Vorträge zum Anschlag von Halle zum Nachhören

Vorträge zum Anschlag von Halle zum Nachhören

Zum Prozessbeginn stellt die AG Antifa die überarbeiteten Vorträge aus einer Diskussionsveranstaltung im Dezember 2019 als Audiobeiträge zur Verfügung: 

„Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe.“ (W. Benjamin)

Nach dem Anschlag von Stephan Balliet, der versucht hat, in der hallischen Synagoge ein Massaker anzurichten und dem eine Passantin und der Besucher eines Dönerimbisses zum Opfer fielen, gab es eine Vielzahl an Reaktionen, vor allem von zivilgesellschaftlichen Bündnissen, Antifagruppen und Politikern jeder Partei. Doch bis heute ist zu beobachten, dass die Tat in altbekannte Schubladen einsortiert wird. Die Individualisierung des Terrors, die sich in Balliets Anschlag zeigte, und auch der aktuelle Stand des Antisemitismus spielten kaum eine Rolle. Die Berichterstattung ging einige Monate nach der Tat sogar so weit, den Anschlag auf die Synagoge als islamophob zu bezeichnen, da Balliet zunächst eine Moschee angreifen wollte. Dass sich der Antisemit letztendlich umentschied, darüber wird nonchalant hinweggegangen.

Im Dezember 2019 stellte die AG Antifa ihren damaligen Diskussionsprozess zu Balliets Anschlag vor. Uns interessierte, wie und warum sich die Reaktionen auf Balliet im Vergleich zu anderen Anschlägen im gleichen Zeitraum unterschieden. Wir wollten zeigen, wie der aktuelle Stand des Antisemitismus in Deutschland ist und wie sich die Individualisierung des Terrors bei Balliet zeigt. Nach den Diskussionen am Veranstaltungsabend wurden die Vorträge zum Teil grundlegend überarbeitet, und sie sollten gedruckt im Semesterprogramm der AG Antifa erscheinen. Durch die Coronapandemie fielen die geplanten Veranstaltungen im Frühjahr aus und unser Programm erschien nicht. Aufgrund der gegenwärtigen Situation haben wir uns entschieden, die überarbeiteten Texte als Audiovortrag einzusprechen und zu veröffentlichen. Die Beiträge werden im Juli/August hier veröffentlicht:

http://antifa.uni-halle.de/Texte/Onlinevortraege.htm

1. Über den Stand des Antisemitismus in Deutschland.

Im Oktober 2019 entkam die jüdische Gemeinde von Halle nur dank ihrer Sicherheitsvorkehrungen einem Massaker. Der versuchte Anschlag des antisemitischen Attentäters Stephan Balliet entfachte die schon länger anhaltende Debatte zum Antisemitismus in Deutschland aufs Neue. Dabei wurde deutlich, dass noch immer das Wesen des Antisemitismus auf fatale Weise verkannt wird und man kaum von einem Interesse sprechen kann, die gegenwärtig größten Bedrohungen für Jüdinnen und Juden in Deutschland ernst oder überhaupt wahrzunehmen. Der Vortrag ist daher der Versuch, über Grundlegendes zum Antisemitismus und zur aktuellen antisemitischen Bedrohungslage in Deutschland aufzuklären.
(via AGANTIFA.UNI-HALLE.DE/TEXTE/ONLINEVORTRAEGE.HTM)

Weitere Audiobeiträge werden in den kommenden Wochen auf der Website der ag-antifa im StuRa der MLU Halle veröffentlicht:

2. Die öffentlichen Reaktionen auf die Anschlagsreihe.

3. Die Individualisierung des Terrors.

Quellen:
antifa.uni-halle.de
antifa.uni-halle.de/Texte/Onlinevortraege.htm
facebook.com/agantifaschismus/

Veranstaltungshinweise zum Jahresende

Status

Zum Jahresende empfehlen wir die Veranstaltungen aus dem Veranstaltungsprogramm der AG Antifa (Winter 2019/2020)

Vor der Jahresabschluss-Veranstaltung der AG Antifa referiert Nantje Petersen zum Thema »Die Sehnsucht nach der Unfreiheit. Zum Verhältnis von Frauen und Islam« am Donnerstag, 12. Dezember; 19:00 im Melanchthonianum (Uniplatz — Halle)

21st Century Schizoid Country. Das Nachleben des Nationalsozialismus

Das Veranstaltungsprogramm der AG Antifa (Winter 2019/2020)

OCT24 We don’t need no education.Erfahrungen aus d. beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam

NOV5 Zur Kritik der politischen Ökologie.

NOV28 Die politische Sozialisation Wolfgang Pohrts

DEC12 Die Sehnsucht nach der Unfreiheit

DEC20 „Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe.“ (W. Benjamin) 

JAN30 The End of the World as We Know It. Zum Aufstieg des Populismus

Auf der Website der AG Antifa kann der Einleitungstext zum Semesterprogramm nachgelesen werden:

Weiterlesen

We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam.

Kurzmitteilung

Ein Veranstaltungshinweis unserer Freunde von der AG Antifa: Birgit Ebel (Bündnis 90 die Grünen) und Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas) sprechen darüber, wie der Islam die berufliche Praxis verändert und warum kaum jemand einhergehende Missstände benennen möchte.

Donnerstag, 24. Oktober 2019; 19 Uhr
Hörsaal 1, Haus 30, Franckesche Stiftungen, Halle (Saale)

We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam.

Podiumsgespräch mit Birgit Ebel und Justus Wertmüller

2018 erschien das Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer. Wie der Islam die Schulen verändert“. Verfasst wurde es von der Pädagogin Susanne Wiesinger, Lehrerin an einer Wiener Brennpunktschule. Schonungslos schildert sie die Zustände an ihrer Schule. Sie spricht von Schülern, die nicht willens sind, Deutsch zu lernen, ihre Mitschülerinnen zwingen, sich zu verhüllen, und ihre Religion über alles stellen. Darüber hinaus berichtet sie von der Verharmlosung und dem Herunterspielen dieser Zustände durch Stadtschulrat und Gewerkschaften.

Nicht nur im Schulbetrieb Österreichs werden zunehmend Stimmen lauter, die auf Probleme im Umgang mit Menschen aus islamisch geprägten Ländern hinwiesen und die rigiden „Wertvorstellungen“ der selbsternannten Religion des Friedens kritisieren. In Nordrhein-Westfalen wies eine Lehrerin Ende August darauf hin, dass viele Schüler unter dem stark ansteigenden Prozentsatz muslimischer Schüler merklich leiden. „Moslems weigerten sich plötzlich, die Gleichwertigkeit aller Religionen anzuerkennen und reagierten heftig, wenn jemand den Islam kritisierte. Diskussionen über Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau oder Verweise auf das Grundgesetz endeten mit üblen Beleidigungen und der Einforderung von Respekt.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

Ereignisse, wie sie von Pädagogen aus Deutschland und Österreich beschrieben werden, findet man auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ob Flüchtlingshilfe, Kindertagesstätten oder Polizei – überall gibt es Personen, die auf Probleme mit Menschen, die dem Islam angehören oder wesentlich von ihm beeinflusst wurden, hinweisen. Nicht selten werden die beschriebenen Zustände als Einzelfälle abgetan, wenn sie denn überhaupt thematisiert werden. Oftmals sehen sich diejenigen, die solche Fälle skandalisieren, mit dem Vorwurf des Rassismus oder der Islamfeindlichkeit konfrontiert. Notwendige Debatten werden erschwert und als Fall für den rechten Rand denunziert.

2014 gründete sich die ehrenamtliche Empowerment- und Präventionsinitiative „extremdagegen!“, um über Probleme des Extremismus und speziell auch des Islamismus in und rund um Schulen auf-zuklären. Auslöser für die Gründung war die Lage vor Ort in der Stadt Herford, die als Salafistenhochburg immer häufiger in die lokalen und überregionalen Schlagzeilen geriet. Wir wollen mit der Gründerin dieser Initiative, Birgit Ebel (B’90/Die Grünen) ins Gespräch kommen und über ihre Erfahrungen als Pädagogin diskutieren. Außerdem werden wir mit dem Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“ und Buchautor Justus Wertmüller darüber sprechen, warum es insbesondere bei Menschen aus islamischen Ländern immense Integrationsschwierigkeiten gibt und weshalb sich das mediale und politische Interesse bei dieser Problemstellung so stark zurückhält.

German Gedenken, revisited

Vortrag und Diskussion mit Jan Singer

Donnerstag, 27. Juni 2019, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz

Halle (Saale)


1985 prägte Richard von Weizsäcker die Formel vom 8. Mai 1945 als dem Tag der Befreiung. Damit begann sich das, was heute Gedenkkultur heißt, als Staatsräson und als Identitätsfaktor im postnazistischen Deutschland zu etablieren: Es war seit der Kapitulation nicht mehr möglich gewesen, trotz Auschwitz guten Gewissens deutsch zu sein – nun lernte die Nation, es wegen Auschwitz wieder zu werden. 

 Die Histotainment-Shows eines Guido Knopp brachten Vernichtungskrieg und Todeslager in die Wohnstuben und ermöglichten den Nachkommen der Täter eine folgenlose Identifikation mit den Opfern; Kanzler Schröder erklärte den Widerstand gegen Neonazis zum Gebot des Anstands; und sein Außenminister Fischer legitimierte den Krieg gegen Jugoslawien mit dem kategorischen Imperativ, dass Auschwitz nie wieder geschehen dürfe. Noch vor wenigen Jahren schien es, als wäre die Beschwörung der Verbrechen von damals das probateste Mittel, die Deutschen von heute als ideologisches Kollektiv zu konstitutieren – nämlich als das einig Volk der Geläuterten. 
 

Doch die Vergangenheitsbewältigungs-Weltmeister sind müde geworden. Guido Knopps Sendungen sind aus dem Hauptprogramm verschwunden und versauern im Spartenkanal. Die Gedenkfeiern zum 8. Mai und zum 27. Januar sind in Betroffenheits-Routine erstarrt und scheinen selbst ihre Organisatoren zu langweilen. Und die Stimmen, die – wie einst Martin Walser – eine »Dauerpräsentation unserer Schande« beklagen, sind aus der rechten Ecke gekommen und erlangen Aufmerksamkeit.

Jan Singer zeichnet die Metamorphosen des »German Gedenkens« in den vergangenen Jahrzehnten nach und versucht, dessen Erscheinungsformen aus der jeweiligen historischen Konstellation zu erläutern. Bei allen Unterschieden macht er eine Gemeinsamkeit aus: Wenn Deutsche gedenken, geht es ihnen immer um sich selbst.


Eine Veranstaltung der AG Antifa

antifa.uni-halle.de

 

Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie.

Vortrag mit Hannes Giessler Furlan

 

Ihrer Idee nach sollte die kommunistische Gesellschaft viel gerechter als die kapitalistische sein und überdies nach Marx ein »Verein freier Menschen«. Doch im Namen des Kommunismus verwirklicht hat sich im 20. Jahrhundert vor allem eine totalitäre Gesellschaft. Die Ursachen des Misslingens sucht Hannes Giessler Furlan dort, wo der Kommunismus ansetzte: in der Ökonomie. Der Autor zeigt in seinem Buch, wie die kommunistische Idee eines vernünftig eingerichteten Produktionsprozesses in der Realität einen gewaltigen Staats- und Planungsapparat bedingte, wie sie scheiterte, und was von ihr übrig geblieben ist.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
antifa.uni-halle.de

Identitätsbezogene Vernunftfeindlichkeit — Über Antisemitismus, Islam und Antidiskriminierungsideologie

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 2. Mai 2019, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz

Halle (Saale)

Dass der Jargon der Antidiskriminierung lagerübergreifend zum guten Ton gehört, weiß man spätestens seit selbst der AfD-Chef Jörg Meuthen vor „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gewarnt hat. Unter diese Hohlformel der Vorurteilsforschung werden Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und so weiter unterschiedslos subsumiert. Der Erfolg der vielfaltsorientierten Antidiskriminierungsideologie, die auf die Gleichwertigkeit der Identitäten pocht, hat seine reale Ursache in der postmodernen Transformation der Arbeitsgesellschaft. In dem Maße wie Unternehmen auf den „arbeitenden Kunden“ (G. Günter Voß) als unbezahlte Arbeitskraft setzen, wachsen die Notwendigkeit und die Bereitschaft, potentiellen Mitmachern jedweder Identität die „Teilhabe am Wertschöpfungsprozess“ zu ermöglichen. Inklusion wird zur betriebswirtschaftlichen Erfordernis, Diskriminierung zum Verlustgeschäft.
Der Identitätsfetisch, dem diese Entwicklung entgegenkommt, beruht seinerseits auf den gleichen sozioökonomischen Voraussetzungen: Wo grenzenlose Mobilität und Anpassungsfähigkeit gefragt sind und „Patchwork-Biografien“ längst zur Norm geworden sind, wird Identität zwangsläufig austauschbar und ihre Herstellung und Transformation dem Subjekt als niemals endende Arbeit an sich selbst aufgetragen. Die krisenhafte Neuerfindung des Selbst in Permanenz provoziert jedoch Abwehrreaktionen: Der Zumutung der kontinuierlichen Identitätsverwandlung entkommt, wer sich auf eine scheinbar fixe Identität zurückzieht, also sein Geschlecht, seine Herkunft oder Kultur zum unantastbaren Wesenskern seines Selbst erhebt. Symptom dieser Krise ist die auch im Westen potente Anziehungskraft des Islam, der alle anderen Identitäten nivelliert und sie an ihren rechtmäßigen Platz auf Erden oder in der Hölle verweist.
Dieser omnipräsente Identitätswahn zeitigt massenhaft antisemitische Erregungen, nicht nur weil im fantasierten Bild des Juden er als Zersetzer von Authentizität und Selbsthaftigkeit erscheint, sondern auch weil Israel das staatgewordene Dementi des Nexus von Natur und Kultur ist, den Identitäre jeglicher Couleur postulieren. Die heute größte Bedrohung für Juden in aller Welt ist der islamische Antisemitismus. Im Krieg gegen die Juden soll sich die verloren geglaubte muslimische Identität behaupten. Davon zu sprechen gilt den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Agenten der Antidiskriminierungsideologie aber als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, nämlich als „antimuslimischer Rassismus“. Dass diese Schützenhilfe für judenfeindliche Muslime keine willkürliche Macke ist, sondern der allgegenwärtigen Vielfaltspropaganda unmittelbar entspringt, wird im Vortrag anhand der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank illustriert, die nicht nur ein Trainingsprogramm mit dem Titel „Was gewinnen Betriebe durch Diversity Management?“ anbietet, sondern auch die Kritik des islamischen Antisemitismus sabotiert.

Es spricht ein Vertreter der Gruppe Thunder in Paradise aus Frankfurt a.M.

Eine Veranstaltung der AG Antifa.
antifa.uni-halle.de

Friday’s Children. Die „Klimaproteste“ und die Selbstverkindlichung der Zivilgesellschaft.

Vortrag mit Tjark Kunstreich & Magnus Klaue

Donnerstag, 18. April 2019; 19:00
Melanchthonianum Universitätsplatz 89, Halle (Saale)

 

Als sich Tausende „klimastreikende“ Schüler am 1. März anschickten, sich von der in Hamburg gastierenden 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg live zur kollektiven „Panik“ aufstacheln zu lassen, begannen Politiker ein Thema zu diskutieren, das bislang vernachlässigt worden war: das Schuleschwänzen. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien sprach den kleinen Klimademonstranten zwar „größten Respekt“ aus, drohte angesichts der Tatsache, dass deren Proteste immer freitags stattfinden, aber doch mit dem Zeigefinger: „Schwänzen bleibt Schwänzen“. Zugleich verlieh sie der Hoffnung Ausdruck, dass „die Schulen das Thema Klimawandel, die Notwendigkeit politischen Engagements sowie die Möglichkeiten und Konsequenzen des Streiks im Unterricht gründlich vor- und nachbereiten“. Die Sprecher des Schülerstreiks fühlten sich sogleich in ihrer Ehre gekränkt: „Schwänzen ist Fehlen aus Faulheit. Wir fehlen nicht aus Faulheit, sondern aus einer Dringlichkeit heraus. Wir streiken für unsere Zukunft.“

Wo nicht mal mehr die Jugendlichen selbst auf die Idee kommen, die ihnen mit einem zugedrückten Auge gewährten Streikstunden zu nutzen, um auf dem Sofa zu lümmeln oder im Kino zu knutschen, befinden wir uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Der Freitag als Tag des Übergangs von der Woche zum Wochenende ist hier die Zeit einer kollektiven Selbstdressur zu freiwilligem Gehorsam. Kinder im Übergang zur Erwachsenheit sind hier nicht launisch, verführbar und anfällig für Verwahrlosung, wie in besseren Zeiten der bürgerlichen Gesellschaft, sondern schlagen allenfalls zu dem Zweck über die Stränge, sich für den symbolischen Elternmord zu rüsten, den sich nicht wenige Erwachsene von ihnen erhoffen, um von ihrem miserablen Dasein erlöst zu werden: „Dann kriegen wir halt Fehlstunden, das nehmen wir in Kauf.“ Der Psychopathologie dieser Dynamik wird die Veranstaltung in zwei Vorträgen nachgehen.

Tjark Kunstreich wird den Zusammenhang zwischen Selbstermächtigung, Empathielosigkeit und Hass auf die Eltern nachgehen, der sich an der massenhaften Begeisterung für Greta Thunberg zeigt.

Magnus Klaue wird an der Geschichte „politischer“ Kinder- und Jugendliteratur von Gudrun Pausewang bis Robert Habeck zeigen, wie das hybride Bemühen, Kindern „eine Stimme“ zu geben, die Zerstörung kindlicher Erfahrung und jugendlicher Renitenz befördert.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de/

Magdeburg bleibt blöd

„Haltet euch ab 17 Uhr im Viertel bereit. Mobilisiert alles und jeden.“ Mit diesen Worten und der Parole „Magdeburg bleibt rot!“ riefen linke Antisemiten im Netz dazu auf, unsere Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ am 9. April mit Stephan Grigat in Magdeburg zu verhindern. Mehr als 21 Leute, drei Fahrräder und einen Hund bekamen sie allerdings nicht zusammen. Sie bauten sich in respektabler Entfernung vom Veranstaltungsort auf und versuchten, Gäste und Security mit lustigen Kampfsportposen und Schimpfworten aus dem Repertoire der 7c („Deine Mutter!“, „Hurensohn!“ usw.) zu beeindrucken. Da den Aufrufen von „Zusammen kämpfen“ und Co. selbst in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts kaum noch jemand folgen will, mussten einige der tapferen Verteidiger Magdeburgs eigens von außerhalb angekarrt werden. Natürlich durfte auch die notorische Ines Fritz alias „Thea Tiger“ nicht fehlen, die sich schon mal fälschlicherweise als Mitarbeiterin der Linkspartei ausgibt und sich im Vorfeld der Veranstaltung durch Lügen, Denunziationen und Einschüchterungsversuche besonders hervorgetan hat.

Diese Einschüchterungsversuche waren auch der Grund dafür, dass wir kurzfristig den Veranstaltungsort wechselten. Der Betreiber der Factory, wo der Vortrag ursprünglich stattfinden sollte, wurde im Vorfeld massiv bedroht, teilweise wurde ihm aber auch Geld geboten, die Veranstaltung abzusagen. Da wir ihn keinem unnötigen Druck aussetzen wollten, nahmen wir Gespräche mit der Magdeburger Rosa-Luxemburg-Stiftung auf.

Deren Mitarbeiter haben wir als freundliche und interessierte Zeitgenossen kennengelernt, die Zusammenarbeit mit der Polizei hat ebenfalls gut funktioniert. Denn selbstverständlich haben wir uns mit ihr abgesprochen. Auch wenn wir deutlich in der Überzahl waren, spielen wir weder das faschistische Spiel vom Recht des Stärkeren mit, noch sind wir von der Mafia, der Bundeswehr und anderen Männerbünden fasziniert. Männerschweiß, Mut-Koks und Geländespiele interessieren uns nicht besonders.

Während „Zusammen kämpfen“ in der Umgebung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Verkleiden und Verstecken spielten und sich beim Tritt gegen ein Auto fast verletzten,* sprach Stephan Grigat vor über 40 Zuhörern über die Notwendigkeit der linken Solidarität mit Israel, die Geschichte und Gegenwart des Zionismus, die Bedrohung Israels und den Zusammenhang der beiden kategorischen Imperative von Karl Marx und Theodor W. Adorno.

Fazit: Wie wir schon 2008 und 2013 gezeigt haben, ist es ohne größere Schwierigkeiten möglich, eine israelsolidarische Veranstaltung in Magdeburg durchzuführen – selbst in unmittelbarer Nachbarschaft der örtlichen Antiimpis. Deren Mobilisierungsfähigkeit hält sich selbst in „ihrem“ Viertel, wo der Vortrag stattfand, in engen Grenzen. Insgesamt waren wesentlich mehr Leute an der Veranstaltung als an ihrer Verhinderung interessiert. Zwar mögen die linken Antisemiten im Einzelfall eine Gefahr darstellen, sie sind jedoch weniger ein politisches als ein polizeiliches Problem. Sprich: Es wird Zeit, sie als die Horde Kleinkrimineller zu betrachten, die sie sind. Das Schlägerimage, das sich die Magdeburger Linke vor einigen Jahren mühsam erarbeitet hat, scheint auch weiterhin kaum noch Anknüpfungspunkte in der Realität zu besitzen. Uns hat sich dasselbe Bild geboten wie 2013: „Ein offensichtlich nervöser Haufen Autonomer, die angespannt an ihren unter den Jacken versteckten Waffen herumfingern, entspricht nicht unbedingt dem Bild einer schlagkräftigen Antiimp-Gang,“ war damals in der „Bonjour Tristesse“„Bonjour Tristesse“ zu lesen. Aus diesem Grund sollte man die Magdeburger Männerbündchen auch in Zukunft einfach weiter links liegen lassen.

No Tears for Krauts, 04/2019

* Grandios dabei der folgende Dialog: „Ronny guck‹ ma‹, der da war auch bei die Antideutschen.“ „Ja, den treten wir den Spiegel.“ – „Mist, ich komme nicht so hoch mit die Beine.“ „Oh man Ronny was ist das für 1 Scheiß zionistische Schwein, lass‹ schnell wegrennen.“

Solidarität mit Israel. Über den kategorischen Imperativ nach Auschwitz. (Vortrag in Magdeburg)

Vortrag von Stephan Grigat

Dienstag, 09. April 2019; 19 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt
Ebendorfer Straße 3, Magdeburg

Factory Magdeburg
Sandbreite 2, Magdeburg

Am 9. April laden wir zu unserer Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ nach Magdeburg ein. Seitdem wir auf den Vortrag hinweisen, wird der Betreiber des Veranstaltungsortes, der Factory Magdeburg, täglich mit Anrufen, E‑Mails und Posts bombardiert, um eine Absage für die Veranstaltung zu erwirken. Neben den für Magdeburger Verhältnisse typischen Vandalismus-und Gewaltandrohungen waren die anonymen Anrufer diesmal sehr kreativ und gaben sich mal als Vertreter des Studierendenrates, mal als Stadtabgeordnete aus. Nachdem Geld für eine Absage geboten wurde, wird nun mit Boykott der Factory gedroht. Diesen ganzen Aufwand betreiben einige Magdeburger Linke, um eine Veranstaltung, die Solidarität mit Israel heißt, zu verhindern. Um nicht direkt gegen Israel argumentieren zu müssen – denn dann wüsste auch der Dümmste, dass es sich um linke Antisemiten handelt –, werden die veranstaltenden Gruppen, der Referent und Supporter als Rassisten, Nationalisten und zum Teil als Rechtsradikale dargestellt. Und das alles nur, um von ihrem Hass auf Israel abzulenken. Wir freuen uns auf die Veranstaltung am 9. April, haben uns aber dazu entschlossen, den Veranstaltungsort zu ändern, den wir noch rechtzeitig bekannt geben.


Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen in Magdeburg und anderswo hinaus. In den Attacken auf Israel tritt der Antisemitismus als eine spezifische Form des Judenhasses nach Auschwitz auf, der sich gegen den kollektiven Juden, den jüdischen Staat, richtet. Der Vortrag soll zeigen, inwiefern der Antizionismus in nahezu allen seinen Ausprägungen als geopolitische Reproduktion des Antisemitismus begriffen werden muss, was der kategorische Imperativ Theodor W. Adornos bedeutet, wenn man ihn nicht lediglich zur wohlfeilen Rhetorik für die deutsche Vergangenheitsbewirtschaftung missbrauchen möchte, und was der kategorische Imperativ von Karl Marx mit einer Solidarität mit Israel zu tun hat.
Es soll erläutert werden, vor welchen Problemen Israel durch die veränderte Situation im Nahen Osten und durch die aktuellen Erscheinungsformen des Antizionismus steht, und warum die Solidarität mit Israel nicht nur antifaschistisch ist, sondern die Unterstützung seiner militärischen Selbstverteidigung beinhalten muss. Dazu gehört auch die konsequente Bekämpfung der Feinde des jüdischen Staates: insbesondere das iranische Regime und seine Verbündeten an den Grenzen Israels, die heute die größte sicherheitspolitische Herausforderung für den Staat der Holocaustüberlebenden und ihrer Nachkommen darstellen, und ihre europäischen Unterstützer.

Stephan Grigat ist als Wissenschaftler sowie Autor tätig und für STOP THE BOMB aktiv. Er hat zuletzt die Bücher „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos 2017) sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich 2017) herausgegeben.

Veranstaltet von:
AG No Tears For Krauts Halle
Offenes Antifaplenum Halle
Linksjugend [´solid] Halle
Gesellschaftskritische Odyssee