dass ihm die Rede vom Feminismus und vom Universalismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Zugleich scheint der Club nicht bereit zu sein, um der Reinheit der Lehre willen Dinge unter den Teppich zu kehren oder – auch das war eine beliebte Forderung – sie im Mafiastil »intern« zu regeln. Zwar hat die Erklärung des Conne Islands Schwachstellen. Diese mögen der Sorge vor der linken Inquisition, deren Ausmaß wir unterschätzt haben, oder der Tatsache geschuldet sein, dass Erkenntnisprozesse manchmal mühselig sind. Was davon auch immer zutreffen mag: Wir wünschen dem Conne Island bei seinem Versuch, eine wichtige Diskussion zu führen, auf jeden Fall viel Glück. Vor allem drücken wir die Daumen, dass es ihm gelingen wird, die Situation weiter zu entspannen und auch in Zukunft Konzerte, Partys und Tanzveranstaltungen zu organisieren, die für niemanden zur Qual werden.

No Tears for Krauts, Januar 2017

Anmerkungen

(1) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück, conne-island.de.
(2) No Tears for Krauts: Im Diskurs sind alle Katzen grau, nokrauts.org.
(3) Dort wird dem Conne Island unterstellt, »anschlussfähig« an neurechte Positionen zu sein, rhetorische Figuren aus »rechten Kreisen« zu verwenden usw., Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen, hate-mag.com.
(4) O.A.: Im Zug der Opportunisten, sprachlos-blog.de.
(5) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz, in: Konkret 12 (2016).
(6) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück. By the way: Ein Verweis auf den »Orient«, von dem Torsch spricht, das Kerngebiet des Islam also, taucht in der Stellungnahme des Conne Island gar nicht erst auf. Es war Torsch selbst, der aus dem Verweis auf sexuelle Übergriffe durch Migranten den – leider nicht ganz falschen – Rückschluss auf einen islamischen Hintergrund der Täter zog. Ob er deshalb ein Rassist ist, ein Ideologe oder ob er sich nur dümmer macht als er ohnehin zu sein scheint, mögen andere entscheiden.
(7) Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen.
(8) Etwa Florian Biskamp: Conne-Island-Debatte. Antirassistische Ambivalenzvermeidung, ruhrbarone.de.
(9) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(10) Tatsächlich geht es nicht nur um den Islamismus, wie gern suggeriert wird, sondern um neue Entwicklungen des Alltagsislam, die die Situation auch für die vielen Muslime immer unerträglicher macht, die zu ihrer Religion ein ähnlich privatistisches Verhältnis haben wie die meisten europäischen Christen, Buddhisten etc.
(11) Marcus Adler: Von der (Traum-)Insel in die Realität?, hate-mag.de
(12) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(13) Es ist in linken Kreisen beliebt geworden, die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 201516 unter Verweis auf das Oktoberfest zu relativieren. Das geschah zuletzt in dem von den Betreibern des Sprachlos-Blogs (sprachlos-blog.de), wo passenderweise auch ein »Nachruf« auf das Conne Island veröffentlicht wurde, herausgegebenen Wörterbuch des besorgten Bürgers (Mainz 2016). Dort wird behauptet, dass es zu solchen Geschehnissen wie in der Silvesternacht »auf dem Oktoberfest alle Jahre kommt« (S. 115). Wer die Zahlen ins Verhältnis zueinander setzt, wird jedoch zu anderen Ergebnissen kommen: 2015 gab es in den zwei Wochen des Oktoberfestes, das von etwa sechs Millionen Menschen besucht wurde, 26 Anzeigen wegen Sexualdelikten. (Süddeutsche Zeitung, 11.1.2016) Das sind selbstverständlich 26 Übergriffe zu viel. Wer sie jedoch mit den 454 angezeigten sexuellen Übergriffen der einen Kölner Silvesternacht aufrechnet, der ist ein Lügner, ein schlimmer Ideologe oder jemand, der den Grundkurs »Methoden der Sozialwissenschaften« wiederholen sollte. Bereits am 1. Januar 2016, bevor sich viele Frauen durch die bundesweite Berichterstattung ermutigt sahen, doch noch Anzeige zu erstatten, lagen der Kölner Polizei mehr als 100 Anzeigen vor. (Zahlen nach Die Welt, 10.2.2016)
(14) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz.
(15) Jüdische Allgemeine, 22.3.2015.
(16) No Tears for Krauts: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen, nokrauts.org, Antideutsche Aktion Berlin, Antifaschistische Gruppen Halle, Association Progrès Eichsfeld: Straigt to Hell! Weg mit den braunen Zonen, weg mit der AfD, nokrauts.org.

Audio: Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Wie Alltagsislam und Islamismus zusammenhängen und warum Antifaschismus ohne Islamkritik zur Lüge wird.

Vortrag von Uli Krug am 28. Juni in Berlin

(via redaktion-bahamas.org/audio-archiv)

Die Situation ist ebenso bedrohlich wie grotesk: Denn an sich sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen müssen, dass Folter, pathologische Misogynie und Homophobie, Massenmord und das Streben nach globaler Willkürherrschaft nicht ausgerechnet von Leuten, die für sich den Antifaschismus reklamieren, verharmlost, totgeschwiegen, ja sogar befördert werden. Doch genau das ist der Fall, wenn es um den Islamismus geht: Die SPD erklärte erst jüngst den Islam in einem offiziellen Papier der Parteiführung zu einem lediglich »theoretischen Konstrukt« und bestritt rundweg, dass der Verschleierungszwang irgend frauenfeindlich wäre. »Islamkritisch« steht in der Sprache des staatstreuen Medienkartells ohnehin schon synonym für »rechtsradikal«; auf der anderen Seite ist es ausgerechnet bekennenden Abtreibungsgegnern wie Beatrix von Storch und Stahlhelm-Nostalgikern wie Alexander Gauland vorbehalten, das Offensichtliche auszusprechen: Dass der praktizierte Islam per se keine unpolitische Religion ist, einen universalen Herrschaftsanspruch verkörpert und als praktizierender Sharia-Gegensouverän auftritt. Aufklärung tut in einer Welt der verkehrt scheinenden Fronten also dringend not. Nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Vortrag über die Psychopathologie des Islam und den »Islamischen Staat« als dessen notwendige Konsequenz leisten, also eine Einführung in das eigentlich Selbstverständliche geben.

Eine Veranstaltung der HUmmel Antifa im Rahmen der Maiwoche 2016 »Rackets on the rise. Zur Dialektik von Klatschen und Beklatschen«
(via redaktion-bahamas.org/aktuell)

Warum wir über den Islam nicht reden können.

Vortrag und Diskussion mit Sama Maani

26. Januar 2017, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uni Halle

Wie kommt es, dass die Ablehnung des Islam als „rassistisch“ tituliert wird – nicht jedoch die Ablehnung des Christentums? Dass Ressentiments gegen Türken oder Araber Islamophobie, Ressentiment gegen christliche Nigerianer jedoch nicht Christentumophobie genannt werden? Warum wurden die Demonstranten des arabischen Frühlings in erster Linie als „Moslems“ bezeichnet, die Demonstranten der Occupy-Bewegung aber nicht als „christlich“? Warum wird, wenn vorgegeben wird über den Islam zu reden, über alles Mögliche gesprochen – nur nicht über den Islam? Und: was sagt das (Nicht-)Reden über den Islam über die eigene Beziehung zur Religion aus?

Es spricht Sama Maani, Schriftsteller und Psychoanalytiker (Wien). Zahlreiche Publikationen in deutschsprachigen und iranischen (Literatur-)Zeitschriften und Anthologien, bei Drava erschienen: „Ungläubig“, Roman (2014), und „Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht“ (2015).

Eine Veranstaltung der AG Antifa
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Artikelauswahl von Sama Maani:
Warum wir Linken über den Islam nicht reden können
Linke Religionskritik – gibt’s das noch?
Religionskritik ist mehr als Kritik am »Islamismus«

Interviews mit Sama Maani:
Interview in der WDR 5-Redezeit, 13.09.2016 | 28:33 Min.
Interview malmoe: „Mit dem Begriff Islamophobie gehen wir den Rassisten auf den Leim“
Der Heiligenscheinorgasmus – Studiogespräch mit Sama Maani

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Antifaschistische Hochschultage 2016

Wir weisen freundlich auf die Veranstaltungen der AG Antifa im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage 2016 an der Uni Halle hin.

Dienstag, 25. Oktober 2016, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uni Halle

Europa und die Linke. Über den Fortschritt der europäischen Integration.
Vortrag und Diskussion mit Ulrich Schuster (Roter Salon, Leipzig)

In Europa stehen die Zeichen auf Desintegration und Renationalisierung; für einen großen Teil der Linken logische Folge neoliberaler Wirtschaftspolitik und deutscher Hegemonie. Linkspopulistische Initiativen wie die Plattform für einen linken EU-Ausstieg Lexit oder die Europa-Bewegung des ehemaligen griechischen Ministers Yanis Varoufakis, DIEM 25, versuchen die Völker Europas zur Verteidigung nationaler Souveränität zu mobilisieren und unterscheiden sich in diesem Punkt wenig von rechten Europafeinden. Hingegen sehen Linksradikale wie die Interventionistische Linke angesichts griechischer Arbeitslosenproteste und des „Kampfs der Flüchtlinge“ ihre Hoffnungen auf eine weltweite, sozialrevolutionäre Bewegung belebt und machen dabei die Rechnung ohne eine realistische Einschätzung der Bedürfnisse und des Bewusstseins der Handelnden. So oder so glaubt linke Kritik durch den Nachweis materieller Interessen des Kapitals den Mythos einer europäischen Friedensordnung zu entzaubern. Was aber, wenn die institutionelle und kulturelle Entschärfung nationalistischer Rivalität ebenso wie die Zivilisierung Deutschlands durch Europa nie im Widerspruch zum vorherrschenden Kapitalinteresse stand? Entgegen einer jahrzehntelang eingeübten Praxis ist heute eine positive Bezugnahme auf den progressiven Gehalt der europäischen Integration wichtig. Zwar verbindet sich damit keine Perspektive gesellschaftlicher Umwälzung und sozialer Gleichheit, allerdings stellt man sich angesichts der Wiederkehr von Nationalismus und europäischen Staatenkonflikten in die Tradition bürgerlicher und antifaschistischer Pro-Europa-Positionen, deren Relevanz sich in die Gegenwart verlängert.


Donnerstag, 3. November 2016, 19 Uhr

Melanchthonianum, Uni Halle

Erdogan. Ein Führer und sein Volk.
Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas, Berlin)

Der 15. Juli 2016, der den verpatzten Versuch türkischer Militärs in ihrem Land die Macht zu übernehmen und Staatschef Erdogan ins Jenseits zu befördern markiert, wurde vom türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim zum „Feiertag der Demokratie“ und von Erdogan zum Zeichen der „Gunst des Allmächtigen“ erklärt. So zynisch Äußerungen wie diese angesichts der Reaktionen auf den Putsch daherkommen, so wenig verwunderlich sind diese zugleich.
Der „Führer“, wie Erdogan von seinen Anhängern genannt wird, demonstriert nur, wie charismatische Herrschaft funktioniert. Ihr oberstes Prinzip – da sind sich der Türken- und der Russenführer sehr ähnlich – ist die Frechheit, und von der Frechheit beseelt sind ihre Anhänger. Nach innen wird das bisschen Rechtsstaatlichkeit, das es sogar in der Türkei gab, öffentlich verhöhnt und kassiert, nach außen zeigt man selbstbewusst den Stinkefinger. In der Türkei finden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung nichts dabei, dass ihr Führer den casus belli mit Syrien durch eine Geheimdienstinszenierung herbeiführen wollte oder dass er und die Seinen sich schamlos bereichern. Man identifiziert sich mit dem Großmaul, das zum Helden avanciert, je mehr er offensichtlich ungehindert Fakten schafft. Die alten Vorbehalte gegen die von Erdogan entmachtete kemalistische Elite sind nur teilweise handlungsleitend. So korrupt und autoritär diese Kreise auch waren, gehasst hat man an ihnen, dass sie, wie verzerrt auch immer, angetreten sind, eine andere Türkei zu schaffen.
Was heute als westlich und untürkisch verdammt wird, ist der gescheiterte Versuch, weg von den Hinterlassenschaften des auf Raub gegründeten osmanischen Imperiums hin zu einem Land zu kommen, in dem die Gleichheit vor dem Gesetz nicht nur in der Verfassung steht und die elende persönliche Abhängigkeit von Privilegierten, dieses scheinbar unausrottbare Geflecht der Beziehungen, endlich abgeschafft wird. Der charismatische Führer stiftet die persönliche Abhängigkeit von der Macht als umfassendes Prinzip neu, nimmt ihr den Geruch des Illegalen und Herabwürdigenden, indem er als dysfunktional, schwach und schutzlos vorführt, was die Voraussetzung für ein erträglicheres Leben wäre: Das Recht als Möglichkeit, auch für Arme und Einflusslose, gegen rechtswidrige Übergriffe von Reichen und Mächtigen vorzugehen, als Schutz des Einzelnen gegen die Zumutungen einer moralischen Ordnung, die der Mehrheitsmob durchzusetzen angetreten ist.

Dezember 2016: Der Wert und das Es. Buchvorstellung mit Uli Krug

Januar 2017: Warum wir über den Islam nicht reden können. Vortrag und Diskussion mit Sama Maani

Infos zu den weiteren Veranstaltungen unter antifa.uni-halle.de

Raus aus der Scheiße: Ende der Antifademo durch das Drecksnest Bornhagen | 5. Mai 2016

Kurzmitteilung

Weil es so schön war, der dörflichen Idiotie zu entsagen, hier nochmal ein Video vom Ende der Demo durch das Drecksnest Bornhagen.
Es spielten die Bands: NTFK, ADAB, GEKO

»Straight to hell! Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!« [youtube playlist]

FAZ 6.5.2016 | Ein Himmelfahrtsprotest gegen Gefühlszonis. Linke Gruppen kommen nach Bornhagen, in den Wohnort des AfD-Manns Björn Höcke – ihre Wut richtet sich aber vor allem gegen die Provinz

Die Redebeiträge zur Demo im Eichsfeld sind hier nachzulesen:
http://nokrauts.org/2016/05/redebeitraege-zur-demonstration-straight-to-hell-in-bornhagen/

Bilderreihe: https://www.flickr.com/photos/lionelcbendtner/sets/72157667942386086

Presseshow following up straighttohellbornhagen.wordpress.com/presseschau/

Weitere Berichte in der youtube Playlist: Weiterlesen

Redebeiträge zur Demonstration »Straight to hell!« in Bornhagen

Die Redebeiträge zur Demonstration »Straight to hell!« (Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!) im thüringischen Eichsfeld können hier nachgelesen werden.

Redebeitrag AG NTFK Halle [PDF]

Redebeitrag GEKO Halle [PDF]

Redebeitrag ASSOCIATION PROGRÈS [EXT]

Wer vom Islam nicht reden will,
sollte auch von der AfD schweigen

Redebeitrag von No Tears for Halle aus dem Organisationsbündnis zur Demonstration „Straight to Hell!“ am 5. Mai 2016 in Bornhagen.

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10 Years After. 911 und die Folgen. Antifaschistische Hochschultage 2011.

Das Ende Israels? Israel und die palästinensische Staatsgründung.
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat
Donnerstag, 13. Oktober, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Von New York bis Kairo. Amerika und seine Feinde.
Vorträge und Diskussion mit Bernd Volkert und Justus Wertmüller

Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Nothing Left to Lose. Die Linke nach 911.
Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Jan-Georg Gerber
Donnerstag, 10. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Koran und Kapital. Zum Stand der Islamkritik.
Podiumsdiskussion mit Thomas Maul, Niklaas Machunsky und einem Vertreter der Gruppe Morgenthau

Freitag, 18. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

 

Als am 11. September 2001 zwei von Islamisten gesteuerte Passagierflugzeuge die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, hieß es in Politiker- und Fernsehkommentaren, dass von nun an nichts mehr so sei wie bisher. Die Bundesregierung stellte für den Krieg in Afghanistan einige Einheiten zur Verfügung; ein Teil der Linken ergriff auf Demonstrationen mit Amerika- und Israelflaggen Partei für den »War on Terror«; und es schien sich ein Problembewusstsein gegenüber dem Islam zu entwickeln. Bereits ein Jahr später rettete ein amerikafeindlicher Wahlkampf die Sozialdemokraten vor der Niederlage bei der Bundestagswahl, und 2003 demonstrierten die zahlreichen Friedensfreunde – von der PDS bis zu den Grünen und der SPD – gemeinsam mit Neonazis gegen den Irak-Krieg. Zehn Jahre nach den Anschlägen will von einer Solidarität mit den USA niemand mehr etwas wissen.
Als Ossama bin Laden Anfang Mai 2011 von amerikanischen Eliteeinheiten aufgespürt wurde, hielt die Aufmerksamkeit gerade bis zur nächsten Unwetterwarnung. Für Israel und Amerika scheinen sich jedoch die schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu haben. Vor diesem Hintergrund soll sich im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage mit den Folgen des 11. Septembers und seiner Bedeutung für die Gesellschaftskritik auseinandergesetzt werden.

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9⁄11 und die Folgen. Antifaschistische Hochschultage 2011.« data-info-url=»http://ct.de/-2467514« data-backend-url=»http://nokrauts.org/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php« data-temp=«/tmp« data-ttl=»60« data-service=»t« data-services=‹[»facebook«,»twitter«,»whatsapp«,»mail«]‹ data-image=«« data-url=»http://nokrauts.org/2011/10/10-years-after-911-und-die-folgen-antifaschistische-hochschultage-2011/« data-lang=»de« data-theme=»color« data-orientation=»horizontal«>

Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam.

Vortrag und Diskussion mit Thomas Maul

Mittwoch, 15. Juni 2011, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuvörderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet.
In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum.

Thomas Maul ist Autor der Bücher »Die Macht der Mullahs. Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger« (2006) und »Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus« (2010).

Eine Veranstaltung der ag antifa im Stura der Uni Halle.