1948. Die Ausstellung

8. — 20. Oktober 2018
Juridicum, Universitätsplatz 5, Halle (Saale)

1948. Die Ausstellung

Vom 8. bis zum 20. Oktober 2018 zeigen die Jüdische Gemeinde Halle und die AG Antifa im Studierendenrat der Martin‐Luther‐Universität die Ausstellung 1948 im Juridicum. Die Ausstellung über die Staatsgründung Israels ist im Foyer der rechtswissenschaftlichen Bibliothek der Uni Halle zu sehen. Ausstellungseröffnung ist am 8. Oktober 2018, 18 Uhr, mit Max Privorozki von der Jüdischen Gemeinde und einem Vertreter der AG Antifa.

Zur Ausstellung: Israel wird gefeiert, bewundert – und diffamiert. Die propalästinensische Propaganda stellt Israels Gründung als historisches Unrecht dar. Fakten werden verfälscht, Zusammenhänge verzerrt. Der Verein für Demokratie und Information (DEIN e.V.) hat den 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels zum Anlass genommen, über ihre Geschichte aufzuklären. Die Ausstellung, entstanden nach intensivster Recherche, zeigt Dokumente, historische Fotos und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Sie sucht den historischen Kontext zu vermitteln, um ihn unbrauchbar für ideologisch vordergründige Überformungen und Propaganda zu machen.

8. Oktober, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung

Links:
1948. Die Ausstellung [facebook]

AG Antifa Uni Halle [facebook]

facebook event: https://www.facebook.com/events/241528596708049/
Das Grußwort der AG Antifa zur Eröffnung der Ausstellung »1948« zum nachlesen: https://www.facebook.com/agantifaschismus/posts/2050039515017313

AUDIO GUIDE zur Ausstellung: http://l.ead.me/1948audioguidecomplete
Weitere AUsstellungsorte: 1948. Die Ausstellung

 

 

16. Oktober 2018, 19 Uhr
Melanchthonianum, Halle (Saale)

Darum Israel! Über die Notwendigkeit des jüdischen Staates.

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer und Alex Feuerherdt

Seit der Gründung vor siebzig Jahren muss Israel sich seiner arabischen Nachbarn erwehren. So war der Unabhängigkeitskrieg nur der Auftakt für eine lange Reihe militärischer Auseinandersetzungen, bei denen sich der jüdische Staat in einer feindseligen Umgebung behaupten musste. Dass das Land auf die existenziellen Bedrohungen nicht mit Friedensangeboten, sondern mit Waffengewalt antwortet, wird ihm in Deutschland nach wie vor von vielen Seiten verübelt. Bei den Bundesbürgern sorgen nicht Hamas, Hisbollah und Co. für Empörung, die sich geschworen haben, solange weiter zu kämpfen, bis der jüdische Staat in ihrer Mitte vernichtet ist, sondern die Einsätze des israelischen Militärs.

Begleitend zur Ausstellung „1948“ im Juridicum über die Staatsgründung Israels vor 70 Jahren lädt die AG Antifa zu einem Vortrag mit Karl Pfeifer und Alex Feuerherdt ein. Karl Pfeifer erinnert an die Staatsgründung und den folgenden Unabhängigkeitskrieg, bei dem er als 19‐Jähriger bei der Palmach auf Seiten Israels kämpfte. Heute arbeitet er als freier Journalist. Alex Feuerherdt wird vor allem die offene Feindseligkeit der Deutschen gegenüber dem jüdischen Staat in den Blick nehmen. Er schreibt als freier Autor regelmäßig für die Jungle World und die Jüdische Allgemeine. Als Mitglied im Beirat war er zudem an der Konzeption der Ausstellung beteiligt.

Samstag, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Halle/Saale

facebook event: https://www.facebook.com/events/2170493249894512/

Das Elend der Einzelnen. (Veranstaltungstipp — Halle)

Über einige Übereinstimmungen von staatlicher Flüchtlingspolitik und antirassistischem Engagement, die keineswegs zufällig sind.

Vortrag und Diskusion mit Tjark Kunstreich

Donnerstag, 28. 06. / 19:00
Melanchthonianum, Hörsaal A
Uni Halle

An diesem Abend haben wir den Psychoanalytiker, Sozialarbeiter und Autoren Tjark Kunstreich zu Gast. Er lebt in Wien und hat viele Jahre Asylbewerberinnen und -bewerber begleitet, sein Schwerpunkt lag auf der Begleitung von LGBT‐Geflüchteten. Er ist aktuell u.a. tätig in der Trauma Unit des Ambulatoriums der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

Das Grundrecht auf Asyl ist an eine Einzelperson gebunden, die ihre Verfolgungsgeschichte glaubhaft machen muss. Seit 2015 ist die Einzelfallprüfung vollends obsolet, eine Tendenz, die schon länger in der Erfindung „sicherer Herkunftsländer“ ihren Ausdruck fand. Nun wird gesammelt und kollektiviert, was Ethnologie und Stammeskunde hergeben. Die Entscheidung von Kanzlerin Merkel, die Grenzen zu öffnen, hat eine Situation geschaffen, in der die Einzelnen, die aus individuellen Verfolgungsgründen fliehen, mit einem abstrakten Kollektiv konkurrieren müssen, das allein aufgrund einer Definition seitens des Staates, aber eben auch der so genannten Zivilgesellschaft, geschaffen wurde. Für dieses Kollektiv, genannt „die Flüchtlinge“ oder „die Geflüchteten“, wird, vollkommen unabhängig von Fluchtgründen und Lebenszielen, Respekt und Anerkennung gefordert, gleichgültig, ob es sich um einen islamistischen Mörder handelt oder einen Homosexuellen, der geflohen ist, weil sein Geliebter hingerichtet wurde und der selbst um sein Leben fürchtet. Vielmehr muss der Homosexuelle wegen des Islamisten, mit dem er in der gleichen Unterkunft untergebracht ist, auch in Deutschland und Österreich um sein Leben fürchten. Die staatliche Duldung von gesellschaftlichen Parallelstrukturen geht auf Kosten jener Einzelnen, denen das Grundrecht auf Asyl eigentlich zusteht – und nur ihnen. (Eine andere Ebene ist die Genfer Flüchtlingskonvention, die auch Kollektiven Aufnahme und Versorgung garantieren soll.)

Im Vortrag wird eine klinisch‐empirische Perspektive vorgestellt: Die Arbeit mit Menschen am – manchmal vorläufigen – Ende ihrer Flucht ist, wenn es um psychosoziale Belange geht, immer eine Herausforderung. Oftmals versagen Abwehrmechanismen, die bislang ihren Dienst getan haben, die (trügerische) Sicherheit vom Ausnahmezustand des Flüchtens und die gleichzeitige Herausforderung, sich in der neuen gesellschaftlichen Situation zurechtzufinden, führen nicht selten zu existentiellen Krisen bis hin zum Suizid. Die Herausforderung liegt in einem schmerzhaften Individuierungsprozess – der Fähigkeit, sich selbst als getrennt von anderen und von der Ethnie oder Kultur und die eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Interessen und vor allem: die eigene Traumatisierung wahrzunehmen. Dass therapeutische Angebote fast ausschließlich von jenen Flüchtlingen wahrgenommen werden, die individuelle Fluchtgründe nachweisen können und gerade deshalb in den Flüchtlingseinrichtungen neuen Bedrohungen ausgesetzt sind, belegt die Notwendigkeit, das Elend der Einzelnen in den Blick zu nehmen.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de

Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung

Ein Veranstaltungstipp

Vortrag von Thomas Maul
Montag, 28. Mai 2018
19:00 in der Uni Leipzig, Raum HS 11, Hörsaalgebäude (HSG)
im Conne Island

Da der Raum an der Uni Leipzig für die Veranstaltung entzogen wurde, findet diese im Conne Island statt: http://gegen-antizionismus.de/veranstaltungen/zur-kritik-des-islamischen-antisemitismus/

Eine vernünftige Kritik des islamischen Antisemitismus hat mit ihrem Gegenstand nicht nur zur Sprache zu bringen, was in der westeuropäischen Öffentlichkeit allzu gern verschwiegen oder relativiert wird: dass die Gefahr für Leib und Leben von als Juden erkennbaren Juden gegenwärtig vor allem von bekennenden Moslems ausgeht, sondern zugleich deutlich zu machen, dass zu den jüdischen Opfern besser die Klappe hält, wer die anderen (autochthone wie migrantische Frauen, Homosexuelle, Christen) im Namen von Antirassismus und Religionsfreiheit unter den Teppich kehrt. Denn der islamische Suizid‐ wie Tugendterror zielt jenseits von Opfersortierung und -ranking immer auf das freie und selbstbestimmte Individuum als Produkt der Zivilisation. Dabei speist sich der Hass aus der – angesichts der Moderne unvermeidlichen – Krise der traditionellen islamischen Sexualmoral, die ihrerseits die Gemeinschaft der Gläubigen – und zwar in ihrer Mitte – als solche überhaupt erst konstituiert. Wer sich weigert, die bürgerliche Gesellschaft z.B. mit dem überfälligen Kopftuchverbot für Schülerinnen gegen die fortschreitende Islamisierung zu verteidigen, macht aus der Bedrohung aller freiheitsliebenden Menschen ein Problem der Juden und verrät damit die Juden wie sich selbst, was auf Bundestagsdeutsch heißt: „Flüchtlinge“ zur pädagogischen Auschwitzbesichtigung nötigen und einen „Antisemitismusbeauftragen“ installieren, der von „jüdischen Experten“ beraten, „Ansprechpartner für jüdische Gruppen“ sein soll.

Thomas Maul, freier Autor, Publizist und Schriftsteller lebt in Berlin und schreibt für die Zeitschrift ‘Bahamas’. Er ist u.a. Autor von »Die Macht der Mullahs« (ca ira Verlag, 2006), »Sex, Djihad und Despotie« (ca ira Verlag, 2010), »Darum negative Dialektik« (XS‐Verlag, 2014) sowie der zweiteiligen Schrift »Wert und Wahn« (XS -Verlag, 2014 & 2017).

Veranstaltet im Rahmen der Reihe »70 Jahre Israel«:

Anlässlich des 70. Jahrestages der Staatsgründung Israels findet in Leipzig eine Veranstaltungsreihe zur Aufklärung über den auf Israel bezogenen Antisemitismus statt.
gegen-antizionismus.de

Ankündigung: Die unkultivierte Aneignung – Über islamische Sklaverei

Vortrag und Diskussion mit Philippe Witzmann

Melanchthonianum, Halle (Saale)
31. Mai 2018, 19 Uhr

Als die Bruderhorden des „Islamischen Staates“ tausende jezidische Mädchen und junge Frauen in ihre Gewalt brachten und auf öffentlichen Sklavenmärkten verkaufen, um sie anschließend sexuell zu mißbrauchen, meldete sich eine Professorin der womöglich höchsten bzw. autoritativsten Institution des sunnitischen Islams in der Welt, der ägyptischen Al‐Azhar Universität, zu Wort und stellte der barbarischen Praxis der Glaubensgenossen mit Verweis auf Koran und Sunna das Halalzertifkat aus. Saud Saleh plauderte nebenbei noch aus, wie erbärmlich es offenbar um das Sexleben der Moslems generell bestellt ist: der Kämpfer könne seine Kriegsbeute gebrauchen „just like he has sex with his wives.”
Zwischen den in ihrem Magazin Dabiq vertretenen Verlautbarungen des IS und denen des Mainstream Islam passt also kein Haar, und das nicht nur in dieser Frage: der oberste Gelehrte der Al‐Azhar, Ahmad Al‐Tayyeb, teilt nämlich die jihadistische Auffassung, derzufolge Apostaten ein kurzer Prozess gemacht, diese also getötet werden sollten. In Deutschland ist Al‐Tayebb indes gern gesehener Gast evangelischer Kirchentage und der Bundesregierung, auf deren Einladungen er dann unwidersprochen vor einem „Rückfall ins Mittelalter“ warnen darf, dessen Aufrechterhaltung doch gerade die raison d‘être der Al‐Azhar sowie anderer Fatwadreckschleudern darstellt.
Der Vortrag wird darlegen, dass die inzwischen über 1300‐jährige Geschichte islamischer Sklaverei, die bis vor kurzem noch als „wohl gehütetes Tabu“ (Chebel) bzw. „verschleierter Genozid“ (N›Diaye) beschrieben wurde, zwar langsam aber kontinuierlich erforscht wird, damit aber keineswegs aus der Welt verschwindet. Im Gegenteil: der islamische Sklavenhandel boomt. Weltweit waren noch nie so viele Menschen versklavt wie heute, und vorne mit dabei die islamischen Länder: Mauretanien, Libyen, Sudan, die Golfstaaten etc. Zudem war das islamische Sklavensystem, historisch betrachtet, wesentlich umfangreicher und grausamer als das transatlantisch‐europäische. Im Rückblick gilt es daher die Tese zu proflieren, dass das einzig „Weiße“ an Kolonialismus und Sklaverei, deren Abschaffung gewesen ist. Hingegen gibt es bis heute kein nennenswertes islamisches Pendant zum christlich‐westlichen Abolitionismus; vielmehr hat das, was nicht nur hierzulande als islamische Auflärung bzw. Rationalismus gefeiert wird, maßgeblich zur Entstehung des modernen Hautfarbenrassismus beigetragen. Dass diese Umstände den meisten Leuten unbekannt sein dürfen, könnte zumindest im Westen durchaus etwas mit einer dauerempörten akademisch tonangebenden Linken zu tun haben, die zwar bei allerlei „kulturellen Aneignungen“ hysterisch aus dem Häuschen gerät, aber von den wirklichen Gräueltaten, aber auch historischen Fortschritten rein gar nichts wissen will.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
des Studierendenrates der Universität Halle
www.antifa.uni-halle.de

Bahamas‐Konferenz in Leipzig, 5. Mai 2018

Kurzmitteilung

BAHAMAS‐KONFERENZ 2018

Samstag, 5. Mai 2018
Felsenkeller in Leipzig‐Plagwitz
Beginn: 11:00
Danach: gute Zeit im und hinter dem Felsenkeller.
Für Essen und Trinken wird gesorgt.

Einladung zur Bahamas‐Konferenz

Zum PROGRAMM

Konferenz: From Russia with Love — Hundert Jahre Oktoberrevolution

16. Dezember 2017
Melanchtonianum, Hörsaal XX
Universitätsplatz, Halle (Saale)


Seit der Oktoberrevolution ist nun ein Jahrhundert vergangen. Und obwohl fast 30 Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks von deren Auswirkungen kaum noch etwas zu spüren ist, zelebriert die Linke das Jubiläum. Der Jahrestag wird von Demonstrationen, Ausstellungen und Artikeln begleitet. Auf regionaler Ebene hat das hallische Mitmachradio Corax extra eine eigene Sendereihe zum Thema ins Leben gerufen und in Leipzig wurde zu Ehren der Feierlichkeiten eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Workshops auf die Beine gestellt.
Das große Interesse ist wenig überraschend. Schließlich handelt es sich bei dem Ereignis nicht nur um den Gründungsakt der Sowjetunion. Die Oktoberrevolution gilt in der Linken als Symbol für die diffuse Vorstellung, dass eine Veränderung der Verhältnisse prinzipiell vielleicht doch möglich wäre. Das gilt auch für all jene linken Strömungen, die ansonsten nicht mit den Bolschewiki in einen Topf geworfen werden wollen. Aus diesem Grund ist es weniger das Ziel solcher Veranstaltungen, Einsichten in das Wesen der russischen Revolution zu gewinnen. Da momentan von einer Abschaffung der Verhältnisse im positiven Sinne nicht einmal im Ansatz die Rede sein kann, will man lieber von Zeiten schwärmen, als angeblich noch was ging.
Damit der Jahrestag ungestört gefeiert werden kann, müssen die Augen nach Möglichkeit davor verschlossen werden, dass die Revolution auf ganzer Linie gescheitert ist. Spätestens seit den Moskauer Prozessen war klar, dass die Oktoberrevolution nicht zur Befreiung des Menschen führen würde. Um sich trotzdem affirmativ auf das Ereignis beziehen zu können, greift die hiesige Linke zu ein paar durchsichtigen Kniffen. So wird der alte Mythos herausgekramt, allein die bolschewistischen Parteifunktionäre hätten die an sich gute Revolution auf dem Gewissen – ganz so, als wären die späteren Schlächter nicht federführend am Sturm auf das Winterpalais beteiligt gewesen. Gleichzeitig wird das Schreckgespenst des Antikommunismus wiederbelebt, das jedoch schon lange nicht mehr spukt.
Dabei bleibt all das auf der Strecke, was tatsächlich für eine Beschäftigung mit der Oktoberrevolution und ihren Nachwirkungen sprechen würde. Etwa die Frage, ob eine Räterepublik wirklich so wünschenswert wäre, wie immer wieder nahegelegt wird; oder warum Russland auch nach dem Zerfall der Sowjetunion noch so viel Ansehen in weiten Teilen der Linken genießt; und wie es vor dem Hintergrund der gescheiterten Revolution um die Vorstellung einer besseren Welt bestellt ist. Diesen und anderen Fragen soll während der Konferenz der AG Antifa nachgegangen werden.

 

 

1. Podium: Vergangenheit (13:00–14:30)

Wann scheiterte die Oktoberrevolution?
Justus Wertmüller stellt die Frage nach dem Anfang vom Ende.
Der Kommunismus in seinem Zeitalter.
Jan‐Georg Gerber über die Fragen was war und was ist der Kommunismus?

2. Podium: Gegenwart (15:00–16:30)

Wie viel Stalin steckt in Putin?
Uli Krug betrachtet das Fortleben der Sowjetunion im heutigen Russland.
Still loving Russia.
Sören Pünjer über die Russlandbegeisterung in Deutschland.

3. Podium: Zukunft (17:00–18:30)

Die Rückkehr des Proletariats?
David Schneider spricht über die Wiederbelebung der sozialen Frage.
No Future: Freuds Optimismus
Tjark Kunstreich fragt nach den gegenwärtigen Bedingungen von Kritik.

Veranstaltet von der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de/

Bonjour Tristesse #22 (Herbst 2017)

Kurzmitteilung

Die Herbstausgabe der Bonjour Tristesse ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Mit dieser Ausgabe erscheint die hallische Zeitung Bonjour Tristesse seit 10 Jahren. Wir gratulieren zum Redaktions‐Jubiläum, lasst die Korken knallen. Hier gehts zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Bonjour Tristesse #22
(Herbst 2017)

Download [PDF] Bonjour Tristesse 222017

DIE THEMEN DIESER AUSGABE:

Veranstaltungsempfehlung

Öffentlich‐rechtlicher Antisemitismus.
Ein Gespräch über die Dokumentation
„Auserwählt und ausgegrenzt“

mit Joachim Schroeder und Alex Feuerherdt

16. November 2017, 19:00 Uhr
VL (Ludwigstraße 37)

Selten hat eine Dokumentation für so viel Aufregung gesorgt: Als Bild.de am 13. Juni dieses Jahres die Produktion „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ erstmals öffentlich zugänglich machte, war schon viel über sie diskutiert worden. Die Auftraggeber, Arte und WDR, hatten es abgelehnt, den fertigen Film zu senden, offiziell aufgrund formaler Bedenken. Es ist davon auszugehen, dass weniger journalistische oder rechtliche Gründe den Ausschlag gaben, sondern poli­tische: Insbesondere Arte, wo die Ausstrahlung ursprünglich geplant war, ist für seine israelfeindlichen Inhalte bekannt. Eine Dokumentation, die nicht nur den rechten, sondern vor allem den linken und islamischen Antisemitismus thematisiert, dürfte sowohl den Pro­grammverantwortlichen, als auch dem größtenteils linksliberalen Publikum des Senders und nicht zuletzt islamischen Communities ein Dorn im Auge gewesen sein. Nachdem Hundert­tausende den zum Politikum ge­wordenen Film im Internet gesehen hatten, entschied sich der WDR dazu, ihn sogar im Ersten zu senden. Aber nicht einfach so. Man versah die Dokumentation um einen „Faktencheck“, der sie ständig unterbrach und ihre Aussagen kommentierte. Dem WDR schien weniger daran gelegen zu sein, die Dokumentation doch noch zu senden, als ihre Macher vorzuführen.

In einem Podiumsgespräch werden wir Joachim Schroeder und Alex Feuerherdt fragen, wie sich das Vorgehen der öffentlich‐rechtlichen Sender und die im Film porträtierten Zustände in die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland einfügen. Joachim Schroeder ist Regisseur und Produzent der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Alex Feuerherdt ist freier Autor, er schreibt unter anderem für die Jungle World und die Jüdische Allgemeine und betreibt den Blog „Lizas Welt“.

Der Film wird nicht gezeigt, ist aber auf verschiedenen Videoportalen einsehbar.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de/

Luthers Erben — Über den Reformator und seine Gegner

Wir weisen freundlich auf die kommende Veranstaltungen der AG Antifa an der Uni Halle hin.

Luthers Erben — Über den Reformator und seine Gegner

+++ Vortrag und Diskussion mit Knut Germar und Harald‐Jürgen Finke +++

26. Oktober 2017, 19 Uhr
Melanchthonianum am Universitätsplatz
Halle (Saale)

In den vergangenen zwölf Monaten haben die deutsche Öffentlichkeit vor allem zwei Personen beschäftigt. Donald Trump, der im vergangenen November zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden ist. Und Martin Luther, der der Erzählung nach am 31. Oktober 1517 mit dem Anschlag seiner Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche die Reformation eingeleitet hat. Während es zur Wahl Trumps hierzulande keine zwei Meinungen gibt, ist Deutschland bei Luther vorerst noch gespalten. Pastor Gauck lud noch während seiner Amtszeit als Bundespräsident zu einem besinnlichen Abend zu Ehren Luthers ins Schloss Bellevue. Der Ministerpräsident Sachsen‐Anhalts Haseloff würdigte den in Eisleben geborenen Landessohn als Begründer der Zivilgesellschaft. Außerhalb der interessierten Glaubensgemeinden und Heimatvereine stieß die Ehrung des Wittenberger Reformators jedoch auf Befremden. Und selbst bei der traditionellen Anhängerschaft weckte Luther Distinktionsbedürfnisse. Margot Käßmann betonte, dass sie lieber die Reformation feiern wolle, als den Spiritus Rector der Evangelischen Kirche Deutschlands. Von den Redakteuren der großen deutschen Blätter wollte ohnehin fast niemand eine Lanze für Luther brechen. Der Spiegel betitelte ihn als Wutbürger, die Zeit erklärte ihn zum Vater des Arbeitsfetischs, während ihn die FAZ als Antikapitalisten portraitierte. Die Frankfurter Rundschau umschrieb seine Reformation als Islamismus des Mittelalters, die Emma wählte den Augustinermönch bereits vor Jahren zum Pascha des Monats. Die Antifa zeigte sich von dieser öffentlichen Stimmung unbeeindruckt. Völlig unbekümmert um die tatsächlichen Verhältnisse stilisierte eine Initiative Luther zum deutschen Nationalhelden, um mit markigen Worten einfach die dümmsten Vorwürfe der Bundespresse zu wiederholen. In Halle entrollte eine Gruppe von Antifaschisten an Himmelfahrt bei einem Gottesdienst auf dem Marktplatz ein Transparent mit der Aufschrift: »Luther – du mieses Stück Scheiße!«.

Anlässlich der öffentlichen Kampagne gegen Martin Luther fragt Knut Germar, weshalb sich deutsche Linke derart über einen Mann ereifern, der seit fast fünf Jahrhunderten unter der Erde ruht – und zu dem die tonangebenden Kreise in Deutschland längst auf Distanz gegangen sind. Harald‐Jürgen Finke erinnert Luthers blindwütige Ankläger an den Beitrag, den die Reformation im dialektischen Sinn für die Aufklärung geleistet hat. Beide Referenten sind Redakteure der Zeitschrift Bonjour Tristesse. Knut Germar ist zudem Autor der Zeitschrift Bahamas.

Eine Veranstaltung der AG Antifa des Studierendenrates der Universität Halle
www.antifa.uni-halle.de