Im Zweifel dagegen

Vor einiger Zeit wurden „No Tears for Krauts“ Halle auf dem in Leipzig weltbekannten „Sprachlos-Blog“ (sprachlos-blog.de/no-ears-for-krauts) angegriffen. Der Grund: Wir hatten uns mit dem Conne Island solidarisiert, dem wegen seiner Stellungnahme zu sexuellen Übergriffen durch Migranten in linken Kreisen Rassismus vorgeworfen worden war. Ein Statement dazu:

Im Zweifel dagegen

„Sprache ist übersät mit Irritationen, versteckten Wertungen, kleinen Frechheiten und gemeinen Deutungen“, heißt es vollkommen richtig in der Selbstverständniserklärung des in Leipzig betriebenen „Sprachlos“-Blogs. Es ist insofern überaus verdienstvoll, die Zumutungen, Falschbehauptungen und die Irrlogik, der, wie es bei „Sprachlos“ heißt, „ökonomisierten, PR- und werbegesteuerten Sprache der Gegenwart“ aufs Korn zu nehmen. Fragwürdig wird es jedoch dann, wenn die Sprachkritik nicht mehr Wahrheit, Logik und Vernunft verpflichtet ist, sondern selbst zur Ideologie wird. Das war in jüngster Zeit mehrfach ausgerechnet auf jenem „Sprachlos“-Blog zu beobachten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verdeckten Bedeutungsgehalte von Texten zu entschlüsseln. Insbesondere die Beiträge Robert Feustels – einer der Betreiber des Blogs – legen nahe, dass auch und gerade bei den selbsternannten linken Sprachwahrern Argwohn angebracht ist.

1. Robert Feustel und die Verharmlosung des Nationalsozialismus

Vor einigen Wochen verglich Feustel die Betreiber des Leipziger Conne Island mit dem Nazi Carl Schmitt, weil sie die sexuellen Übergriffe von Migranten, zu denen es bei Partys des Clubs gekommen war, nicht einfach verschweigen oder fein diskurstheoretisch auflösen wollten. Hätte jemand anders einen solchen Vergleich angestellt, dann hätte Feustel dieses Vorgehen zweifellos als das bezeichnet, was es ist – eine Verharmlosung des Nationalsozialismus: Wer ein alternatives Zentrum in den Zusammenhang mit dem Kronjuristen des Dritten Reiches bringt, der zu den Vordenkern der Vernichtung der europäischen Juden gehörte, der relativiert die deutschen Verbrechen. Wenn Feustel so etwas tut, dann ist das alles jedoch etwas vollkommen anderes: Von seiner „wichtigen Kompetenz“ des Zweifelns, von der er in seinem Text so großspurig spricht, ist zumindest dann nichts zu bemerken, wenn es um ihn selbst geht.

2. Der Antifeminismus des Robert Feustel

Anstatt damit zufrieden zu sein, dass kaum jemand auf seine NS-Verharmlosung einging, glaubte Feustel nachlegen zu müssen. In einem äußerst originell mit „No Ears for Krauts“ überschriebenen Text warf er „No Tears for Krauts“ Halle reaktionäres Gedankengut, mangelnde Differenzierungsfähigkeit, Pauschalisierung und Vorverurteilung, kurz: Rassismus vor. Das war nicht weiter verwunderlich. Solche Unterstellungen gehören abstruserweise seit Längerem zum Standardrepertoire von Leuten, die den Universalismus – zu dem auch die Forderung gehört, an das Verhalten aller Menschen die gleichen Maßstäbe anzulegen – unter antirassistischen Vorzeichen anzugreifen versuchen. Erstaunlicher war, dass Feustel „No Tears for Krauts“ ironisch als die „Kings aus Halle“ bezeichnete. Die „Queens“ unter uns fand er offensichtlich nicht erwähnenswert. In seiner Welt kommen anscheinend keine Frauen vor. Entweder glaubt Feustel, dass Politik Männersache ist, oder dass Frauen zurückhaltend, der Polemik abgeneigt und ständig offen für „Diskurse“ sind. In jedem Fall verbirgt sich hinter Feustels vermeintlichem Feminismus ein überaus traditionelles Frauenbild.

3. Robert Feustel und die Verharmlosung des islamistischen Terrors

Während Feustel kein Problem mit pauschalen Rassismusvorwürfen und Nazivergleichen hat, will er immer dann differenzieren, wenn es um einen der blutigsten Vereine der Weltgeschichte geht: den Islam. Der sei, wie er schreibt, nämlich eine „ungemein vielstimmige Religion“. Die Opfer dieser freundlichen Religion von nebenan, die vor allem unter den Moslems selbst zu finden sind, sind Feustel nicht der Rede wert. Sie sind allenfalls Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“, die es „innerhalb der islamischen Glaubensvielfalt“ auch gebe. Genau das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die zehntausenden Toten, die auf die Kappe des Islamischen Staates gehen, die Opfer von Boko Haram, die die des IS inzwischen sogar übersteigen, die 3.000 Toten von 9/11, die Opfer der Terrorherrschaft der Taliban, die Ermordeten von Paris, Brüssel, Berlin, Madrid, Nizza, Tel Aviv, Jerusalem, um nicht von den Fluchtbewegungen in Westafrika, im Irak oder in Syrien zu sprechen: Das alles ist Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“? Man fasst es einfach nicht – und spätestens hier wird deutlich, worum es Feustel tatsächlich geht: Er hat weder Religionskritik noch Differenzierung im Sinn, sondern eine Verharmlosung des islamistischen Terrors.

4. Robert Feustel und die Juden

Wie viele andere Freunde des Islam hat es auch Feustel vor allem auf das Judentum abgesehen. So schreibt er, dass es unter Juden „auch den einen oder anderen Verrückten“ gebe. Niemand würde bestreiten, dass es innerhalb des Judentums nicht nur freundliche Leute gibt. Verräterisch ist jedoch, in welchem Zusammenhang Feustel das Wörtchen „auch“ benutzt. Wer im Kontext von Ausführungen über den islamistischen Terror darüber spricht, dass es innerhalb des Judentums „auch“ den einen oder anderen Verrückten gibt, will sagen, dass es zwischen Judentum und Islam eigentlich keinen Unterschied gibt. Der Diskurstheoretiker Feustel will darauf hinaus, dass bei Nacht alle Religionen gleich sind; der Antizionist übersetzt für sich, dass die islamischen Terroristen auch nichts anderes tun würden als die Juden.
Doch selbst dabei will es Feustel nicht belassen: So war es ihm offensichtlich ein inneres Bedürfnis, eine längere Passage des „No-Tears-for-Krauts“-Textes zu zitieren und den Begriff „Moslem“ überall durch „Jude“ zu ersetzen. Damit wollte er nach eigenen Angaben zeigen, wie hanebüchen die Argumentation von „No Tears for Krauts“ sei. Das Dumme war nur: Erstens setzte er so erneut Judentum und Islam gleich. Die Frage nach den Differenzen zwischen verschiedenen Religionen – also: die Frage danach, warum sich nicht massenhaft Juden, Buddhisten, Christen, sondern Moslems in die Luft sprengen, um so viele Ungläubige wie möglich zu töten – ist nicht die Sache des Differenzierers Robert Feustel. Zweitens wäre es für seine Argumentation überhaupt nicht nötig gewesen, das Wort „Moslem“ tatsächlich überall durch „Jude“ zu ersetzen. Es hätte der Hinweis genügt, dass durch ein solches Austauschen irgendetwas besonders deutlich würde. Feustel hat es aber offenkundig danach verlangt, beide Begriffe auszutauschen. Es scheint ihm Genugtuung verschafft zu haben, endlich einmal schreiben zu können, dass „das Problem […] vor allem das Judentum“ sei. Über die Gründe dafür können wir nur spekulieren – wir kennen Feustel nicht persönlich. Allerdings haben wir genug Freud, Fromm und Adorno gelesen, um eine Vorstellung davon zu haben. Entweder wollte Feustel solche Aussagen wieder sagbar machen: Als Diskurstheoretiker dürfte er davon überzeugt sein, dass bestimmte Positionen auch durch Ex-negativo-Aussagen in der Öffentlichkeit verankert werden können. Oder es einfach mit ihm durchgegangen und er hat seine innersten Wünsche nach außen gekehrt. Egal, was es war: Beides wirft weder ein gutes Licht auf Robert Feustel und den „Sprachlos“-Blog noch auf den Netzantirassismus.

No Tears for Krauts,
03/2017

Wer schweigt, stimmt zu!

In der aktuellen Ausgabe des CEE IEH #238 verteidigt die AG »No Tears for Krauts« das Conne Island gegen seine Freunde. Im Folgenden ist der Artikel dokumentiert:

Wer schweigt, stimmt zu!
Eine Verteidigung des Conne Island gegen seine Freunde

Es dürfte inzwischen etwa ein Jahr her sein, dass die ersten Gerüchte über die Zunahme von sexuellen Übergriffen und Gewalt im Conne Island kursierten. Im Nachgang der sogenannten Flüchtlingskrise wurden die Tanzveranstaltungen des Clubs zu einem beliebten Anlaufpunkt für Migranten. Der wichtigste Grund dafür dürfte die Regelung gewesen sein, von Flüchtlingen nur 50 Cent Eintritt zu verlangen: Wer am Existenzminimum lebt, muss auf jeden Euro achten. Zur offensichtlichen Verwunderung des Conne Island waren die neuen Gäste allerdings weder sonderlich dankbar noch in großer Zahl an der politischen Arbeit interessiert, die der Laden für sie vorgesehen hatte. Einige von ihnen sorgten stattdessen dafür, dass aggressive Anmachen, sexuelle Übergriffe und Gewalt zum Dauerthema wurden. Das Ganze nahm ein Ausmaß an, das es in der Geschichte des Conne Island bis dahin nicht gegeben hatte. Einige Gäste blieben bereits weg, mehrfach war die Crew des Ladens so überfordert, dass sie – wahrscheinlich auch ein Novum in der Geschichte des Clubs – keinen anderen Ausweg sah, als die Polizei zu rufen.
Diese Entwicklung war vor allem für Leute verwunderlich, die Flüchtlinge aufgrund ihrer Herkunft für die besseren Menschen oder revolutionäre Subjekte im Wartezustand halten. Dabei ist es gar nicht schwer zu verstehen: Wer sich erfolgreich mit Schlepperbanden herumgeschlagen, Grenzzäune überwunden oder die lebensgefährliche Reise übers Mittelmeer überstanden hat, ist nicht immer ein freundlicher und umgänglicher Mensch. Er musste vielfach eine Durchsetzungsfähigkeit, Skrupellosigkeit und Abgebrühtheit an den Tag legen, von der die Türsteher des Conne Island meilenweit entfernt sind. Der Islam, von dem das Gros der hierzulande ankommenden Flüchtlinge zum Teil direkt, zum Teil indirekt geprägt wird, erledigt oft den gar nicht so kleinen Rest. Denn dass diese wohl patriarchalste aller Religionen ihren männlichen Angehörigen nicht unbedingt zu einem freundlichen und rücksichtsvollen Umgang mit Frauen ermutigt, dürfte durch Funk, Fernsehen oder Spaziergänge durch die Berliner Sonnenallee bekannt sein.
Irgendwann im Sommer war der Leidensdruck des Conne Island schließlich so groß, dass die 50-Cent-Regelung de facto abgeschafft wurde; das Plenum reichte im Oktober eine Erklärung nach.(1) Diese Stellungnahme ist, wie wir bereits beiläufig in einem Flugblatt formuliert haben,(2) in mehrfacher Hinsicht misslungen. Andere Gruppen und Einzelpersonen sind der gleichen Meinung – blöderweise aus anderen Gründen als wir. Das Einschießen auf die Stellungnahme wurde zum linken Breitensport, an dem sich Jungle-World-Autoren ebenso beteiligten wie Konkret-Pinscher und megalomane Facebook-Klugscheißer. Die Mehrheit dieser Kritiker legte bei ihrer Beurteilung der Erklärung ein so großes Maß an Realitätsverweigerung an den Tag, dass wir uns genötigt sehen, den Club trotz unserer Kritik zu verteidigen. Wer von seinen Kumpels ungerechtfertigt als Halbnazi dargestellt wird, wie es einige vermeintliche »Freundinnen und Freunde des Conne Island« im Hate-Magazin getan haben,(3) der braucht nicht nur keine Feinde, sondern der hat auch Solidarität verdient.

Trendsport Rassismusvorwurf

In den Wochen nach der Veröffentlichung der Erklärung wurde innerhalb der linken Szene ein regelrechter Wettbewerb darum geführt, wer das Statement am dummdreistesten in den Kontext neurechter Diskussionen rücken kann. Einige fanden die Erklärung allein deshalb verwerflich, weil sich Beatrix von Storch auf sie bezogen hatte. Andere warfen dem Club gleich selbst Rassismus vor. Die Allerdümmsten rückten die Erklärung sogar in die Nähe der Machwerke Carl Schmitts, des Kronjuristen des »Dritten Reiches«.(4) Unter einem Nazivorwurf macht man’s als waschechter Antirassist eben nicht. Die Aufregung war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass das Conne Island auf die Herkunft der Täter verwiesen hatte. Ein gewisser Bernhard Torsch log die Stellungnahme in einem Artikel für die Konkret schließlich bis zur Unkenntlichkeit zurecht: »Die Steinzeitmenschen aus dem mysteriösen Orient sind leider zu doof, um zu wissen, wie man sich benimmt.«(5) Diese Aussage glaubte er im Text des Conne Island erkannt zu haben.Die Empörung über den Hinweis auf die Herkunft der Täter war dabei gleich aus mehreren Gründen skurril:
Erstens hatte das Conne Island zwar tatsächlich von »jungen Männern mit Migrationshintergrund« gesprochen. Um nicht in eine vermeintlich rassistische Kerbe zu schlagen, hatte es diese Aussage jedoch sofort wieder relativiert und suggeriert, dass »Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen« gleichermaßen Probleme bereiten würden.(6)Zweitens verwundert die Aufregung über den Hinweis auf den Background der Täter, weil sie nicht zuletzt von Leuten kommt, denen die Rede von der Prägung menschlichen Verhaltens durch Diskurse, Rollenbilder und ähnlichen Schnickschnack sonst zur zweiten Haut geworden ist. Natürlich wird nicht immer aus ehrenwerten Gründen auf die sozialen, nationalen, religiösen oder politischen Hintergründe von Tätern verwiesen. Oft ist ein solcher Hinweis aber eine Voraussetzung dafür, Entwicklungen verstehen, erklären und ihnen gegebenenfalls entgegenwirken zu können. So würden den meisten Gegnern der Conne-Island-Erklärung im Falle gewaltaffiner Deutscher, die eine Tanzveranstaltung für andere Gäste zum Spießrutenlauf machen, innerhalb kürzester Zeit etliche historische, ökonomische, soziale, politische und ideengeschichtliche Gründe (Luther, Hitler, Mielke, Müllermilch etc.) für ihr Verhalten einfallen – ohne dass sie damit eine Aussage über alle Deutschen treffen würden. Im Fall eines Überfalls deutscher Neonazis wären viele von ihnen sogar regelrecht empört, wenn der Hinweis auf den Hintergrund der Täter verschwiegen würde.
Im Unterschied dazu fällt den entsprechenden Leuten bei Hinweisen auf die Lebensumstände und die Erziehung von Migranten – und darum geht es – sofort und ausschließlich die Praxis der Schädelvermessung ein. Sobald es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelt, verliert so mancher Antirassist rascher die Fassung als ein Autor der Jungen Freiheit. Das zeigt, dass ihnen weder an Erkenntnis noch an einem vernünftigen Umgang mit solchen Fällen gelegen ist. Sondern sie sind vor allem an der Aufrechterhaltung ihres eigenen Pippi-Langstrumpf-Weltbildes interessiert, in dem Migranten nur als Opfer (des europäischen Grenzregimes, der rassistischen Mehrheitsgesellschaft, des Westens etc.) vorzukommen haben. Ohne es zu realisieren, werden die selbsternannten Kämpfer für eine »universalistische, globale politische Ethik«(7) damit zu freundlichen Rassisten, die ihrer Klientel ganz paternalistisch einen Sonderstatus verschaffen und den Universalismus, will heißen: die Gleichbehandlung aller, einen guten Mann sein lassen. Dabei ist auch das gar nicht so schwer: Denn so richtig es ist, jedem Opfer eines Neonaziübergriffs beizuspringen, egal, welche Hautfarbe oder Religion er hat, egal, ob er nett zu seinen Kindern ist, Katzenbabys quält oder sich unberechtigt Zutritt zum Conne Island verschafft hat, so falsch wäre es, jeden Unsinn, den er verzapft, zu rechtfertigen, zu akzeptieren oder, wie von einigen Gegnern der Conne-Island-Erklärung verdruckst angemahnt, unter den Teppich zu kehren.Drittens könnte das Argument für die Aussetzung des Universalismus, die von einigen Leuten klammheimlich, von anderen offener gefordert wurde, nicht dümmer sein. Es lautet in etwa so: Der Verweis auf die Herkunft der Täter heizt »rassistische Diskurse« und »Meinungen« an.(8) Das ist zum einen deshalb albern, weil die Bekloppten von AfD, Legida und NPD zur Bestätigung ihrer eingeschränkten Weltsicht keine Stellungnahme eines linken Clubs nötig haben. Zum anderen steht dahinter die absurde Vorstellung, dass das Conne Island mittels einer auf seiner Homepage veröffentlichten Erklärung dazu in der Lage sein könnte, einen Menschenfreund über Nacht in einen Ausländerfeind zu verwandeln. Mit ihrer Behauptung, dass der Verweis auf die Herkunft der Täter Rassismus anstacheln würde, verhalten sich die Gegner der Erklärung darüber hinaus so wie die Intellektuellen der 30er und 40er, die die Verbrechen Stalins angesichts der antibolschewistischen Hetze der Nazis leugneten, relativierten oder sogar rechtfertigten. Die Begründung lautete, dass jede Kritik des Gulags Hitler und seinen Kumpanen helfen könnte.

Let’s talk about Islam

Wer den Universalismus ernst nimmt, hätte im Unterschied dazu darauf zu bestehen, dass die Kritik des einen Übels nicht von der des anderen entbindet. Dazu müssten die Übel allerdings zunächst einmal benannt werden. Daran ist leider auch das Conne Island gescheitert. Natürlich ist es nicht verkehrt, zur Erklärung der an den Tag gelegten Frauenverachtung und Asozialität einiger der neuen Clubgäste auf eine »autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation« zu verweisen, wie es der Club getan hat.(9) Doch anders als vom Plenum suggeriert, war das Problem, mit dem der Laden konfrontiert wurde, keine beliebige migrantische Männergruppe und nur bedingt das Patriarchat, sondern vor allem der Islam.(10) So ist es ein offenes Geheimnis, dass diejenigen, die das Conne Island zeitweise in einen Ausnahmezustand versetzten, gerade nicht aus Kumasi oder Nowosibirsk kamen, sondern aus muslimischen Ländern, in denen der Islam selbst einige derer entscheidend prägt, die sich nicht direkt zur Religion des Propheten bekennen. Auch das gilt selbstverständlich nicht für alle, aber dass der Islam viel tiefgreifender in die Sozialisation, Erziehung und Alltagskultur seiner Angehörigen eingreift als viele andere Vereine, dürfte unbestritten sein. Ohne den Hinweis auf die spezifische Rolle dieser Religion ist der Verweis auf patriarchale Verhältnisse deshalb ebenso irreführend wie der Hinweis auf fehlende Jugendclubs und Arbeitsplätze bei ostdeutschen Neonazis und Suffschlägern. Schwere Zeiten haben viele durchgemacht, mit einem polternden Familienführer sind auch nicht wenige aufgewachsen. Auch »Macht- und Hierarchisierungsverhältnisse«,(11) von denen ein Gegner der Erklärung sprach, dem das zurückhaltende Statement des Clubs noch nicht zurückhaltend genug war, gibt es überall. All diese Dinge bringen jedoch genau sowenig überall die gleiche Vehemenz an Sexismus und Frauenverachtung hervor wie alle »Gruppen umherziehender Männer«(12) gleichermaßen unerträglich sind. Denn dass vietnamesische, italienische, tschechische, israelische, deutsche oder chilenische Männercrews, so unangenehm sie sein können, im großen Stil No-Go-Areas für Frauen errichten, glaubt nicht einmal Jürgen Todenhöfer. Wer angesichts von muslimischen Männerhorden ganz allgemein von Flüchtlingen und Migranten spricht, tut denen Unrecht, die sich, wie eben die absolute Mehrheit der aus Vietnam, Italien, Tschechien, Israel oder Chile Kommenden, bei Tanzveranstaltungen nicht wie bei einer Massenerniedrigung verhalten. Mit der verblödenden Allzweckleier von globalen Machtverhältnissen und Mackertum, die dem Conne Island von vielen seiner Gegner entgegengehalten wurde, wird der Unterschied zwischen ekligen Anmachsprüchen und einem Griff zwischen die Beine, zwischen widerwärtigen Ausfälligkeiten und prinzipieller Frauenverachtung, kurz: zwischen Oktoberfest und Kölner Silvesternacht verleugnet.(13) Es dient nur einem Zweck, nicht über das strukturelle Problem des Islam mit Frauen und Sexualität sprechen zu müssen.

Verrat am Feminismus

Dem Bedürfnis, vom Islam schweigen zu dürfen, opfern einige Gegner der Conne-Island-Erklärung schließlich sogar den Feminismus, den sie sonst wie eine Schnapsfahne vor sich hertragen. Bernhard Torsch hat das in der Konkret nur offen ausgesprochen, als er den genannten Männerhorden gutes Gelingen dabei wünschte, die »Inseln selbstgerechter Saturiertheit« zu verwüsten,(14) sprich: Orte der feuchtfröhlichen Ausgelassenheit durch die öffentliche Erniedrigung von Frauen zu zerstören. Durch ihren Unwillen, den Islam zu kritisieren, geben die meisten Gegner der Conne-Island-Erklärung zunächst all diejenigen zum Abschuss frei, die unter dem religiös-gesellschaftlichen Wahn ihrer Verwandten, Nachbarn und Bekannten zu leiden haben: So sind die ersten Opfer der islamischen Gewalt Frauen aus muslimischen Familien, die dem traditionellen Rollenbild nicht entsprechen wollen. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag dazu, dass das Leben auch für andere Frauen, für Schwule oder Juden immer mehr zum alltäglichen Behauptungskampf wird. Denn natürlich sind es, so laut sie inzwischen auch wieder sein mögen, weniger die Stellungnahmen der rechten Ausländerfeinde, die in Medien und Politik Gehör finden. Es sind vielmehr die Stimmen von Akademikerheinzen wie Florian Biskamp, der in seiner Kritik am Conne Island den Diskursexperten gibt, oder der vermeintlichen »Freundinnen und Freunde des Conne Island«, die sich lieber für das, was die Linke früher Schweinepresse genannt hat, krumm machen als auf die intern bereits früh geäußerten Hilferufe »ihres« Clubs zu reagieren. Durch ihre Weigerung, den Islam überhaupt als Problem wahrzunehmen, tragen gerade diejenigen, die permanent vor einem Geländegewinn der AfD warnen, maßgeblich dazu bei, dass sich Figuren wie Beatrix von Storch, Björn Höcke oder Jürgen Elsässer als Vorkämpfer für Meinungsfreiheit inszenieren können. In Frankreich ist die Zahl der Juden, die den Front National wählen, bereits deutlich gestiegen – schlicht und ergreifend deshalb, weil es keine andere Partei gibt, die den Vormarsch des Islam offen kritisiert.(15)

Was tun? Islamkritik!

Für das Conne Island wäre die Kritik des Islam auch deshalb eine probate Möglichkeit gewesen, sich nicht nur, wie in seiner Stellungnahme geschehen, qua Deklamation sondern argumentativ von AfD und Co. abzugrenzen. Die Antira-Meute hätte zwar auch in diesem Fall geschäumt, weil ihnen »Refugees« oder »Geflüchtete« – zwei Begriffe übrigens, die bereits das verdinglichte Verhältnis der Antirassisten zu ihrer Klientel andeuten – vor allem politische Schwungmasse sind. Beatrix von Storch und anderen wäre die positive Bezugnahme auf den Text jedoch möglicherweise etwas schwerer gefallen, weil zu den Ekelhaftigkeiten ihrer Partei gehört, dass sie entgegen anderslautender Behauptungen gerade keine Islamkritik betreibt. Ihr Islambashing (und hier geben wir nur in kurzer Form wieder, was wir schon an anderer Stelle ausführlich gemacht haben)(16) basiert stattdessen auf einer Mischung aus ordinärer Ausländerfeindlichkeit und Neid. Denn warum sonst sollten Leute, die mit Tradition, Familie, Korpsgeist hausieren gehen, gegen die Halsabschneider des Propheten auf die Straße gehen, die wie kaum jemand anders dafür einstehen wollen? Hier wird ein Konkurrenzkampf um autoritäre Auswege aus der Krise geführt, bei dem der politische Islam vor allem deshalb ins Visier geraten ist, weil er hierfür die im Weltmaßstab attraktivsten Angebote bereithält. Auch darum hätte zu gelten: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen.

Fight for your right – to party!

Mit denjenigen, die in jedem Versuch, das Problem überhaupt einmal zu benennen, vor allem Rassismus erkennen wollen, lässt sich nicht diskutieren. Erst recht nicht, solange sie sich über die Ausfälle muslimischer Männer nicht halb so stark aufregen wie über die autochthoner Deutscher, und auch nicht, solange sie der Hinweis auf die gesellschaftlichen Hintergründe der Täter mehr in Rage bringt als die Tat selbst. Insgesamt war in der bisherigen Debatte auffallend wenig von den Opfern der Übergriffe die Rede. Im Unterschied zu Leuten, die nur dann die frauenbewegte Karte spielen, wenn es ihnen in den politischen Kram passt, hat das Conne Island gezeigt, dass ihm die Rede vom Feminismus und vom Universalismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Zugleich scheint der Club nicht bereit zu sein, um der Reinheit der Lehre willen Dinge unter den Teppich zu kehren oder – auch das war eine beliebte Forderung – sie im Mafiastil »intern« zu regeln. Zwar hat die Erklärung des Conne Islands Schwachstellen. Diese mögen der Sorge vor der linken Inquisition, deren Ausmaß wir unterschätzt haben, oder der Tatsache geschuldet sein, dass Erkenntnisprozesse manchmal mühselig sind. Was davon auch immer zutreffen mag: Wir wünschen dem Conne Island bei seinem Versuch, eine wichtige Diskussion zu führen, auf jeden Fall viel Glück. Vor allem drücken wir die Daumen, dass es ihm gelingen wird, die Situation weiter zu entspannen und auch in Zukunft Konzerte, Partys und Tanzveranstaltungen zu organisieren, die für niemanden zur Qual werden.

No Tears for Krauts, Januar 2017

Anmerkungen

(1) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück, conne-island.de.
(2) No Tears for Krauts: Im Diskurs sind alle Katzen grau, nokrauts.org.
(3) Dort wird dem Conne Island unterstellt, »anschlussfähig« an neurechte Positionen zu sein, rhetorische Figuren aus »rechten Kreisen« zu verwenden usw., Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen, hate-mag.com.
(4) O.A.: Im Zug der Opportunisten, sprachlos-blog.de.
(5) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz, in: Konkret 12 (2016).
(6) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück. By the way: Ein Verweis auf den »Orient«, von dem Torsch spricht, das Kerngebiet des Islam also, taucht in der Stellungnahme des Conne Island gar nicht erst auf. Es war Torsch selbst, der aus dem Verweis auf sexuelle Übergriffe durch Migranten den – leider nicht ganz falschen – Rückschluss auf einen islamischen Hintergrund der Täter zog. Ob er deshalb ein Rassist ist, ein Ideologe oder ob er sich nur dümmer macht als er ohnehin zu sein scheint, mögen andere entscheiden.
(7) Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen.
(8) Etwa Florian Biskamp: Conne-Island-Debatte. Antirassistische Ambivalenzvermeidung, ruhrbarone.de.
(9) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(10) Tatsächlich geht es nicht nur um den Islamismus, wie gern suggeriert wird, sondern um neue Entwicklungen des Alltagsislam, die die Situation auch für die vielen Muslime immer unerträglicher macht, die zu ihrer Religion ein ähnlich privatistisches Verhältnis haben wie die meisten europäischen Christen, Buddhisten etc.
(11) Marcus Adler: Von der (Traum-)Insel in die Realität?, hate-mag.de
(12) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(13) Es ist in linken Kreisen beliebt geworden, die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 2015/16 unter Verweis auf das Oktoberfest zu relativieren. Das geschah zuletzt in dem von den Betreibern des Sprachlos-Blogs (sprachlos-blog.de), wo passenderweise auch ein »Nachruf« auf das Conne Island veröffentlicht wurde, herausgegebenen Wörterbuch des besorgten Bürgers (Mainz 2016). Dort wird behauptet, dass es zu solchen Geschehnissen wie in der Silvesternacht »auf dem Oktoberfest alle Jahre kommt« (S. 115). Wer die Zahlen ins Verhältnis zueinander setzt, wird jedoch zu anderen Ergebnissen kommen: 2015 gab es in den zwei Wochen des Oktoberfestes, das von etwa sechs Millionen Menschen besucht wurde, 26 Anzeigen wegen Sexualdelikten. (Süddeutsche Zeitung, 11.1.2016) Das sind selbstverständlich 26 Übergriffe zu viel. Wer sie jedoch mit den 454 angezeigten sexuellen Übergriffen der einen Kölner Silvesternacht aufrechnet, der ist ein Lügner, ein schlimmer Ideologe oder jemand, der den Grundkurs »Methoden der Sozialwissenschaften« wiederholen sollte. Bereits am 1. Januar 2016, bevor sich viele Frauen durch die bundesweite Berichterstattung ermutigt sahen, doch noch Anzeige zu erstatten, lagen der Kölner Polizei mehr als 100 Anzeigen vor. (Zahlen nach Die Welt, 10.2.2016)
(14) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz.
(15) Jüdische Allgemeine, 22.3.2015.
(16) No Tears for Krauts: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen, nokrauts.org, Antideutsche Aktion Berlin, Antifaschistische Gruppen Halle, Association Progrès Eichsfeld: Straigt to Hell! Weg mit den braunen Zonen, weg mit der AfD, nokrauts.org.

Max-Planck-Institut protegiert Leugnung des antisemitischen Terrors der Hamas

Norman Finkelstein wurde vom Ethnologischen Max-Planck-Institut Halle eingeladen um mehrere Veranstaltungen abzuhalten. Gegen den Gastbesuch versammelten sich ca. 50 Demonstranten. Das Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus verteilte Flugblätter an die Teilnehmer des ersten Vortrags und forderte wie auch das Hallische Bündnis gegen Antisemitismus die Absage der Veranstaltung:

Mit Finkelstein kann es keine konstruktive Diskussion zum Nahostkonflikt geben, ist dies doch auch gar nicht seine Absicht. Er bleibt unverbesserlicher Antisemit, der seine Engagements einzig für anti-israelische Propaganda nutzt. Wir fordern das Max-Planck-Institut deshalb auf, Norman Finkelstein umgehend auszuladen und seinen Workshop am 23. Januar 2017 abzusagen.

Keine Plattform für Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus. Eine Intervention gegen die Einladung Norman Finkelsteins; Flugblatt BGAA Leipzig

Finkelsteins Auftritt rief internationale Kritik hervor, so berichtete die Jerusalem Post über die unverschämte Positionierung der MPI-Direktorin Marie-Claire Foblets. Foblets behauptet im Interview, dass Finkelstein kein Antisemit sein könne, da seine Eltern Shoa-Überlebende sind. Mit diesem kruden Antisemitismusbild gibt das MPI zu verstehen, dass es nicht imstande ist gegenwärtige antisemitische Bedohungen zu erkennen, geschweige denn dem Vorschub antisemitischer Einstellungen zu begegnen. Offensichtlich setzt Foblets alles daran, der Verleugnung des Hamas-Terrors öffentlichen Raum zu geben. Tiefer kann eine öffentlich finanzierte Wissenschafts-Institution kaum sinken. Angesichts der protegierenden Haltung des MPI Halle ist nicht mit einer Absage der Veranstaltungsreihe zu rechnen.

Im Januar sind weitere Termine mit Finkelstein angesetzt. Ein Workshop mit dem Titel „GAZA: an inquest into its martyrdom“ soll am kommenden Montag im MPI stattfinden. Schon der Ankündigungstext lässt ein glühendes Fest für Geschichtsrevisionisten und Verschwörungstheoretiker erwarten, so bejubelte der Djihad-Verehrer Martin Lejeune Finkelsteins Auftritt mit einer Liebeserklärung. Für die antisemitismuskritische Öffentlichkeit sind Finkelsteins Antisemitismus-Relativierungen im Gewand der Israelkritik inakzeptabel. Weitere Veranstaltungen am Hallischen Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung dürfen nicht unwidersprochen stattfinden. Im MPI Halle sind dem akademischen Antisemitismus scheinbar keine Schranken gesetzt. Was hier als Gesellschaftskritik verkauft wird ist antisemitisches Ressentiment im Anlitz der Wissenschaft. Mit der Einladung Finkelsteins haben die Verantwortlichen am MPI – allen voran die antisemitische Schreckschraube und Israelhasserin Baronet Marie-Claire Foblets – bewiesen, dass es am Institut nicht um die Kritik der mörderischen Ideologie des Islam gehen kann, sondern darum antiisraelische Proganda im akademischen Betrieb zu manifestieren. Notorischen Antizionisten und Islamverehrern ist dieser Durchbruch schon jetzt ein inniges Vergnügen.

Die JPost berichtet von der Weigerung des Max-Planck-Instituts die Gespräche mit Norman Finkelstein abzusagen:

The Social Democratic MP Michaela Engelmeier expressed astonishment to the Post that “with our history it is possible to welcome academics that play down the Nazi regime’s murder of six million Jews and present it as trivial.”
She added that the fact that talks from the anti-Israel academic Norman Finkelstein at the Max Planck Institute (MPI) are taking place close to International Holocaust Remembrance Day on January 27 is “especially insensitive.” She urged the MPI to cancel next week’s Finkelstein lecture titled “Gaza; an inquest into its martyrdom.”
She listed Finkelstein’s alleged support of the US and EU classified terrorist organization Hezbollah. “In the past, Finkelstein compared the antisemitic terror organization Hezbollah with the resistance against the National Socialists. He compared Israel’s approach with the Nazis. He termed, in his most important work, the remembrance of Auschwitz as the Holocaust Industry.”

She said that Finkelstein’s remarks place him in the “center of right-wing radical deniers of the Holocaust and make him criminally liable in Germany.”

Marie-Claire Foblets, the managing director of the department of law and anthropology at the MPI, played a key role in organizing Finkelstein’s talks and has vigorously defended him. […] The indifference to antisemitism at MPI Halle has raised eyebrows among monitors of modern antisemitism in Germany such as Dr. Efraim Zuroff from the Jerusalem office of the Simon Wiesenthal Center because the MPI played a role in advancing the Hitler movement’s lethal antisemitism. […]
Engelmeier, the social democratic deputy, reminded the MPI that many “artists, academics, social democrats, communists, journalist, and Sinti and Roma were victims of National Socialism. These victims were not disputed by Finkelstein, rather only the Jews.
„Finkelstein blames Israel alone for the terror in the Middle East. With this position, he documents his passion to deny facts and to deny the terror attacks of the anti-Semitic organization Hamas and equates Israel’s defensive measures to the annihilation of the Nazis.”
German research institute trivializes Holocaust to attack Israel‘ , JPost, 18.01.2017

Die Mitarbeiter am Max-Planck-Institut würden gut daran tun, auf eine Absage der Veranstaltungsreihe hinzuwirken. Nehmen sie diesen unverhohlenen Irrsinn widerspruchslos hin, werden sie mit dem Ruf leben müssen die widerlichsten Verteidiger des antisemitischen Terrors zu protegieren. Zwar wird ihrer akademischen Karriere weder betroffenes Schweigen, noch stille Zustimmung oder aufgeregte Pseudoaktivität im Wege stehen. Doch haben diese Feiglinge zu verantworten, dass sie wissentlich Geschäften mit Israelhassern Vorschub geleistet haben. Ihr selbstloser Charakter bezeugt, dass ihnen westliche Freiheiten nichts bedeuten. Unfähig vor dem lebensfeindlichen Djihad zu erschrecken, nehmen sie bereitwillig hin, dass Vernichtungsdrohungen gegen den Staat Israel relativiert werden. Ihrer Direktorin konnten sie bislang nichts entgegensetzen, schließlich haben sie sich als gehorsame Vollstrecker längst der administrativen Autorität unterworfen.
Den vernünftigen Leuten, die vom kritikresistenten Mief der Terrorfreunde angewidert sind, wünschen wir, dass sie den Mut aufbringen Finkelstein eine klare Absage zu erteilen. Alle Anderen haben ihr selbstgewähltes Elend im Kreise veritabler Antisemiten verdient.
 

Anmeldungen zur Teilnahme am Workshop sind noch bis zum 20. Januar möglich:

„GAZA: an inquest into its martyrdom“
Workshop | 23 January 2017 | 14:00 – 18:00

Organiser: Department ‘Law & Anthropology’
Max Planck Institute for Social Anthropology
Main Seminar Room | Advokatenweg 36 | 06114 Halle
Preregistration requested by 20 January to marencakova@eth.mpg.de

Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle hat eine kurze Darstellung der bisherigen Proteste vor dem Max-Planck-Institut Halle gegeben:

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Presse zu den internationalen Reaktionen:
Weiterlesen

Bonjour Tristesse #21 (Herbst/Winter 2016)

Kurzmitteilung

Die Herbst/Winter-Ausgabe der Bonjour Tristesse ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier gehts zu den Artikeln im BT-Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Aus dem Inhalt:

Download [PDF] Bonjour Tristesse 21/2016

Der faschistische Stil. Zur Ideologie und den Strategien der Neuen Rechten

Wir weisen freundlich auf eine Veranstaltung der AG Antifa im StuRa hin:

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Montag, 11. Juli 2016, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uni Halle

Mit Pegida und dem Aufstieg des völkischen „Flügels“ der AfD steht die Neue Rechte wieder in Rede. Tatsächlich ist die Neue Rechte ein theoretischer und praktischer Katalysator rechtsnationalistischer Politik. Das lässt sich etwa an dem langjährigen intimen Verhältnis aufzeigen, das etwa die Architekten des „Flügels“, die AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke (Thüringen) und André Poggenburg (Sachsen-Anhalt), zu dem bekanntesten neurechten Aktivisten, Götz Kubitschek, unterhalten.
Dessen Rittergut Schnellroda im südlichen Sachsen-Anhalt ist innerhalb von fünfzehn Jahren zum mythologisch verklärten Anziehungspunkt der Neuen Rechten geworden, wo ein prosperierender Kleinverlag, eine tonangebende Zeitschrift und ein Institut zur Kaderschulung zusammenwirken. „Schnellroda“, unter Rechten zum Ausdruck geronnen, inspiriert ein wachsendes Milieu. Dabei sind die Kubitscheks und Höckes keineswegs originelle Denker und Strategen. Sie imitieren lediglich schablonenhaft altbekannte Vorbilder und geben sich einer heroischen Revolutionsromantik hin.
Die gegenwärtigen Themen der Neuen Rechten, zuvorderst die Feindschaft gegen Flüchtlinge, aber auch Antifeminismus und Geschichtsrevisionismus, sind nur Erscheinungsformen einer prinzipiellen Ablehnung der als „liberal“ gescholtenen bürgerlich-demokratischen Verhältnisse. Im Vortrag soll dies anhand einiger klassischer Autoren der Neuen Rechten, etwa Armin Mohler und Carl Schmitt, sowie mittels einiger aktueller Veröffentlichungen aus den szeneeigenen Verlagen und Zeitschriften aufgezeigt werden.

Matheus Hagedorny lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin und schrieb zuletzt für die Wochenzeitung Jungle World über die „rechtsintellektuelle“ Szene.

Aufbau Mittelost

Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle veranstaltete am 16.06.2016 eine Kundgebung gegen den Empfang des iranischen Botschafters durch die CDU-Mittelständler in Halle. Im Folgenden dokumentieren wir das Flugblatt der AG No Tears for Krauts, das auf der Kundgebung verteilt wurde.

Flugblatt der AG NTFK als PDF

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Kundgebung vor der Franckeschen Stiftung, Halle (16.06.2016)

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Aufbau Mittelost

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung des hallischen CDU-Kreisverbandes hat heute in die Franckeschen Stiftungen geladen, um gemeinsam mit dem ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus und dem hallischen Oberbürgermeister Bernd Wiegand das iranische Comeback »auf dem Weltmarkt« zu feiern. Als Ehrengast wurde der iranische Botschafter Ali Majedi eingeladen, dessen Rede mit Hochstimmung erwartet wird, als wären in Wien nicht die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran deutlich gelockert, sondern Sachsen-Anhalt zur Sonderförderungszone der Europäischen Union erklärt worden. Der Kreisverband stellt »frische Geschäfte« für die heimische Wirtschaft in Aussicht. Allerdings ist den Veranstaltern nicht allein daran gelegen, fette Beute abzugreifen. Sie sind auch daran interessiert, die »jetzige iranische Regierung zu stabilisieren.«

Diese Formulierung ist wohl kaum das Resultat grober Naivität. Denn selbstverständlich kann auch den Christdemokraten aus dem sachsen-anhaltischen Brachland nicht entgangen sein, dass es sich beim Iran um eine klerikalfaschistische Despotie handelt, wo – gemessen an der Einwohnerzahl – mehr Menschen hinrichtet werden, als in irgendeinem anderen Land der Erde. Daran hat sich auch seit dem Machtantritt des „moderaten“ Rohani nichts gebessert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Zahl der Hinrichtungen nahm seit dessen Amtseinführung im Jahr 2013 nochmals drastisch zu. Ungeachtet ihres Alters werden die vermeintlichen Delinquenten für solche Verbrechen wie Homosexualität, außerehelichen Sex, Alkoholkonsum oder Drogenhandel, Gotteslästerung und natürlich Kritik am brutalen Regime der Mullahs hingerichtet. Die ideologische Grundlage für die iranische Schreckensherrschaft liefert der Islam mit seinem Plädoyer für Todessehnsucht und Genussfeindschaft. Das alles schreckt die Freunde der deutsch-iransischen Wirtschaftsbeziehungen nicht ab, vielmehr trotzt ihnen gerade der wohlige Schauer vor der anpackenden Brutalität Sympathien für den iranischen Terrorapparat ab.

Zudem ist der Iran besonders für sein jahrelanges Bemühen bekannt, Israels Auslöschung voranzutreiben. Im Wochentakt überschlagen sich hochrangige iranische Großmäuler mit den Vernichtungsdrohungen. Im Iran belässt man es jedoch nicht bei markigen Worten. Um seinem Ziel näher zu kommen, greift der Mullahstaat antisemitischen Banden wie Hamas und Hisbollah bei ihren Angriffen auf den Staat der Juden unter die Arme oder er organisiert die Anschläge auf israelische Staatsbürger und Botschaften gleich selbst. Um die Judenfrage endgültig lösen zu können, versuchen die Islamfaschisten seit Jahren, in den Besitz der Atombombe zu gelangen. Um das zu verhindern, wurden einst die Wirtschaftssanktionen beschlossen, die vor knapp einem Jahr bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht wurden. Und das, obwohl sich auch am antisemitischen Tatendrang seit der Präsidentschaft Rohanis nichts geändert hat. Das zeigen unter anderem Raketentest vor drei Monaten. Iranische Militärs verkündeten danach stolz, dass die Raketen eine Reichweite von mindestens 2.000 km hätten und – damit niemand die Absicht dieser Übung missverstehen kann – mit den Worten „Israel muss ausradiert werden“ beschriftet wurden. Siegessicher prophezeite Irans Obermullah Ayatollah Khameni, dass sein Land das Raketenprogramm ausweiten werde und der Westen nichts dagegen tun könnte.

Es ist dabei nur scheinbar ein Widerspruch, dass an der heutigen Veranstaltung auch zahlreiche Landesvertreter teilnehmen, die keinen Anlass verstreichen lassen, das Gedenken an die ermordeten Juden zu zelebrieren. Dieter Althaus ist beispielsweise engagiertes Mitglied einer »Maximilian-Kolbe-Stiftung für Wege der Versöhnung aus der Kraft der Erinnerung«. Allerdings gedenken solche Vereine immer nur den toten Juden – an die Lebenden verschwenden sie keinen Gedanken. Stattdessen ist Israelkritik beim Erinnerungsweltmeister beliebter als die Fußball-Europameisterschaft. Das gegen Israel gerichtete Atomprogramm des Iran stört darum fast niemanden in Deutschland. 70 Jahre nach der Niederlage ist man hierzulande lediglich froh, sich nicht selbst die Hände schmutzig machen zu müssen. Für derart geläuterte Deutsche ist der iranische Botschafter Majedi der ideale Ansprechpartner. Er tritt nämlich nicht durch den wüsten Antisemitismus eines Ahmadinedschad in Erscheinung. Der Israelkritik leistet er viel bessere Dienste, indem er das nötige Material und Know-How für Irans Mordmaschinerie ins Land holt. Daran möchte sich der ostdeutsche Mittelstand natürlich gern beteiligen, indem er das Baumaterial für die Folterkammern, Baukräne zur Vollstreckung der Todesstrafe oder Bauteile für Sprengköpfe liefert. Das einzige was der schnellen Wiederbelebung der deutsch-iranischen Kontakte bei solchen Aussichten noch im Wege steht, ist die Doppelkornfahne der sachsen-anhaltischen Unternehmerschaft.

»AG No Tears for Krauts Halle«

Raus aus der Scheiße: Ende der Antifademo durch das Drecksnest Bornhagen | 5. Mai 2016

Kurzmitteilung

Weil es so schön war, der dörflichen Idiotie zu entsagen, hier nochmal ein Video vom Ende der Demo durch das Drecksnest Bornhagen.
Es spielten die Bands: NTFK, ADAB, GEKO

„Straight to hell! Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!“ [youtube playlist]

FAZ 6.5.2016 | Ein Himmelfahrtsprotest gegen Gefühlszonis. Linke Gruppen kommen nach Bornhagen, in den Wohnort des AfD-Manns Björn Höcke – ihre Wut richtet sich aber vor allem gegen die Provinz

Die Redebeiträge zur Demo im Eichsfeld sind hier nachzulesen:
http://nokrauts.org/2016/05/redebeitraege-zur-demonstration-straight-to-hell-in-bornhagen/

Bilderreihe: https://www.flickr.com/photos/lionelcbendtner/sets/72157667942386086

Presseshow following up straighttohellbornhagen.wordpress.com/presseschau/

Weitere Berichte in der youtube Playlist: Weiterlesen

Das tothe Thier

Kurzmitteilung

Thote ThierDas tothe Thier

Nach zehn Ausgaben stellen wir die Zeitschrift Das Grosse Thier hiermit ein und gestehen: Es war alles nur ein grosser Witts.

Wer hätte gedacht, dass einer der größten Gags der an Witzen so reichen ostzonalen Antifa-Geschichte der letzten Jahre gleich zweimal funktioniert. Vielleicht erinnert sich noch jemand: Vor vier Jahren boten wir der linken Leipziger Jungakademikerzeitschrift Phase 2 einen bei einem Kasten Bier entstandenen Artikel an, in dem wir der Kleinkinderserie ALF einen subversiven und emanzipatorischen Charakter andichteten. Zudem schlugen wir den Bogen zur inzwischen so beliebten Gendertheorie und behaupteten, dass der Außerirdische mit der femininen Körperbehaarung und der engelsgleichen Stimme auch in dieser Hinsicht Herausragendes geleistet habe. Zu unserer Überraschung winkte die Redaktion den Text, der zu mehr als 70 Prozent aus Fragwürdigkeiten, Lügen und Mumpitz bestand, durch und veröffentlichte ihn. Damit war die von der Phase 2 kurz zuvor gestellte Frage beantwortet, die uns überhaupt erst zum Schreiben des Artikels veranlasst hatte: Wie ist es um linke Medien bestellt? Unsere Antwort lautete: Linke Medien stehen mit Wahrheit und Vernunft auf Kriegsfuß. Sie sind darüber hinaus nicht nur der Ort, an dem private Vorlieben weltanschaulich aufgenordet werden können, sondern auch bereit, jeden Unsinn zu drucken, wenn er nur im richtigen Jargon verfasst ist.
Unseren abschließenden Text zu der Angelegenheit beendeten wir mit der Aussage, dass vielleicht alles doch ganz anders ist. Vielleicht, so hofften wir damals, bekennt sich die Redaktion der Phase 2 demnächst dazu, dass nicht nur der ALF-Text, sondern sämtliche Artikel des Blattes ein subversiver Anschlag auf die Dummheit, den Konformismus und die Autoritätshörigkeit der Linken sind. Durch ein solches Geständnis hätte das Phase-2-Publikum, das den Quark des Blattes Jahr für Jahr geschluckt hat, vor sich selbst erschrecken können – was nicht das Schlechteste gewesen wäre. Man muss die Menschen vor sich selbst erschrecken lassen, um ihnen Courage zu machen, schreibt Marx ja irgendwo sinngemäß.
Diese Hoffnung auf einen großen Masterplan der Phase-2-Redaktion war zwar äußerst naiv. Es war jedoch eine Idee geboren wurden: Wir beschlossen, eine Zeitschrift zu gründen, die den linken Zeitgeist und die postantideutsche Antifaszene mit ihrer wiedergewonnenen Begeisterung für jeden noch so hanebüchenen linken Bewegungsunsinn – von der neuen Anziehungskraft der „Klasse“ bis zum garantiert szenigen Dresscode – bedient. Das Blatt sollte mit aufgeblähten Nonsens-Artikeln gefüllt werden, um in der Hoffnung auf das Erschrecken der Leserschaft über sich selbst, das manchmal durchaus heilsame Folgen für die eigene Selbstreflexion und Vernunft haben kann, irgendwann die Bombe platzen zu lassen. Der Name des Heftes war schnell gefunden: Das grosse Thier.
Auch die Herausgabe selbst war nicht sehr schwer. Wir setzten uns gelegentlich zusammen, besorgten uns stärkere Getränke als Bier und mixten folgende Zutaten: philosophisch aufgenordete, meist um ein wenig Hegel, Marx oder den Situationismus aufgepeppte Worthülsen, mit denen das theoretische Bedürfnis bedient werden sollte, Kleinkinderwitze, Schülerzeitungshumor und viel Gerede von der Avantgarde vergangener Tage. Trotz des Geblubbers von Antiautoritarismus und Gleichberechtigung will der um Distinktion bemühte Feld-, Wald- und Wiesenlinke nämlich lieber Vor- als Nachturner sein. Das ganze verbanden wir mit der obligatorischen Fünf-vor-Zwölf-Rhetorik („bald-geht-die-Welt-unter-aber-außer-uns-stört-sich-niemand-daran“), die dem existenzialistischen Bedürfnis der Leserschaft entgegenkommen sollte, und, unmittelbar damit verbunden, Poesiealbumsweltschmerz. Zusammen mit einem lieblos zusammengeschusterten Layout entstand dabei ein kleines Heftchen, das jeder Leser aufgrund des kompletten Verzichts auf Inhalt, Stringenz, Logik und Lesbarkeit entnervt hätte links liegen lassen müssen.
Das Gegenteil passierte: Zwar hatten wir damit gerechnet, dass sich bereits mit der ersten Ausgabe ein fester Leserkreis zusammenfand, den das Heft begeisterte. Immerhin kennen wir die Linke und ihre Vorliebe für sinn- und hirnloses Gestammel. Nicht gerechnet hatten wir allerdings damit, dass das Blatt eine so große Resonanz erhielt, dass uns von den Lesern haufenweise Artikel für mehrere Ausgaben angeboten wurden, die unser eigenes, im Stroh-80-Rausch fabriziertes Gebrabbel für das Grosse Thier noch unterboten. Wir entschieden uns, die Sache noch ein wenig laufenzulassen und setzten die Herausgabe fort. Unsere Hoffnung: Irgendwer muss doch irgendwann durchschauen, dass das Heft nicht ernst gemeint sein kann. Leider Fehlanzeige, die Fangemeinde wuchs und auch die Artikelangebote nahmen nicht ab.
Da zehn Hefte nun wirklich genug sind und wir schlichtweg keine Lust mehr haben, darauf zu warten, dass jemand unser Fake durchschaut, stellen wir hiermit die Herausgabe der Zeitschrift Das grosse Thier ein. Wir hoffen, dass sich die bisherigen Leser für ihre Begeisterung schämen, bei ihrer nächsten Lektüre genauer hinschauen und ausnahmsweise einmal ihren Kopf einschalten. Groß ist unsere Hoffnung allerdings nicht.

No Tears for Krauts, 04/2016