Über gute und böse Juden | Flugblatt

Am 25. Juni 2019 hielt Dr. David Ranan auf Einladung der Friedrich‐Ebert‐Stiftung einen Vortrag unter dem Titel »Wehrhafte Demokratie? Israel nach der Wahl und die Rolle des Militärs in der Gesellschaft« (Halle, 25. Juni 2019). Wir haben davor folgendes Flugblatt verteilt:

[PDF] Flugblatt: Über gute und böse Juden

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Ihnen sicherlich nicht entgangen ist, befindet sich die Sozialdemokratie in der größten Krise der Nachkriegszeit. Bei den anstehenden Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen wird voraussichtlich nur jeder zehnte Wähler sein Kreuz bei der SPD setzen, die einmal den Ruf hatte, die Partei des kleinen Mannes zu sein. Dennoch geht alles weiter seinen Gang.
Als Promotionsagentur der SPD ist die parteinahe Friedrich‐Ebert‐Stiftung (FES) merklich vom Niedergang der Sozialdemokratie betroffen. Während aber die SPD weiterhin munter das Personalkarussell dreht, um die Persönlichkeit mit dem nötigen Charme ausfindig zu machen, die das verloren gegangene Vertrauen der Wähler wiedererweckt, dokumentiert die politische Bildungsarbeit der FES einen Zustand ausufernder geistiger Verwahrlosung. Dies wird nicht zuletzt an ihrem instrumentellen Verhältnis zu Juden deutlich, das repräsentativ für die Sozialdemokratie ist.

Böser Jude = Islamkritischer Jude

Kennzeichnend dafür ist beispielsweise die kurzfristige Absage der für den 29.04.2019 in Leipzig geplanten Veranstaltung mit dem deutsch‐israelischen Schriftsteller Chaim Noll. Das sächsische Landesbüro der FES lud den Referenten drei Tage vor seiner Lesung ohne Angabe von Gründen aus. Im Nachhinein sah sich der Leiter des Landesbüros, Matthias Eisel, immerhin veranlasst, die Gründe für die Absage nachzureichen: Er attestierte Noll, rechtspopulistische Positionen zu vertreten. Demnach lasse sich politische Bildung im Geiste von Demokratie und Pluralismus nicht mit Nolls Kritik an der bundesrepublikanischen Appeasement‐Politik gegenüber dem iranischen Mullah‐Regime vereinbaren.
Insbesondere verzeiht man Noll nicht, dass er die augenscheinlichen Widersprüche deutscher Außenpolitik nach Auschwitz an der Person des Außenministers Heiko Maas mustergültig vorgeführt hat. Dieser bekennt zwar bei jeder Gelegenheit, dass er wegen Auschwitz in die Politik gegangen sei, unterstützt aber ausgerechnet den Dialog und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit jenem Regime, das dem Staat der Juden offen mit seiner Auslöschung droht und unbeirrbar daran arbeitet. Mit der Unterstützung von Hisbollah und Hamas führt der Gottesstaat seit langem quasi einen Stellvertreterkrieg gegen Israel.

Guter Jude = Israelkritischer Jude

Heute lädt die FES in Halle hingegen einen Juden ein, der Ihnen weder etwas Erhellendes darüber zu berichten weiß, warum die SPD in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden droht, noch darüber, warum der Ausnahmezustand de facto Normalität für Israel ist. Vielmehr geht es dem heutigen Referenten Dr. David Ranan darum, auf dem von Begriffsverwirrung umwölkten Gipfel moralischer Überheblichkeit über die israelische Politik zu urteilen und zugleich den moslemischen Antisemitismus zu banalisieren.
Ein Anzeichen für die Preisgabe jeder politischen Urteilskraft ist Ranans strunzsteile These, Antisemitismus lasse sich nur bei einer verschwindend geringen Minderheit von Moslems ausmachen. Mit seiner Agenda verfolgt er das Ziel, den offenen Antisemitismus, der weitgehend Konsens ist unter Moslems in Beirut, Berlin und Brüssel, zur zulässigen politischen Meinung aufzuputzen. „Tod den Juden“ zu skandieren sei nicht etwa antisemitisch, sondern eine herkunftsbezogene Reaktion auf den israelisch‐arabischen Konflikt.

Was ist legitimer Judenhass?

Juden wegen ihres Staates zu hassen, sei etwas grundlegend anderes als sie wegen ihrer Rasse oder Religion zu hassen, versichert Ranan. Sein Imponiergestammel zielt auf die Verwässerung eines Begriffs von Antisemitismus ab, um so die Auswüchse des in moslemischen Communities epidemischen Judenhasses zur politisch korrekten Israelkritik umzulügen.
Wenn Moslems Juden als Yahudi beschimpfen, ihnen gegenüber Tötungsabsichten artikulieren und den jüdischen Staat als Krebsgeschwür bezeichnen, meinen sie Ranan zufolge lediglich Israelis (Iisrayiyli) und ihren Staat, bringen also nur die Begriffe durcheinander. Denn in Wahrheit, so Ranan, existiere kein jüdischer, sondern nur ein israelischer Staat. Wer ernsthaft glaubt, die derzeit virulenteste Form des Antisemitismus durch sprachmagische Schwin deleien zum Verschwinden bringen zu können, hat ein ähnliches Erkenntnisinteresse wie Sie es haben, wenn es um eine kritische Bestandsaufnahme zum Stand der Sozialdemokratie geht.
Übrigens: Ein antisemitisches Weltbild zeichnet sich dadurch aus, dass der Antisemit Juden unterstellt, die Welt insgeheim zu beherrschen und hinter sämtlichen Kriegen und Krisen, Miseren und Missetaten zu stecken. Sein Problem mit Juden besteht also nicht darin, was sie konkret machen, sondern darin, dass sie überhaupt da sind. Sie verkörpern das negative Prinzip, auf das der Antisemit reflexionslos alles Mögliche projiziert.

„Kein Mensch ist heute mehr Antisemit, man ver‐
steht nur die Araber.“ (F. Dürrenmatt)

Im Grunde ist Ihr Verhältnis zu Israel von einer aggressiven Straflust geprägt. Deshalb laden Sie sich einen Alibi‐Juden ein, der Ihre gedämpften Ressentiments gegen wehrhafte Juden und ihren Staat – aus Verantwortung gegenüber der Geschichte – offen ausspricht. Herr Ranan wird Ihnen das sagen, was Sie ohnehin schon lange ahnen. Israel sei selbst schuld daran, dass es so leidenschaftlich gehasst wird. Er wird Sie vor den Zuständen in Israel warnen: dem korrupten Netanjahu, den rechten Hardlinern, Ultra‐Orthodoxen und Ultra‐Nationalisten, die keine neue Regierung zustande bekommen, dem allgegenwärtigen Rassismus mit Schädelvermessungen und Züchtungsprogrammen… Dass der Zwergstaat Israel – der übrigens nicht grundlos bis auf die Zähne bewaffnet ist – unter Anwendung von Waffengewalt seine Bürger verteidigt, ist für Sie schon eine unglaubliche Chuzpe. Dass er sich darüber hinaus von seinen sozialdemokratischen Ursprüngen verabschiedet hat, bringt das Fass zum Überlaufen.
Die deutsche Sozialdemokratie hat schon lange ein handfestes Israel‐Problem. Sie geriert sich zwar als Freund der Israelis, ist aber durchdrungen von einer unnachgiebigen Rechthaberei, was die Angelegenheiten des jüdischen Staates angeht. Statt Israel zu belehren, es solle eine andere Politik machen – die letztlich zu seiner Auflösung führen würde –, täten Sozialdemokraten gut daran, sich endlich ein zutiefst gestörtes Verhältnis zu Israel einzugestehen.
Zur Erinnerung: Es war Sigmar Gabriel, der Israel als „Apartheid‐Regime“ bezeichnete und sich ganz ungeniert beim Besuch in Israel mit der NGO Breaking the Silence traf. Andrea Nahles beschwor bei einem Treffen mit Vertretern der Fatah „gemeinsame Werte“. Martin Schulz applaudierte, als Mahmud Abbas im Europäischen Parlament die Legende von jüdischen Brunnenvergiftern wiederaufleben ließ, und nannte die Rede „inspiring“. Es war Frank‐Walter Steinmeier, der im Arafat‐Mausoleum einen Kranz niederlegte und in stiller Andacht dem Borderliner der Menschenrechte ehrerbietend seine Hochachtung zollte. Mal Hand aufs links schlagende Herz: Beneiden Sie nicht heimlich diejenigen Moslems ein bisschen, die so beseelt sind vom Hass, Juden den Tod zu wünschen, als hinge das eigene Leben davon ab?

Ihre AG »No Tears for Krauts«
Halle, Juni 2019

Identitätsbezogene Vernunftfeindlichkeit — Über Antisemitismus, Islam und Antidiskriminierungsideologie

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 2. Mai 2019, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz

Halle (Saale)

Dass der Jargon der Antidiskriminierung lagerübergreifend zum guten Ton gehört, weiß man spätestens seit selbst der AfD‐Chef Jörg Meuthen vor „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gewarnt hat. Unter diese Hohlformel der Vorurteilsforschung werden Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und so weiter unterschiedslos subsumiert. Der Erfolg der vielfaltsorientierten Antidiskriminierungsideologie, die auf die Gleichwertigkeit der Identitäten pocht, hat seine reale Ursache in der postmodernen Transformation der Arbeitsgesellschaft. In dem Maße wie Unternehmen auf den „arbeitenden Kunden“ (G. Günter Voß) als unbezahlte Arbeitskraft setzen, wachsen die Notwendigkeit und die Bereitschaft, potentiellen Mitmachern jedweder Identität die „Teilhabe am Wertschöpfungsprozess“ zu ermöglichen. Inklusion wird zur betriebswirtschaftlichen Erfordernis, Diskriminierung zum Verlustgeschäft.
Der Identitätsfetisch, dem diese Entwicklung entgegenkommt, beruht seinerseits auf den gleichen sozioökonomischen Voraussetzungen: Wo grenzenlose Mobilität und Anpassungsfähigkeit gefragt sind und „Patchwork‐Biografien“ längst zur Norm geworden sind, wird Identität zwangsläufig austauschbar und ihre Herstellung und Transformation dem Subjekt als niemals endende Arbeit an sich selbst aufgetragen. Die krisenhafte Neuerfindung des Selbst in Permanenz provoziert jedoch Abwehrreaktionen: Der Zumutung der kontinuierlichen Identitätsverwandlung entkommt, wer sich auf eine scheinbar fixe Identität zurückzieht, also sein Geschlecht, seine Herkunft oder Kultur zum unantastbaren Wesenskern seines Selbst erhebt. Symptom dieser Krise ist die auch im Westen potente Anziehungskraft des Islam, der alle anderen Identitäten nivelliert und sie an ihren rechtmäßigen Platz auf Erden oder in der Hölle verweist.
Dieser omnipräsente Identitätswahn zeitigt massenhaft antisemitische Erregungen, nicht nur weil im fantasierten Bild des Juden er als Zersetzer von Authentizität und Selbsthaftigkeit erscheint, sondern auch weil Israel das staatgewordene Dementi des Nexus von Natur und Kultur ist, den Identitäre jeglicher Couleur postulieren. Die heute größte Bedrohung für Juden in aller Welt ist der islamische Antisemitismus. Im Krieg gegen die Juden soll sich die verloren geglaubte muslimische Identität behaupten. Davon zu sprechen gilt den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Agenten der Antidiskriminierungsideologie aber als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, nämlich als „antimuslimischer Rassismus“. Dass diese Schützenhilfe für judenfeindliche Muslime keine willkürliche Macke ist, sondern der allgegenwärtigen Vielfaltspropaganda unmittelbar entspringt, wird im Vortrag anhand der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank illustriert, die nicht nur ein Trainingsprogramm mit dem Titel „Was gewinnen Betriebe durch Diversity Management?“ anbietet, sondern auch die Kritik des islamischen Antisemitismus sabotiert.

Es spricht ein Vertreter der Gruppe Thunder in Paradise aus Frankfurt a.M.

Eine Veranstaltung der AG Antifa.
antifa.uni-halle.de

Der Lärm danach. Eine Antwort an unsere Kritiker

Der Redebeitrag, den wir kurz vor Weihnachten bei der Kundgebung vor der Moschee in der Leipziger Roscherstraße gehalten haben, hat offensichtlich eingeschlagen. Laut einigen Internetrittern, denen die Facebook‐Aufmerksamkeitsökonomie längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, verderben wir mit solchen Texten die Islamkritik; andere sahen durch uns gleich die Opfer des islamischen Terrors verraten. Aber auch von einigen Freunden kam Kritik. Und das ist gut so. Denn (1.) bietet uns diese Kritik die Möglichkeit, einige der Dinge, die in unserem recht eilig entstandenen Redebeitrag notgedrungen zu kurz kommen mussten, auszuführen. (2.) glauben wir, dass zumindest einige der von Freunden vorgebrachten Kritikpunkte tatsächlich diskutiert werden sollten.

1. Islamismus: ein Nichtthema?

Es war zunächst vor allem eine Aussage, die Widerspruch hervorgerufen hat: Während wir erklärten, dass sich hierzulande nahezu alle tonangebenden Kräfte auf die Gegnerschaft zum Islamismus einigen könnten, wurde uns entgegengehalten, dass der Islamismus in Deutschland ein Anathema sei. Sowohl die offiziellen Stellungnahmen der politischen Klasse, die Förderprogramme der Bundesregierung und die Bestsellerlisten sprechen jedoch eine andere Sprache. Nur einige Beispiele: Zwischen 2016 und 2017 wurden die Bundesmittel für Islamismusbekämpfung in den Justizvollzugsanstalten fast verdoppelt, im selben Jahr (2017) wurde ein „Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Radikalismus“ ins Leben gerufen, Constantin Schreibers Buch „Inside Islam. Was in deutschen Moscheen gepredigt wird“ führte zeitweise die „Spiegel“-Bestellerliste an. Darüber hinaus sprach vor kurzem selbst der Innenminister des ziemlich abseits gelegenen Bundeslandes Brandenburg, Karl‐Heinz Schröter (SPD), von einem wachsenden Islamismus‐Problem zwischen Uckermark und Lausitz. Man kann und sollte über die Qualität all dieser Aussagen und Unternehmungen streiten, geleugnet werden können sie jedoch nicht.

2. Islam: ein Anathema

Während die Rede vom Islamismus also durchaus verbreitet ist, scheut man sich in der Öffentlichkeit dagegen oftmals davor, eine Verbindung zwischen Islamismus und Islam herauszustellen. Auch deshalb wurde Constantin Schreiber im „Deutschlandfunk“ und anderswo für sein Buch „Inside Islam“ angefeindet. In der Regel wird der böse Islamismus fein säuberlich vom guten Islam abgetrennt: so, als hätte das eine nichts mit dem anderen zu tun. Vor diesem Hintergrund hat es uns auch gewundert, dass sich einige Freunde – sei es in Kommentaren, sei es durch Facebook‐Likes – plötzlich positiv auf den Begriff des Alltagsislams beziehen: Im Iran der siebziger und selbst noch im Frankreich der vergangenen Jahre, so das von einigen Leuten unterstützte Argument, habe es im Unterschied zu Deutschland einen durchaus vernünftigen Alltagsislam gegeben. Hier sind wir vom Gegenteil überzeugt: Denn in dem Moment, in dem der Islam im Alltag so allgegenwärtig ist, dass man von einem Alltagsislam sprechen kann, hat er gerade nichts mehr mit den früheren Säkularisierungstendenzen im Iran oder in Frankreich zu tun. Er ist nicht das pluralistische Pendant zu einem „Alltagschristentum“, von dem niemand sprechen würde, weil es weder in Berlin noch in Wien oder in Paris existiert, sondern Ausdruck der allgemeinen Islamisierung.

3. „Mach meine Familie nicht an!“

Das wirklich Bemerkenswerte wurde von unseren Kritikern dagegen nicht angesprochen: Obwohl die islamische Bedrohung aufgrund der Terroranschläge überall präsent ist und öffentlich nicht selten vom Islamismus gesprochen wird, scheint die Bedrohung zumindest in Deutschland nicht ins allgemeine Bewusstsein zu dringen. Sie dürfte allenfalls im Vorbewussten oder in den Schläfenlappen verharren. Das beste Beispiel hierfür ist die Kunst, die immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Stimmungen, Wünsche und Tendenzen ist: Während im Frankreich der vergangenen Jahre zahlreiche Romane und Erzählungen erschienen sind, die um den Terror und die Islamisierung kreisen, gibt es in Deutschland nichts dergleichen. Das mag auch auf die höhere Zahl der Terroropfer und die noch deutlichere Wahrnehmbarkeit des Islam in der französischen Öffentlichkeit zurückgehen. Es erinnert jedoch auch an die Beobachtungen, die Hannah Arendt 1945ff. in Deutschland machte: Sie sprach von einer enormen Weltabgewandtheit der Landsleute, dem fröhlichen Weitermachen und einer immensen Abwehr der Realität, die damals noch mittels Arbeit stattfand.

Für die gegenwärtige Realitätsverleugnung mag es viele Gründe geben. Justus Wertmüller hat einige davon in seinem Text „Menschenopfer für die Weltoffenheit“ in der aktuellen „Bahamas“ benannt. Nicht zu unterschätzen sind, direkt damit verbunden, zugleich die mal offenen, zumeist jedoch heimlichen Sympathien, die dem Islam hierzulande entgegengebracht werden: von einem Außenminister, der sich vor dem Grab des am Ende durchweg islamisierten Judenhassers Yassir Arafat verneigt, über die Verklärung des Kopftuchs zum Symbol von „Empowerment“ im linksliberalen Milieu bis hin zur offenen Kooperation mit Islamisten wie bei der „Unteilbar“-Demonstration.
Diese Sympathien stehen, wir beharren darauf, selbstverständlich auch im Zusammenhang mit der Rückkehr von Familie, Ehe, Ehre und Herkunft hierzulande – allerdings anders als uns unterstellt wurde. So lassen die Zumutungen des postmodernen Kapitalismus, sprich: der Abbau der sozialen Sicherungssysteme, der Zwang zu immer größerer Individualität, um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können, die Nötigung zu Flexibilität, Entgrenzung, jederzeitiger Verfügbarkeit und allseitiger Kreativität das Bedürfnis nach all dem entstehen, wofür Familie, Ehe und Herkunft im Positiven wie im Negativen stehen. Dieses Bedürfnis ist noch nicht einmal ganz irrational. So ist der Rückgriff auf die Blutsbande gerade in Ost‐ und Südeuropa längst zur Notwendigkeit geworden: Die Mieten sind unbezahlbar geworden, der Gelegenheitsjob wird schlecht bezahlt und von der Rente kann man nicht leben.

Neben dem nur allzu nachvollziehbaren Drang nach Sicherheit kommt der Rückgriff auf Familie und Herkunft jedoch auch dem ebenfalls von den gegenwärtigen Verhältnissen produzierten Bedürfnis nach Überschaubarkeit, einfachen Antworten, klaren Regeln und Hierarchien entgegen. Die oft gar nicht so klammheimliche deutsche Begeisterung für den Islam dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass er all dies (1.) in Reinform vertritt und (2.), nicht zu unterschätzen, zugleich für ein enormes Zerstörungs‐ und Vernichtungspotential steht. Dieses Potential kommt den traditionellen antibürgerlichen Affekten deutlich entgegen, die den Bürger seit seinem Erscheinen auf der gesellschaftlichen Bühne wie ein Schatten begleiten. So wird er spätestens seit Rousseaus „Zurück zur Natur“ immer mal wieder vom Bedürfnis getrieben, die Fesseln der Zivilisation hinter sich zu lassen und all das, was ihn im Guten wie im Schlechten bindet, kaputtzuschlagen. Das heißt nicht, dass wir, wie uns absurderweise unterstellt wurde, etwas gegen standesamtliche Eheschließungen haben. Das heißt ebenfalls nicht, dass die Sympathien für den Islam unter Verheirateten besonders stark ausgeprägt sind. Es spricht, im Gegenteil, sogar einiges dafür, dass die Ablehnung des Islam in traditionelleren Kreisen stärker ist als im linksliberalen Milieu – das allerdings ebenfalls wieder verstärkt auf Ehe, Vermehrung und Familie setzt. Aber es soll heißen, dass dieses neue Interesse über weite Strecken dieselben gesellschaftlichen Ursachen hat wie die deutschen Sympathien für den Islam.

Wer diesen Zusammenhang nicht sehen will, der vergisst angesichts der islamischen Bedrohung entweder, dass die hiesigen Verhältnisse, die selbstverständlich ohne Wenn und Aber gegen diese Bedrohung verteidigt werden müssen, trotzdem nicht das Paradies auf Erden sind: Die Jungen Liberalen lassen grüßen. Oder er erliegt dem alten bewegungslinken Drang, das Private, sprich: den eigenen Lebensentwurf, als politisch auszugeben. Nach der WG, dem Sitzpinkeln oder der vegetarischen Ernährung sollen nun auch die bürgerliche Ehe und der Doppelkinderhaushalt, gegen die selbstverständlich nur wenig spricht, besonders widerständisch sein. Vielleicht hat er aber einfach auch nur, um einen unserer Kritiker zu zitieren, den „sprichwörtlichen Schuss“ nicht gehört. Was auch immer es ist: Wir wünschen einen guten Rutsch nach 2019 – in welche Richtung auch immer.

AG „No Tears for Krauts“,
12/2018

Redebeitrag zur Kundgebung gegen Islamismus in Leipzig

Wir dokumentieren unseren Redebeitrag zur Kundgebung der Leipziger Initiative gegen Islamismus vor der Al‐Rahman‐Moschee. Weitere Beiträge und Pressestimmen können auf der Homepage der Initiative (gegen-islamismus.de) sowie auf deren facebook‐Seite nachgelesen werden.

[PDF] Redebeitrag von AG »No Tears for Krauts«
zur Kundgebung »Gegen Islamismus in
Leipzig!» am 21. Dezember 2018

Liebe Besucherinnen und Besucher, liebe Genossinnen und Genossen,

als uns vor einigen Monaten die ersten vorsichtigen Informationen erreichten, dass die „Leipziger Initiative gegen Islamismus“ plane, eine Kundgebung gegen die salafistische Al‐Rahman‐Moschee zu veranstalten, brauchten wir nicht lange, um uns auf eine Unterstützung des Anliegens zu verständigen. Doch gleichzeitig wuchsen auch Zweifel. Wäre es richtig, gegen eine Al‐Qaida‐nahe, vom Verfassungsschutz beobachtete Moschee zu demonstrieren, deren bärtige Vorbeter ohne jeden Zweifel Dschihadisten und üble Menschenfeinde sind, aber falsch, gegen eine ordinäre Moschee wie jene in Halle zu intervenieren, in der Grundschulkindern erklärt wird, dass Ungläubige in die Hölle kommen? Ist es nicht so, dass sich vom BAK Shalom über die SPD bis hin zur AfD, vom Kleinstadtpfaffen bis zum Zentralrat der Muslime nahezu das gesamte politische und religiöse Spektrum Deutschlands auf die Formel einigen könnte: „Für radikale Islamisten ist kein Platz in unserer Gesellschaft!“? Innenminister Thomas de Maiziere, von dem diese Parole stammt, dürfte in seiner Politkarriere wenige Sätze geäußert haben, die für sich stehend derart hohe Zustimmungsraten erreichen.

Der Kampf gegen den Islamismus scheint bis auf ein paar irren Antiimperialisten allen am Herzen zu liegen. Wie kann es dann sein, dass im August bei „Wir sind mehr“ 65.000 Menschen gegen braune Wastelands in den sächsischen Zonenrandgebieten demonstrierten, heute aber kaum mehr als ein Tausendstel dessen gegen die Halsabschneider des Propheten sein zartes Stimmchen erhebt? Die Antwort dürfte Wenigen gefallen. Sobald sich eine Kritik am Islamismus konkretisiert, sobald sie Ross und Reiter benennt, kurz: sobald darauf hingewiesen wird, dass Islamismus ohne Islam schwerlich zu denken ist, bekommt der linke islamismuskritische Menschenfreund einen ziehenden Schmerz in der Bauchgegend und verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Dickicht der „Toleranz und Weltoffenheit“. Die heutige Kundgebung vor einer Moschee wird deshalb nicht zu Unrecht als Tabubruch wahrgenommen. Denn nirgendwo sonst als vor einem islamischen Gotteshaus, in dessen Inneren Männer und Frauen säuberlich separiert werden, wird so offensichtlich, dass die Trennung zwischen „friedlichem Islam“ auf der einen Seite und dem wunderschön unkonkreten „bösen Islamismus“ auf der anderen nicht ohne Weiteres aufrechtzuerhalten ist. So zu tun, als hätte der Islam mit dem Islamismus nicht das Geringste zu tun, ist so, als würde ein Alkoholiker behaupten, dass es am Schnaps ja wohl kaum liegen könne. Wer sich aber dieser künstlichen und im Kern ideologischen Trennung verweigert, gilt zumindest als verdächtig. Man sei undifferenziert, rede der AfD das Wort oder sei gar ein Rassist.

Dabei ist es das eine, eine Petition gegen das Kinderkopftuch zu unterschreiben, und das andere, den Islam in der Konsequenz als das zu bezeichnen, was er ist: die weltweit gegenwärtig größte Gefahr für individuelle Freiheitsrechte. Dass diese nicht nur durch bärtige Islamisten beschnitten werden, dass der Alltagsislam auch in Halle und Leipzig – beides Städte mit vergleichsweise kleiner muslimischer Bevölkerungszahl – Mädchen vom Sport‐ und Schwimmunterricht fernhält, dass auch ganz normale moslemische Jungmänner ihren Schwestern aus Angst um die Beschmutzung der Familienehre das Leben zur Hölle machen, davon will der stets differenzierte Mainstream nichts wissen. Man spricht hierzulande so gern über den Islamismus, um über den Islam schweigen zu können.

Auch wenn Klügere mitunter auf die Formel des „politischen Islam“ zurückgreifen, verschleiert diese Formulierung mehr als sie erhellt. Kann eine Religion, die im Kern einen politischen Anspruch hat, nicht politisch sein? Kann es einen unpolitischen Islam überhaupt geben? Warum werden liberale Moslems wie Seyran Ates und Ahmad Mansour, die sich als absolute Minderheit für die Privatisierung des Glaubens – also gegen einen politischen Islam – einsetzen, dann mit dem Tod bedroht und brauchen Polizeischutz? Der Anspruch des Islam ist total. Er ist expansiv, und seine Anhänger würden das im Gegensatz zu seinen antirassistischen Freunden niemals leugnen. Der Islam ist nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern erhebt einen umfassenden Herrschaftsanspruch. Seine Lehre sabotiert die Idee individueller Freiheit, die die Aufklärung gebracht hat.

In Deutschland wird über den Islam inzwischen zwar viel gesprochen, doch leider kommt dabei nur selten etwas Vernünftiges heraus. AfD, Pegida und Co. kaschieren mit der Rede vom Islam nur sehr mühsam ihr fremdenfeindliches Ressentiment. Und das linksliberale Lager übt sich, mit dem politischen Mainstream im Rücken, in kollektivem Antirassismus, der nichts anderes als übler Kulturrelativismus ist. Der Schutz der „fremden Kultur“ wiegt dabei schwerer als der Schutz des Individuums. Der Verrat der Gutbürger gerade an jenen Menschen, die eine fast immer traumatische Flucht hinter sich gebracht haben und vielfach die Hoffnung mitgebracht hatten, ohne den repressiven Zugriff der Religion frei und selbstbestimmt leben zu können, ist der Preis für das politische Wellnessprogramm, das seinen Ursprung in der deutschen Vergangenheitsbewältigung hat. Die Wenigen, die hierzulande eine ernsthafte Kritik am Islam formulieren, sind so gut wie immer liberale oder ehemalige Muslime.

Der Deutschen Knacks besteht nicht im Hass auf alles Fremde. Sozialpsychologisch interessanter und gefährlicher ist eine viel tiefer im kollektiven Bewusstsein liegende Störung. Sie ist eine Art Abfallprodukt der deutschen Läuterung. Sie besteht darin, sich um keinen Preis des Rassismus verdächtig zu machen. Dass man stets tolerant zu sein habe. Das „Nie wieder“ als über allem stehendes Leitmotiv führt paradoxerweise zu einer Blindheit gegenüber Entwicklungen, die objektiv und statistisch deutlich gefährlicher sind als die braunen Jungs aus der Platte. Während die Bundesrepublik zu Recht jahrelang über den „NSU‐Komplex“ diskutierte, fanden 2018 in diesem Land über 50 Ehrenmorde und Mordversuche statt. Mediale Reaktion: Nahezu Null.

Während in Frankreich der Alltagsislam offen als Problem benannt wird, tut man sich in Deutschland immer noch schwer. Im Nachbarland haben Anfang des Jahres hunderte Intellektuelle unterschiedlichen religiösen und politischen Hintergrunds, darunter drei ehemalige Präsidenten, eine Petition unterschrieben, in der muslimischer Antisemitismus verurteilt, der Koran als „überholt“ bezeichnet und folgerichtig gefordert wird, Koransuren mit Tötungsaufrufen zu entfernen. In Deutschland berichteten darüber fast nur die dubiosen Webseiten der extremen Rechten, in Österreich immerhin die Zeitung „Der Standard“.

Nicht wenige Deutsche beschäftigen sich selbst zunehmend mit ihrer eigenen Herkunft und entdecken ihre Wurzeln in Niederschlesien. Das Faible für Tradition, Familie und Sicherheit durch Nähe ist offenbar ein Kind der Zeit. Eheschließungen nehmen seit Jahren wieder deutlich zu. In diesem Zusammenhang kann durchaus auch von einer heimlichen Faszination für den Islam gesprochen werden, der diese Werte in Reinform zur Verfügung stellt. Insbesondere männliche Jugendliche rasten heute wie selbstverständlich aus, wenn jemand – und sei es noch so harmlos – die eigene Familie beleidigt. Was einst ein Ghettoprivileg unter moslemischen Jugendlichen war, hat längst Einzug in Sprache und Habitus des Durchschnittsjugendlichen gehalten. In einer Gesellschaft, in der Individualität mit Kleidungsstil verwechselt wird, bietet der Islam mit seinen starren Richtlinien und Vorschriften dem atomisierten Individuum auch Schutz und Zuflucht. Das Unbehagen an der Moderne, an der westlichen Zivilisation als solche, mit all ihrer Dekadenz, der Gewaltenteilung, mit ihren individuellen Freiheitsrechten und der mühsamen Aushandlung von Konflikten eint weite Teile der Gesellschaft von rechts bis links.

Kurz gesagt: Die Deutschen haben keinen Schimmer, was es eigentlich am Westen gegen den Islam zu verteidigen gibt. Kein Wunder also, dass es kaum jemand tut.

Vielen Dank!

 


Weitere Beiträge und Pressestimmen können demnächst auf der Homepage der Initiative (gegen-islamismus.de) sowie auf deren facebook‐Seite nachgelesen werden. Hier eine Übersicht:

  1. Grußworte (zur Leipziger Initiative gegen Islamismus)

    Alex Feuerherdt, freier Publizist
    Berlin gegen Islamismus
    Sigrid Herrmann‐Marschall, Bloggerin und Islamismusexpertin

    Berliner Initiative „Ehrlos statt wehrlos

  2. Einleitungsrede der »Leipziger Initiative gegen Islamismus«

  3. Der alltägliche Islam
    - Redebeitrag von En Arrêt Berlin (EAB)

  4. Islamismus und Islam
    - Redebeitrag von AG »No Tears for Krauts« Halle (NTFK)

  5. Islamischer Antisemitismus ist islamisch
    - Redebeitrag der Gruppe Thunder in Paradise (Frankfurt)

  6. Mina Ahadi (Zentralrat der Ex‐Muslime)

  7. Redebeitrag von Inge Bell
    für die Leipziger Städtegruppe »Terres des femmes« (TDF)

  8. Redebeitrag von Marie Kreutz

 


Bericht der LVZ: (21.12.2018)

Blog Islamismus und Gesellschaft: Linkes Bündnis demonstriert vor Problem‐Moschee

Beitrag im Sachsenspiegel [ab 13:15] https://www.mdr.de/tv/programm/video-260874_zc-12fce4ab_zs-6102e94c.html

JungleWorld: Islamkritik im Regen. Konflikte zwischen linken Islamkritikern und linken Islamverstehern in Leipzig (03.01.2019)

 

Veranstaltungstipps Dezember

Zum Jahresende empfehlen wir die Veranstaltungen der AG Antifa in Halle:

6. Dezember 2018, 19 Uhr
Der Westen – eine Bestandsaufnahme

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard
Melanchthonianum, Halle (Saale)

15. Dezember 2018, ab 19 Uhr
Arrivederci Patriarchat – Ist der Feminismus noch zu retten?

Jahresabschlussveranstaltung mit Vorträgen, Diskussion und anschließender Party
VL, Ludwigstraße 37 in Halle

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Kundgebung: Gegen Islamismus in Leipzig!

Kundgebung vor der Al‐Rahman Moschee

Roscherstraße 33A, 04105 Leipzig
21. Dezember 2018, 12 Uhr

 

Während des Höhepunkts der sogenannten Flüchtlingskrise im Spätherbst 2015 geschah in einer Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände der Neuen Messe in Leipzig etwas Merkwürdiges. Die Betreuer der Einrichtung gaben an, dass sich täglich Bewohner der Unterkunft über die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr in ihre Heimatländer erkundigten. Die Helfer rätselten, was diese vorwiegend aus dem Irak und aus Syrien stammenden Menschen, die sich erst unter größten Strapazen und Gefahren den Weg nach Europa gebahnt hatten, dazu bewog, ausgerechnet an jenen Ort zurückkehren zu wollen, von dem aus sie ihre Flucht begonnen hatten.


Die Al‐Rahman Moschee

Nach einiger Zeit fanden die Betreuer der Einrichtung heraus, dass einer der dort arbeitenden Dolmetscher konsequent »falsch übersetzt und die Flüchtlinge massiv missioniert hat«.1 Der vermeintliche Dolmetscher entpuppte sich als ein salafistischer Aktivist aus dem Umfeld der radikal‐islamischen Al‐Rahman Moschee im Leipziger Norden. Dieser hatte bei nicht wenigen Bewohnern der Unterkunft eine derartige Entrüstung ausgelöst, dass sie sich entschieden, besser wieder in ihre vom Krieg zerrütteten Heimatländer zurückzukehren, als nun auch in Deutschland mit Islamisten konfrontiert sein zu müssen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die von der Moschee ausgehenden Radikalisierungsversuche unter Flüchtlingen nicht auf jene allgemeine Ablehnung gestoßen ist, die wünschenswert gewesen wäre. Laut dem sächsischen Verfassungsschutz, der die Moschee beobachtet, habe diese »in den Jahren 2015 und 2016 im Zuge der Migrationsströme« einen massiven Zulauf verzeichnen können, so dass mittlerweile »regelmäßig bis zu 1.000 Personen« zu den dortigen Freitagsgebeten pilgern.2 Die Moschee war durch den rasanten Zuwachs nach eigenen Angaben dazu gezwungen, seit geraumer Zeit zwei Freitagsgebete hintereinander abzuhalten, um allen Zuhörern des dortigen Salafisten‐Predigers einen Platz anbieten zu können.


Imam Hassan Dabbagh

Der aus Syrien stammende Imam dieser Moschee, Hassan Dabbagh, ist einer der führenden Köpfe der deutschen Salafistenszene und bei den Sicherheitsbehörden bereits einschlägig bekannt. Nach Informationen des »International Institute for Counter‐Terrorism« (ICT) pflegt Dabbagh enge Kontakte zu verschiedenen Jihadisten. So galt er als ein enger Vertrauter des ehemaligen Finanzchefs von Al‐Qaida, Dr. Adly el‐Attar. Die islamische Terrororganisation, die weltweit für die Ermordung tausender Menschen verantwortlich ist, hat Dabbagh einst finanziell unterstützt.3 Der Salafist, der sich offiziell gern als Verkünder einer Religion des Friedens ausgibt, stand im Kontakt zur sogenannten »Hamburger Zelle« um Mohammed Atta, die für die Anschläge am 11. September in New York und Washington verantwortlich war. Die Angriffe soll er im Anschluss als »gerechte Strafe Allahs gegen alle Ungläubigen« bezeichnet haben.4 Darüber hinaus pflegte er unter anderem gute Kontakte zur salafistischen Szene in Ulm und stand auch im Kontakt mit der dortigen Terrorzelle der »Islamischen Jihad‐Union«, bekannt als »Sauerlandgruppe«. Deren Vorhaben konnte glücklicherweise durch die Sicherheitsbehörden unterbunden werden. Der urteilende Richter im anschließenden Strafprozess sprach in Bezug auf die Anschlagspläne von einem Ausmaß, dass es »in Deutschland noch nie gegeben« habe.5 Hätten die Pläne in die Tat umgesetzt werden können, so der Richter weiter, »hätte es ein ungeheures Blutbad gegeben mit einer unübersehbaren Vielzahl von Toten und Verletzen«.6 Auch gegen Hassan Dabbagh selbst wurden bereits mehrere Ermittlungsverfahren der sächsischen und bayrischen Polizei eingeleitet. Vorgeworfen wurde ihm u.a. die Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, die Anwerbung zu einem fremden Wehrdienst, Volksverhetzung, sowie Veruntreuung, Fördermittelbetrug und der Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Im Zuge von Hausdurchsuchungen wurden in der Leipziger Al‐Rahman Moschee unter anderem Propagandavideos von Al‐Qaida gefunden, in denen zum bewaffneten Jihad aufgerufen wurde. Auf von Dabbagh veranstalteten Islam‐Seminaren, die im gesamten Bundesgebiet stattfinden, traten mehrmals Jihad‐Rückkehrer auf, die dort u.a. für die mit Al‐Qaida verbündete islamistische Miliz »Junud al‐Sham« Kämpfer rekrutieren wollten.7 Im August 2017 untersagte das sächsische Oberverwaltungsgericht dem in einer Doppelehe lebenden Imam die Betriebserlaubnis für einen Kindergarten auf dem Gelände der Al‐Rahman Moschee. In der Urteilsschrift stufte es ihn als »Multiplikator der salafistischen Szene« ein, der bereits eine »Vielzahl von Schmähungen gegen Juden, Feinde des Islams und der Muslime, Ungläubige und Ketzer« verbreitete.8 Das Gericht teilte die Verschwörungstheorie von Dabbagh nicht, laut welcher »der Salafismus […] ein Konstrukt westlicher Geheimdienste« sei und sah durch einen möglichen Kindergarten auf dem Gelände der Moschee das »Kindeswohl« und »eine gesellschaftliche Integration« als gefährdet an.9 Im Gegensatz zu diesem Urteil wurden alle Ermittlungsverfahren in Strafsachen gegen den Imam, teils auf Grund ungeklärter Zuständigkeitsfragen, eingestellt.


Gepredigte Unfreiheit

Die in der Moschee verbreiteten Lehren fordern von den Gläubigen ein konsequentes Befolgen islamischer Alltagsvorschriften. Den Genuss von Alkohol, Diskobesuche, sexuelle Freizügigkeit, die Gleichstellung der Geschlechter, das Tragen von Schmuck, Eigensinn, Müßiggang, ein selbstbestimmtes Leben oder die säkulare, im besten Fall auf Individualismus abzielende Kindeserziehung sieht der Imam als »satanische Methoden« einer »schmutzigen« und »verdorbenen« ungläubigen Gesellschaft an, die sich gegen den Islam verschworen habe.10 Juden seien »Feinde des Islam, die Gläubige töten wollen« und würden in diesem Vorhaben bereitwillig von Christen unterstützt: »Die sind alle gegen uns«.11 Dieses, das gesamte Alltagsleben umfassende Regelwerk des Islams, das für die Gläubigen zahlreiche Verbote und Vorschriften vorsieht, schlägt somit ohne weiteres in eine Freund‐Feind Unterscheidung um, in der die unislamische Lebensweise sofort als Verschwörung gegen den Islam erscheint. Diese einer freien Gesellschaft abträgliche Haltung wird durch eine wortwörtliche Lesart des Koran getragen, die von verschiedenen islamischen Rechtsschulen geteilt wird. Dieser hat als das offenbarte Wort Gottes den Rang einer unhinterfragbaren Gesetzesschrift, der unbedingt Folge zu leisten sei. Weil es in Sure 33 des Koran aber heißt, dass die Muslime auch »im Gesandten Gottes ein schönes Beispiel« für einen vorbildlichen Gläubigen haben, sind neben dem Koran die überlieferten Gewohnheiten und Verhaltensweisen des Propheten Mohammed (Hadithe) die zweite Quelle islamisch‐korrekter Lebensführung. Die daraus folgende grenzenlose Idealisierung des ersten Muslims führt zu einem verheerenden Führerkult, dem bereits im Namen dieser Religion Rechnung getragen wird: Das arabische Wort »Islam« lässt sich mit dem deutschen Wort »Unterwerfung« übersetzen. Die Schnittstelle zwischen dem von Entsagungen geprägten Leben praktizierender Muslime einerseits und dem Überlegenheitsdünkel dieser vermeintlich wahren Gläubigen andererseits bildet somit Mohammed. Aufgrund der undurchschaubaren Masse an Versagungen und Verboten, die streng genommen von allen Muslimen eingehalten werden müssen, erklärt sich auch die besondere Funktion eines Imams. Dieser ist nämlich nicht bloß ein Vorbeter und Kenner religiöser Rituale, sondern zugleich ein Ausbilder, der durch das Studium des Koran und der Hadithe befähigt ist, den Gläubigen die Ge‐ und Verbote des Islams am Beispiel ihres konkreten Lebens zu diktieren. Der Unterschied zwischen einem gemäßigten Islam und dem Islamismus ist darum im Wesentlichen nicht qualitativer Natur, sondern besteht darin, wie weit die islamischen Regeln in das Alltagsleben und die Geisteshaltung der Menschen eingreifen. Zwar gibt es Muslime, die den Islam weniger intensiv praktizieren als andere, doch selbst Bassam Tibi, der einst den Begriff des »Euro‐Islam« einführte, um einen anderen, liberalen und mit westlichen Errungenschaften kompatiblen Islam zu bezeichnen, musste sich bereits im Sommer 2016 eingestehen: »Ich kapituliere. Den Euro‐Islam wird es nicht geben. Er war eine schöne Hoffnung, aber die Realität ist leider eine andere«.12


Versäumte Islamkritik

Die Leipziger Al‐Rahman Moschee ist darum kein harmloser Traditionsverein, sondern ein Radikalisierungszentrum, das die notwendigen Integrationsbemühungen untergräbt. Immer wieder rekrutieren sich aus der islamistischen Szene auch Terroristen wie Anis Amri, dessen Bluttat von Berlin sich in diesem Dezember zum zweiten mal jährt. Dass es dem salafistischen Umfeld dieser Moschee gelang, ihren Unterstützerkreis seit dem Jahr 2015 derart zu vergrößern, ist eine herbe Niederlage für die liberale Gesellschaft. Die Situation in Leipzig bildet allerdings bei weitem keinen Einzelfall, sondern bestätigt nur den bundesweiten Trend, der seit Jahren auf eine anhaltende Radikalisierung von Muslimen in Deutschland hinweist. Insbesondere die islamistische Szene konnte durch die überwiegend muslimischen Zuwanderer seit 2015 einen massiven Zuwachs verzeichnen. Laut dem Bundesverfassungsschutzbericht von 2017 gibt es in Deutschland mittlerweile fast genauso viele Islamisten wie Rechtsextremisten. Im Gegensatz zu rechtsextremen Strömungen sehen sich islamistische Gruppierungen bislang allerdings nicht mit einem entsprechend großen Netz aus zivilgesellschaftlichen Abwehrstrategien konfrontiert, wozu Präventionsmaßnahmen ebenso zählen, wie Aufklärung und breiter gesellschaftlicher Protest. Seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise in Deutschland und der damit verbundenen Aufnahme von hunderttausenden, meist in islamischen Ländern sozialisierten Menschen, sind nunmehr drei Jahre vergangen. Die sich daraufhin deutlich beschleunigende Spaltung der deutschen Öffentlichkeit scheint einen unüberwindbaren Graben verursacht zu haben, der bislang auf beiden Seiten mehr Bekenntnisse und Plattitüden als Lösungen zu Tage gebracht hat. Der Widerstand gegen den islamischen Fanatismus darf weder einer blinden Toleranz zum Opfer fallen, noch durch fremdenfeindliche Identitätspolitik verdrängt werden. Es sollte nicht hingenommen werden, dass im notwendigen Kampf gegen Rechts der Kampf gegen den Islamismus versäumt wird. Er ist als notwendiger Selbstschutz einer liberalen, rechtsstaatlich konstituierten Gesellschaft anzusehen, deren Aufgabe es ist, die individuellen Persönlichkeitsrechte gegenüber jedem Einzelnen zu garantieren und durchzusetzen. Die mangelnde Problematisierung des Islams als dem größten Integrationshindernis vieler dieser Menschen führt nicht mehr nur zur Ausbildung von Parallelgesellschaften und Doppelstandards, sondern auch dazu, dass radikal‐islamische Organisationen hierzulande nahezu ungehindert anwachsen können. Die Frage, wie die Integration von Menschen gewährleistet werden kann, deren praktizierter Alltagsislam nicht wenige zivilisatorische Errungenschaften tagtäglich mit Füßen tritt, lässt sich nicht mit kultursensibler Gleichgültigkeit lösen. Eine solche bringt vor allem Frauen, Homosexuelle, Juden und Andersgläubige zunehmend in Gefahr und ist nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund lädt die »Leipziger Initiative gegen Islamismus« am 21. Dezember 2018 zu einer Kundgebung vor der Al‐Rahman Moschee ein. Wir fordern von den zuständigen Behörden in Sachsen eine Aberkennung der mit steuerlichen Vergünstigungen einhergehenden Gemeinnützigkeit des Moscheevereins »IGS‐AM e.V.« und darüber hinaus die Einleitung eines Verbotsverfahren gegen denselben.


Leipziger Initiative gegen Islamismus

Die Veranstalter behalten sich vor, Personen, die rechtsextremen oder islamistischen Organisationen angehören oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische, islamistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Das Mitführen von eigenen Fahnen und Transparenten ist nur nach Rücksprache mit den Veranstaltern gestattet.

 

1 https://www.tag24.de/nachrichten/salafisten-missionieren-fluechtlinge-fuer-heiligen-krieg-leipzig-sachsen-verfassungs-schutz-34989
2 https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/31495
3 https://www.trackingterrorism.org/system/files/chatter/Salafist%20Jihadism%20in%20Germany.pdf
4 https://www.achgut.com/artikel/islam_ist_frieden_und_hassan_dabbagh
5 https://www.welt.de/politik/sauerlandgruppe/article6648270/Es-haette-ein-ungeheures-Blutbad-gegeben.html
6 Ebd.
7 https://www.onetz.de/neustadt-an-der-waldnaab/politik/oberpfaelzer-terrorhelfer-vor-gericht-protokolle-aus-dem-dschihad-d1827780.html
8 https://www.justiz.sachsen.de/ovgentschweb/documents/16A372.pdf
9 Ebd.
10 https://www.youtube.com/watch?v=zlJiomypIs0
11 https://www.focus.de/magazin/archiv/islamist-imam-hetzt-gegen-juden_aid_433043.html
12 https://www.derwesten.de/politik/islam-experte-bassam-tibi-der-euro-islam-ist-gescheitert-id12069234.html

Bonjour Tristesse #23 (Sommer 2018)

Kurzmitteilung

Bonjour Tristesse #23
(Sommer 2018)

Die neue Bonjour Tristesse ist da. Das gedruckte Heft liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier geht es zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Download [PDF] Bonjour Tristesse 232018

DIE THEMEN DER AUSGABE #23:

FÜR DEN FEMINISMUS

In der aktuellen Bonjour Tristesse (Nr. 23) wurde unser Flugblatt veröffentlicht, das wir im April 2018 auf einer antifeministischen Demonstration mit dem Motto »Konsequent. Feministisch. Antifaschistisch. Kick them out – Nazizentren dichtmachen!« verteilt haben.

Für den Feminismus.
Ein Flugblatt der AG No Tears for Krauts Halle.

 

Liebe Teilnehmer der heutigen Demonstration,

mal Hand aufs Herz: Kommt es Euch nicht auch etwas lächerlich vor, auf eine feministische Demonstration zu gehen, die sich gegen die Identitären richtet? Oder gar verlogen? Anscheinend nicht, denn ansonsten wärt Ihr zuhause geblieben, anstatt Euch hier bei einem Protest gegen ein Dutzend Flachpfeifen, die ohnehin niemand zu mögen scheint, als ehrenwerte Verteidiger des Fe­minismus aufzuspielen.


Marsch der Begrifflosen

Man kann den Leuten von der Identitären Bewegung (IB) einiges vorwerfen. Ihre Mitglieder sind gewaltaf­fin, sie haben ein Faible für faschistische Ästhetik (Seitenscheitel, Fackelmärsche) und sie träumen von ethnisch homogenen Gemeinschaften. Vor allem aber sind sie fremdenfeindliche Arschlöcher, die ein halb­wegs geschicktes Händchen haben, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihnen das in der letzten Zeit so gut ge­lang, dazu habt allerdings auch Ihr beigetragen. Denn anstatt die Identitären aus der Adam‐Kuckhoff‐Straße einfach als unangenehme Nervensägen zu behandeln, wart Ihr wackeren Antifaschisten Euch nicht zu blö­de, sie zu einer Gefahr für alles Mögliche zu stilisieren. Und nun soll es das Frauenbild dieser Handlampen sein, das der befreiten Gesellschaft im Weg steht, von der im Aufruf die Rede ist?
Wie kommt Ihr überhaupt darauf, dass die IB son­derlich sexistisch sei? Deren weibliche Protagonisten treten sehr selbstbewusst und nun wahrlich nicht als die »Heimchen vom Herd« auf. Uns sind auch keine Verlautbarungen der Identitären bekannt, die diese als üble Sexisten überführen. Gewiss, wir sind nicht die Nazi‐Experten wie Ihr. Aber so ganz haut Euer Vorwurf nicht hin. Die Identitären haben sicherlich ein traditionelles Frauenbild. Aber das ist weder dezidiert sexistisch, noch unterscheidet sich das wesentlich von anderen Milieus wie den Fans vom Halleschen Fuß­ballclub, den Ammendorfer Sportkeglern oder dem Frauenyogakurs im Iris‐Regenbogenzentrum.
Mit Begriffen scheint Ihr es ohnehin nicht so genau zu nehmen. Die ständig wiederholte Behauptung, dass die Identitären durchweg Nazis seien, ist zudem nicht ganz richtig. Weder beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus, noch teilen sie dessen ideologi­schen Kern, den zur Vernichtung drängenden Antise­mitismus. Wir wollen Euch jetzt an dieser Stelle nicht mit Theorie behelligen – schließlich seid Ihr ja hier, um gegen fiese Nazischweine zu demonstrieren. Aber worin bitteschön äußern sich solche Vernichtungs­wünsche bei der IB? Das Verschwörungsdenken dieser Leute unterscheidet sie jedenfalls nicht von Attac und Co., deren Mitglieder Ihr natürlich niemals als Nazis bezeichnen würdet. Und bitte kommt jetzt nicht mit »Ethnopluralismus«. Der Begriff, den Ihr gerne an­führt, um die IB’ler als besonders schlimme Rassisten auszuweisen, taugt nicht einmal dazu, die Neue Rech­te mit ihrem Traum von einem Fest der Völker von der Neuen Linken mit ihrer Freude am Karneval der Kulturen abzugrenzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir mögen die Jungs und Mädchen mit ihrem penetranten Hang zur Selbstüberschätzung auch nicht. Uns liegt nichts daran, sie zu verteidigen. Es spricht nichts dagegen, sie in die Schranken zu weisen – erst recht, wenn sie anfangen Leute zu bedrohen.
Aber wir finden Eure Schaumschlägerei gegen diese paar Trottel hochnotpeinlich. Euch fällt gar nicht auf, wie sehr Ihr selbst zu den Handlangern einer Politik geworden seid, der es nur noch um das reine Gewissen geht. Anwohnerinitiativen, Stadtrat, Stura und Universitätsleitung geben Statements gegen die Identitä­ren ab, die Euren Äußerungen gar nicht so unähnlich sind. Den Deppen von der IB scheint das große Heer Antifaschisten jedweder Couleur, in das Ihr Euch hier eingereiht habt, ganz recht zu kommen. Würde es sie nicht geben, Ihr müsstet sie erfinden. Heute geht Ihr mit Hunderten auf die Straßen. Wenn es aber nicht deutschstämmige Nazis sondern Migranten sind, die, wie am 16. Dezember vergangenen Jahres, eine De­monstration abhalten, die offener antisemitisch ist als jeder Aufmarsch der Brigade‐Suffnazis aus der halli­schen Silberhöhe, dann bleibt ihr zuhause.


Selbstvergewisserung statt Feminismus

Ist es möglich, dass es Euch auch beim Thema Femi­nismus gar nicht so sehr um die Identitären geht, son­dern eher um Euch selbst? Habt Ihr schon mal dar­über nachgedacht, dass Eure Beißreflexe gegenüber dem »Nazizentrum« in erster Linie einer Vermeidung dienen? Wenn Ihr Euren Lieblingsfeinden unbeirrbar Sexismus und Rassismus unterstellt, braucht Ihr Euch gar nicht erst die Frage zu stellen, ob sie an dem einen oder anderen Punkt nicht vielleicht doch Recht haben. Gewiss, sie sind Fremdenfeinde und interessieren sich für sexuelle Übergriffe nur dann, wenn sich Migranten als Täter finden. Aber stimmt es vielleicht nicht sogar, dass das Frauenbild autochthoner Männer bei wei­tem nicht das Schlimmste ist, was der Markt derzeit hergibt? Und ist es nicht möglicherweise wahr, dass Übergriffe gegen Frauen schneller bagatellisiert wer­den, wenn sie von Zugezogenen begangen werden? Ist es nicht auch in linken Läden so, dass es bei sexuel­len Belästigungen durch einen Nicht‐Deutschen aus Rücksicht auf seinen »kulturellen Background« weit­aus länger dauert, bis er eine Backpfeife bekommt als bei einem deutschen Proll?
Ihr ahnt sicherlich, was jetzt kommt: Ein durchaus beträchtlicher Teil des vom Islam geprägten Milieus – sowohl frisch zugewandert als auch Teile der schon länger hier lebenden Moslems – ist der Ansicht, dass Frauen sich den Männern zu fügen haben. Die Verführungskraft weiblicher Sexualität und deren vermeintli­cher Ausdruck – Haare, Arme, Körperlichkeit etc. pp. – wird von Anhängern des Propheten Mohammed als Bedrohung empfunden, die durch Verhüllung zu ban­nen sei. Harām gekleidete Frauen werden als »Schlam­pen« bzw. legitime Beute gesehen, was sich immer wie­der in sexueller Gewalt entlädt. Wir wissen, Ihr werdet nicht gerne an die Kölner Silvesternacht erinnert. Und falls doch, antwortet Ihr reflexartig mit »Oktoberfest«. Euch ist keine Verrenkung zu blöd, um über das Frau­enbild des Islams nicht sprechen zu müssen.
Und? Merkt Ihr etwas? Springt bei diesen Worten Euer Rechtspopulismusradar an? Es hat sich näm­lich – insbesondere seit Pegida, AfD und IB ihren nur halbherzig verschleierten Fremdenhass als »Islamkri­tik« verkaufen – eingebürgert, dass jede Kritik am Is­lam und dessen Zumutungen abgewehrt wird, indem man jenen, die diese aussprechen, Rassismus vorwirft. Dabei müssten Feministen gerade hier besonders laut aufschreien. Im Aufruf wird stattdessen die Frauen­verachtung »islamischer Fundamentalisten« erwähnt, die eine »ideologische Gemeinsamkeit« mit der IB begründen würde. Ihr tut damit alles, um den strukturellen Sexismus im Islam in jeglicher Hinsicht zu re­lativieren. Denn was hat bitteschön das konservative Rollenbild, dem die Identitären möglicherweise nach­trauern, mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Frauen zu tun, die das Haus nur verschleiert verlassen dürfen, sich daheim aber jederzeit für ihren Mann zur Verfü­gung stellen sollen? Mit jenen jungen Frauen, die per­manent einen ihrer Brüder an der Seite kleben haben, damit bloß keine Schande über die Familie kommt? Die ihren Kampf um individuelle Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung meist verlieren und im schlimms­ten Fall umgebracht werden?
Es ist übler Zynismus, wenn im Aufruf von einer »ge­samtgesellschaftlichen Frauenverachtung« gefaselt wird. Frauen haben in westlichen Gesellschaften na­hezu die gleichen Chancen und Rechte wie Männer. Sie können ihren Wunschberufen nachgehen, in man­chen Gegenden verdienen sie inzwischen aufgrund ihrer höheren Qualifikation sogar mehr als Männer, und in Halle sind Frauen unter den Studenten in der Überzahl. Und während sie im Islam dem Gutdünken und der Willkür der Männer ausgesetzt sind, werden hier Übergriffe auf ihre (sexuelle) Selbstbestimmung gesellschaftlich verurteilt und geächtet.
Doch ihr Paradefeministen differenziert und ver­gleicht solange, bis das Problem nicht mehr wiederzu­erkennen ist. Gegen Euch ist jeder Feminismus zu ver­teidigen, der sich nicht scheut, den größten Agenten der Frauenunterdrückung in Deutschland zu benen­nen, ohne nebulös herumzueiern und von »religiösen Strukturen« zu schwadronieren.
Also, liebe Demonstranten, nehmt es uns nicht übel. Aber: Ihr seid Teil des Appeasements gegenüber dem Islam und verratet all jene Frauen und Homosexuelle, die täglich unter den Zumutungen des Islams zu leiden haben. Ihr betreibt nur dümmliche Selbstvergewisse­rung, wenn Ihr in Eurem Aufruf auch Konservative für ihr traditionalistisches Rollenbild anklagt, als wären sie inzwischen nicht diejenigen, die noch am beharr­lichsten individuelle Freiheiten gegenüber dem Islam und seinen linken Freunden verteidigen. Eure Indif­ferenz gegenüber der Zerstörungswut des Islams ist für das gesellschaftliche Zusammenleben gefährlicher als die ohnehin einflusslosen Mitglieder einer rechten PR‐Sekte. Mit Euch lässt sich kein Feminismus machen! – Kickt Euch!

Eure No Tears for Krauts
Halle (Saale), April 2018

Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung

Ein Veranstaltungstipp

Vortrag von Thomas Maul
Montag, 28. Mai 2018
19:00 in der Uni Leipzig, Raum HS 11, Hörsaalgebäude (HSG)
im Conne Island

Da der Raum an der Uni Leipzig für die Veranstaltung entzogen wurde, findet diese im Conne Island statt: http://gegen-antizionismus.de/veranstaltungen/zur-kritik-des-islamischen-antisemitismus/

Eine vernünftige Kritik des islamischen Antisemitismus hat mit ihrem Gegenstand nicht nur zur Sprache zu bringen, was in der westeuropäischen Öffentlichkeit allzu gern verschwiegen oder relativiert wird: dass die Gefahr für Leib und Leben von als Juden erkennbaren Juden gegenwärtig vor allem von bekennenden Moslems ausgeht, sondern zugleich deutlich zu machen, dass zu den jüdischen Opfern besser die Klappe hält, wer die anderen (autochthone wie migrantische Frauen, Homosexuelle, Christen) im Namen von Antirassismus und Religionsfreiheit unter den Teppich kehrt. Denn der islamische Suizid‐ wie Tugendterror zielt jenseits von Opfersortierung und -ranking immer auf das freie und selbstbestimmte Individuum als Produkt der Zivilisation. Dabei speist sich der Hass aus der – angesichts der Moderne unvermeidlichen – Krise der traditionellen islamischen Sexualmoral, die ihrerseits die Gemeinschaft der Gläubigen – und zwar in ihrer Mitte – als solche überhaupt erst konstituiert. Wer sich weigert, die bürgerliche Gesellschaft z.B. mit dem überfälligen Kopftuchverbot für Schülerinnen gegen die fortschreitende Islamisierung zu verteidigen, macht aus der Bedrohung aller freiheitsliebenden Menschen ein Problem der Juden und verrät damit die Juden wie sich selbst, was auf Bundestagsdeutsch heißt: „Flüchtlinge“ zur pädagogischen Auschwitzbesichtigung nötigen und einen „Antisemitismusbeauftragen“ installieren, der von „jüdischen Experten“ beraten, „Ansprechpartner für jüdische Gruppen“ sein soll.

Thomas Maul, freier Autor, Publizist und Schriftsteller lebt in Berlin und schreibt für die Zeitschrift ‘Bahamas’. Er ist u.a. Autor von »Die Macht der Mullahs« (ca ira Verlag, 2006), »Sex, Djihad und Despotie« (ca ira Verlag, 2010), »Darum negative Dialektik« (XS‐Verlag, 2014) sowie der zweiteiligen Schrift »Wert und Wahn« (XS -Verlag, 2014 & 2017).

Veranstaltet im Rahmen der Reihe »70 Jahre Israel«:

Anlässlich des 70. Jahrestages der Staatsgründung Israels findet in Leipzig eine Veranstaltungsreihe zur Aufklärung über den auf Israel bezogenen Antisemitismus statt.
gegen-antizionismus.de

Ankündigung: Die unkultivierte Aneignung – Über islamische Sklaverei

Vortrag und Diskussion mit Philippe Witzmann

Melanchthonianum, Halle (Saale)
31. Mai 2018, 19 Uhr

Als die Bruderhorden des „Islamischen Staates“ tausende jezidische Mädchen und junge Frauen in ihre Gewalt brachten und auf öffentlichen Sklavenmärkten verkaufen, um sie anschließend sexuell zu mißbrauchen, meldete sich eine Professorin der womöglich höchsten bzw. autoritativsten Institution des sunnitischen Islams in der Welt, der ägyptischen Al‐Azhar Universität, zu Wort und stellte der barbarischen Praxis der Glaubensgenossen mit Verweis auf Koran und Sunna das Halalzertifkat aus. Saud Saleh plauderte nebenbei noch aus, wie erbärmlich es offenbar um das Sexleben der Moslems generell bestellt ist: der Kämpfer könne seine Kriegsbeute gebrauchen „just like he has sex with his wives.”
Zwischen den in ihrem Magazin Dabiq vertretenen Verlautbarungen des IS und denen des Mainstream Islam passt also kein Haar, und das nicht nur in dieser Frage: der oberste Gelehrte der Al‐Azhar, Ahmad Al‐Tayyeb, teilt nämlich die jihadistische Auffassung, derzufolge Apostaten ein kurzer Prozess gemacht, diese also getötet werden sollten. In Deutschland ist Al‐Tayebb indes gern gesehener Gast evangelischer Kirchentage und der Bundesregierung, auf deren Einladungen er dann unwidersprochen vor einem „Rückfall ins Mittelalter“ warnen darf, dessen Aufrechterhaltung doch gerade die raison d‘être der Al‐Azhar sowie anderer Fatwadreckschleudern darstellt.
Der Vortrag wird darlegen, dass die inzwischen über 1300‐jährige Geschichte islamischer Sklaverei, die bis vor kurzem noch als „wohl gehütetes Tabu“ (Chebel) bzw. „verschleierter Genozid“ (N›Diaye) beschrieben wurde, zwar langsam aber kontinuierlich erforscht wird, damit aber keineswegs aus der Welt verschwindet. Im Gegenteil: der islamische Sklavenhandel boomt. Weltweit waren noch nie so viele Menschen versklavt wie heute, und vorne mit dabei die islamischen Länder: Mauretanien, Libyen, Sudan, die Golfstaaten etc. Zudem war das islamische Sklavensystem, historisch betrachtet, wesentlich umfangreicher und grausamer als das transatlantisch‐europäische. Im Rückblick gilt es daher die Tese zu proflieren, dass das einzig „Weiße“ an Kolonialismus und Sklaverei, deren Abschaffung gewesen ist. Hingegen gibt es bis heute kein nennenswertes islamisches Pendant zum christlich‐westlichen Abolitionismus; vielmehr hat das, was nicht nur hierzulande als islamische Auflärung bzw. Rationalismus gefeiert wird, maßgeblich zur Entstehung des modernen Hautfarbenrassismus beigetragen. Dass diese Umstände den meisten Leuten unbekannt sein dürfen, könnte zumindest im Westen durchaus etwas mit einer dauerempörten akademisch tonangebenden Linken zu tun haben, die zwar bei allerlei „kulturellen Aneignungen“ hysterisch aus dem Häuschen gerät, aber von den wirklichen Gräueltaten, aber auch historischen Fortschritten rein gar nichts wissen will.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
des Studierendenrates der Universität Halle
www.antifa.uni-halle.de