„Lefties – Please go home“

Ein Nachtrag zum Versuch von links, das Zeigen von USA-Fahnen und des Transparentes der AG „No Tears For Krauts“ im Rahmen einer Kundgebung unter dem Motto „Afghanistan ohne Taliban“ zu behindern.

Am vergangenen Samstag, den 28.08.21, fand in Halle eine Kundgebung mit dem Titel „Afghanistan ohne Taliban“ statt. Die Kundgebung wurde teils von Exil-Afghanen und teils von hallischen Linken organisiert. Letztere lieferten allerdings vor allem das Demo-Know-How und stellten Lautsprecher, Ordner und Moderation. Redebeiträge und Demobanner kamen fast ausnahmslos von den afghanischen Teilnehmern. Auch wenn wir nicht davon ausgehen konnten, dass wir den Organisatoren in jedem Punkt zustimmen würden, fanden wir das Anliegen absolut unterstützenswert. Im Wissen darum, dass es die USA waren, die federführend dazu beigetragen haben, die Taliban in Afghanistan in Schach zu halten und die versucht haben, die Bewohner des Landes vor den schlimmsten Zumutungen des Islam zu schützen, beteiligten wir uns mit einem Transparent, das die Kernforderung unterstreichen sollte: „Ami – Please come back. Den Kampf gegen die Taliban fortsetzen“.
Die linken Mitorganisatoren der Kundgebung gehören zu jenen Kreisen, die – nicht nur in Deutschland – in den letzten 20 Jahren ganz vorn dabei waren, den Einsatz der USA zu torpedieren. Dessen Scheitern und der völlig verfrühte Abzug der westlichen Streitkräfte geht zwar selbstverständlich nicht unmittelbar auf den Aktionismus linker Provenienz zurück. Dennoch: Deren Stimmen reihen sich ein in den weltweiten Chor, der den Druck auf die USA erhöhte. Auch die derzeitige Lage vor Ort, die beginnende Ermordung von Gegnern der Taliban, die wieder einsetzende Degradierung von Frauen zu Sexsklaven und Gebärmaschinen und die berechtigte Panik von Hunderttausenden Afghanen bewegen diese Linken nicht zu einem Umdenken oder wenigstens zum Innehalten. Stattdessen halten sie am streng antiwestlichen Kurs fest. Deshalb versuchten sie während der zweistündigen Kundgebung in Halle mehrfach, das Zeigen des Banners und der US-Fahnen zu unterbinden, deren Träger im postkolonialen Sprech als „Rassisten“ zu verunglimpfen und die übrigen Demonstrationsteilnehmer gegen sie aufzuwiegeln. Mit den letzten Worten der Kundgebung schloss der Moderator aus dem linken Organisatorenkreis diejenigen ausdrücklich vom Dank an der Teilnahme aus, die die amerikanischen Flaggen mitgebracht hatten.
Um moralisch auftrumpfen zu können, wurden die afghanischen Mitorganisatoren und Teilnehmer der Kundgebung vors Brett geschoben und ihnen negative Gefühle gegenüber der Fahne Amerikas unterstellt. Die Pointe ist allerdings, dass während des gesamten Verlaufs der Kundgebung kein einziger Afghane Interesse daran zeigte, mit seinem vermeintlichen Unmut an die US-Fahnenträger heranzutreten, noch war eine Ablehnung seitens der afghanischen Kundgebungsteilnehmer zu spüren. Mehr noch: Auf Schildern und Transparenten war zu lesen, „The World must act now“ und „Luftbrücke jetzt!“ In Redebeiträgen wurde appelliert, die Menschen in Afghanistan nicht in Stich zu lassen und um internationale Hilfe ersucht. Forderungen also, die nur unter der Beteiligung der Vereinigten Staaten erfüllbar oder überhaupt denkbar wären. Unter anderem im ersten Redebeitrag wurde sich zurecht darüber empört, dass Joe Biden die Menschen in Afghanistan im Stich lasse. Dass unter den gegenwärtigen Umständen als logische Konsequenz aus diesen Forderungen die Bitte nach einem militärischen Eingriff der USA folgen muss, wollten die linken Organisatoren und Unterstützer der Kundgebung jedoch nicht wahrhaben. Keinerlei Forderungen zu formulieren, wie es der linke Support getan hat, hat seinen Grund auch nicht darin, das Anliegen der Afghanen selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern darin, sie mit den Konsequenzen ihres Ansinnens allein zu lassen.
Irgendetwas machen und auf der richtigen Seite stehen wollten sie dann trotzdem. Sie instrumentalisierten zu diesem Zweck die afghanischen Kundgebungsteilnehmer. Ernst nehmen, indem man sie beim Wort nimmt, wollte man sie dennoch nicht. Weder wollten die linken Unterstützer die Forderungen ihrer afghanischen Bündnispartner übernehmen, noch wollten sie Kritik daran üben, als einer der afghanischen Redner erklärte, Demokratie sei nicht das passende Gesellschaftsmodell für Afghanistan und versuchte, die Etablierung eines autoritären Staates zu beschwören. Es wurde einfach auf gar nichts eingegangen, ganz so, als würde es sich um Partysmalltalk-Geschwafel handeln, das man sich zwar kopfnickend anhört, während das Interesse lediglich darin besteht, nicht allein in der Ecke zu stehen. Die anwesenden Afghanen wurden jedoch nicht nur wie unselbstständige Kinder behandelt, als die linken Kundgebungsteilnehmer behaupteten, sie vor schlechten Gefühlen, die die Forderung nach Rückkehr der Amerikaner und die Flagge der USA auslösen würden, behüten zu wollen. Im Brustton des Ethiklehrers, der einen Schüler nach einem misslungenen Vortrag paternalistisch zu empowern versucht, versicherte der linke Moderator den afghanischen Rednern – erwachsenen Menschen – regelmäßig, wie mutig es von ihnen gewesen sei, auf der Kundgebung zu sprechen.
Wer so überheblich gegenüber den Afghanen auftritt, dem wird es auch in Zukunft leichtfallen, ihnen die gespielte Solidarität wieder zu entziehen und jedes westliche Einschreiten gegen Taliban und Co. als Einmischung in fremde Angelegenheiten zu denunzieren. Weil sie damit den weltweiten Tenor widerspiegeln, sind wir wenig optimistisch, dass unsere Hoffnung nach einer erneuten amerikanischen Intervention in Erfüllung gehen wird. Die Afghanen werden den Halsabschneidern der Taliban überlassen und alles was Linken dazu einfällt, ist: Nichts.
AG No Tears for Krauts
08/2021