Die Riedel‐Antideutschen

Folgendes Flugblatt haben wir am 02.10.18 vor der Veranstaltung Abgesang des Abendlandes — Grenzarbeit, mit Felix Riedel verteilt, die von der Selbsthilfegruppe Initiative gegen rechte Antideutsche organisiert wurde.

[PDF] Flugblatt: Die Riedel‐Antideutschen

 

Die Riedel‐Antideutschen

Liebe Gäste des heutigen Vortrags,

wir verstehen Euer Interesse nur zu gut. Man bekommt nicht alle Tage die Chance, einem Mann zu lauschen, der glaubhaft von sich sagt, sein Spezialgebiet sei die Hexenjagd. Dass Felix Riedel nicht nur im akademischen Bereich ein ganz besonderes Verhältnis zu Spuk und Hexerei pflegt, macht ihn zum Referenten erster Wahl für die Leipziger »Initiative gegen rechte Antideutsche«.

Verleumdung als Geschäftsmodell

Felix Riedel wäre bereit, für einen Platz auf dem Podium seine eigene Mutter zu verkaufen. Auf seiner Website erklärt er, ihm sei das »Denken und Schreiben in gesellschaftlich umkämpften Feldern« derart »Leidenschaft und Pflicht« geworden, dass er sich nichts sehnlicher wünsche als Einladungen zu Vorträgen, um seinen Senf unter die Leute zu bringen. Kommen die nicht wie gewollt, geht es mit ihm durch: So war es Riedel nicht zu peinlich, an Veranstalter heranzutreten, die wegen geplanter Vorträge mit Bahamas‐Autoren Anfeindungen ausgesetzt waren, und sich als besseren Referenten zu empfehlen. Gleichzeitig kurbelte er die Empörungsmaschinerie fleißig an, indem er die Eingeladenen, auf deren Platz er scharf war, hemmungslos als Rassisten und Sexisten diffamierte.
Weil Verleumdung sein Geschäftsmodell ist, verdankt Riedel auch seine heutigen zwei Stunden Ruhm einer länger gärenden Denunziationskampagne. Ihre Speerspitze, die »Initiative gegen rechte Antideutsche« trat auf den Plan, als für den 28. Mai in Leipzig ein Vortrag mit dem Bahamas‐Autor Thomas Maul innerhalb der Reihe »70 Jahre Israel« angekündigt wurde. Die Veranstaltung mit dem Titel »Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung« sorgte für einen Eklat in der Messestadt. Zuvor hatte Maul bei Facebook anlässlich einer Rede Alexander Gaulands zur deutschen Israelpolitik geschrieben: »Immer wieder erscheint die AfD objektiv als einzige Stimme der Restvernunft im Deutschen Bundestag…« Zwar hatte er damit in erster Linie die Redner der anderen Parteien gescholten, die im Gegensatz zu Gauland nicht auf israelfeindliche Bemerkungen verzichten konnten. Doch für Linke aller Provenienz war klar: Wer nicht dreimal hervorhebt, wie menschenverachtend die AfD sei, kann nur ein Rechter sein.
Der Leipziger Studentinnenrat, die Naturfreundejugend Berlin und die Falken Leipzig zogen ihre bereits zugesagte Unterstützung für die Vortragsreihe zurück. Im Nachgang der Veranstaltung überboten sich die Freunde des allseitigen Rechtspopulismusvorwurfs in wilden Anschuldigungen gegenüber dem Autor der Bahamas. Sie wurden selbst dann nicht stutzig, als sie tatkräftige Unterstützung durch Artikel in der taz, dem Neuen Deutschland und sogar der Jungen Welt erhielten. Freilich hat die »Initiative gegen rechte Antideutsche« ihre Freunde verdient. Sie behauptete im Gleichklang mit allen drei Zeitungen, Thomas Maul habe die ungarische Flüchtlingspolitik befürwortet. Das tat er zwar nie, sondern kritisierte ausdrücklich Viktor Orbán – was man auch in der öffentlichen Dokumentation des Vortrags nachlesen konnte. Doch während die Junge Welt noch so redlich war, eine Gegendarstellung nachzuschieben, ist den Leipziger Denunzianten die Wahrheit herzlich egal. Seit ihrer Gründung üben sie sich einzig darin, jedem, der Widerspruch gegen ihre halbgaren Gewissheiten erhebt, eine Nähe zur AfD zu unterstellen.

Riedelei für Einsteiger

Deshalb ist Felix Riedel für sie genau der richtige Mann. Der Marburger Oberdenunziant lässt keine Gelegenheit ungenutzt, Ideologiekritikern die Bildung einer »Querfront« mit der AfD anzudichten – so etwa in der Ankündigung des heutigen Vortrags. Seine Methode hat er in seinem Text »Rechtsantideutsch – Zur Genese eines Phänomens« mustergültig vorgeführt. Wortfetzen reichen ihm, um aus Sören Pünjers Kritik des ideologischen Antirassismus eine rechte Gesinnung zusammenzuschustern. Zuerst zitiert Riedel den Autor der Bahamas: »Rassismus, der wirklich noch Rassismus genannt werden kann, also nicht die Verrücktheiten der Antira‐Szene, die jede staatliche Regulierung von Zuwanderung als Rassismus geißelt, oder jeden, der das Wort Neger in den Mund nimmt, standrechtlich zusammenschlagen will, hat doch nicht wirklich eine Zukunft. Die Zukunft gehört der Ideologie des Antirassismus…« Daraus zaubert er sogleich: Pünjer mache »aus der humanistischen Kritik der immer weiter eskalierenden Dezimierung von Flüchtlingen durch Hürden, die sie in den Kriegsgebieten halten sollen, schon ein ›Geißeln‹ ›jeder staatlicher Regulierung von Zuwanderung‹. Das ist der Jargon der Rechten, die aus der verzweifelten Flucht von etwa 50 Millionen Menschen weltweit eine gemütliche ›Zuwanderung‹ zu machen sucht, die dann nur ›reguliert‹ würde.«
Merke: Die Worte »Zuwanderung« und »regulieren« sind strengstens verboten. Wer sich daran nicht hält, ist schon Teil der Gauland‐von Storch‐Fraktion. So will Riedel jede Diskussion über Migrationspolitik im Voraus abwürgen. Schlechte Karten also für alle, die über ein sinnvolles Einwanderungsgesetz reden wollen, das es Zuwanderern erleichtert, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen. Denn die Forderung nach staatlicher Regulierung auf diesem Feld ist ja Sache der Rechten. Riedels bester Trick funktioniert aber ganz subtil. Offensichtlich spielt er auf den »Jargon der Rechten« nach 2015 an, als es für Flüchtlinge immer schwerer wurde, nach Deutschland zu gelangen. Was er dabei verschweigt: Die Aussagen Sören Pünjers, mit denen dieser vermeintlich in den Kanon der Fremdenfeinde einstimme, stammen von 2004.

»Querfront« ist überall

Der kurze Auszug steht exemplarisch für Riedels Texte zur Bahamas und ihren Freunden, die weithin von Unterstellungen, Reizbegriffen und Begriffswillkür leben. Heute Abend will er noch viel höher hinaus, und kündigt – bescheiden wie er ist – folgende Welterklärung für den »Sinkflug« der Zeitschrift mit steigenden Abonnementzahlen an: »Über fünfzehn Jahre hinweg lassen sich strukturelle Ursachen dieses Absturzes vorahnen: Eine konservative Fehlinterpretation der Freudianischen Psychoanalyse, eine teleologische Entwicklungsideologie eines undialektisch gelesenen Marx, eine gescheiterte Begriffsbildung zum Rassismusproblem, Mythen und Unklarheiten zu komplexen Konflikten wie den Jugoslawienkriegen.« Man darf gespannt sein auf die Erklärung des Copy‐and‐Paste‐Genies, warum Thomas Maul und Justus Wertmüller in die Arme Gaulands fielen, weil sie im Marx zu wenig den Hegel sahen. Sein multikausaler Ansatz verspricht immerhin einen langen Abend. Ob der Möchtegern‐Oberstudienrat da noch Zeit findet, die Positionen der AfD zu kritisieren, zu denen die Autoren der Bahamas angeblich übergelaufen seien? Welch ein Glück für ihn, dass er auf das zuvorkommende Einverständnis seines Publikums bauen kann. Denn zur Sache selbst hat die Leipziger Antifa nicht mehr zu sagen als der bundesdeutsche Mainstream: »Fuck AfD!«
Mit Riedel ist sie sich einig, dass jeder, der sich weigert, in der Kampagne gegen den Volksfeind des geläuterten Deutschlands mitzumischen, zur »Querfront« mit der AfD gehört. Das Label hat gerade Aufwind, weil man – denkfaul und begriffsstutzig wie immer – Beliebiges unter ihm subsumieren und in den Giftschrank verbannen kann. Mit seiner Hilfe werden der Bayerische Bauernverband, der Pirnaer Ortsverein der AfD und die Berliner Redaktion der Bahamas kurzerhand zu gemeinsamen Vorkämpfern der Faschisierung Deutschlands erklärt. Natürlich gäbe es Unterschiede zwischen Konservativen, »Wir-sind-das-Volk!«-Ossis und »Rechtsantideutschen«, aber irgendwie würden sie sich halt in Sprache und Positionen ähneln. Das liest sich dann so wie im Facebook‐Gründungstext der »Initiative gegen rechte Antideutsche«. Dort heißt es, »die Konvergenz von Islamismus, der AfD und rechten Antideutschen« bestehe darin, dass der Islam, Pegida, die AfD und Thomas Maul »zuviel gemeinsam haben um nebeneinander existieren zu können.« Darauf folgt die alte Leier, dass sich völkische Rechte mit dem Islam in der Ablehnung westlicher Werte einig sind. Was den Salonkritikern dabei durch die Lappen ging: Sie hätten schon noch erklären müssen, wie Maul und die »rechten Antideutschen« in die Aufzählung gelangt sind. Oder haben wir verpasst, dass Ideologiekritiker neuerdings zum Angriff auf die bürgerliche Gesellschaft blasen?

Die goldene Mitte

Die Leipziger Szene und ihre Avantgarde‐Initiative bedienen sich solcher Verunglimpfungen, um weiterhin mal ein Bisschen Kritische Theorie lesen zu können, während sie jede Konsequenz für Denken und Handeln von sich fernhalten. Wer den mühsam antrainierten Begriffsapparat nicht zur Disposition stellen und es sich mit niemandem verscherzen will, muss eben ab und an mit aufgeschnappten Sprachhülsen gegen fiese Nestbeschmutzer Stimmung machen. Weil Felix Riedel darin die meiste Übung und wenigsten Hemmungen hat, darf er sich kurzzeitig zum spirituellen Führer der Leipziger Antideutschen aufschwingen. Das Marburger Multitalent weist den Weg zur goldenen Mitte zwischen altbackener Junger Welt und der verpönten »Querfront«-Bahamas. Er imponiert mit seinen argumentativen Spreizfugen, die zwischen unvereinbaren Positionen vermitteln und jeden logischen Widerspruch überbrücken.
So schafft es Riedel, sich in seinem jüngsten Seminar zur Critical Whiteness gleichermaßen auf die Kritische Theorie und Stuart Hall, eine Ikone des Postkolonialismus, zu berufen. Seine Ying‐Yang‐Sülze schützt wirksam davor, einen Gedanken auch dann mal zu verfolgen, wenn sein Ergebnis von der linken Linie abweichen könnte. Im Tonfall eines gutmeinenden Vaters erklärt er seinen Zöglingen, wo sie unbedingt mit dem Denken aufhören müssen, wollen sie nicht ihren Platz im Wohlfühlbecken der Szene gefährden. Felix Riedel und die »Initiative gegen rechte Antideutsche« sind die passenden Protagonisten für eine Linke, der stupide Selbstvergewisserung mehr gilt als Kritik.

AG »No Tears for Krauts«
Leipzig, Oktober 2018

Bonjour Tristesse #23 (Sommer 2018)

Kurzmitteilung

Bonjour Tristesse #23
(Sommer 2018)

Die neue Bonjour Tristesse ist da. Das gedruckte Heft liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier geht es zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Download [PDF] Bonjour Tristesse 232018

DIE THEMEN DER AUSGABE #23:

FÜR DEN FEMINISMUS

In der aktuellen Bonjour Tristesse (Nr. 23) wurde unser Flugblatt veröffentlicht, das wir im April 2018 auf einer antifeministischen Demonstration mit dem Motto »Konsequent. Feministisch. Antifaschistisch. Kick them out – Nazizentren dichtmachen!« verteilt haben.

Für den Feminismus.
Ein Flugblatt der AG No Tears for Krauts Halle.

 

Liebe Teilnehmer der heutigen Demonstration,

mal Hand aufs Herz: Kommt es Euch nicht auch etwas lächerlich vor, auf eine feministische Demonstration zu gehen, die sich gegen die Identitären richtet? Oder gar verlogen? Anscheinend nicht, denn ansonsten wärt Ihr zuhause geblieben, anstatt Euch hier bei einem Protest gegen ein Dutzend Flachpfeifen, die ohnehin niemand zu mögen scheint, als ehrenwerte Verteidiger des Fe­minismus aufzuspielen.


Marsch der Begrifflosen

Man kann den Leuten von der Identitären Bewegung (IB) einiges vorwerfen. Ihre Mitglieder sind gewaltaf­fin, sie haben ein Faible für faschistische Ästhetik (Seitenscheitel, Fackelmärsche) und sie träumen von ethnisch homogenen Gemeinschaften. Vor allem aber sind sie fremdenfeindliche Arschlöcher, die ein halb­wegs geschicktes Händchen haben, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihnen das in der letzten Zeit so gut ge­lang, dazu habt allerdings auch Ihr beigetragen. Denn anstatt die Identitären aus der Adam‐Kuckhoff‐Straße einfach als unangenehme Nervensägen zu behandeln, wart Ihr wackeren Antifaschisten Euch nicht zu blö­de, sie zu einer Gefahr für alles Mögliche zu stilisieren. Und nun soll es das Frauenbild dieser Handlampen sein, das der befreiten Gesellschaft im Weg steht, von der im Aufruf die Rede ist?
Wie kommt Ihr überhaupt darauf, dass die IB son­derlich sexistisch sei? Deren weibliche Protagonisten treten sehr selbstbewusst und nun wahrlich nicht als die »Heimchen vom Herd« auf. Uns sind auch keine Verlautbarungen der Identitären bekannt, die diese als üble Sexisten überführen. Gewiss, wir sind nicht die Nazi‐Experten wie Ihr. Aber so ganz haut Euer Vorwurf nicht hin. Die Identitären haben sicherlich ein traditionelles Frauenbild. Aber das ist weder dezidiert sexistisch, noch unterscheidet sich das wesentlich von anderen Milieus wie den Fans vom Halleschen Fuß­ballclub, den Ammendorfer Sportkeglern oder dem Frauenyogakurs im Iris‐Regenbogenzentrum.
Mit Begriffen scheint Ihr es ohnehin nicht so genau zu nehmen. Die ständig wiederholte Behauptung, dass die Identitären durchweg Nazis seien, ist zudem nicht ganz richtig. Weder beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus, noch teilen sie dessen ideologi­schen Kern, den zur Vernichtung drängenden Antise­mitismus. Wir wollen Euch jetzt an dieser Stelle nicht mit Theorie behelligen – schließlich seid Ihr ja hier, um gegen fiese Nazischweine zu demonstrieren. Aber worin bitteschön äußern sich solche Vernichtungs­wünsche bei der IB? Das Verschwörungsdenken dieser Leute unterscheidet sie jedenfalls nicht von Attac und Co., deren Mitglieder Ihr natürlich niemals als Nazis bezeichnen würdet. Und bitte kommt jetzt nicht mit »Ethnopluralismus«. Der Begriff, den Ihr gerne an­führt, um die IB’ler als besonders schlimme Rassisten auszuweisen, taugt nicht einmal dazu, die Neue Rech­te mit ihrem Traum von einem Fest der Völker von der Neuen Linken mit ihrer Freude am Karneval der Kulturen abzugrenzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir mögen die Jungs und Mädchen mit ihrem penetranten Hang zur Selbstüberschätzung auch nicht. Uns liegt nichts daran, sie zu verteidigen. Es spricht nichts dagegen, sie in die Schranken zu weisen – erst recht, wenn sie anfangen Leute zu bedrohen.
Aber wir finden Eure Schaumschlägerei gegen diese paar Trottel hochnotpeinlich. Euch fällt gar nicht auf, wie sehr Ihr selbst zu den Handlangern einer Politik geworden seid, der es nur noch um das reine Gewissen geht. Anwohnerinitiativen, Stadtrat, Stura und Universitätsleitung geben Statements gegen die Identitä­ren ab, die Euren Äußerungen gar nicht so unähnlich sind. Den Deppen von der IB scheint das große Heer Antifaschisten jedweder Couleur, in das Ihr Euch hier eingereiht habt, ganz recht zu kommen. Würde es sie nicht geben, Ihr müsstet sie erfinden. Heute geht Ihr mit Hunderten auf die Straßen. Wenn es aber nicht deutschstämmige Nazis sondern Migranten sind, die, wie am 16. Dezember vergangenen Jahres, eine De­monstration abhalten, die offener antisemitisch ist als jeder Aufmarsch der Brigade‐Suffnazis aus der halli­schen Silberhöhe, dann bleibt ihr zuhause.


Selbstvergewisserung statt Feminismus

Ist es möglich, dass es Euch auch beim Thema Femi­nismus gar nicht so sehr um die Identitären geht, son­dern eher um Euch selbst? Habt Ihr schon mal dar­über nachgedacht, dass Eure Beißreflexe gegenüber dem »Nazizentrum« in erster Linie einer Vermeidung dienen? Wenn Ihr Euren Lieblingsfeinden unbeirrbar Sexismus und Rassismus unterstellt, braucht Ihr Euch gar nicht erst die Frage zu stellen, ob sie an dem einen oder anderen Punkt nicht vielleicht doch Recht haben. Gewiss, sie sind Fremdenfeinde und interessieren sich für sexuelle Übergriffe nur dann, wenn sich Migranten als Täter finden. Aber stimmt es vielleicht nicht sogar, dass das Frauenbild autochthoner Männer bei wei­tem nicht das Schlimmste ist, was der Markt derzeit hergibt? Und ist es nicht möglicherweise wahr, dass Übergriffe gegen Frauen schneller bagatellisiert wer­den, wenn sie von Zugezogenen begangen werden? Ist es nicht auch in linken Läden so, dass es bei sexuel­len Belästigungen durch einen Nicht‐Deutschen aus Rücksicht auf seinen »kulturellen Background« weit­aus länger dauert, bis er eine Backpfeife bekommt als bei einem deutschen Proll?
Ihr ahnt sicherlich, was jetzt kommt: Ein durchaus beträchtlicher Teil des vom Islam geprägten Milieus – sowohl frisch zugewandert als auch Teile der schon länger hier lebenden Moslems – ist der Ansicht, dass Frauen sich den Männern zu fügen haben. Die Verführungskraft weiblicher Sexualität und deren vermeintli­cher Ausdruck – Haare, Arme, Körperlichkeit etc. pp. – wird von Anhängern des Propheten Mohammed als Bedrohung empfunden, die durch Verhüllung zu ban­nen sei. Harām gekleidete Frauen werden als »Schlam­pen« bzw. legitime Beute gesehen, was sich immer wie­der in sexueller Gewalt entlädt. Wir wissen, Ihr werdet nicht gerne an die Kölner Silvesternacht erinnert. Und falls doch, antwortet Ihr reflexartig mit »Oktoberfest«. Euch ist keine Verrenkung zu blöd, um über das Frau­enbild des Islams nicht sprechen zu müssen.
Und? Merkt Ihr etwas? Springt bei diesen Worten Euer Rechtspopulismusradar an? Es hat sich näm­lich – insbesondere seit Pegida, AfD und IB ihren nur halbherzig verschleierten Fremdenhass als »Islamkri­tik« verkaufen – eingebürgert, dass jede Kritik am Is­lam und dessen Zumutungen abgewehrt wird, indem man jenen, die diese aussprechen, Rassismus vorwirft. Dabei müssten Feministen gerade hier besonders laut aufschreien. Im Aufruf wird stattdessen die Frauen­verachtung »islamischer Fundamentalisten« erwähnt, die eine »ideologische Gemeinsamkeit« mit der IB begründen würde. Ihr tut damit alles, um den strukturellen Sexismus im Islam in jeglicher Hinsicht zu re­lativieren. Denn was hat bitteschön das konservative Rollenbild, dem die Identitären möglicherweise nach­trauern, mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Frauen zu tun, die das Haus nur verschleiert verlassen dürfen, sich daheim aber jederzeit für ihren Mann zur Verfü­gung stellen sollen? Mit jenen jungen Frauen, die per­manent einen ihrer Brüder an der Seite kleben haben, damit bloß keine Schande über die Familie kommt? Die ihren Kampf um individuelle Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung meist verlieren und im schlimms­ten Fall umgebracht werden?
Es ist übler Zynismus, wenn im Aufruf von einer »ge­samtgesellschaftlichen Frauenverachtung« gefaselt wird. Frauen haben in westlichen Gesellschaften na­hezu die gleichen Chancen und Rechte wie Männer. Sie können ihren Wunschberufen nachgehen, in man­chen Gegenden verdienen sie inzwischen aufgrund ihrer höheren Qualifikation sogar mehr als Männer, und in Halle sind Frauen unter den Studenten in der Überzahl. Und während sie im Islam dem Gutdünken und der Willkür der Männer ausgesetzt sind, werden hier Übergriffe auf ihre (sexuelle) Selbstbestimmung gesellschaftlich verurteilt und geächtet.
Doch ihr Paradefeministen differenziert und ver­gleicht solange, bis das Problem nicht mehr wiederzu­erkennen ist. Gegen Euch ist jeder Feminismus zu ver­teidigen, der sich nicht scheut, den größten Agenten der Frauenunterdrückung in Deutschland zu benen­nen, ohne nebulös herumzueiern und von »religiösen Strukturen« zu schwadronieren.
Also, liebe Demonstranten, nehmt es uns nicht übel. Aber: Ihr seid Teil des Appeasements gegenüber dem Islam und verratet all jene Frauen und Homosexuelle, die täglich unter den Zumutungen des Islams zu leiden haben. Ihr betreibt nur dümmliche Selbstvergewisse­rung, wenn Ihr in Eurem Aufruf auch Konservative für ihr traditionalistisches Rollenbild anklagt, als wären sie inzwischen nicht diejenigen, die noch am beharr­lichsten individuelle Freiheiten gegenüber dem Islam und seinen linken Freunden verteidigen. Eure Indif­ferenz gegenüber der Zerstörungswut des Islams ist für das gesellschaftliche Zusammenleben gefährlicher als die ohnehin einflusslosen Mitglieder einer rechten PR‐Sekte. Mit Euch lässt sich kein Feminismus machen! – Kickt Euch!

Eure No Tears for Krauts
Halle (Saale), April 2018

THE HOUSE DICTATORS

Das VL‐Ludwig Strasse hat »The Love Dictators« von ihrem Straßenfest mit einer hanebüchenen Erklärung wieder ausgeladen. Die »AG No Tears For Krauts« verteilte am 4. Mai 2018 dazu folgendes Flugblatt auf dem Straßenfest:

Flugblatt — HouseDictators [PDF]

Werte Besucher des VL‐Straßenfestes,

an diesem Wochenende sollte hier eigentlich eine Band spielen, die allemal unterhaltsamer als der Langeweiler‐Klamauk gewesen wäre, den Ihr heute Abend präsentiert bekommt. Bis vor wenigen Wochen war ein Auftritt der Band „The Love Dictators“, die den meisten von Euch unbekannt sein dürfte, fest eingeplant. Nun, er entgeht Euch leider, denn: Die Organisatoren des Straßenfestes haben die „Love Dictators“ kurzerhand wieder ausgeladen. Die Begründung lautete wie folgt: „Auf Grund frauenfeindlicher, sexistischer und gewaltverherrlichender Texte haben wir den Auftritt von THE LOVE DICTATORS abgesagt.“ Auch wenn sich im Nachhinein bei dem einen oder der anderen Verantwortlichen offenbar dann doch noch das letzte bisschen Restverstand meldete, denn die hanebüchene und blödsinnige Erklärung wurde bereits nach kurzer Zeit wieder von der Homepage gelöscht, blieb das Auftrittsverbot doch bestehen.

Die Band

Wer „The Love Dictators“ schon einmal live erlebt hat, merkt schnell, dass man es nicht mit einem  herkömmlichen Auftritt einer Band zu tun hat. Sie geben sich Künstlernamen wie „Sir Stanislove“ und beschreiben ihre Musik mit „Propaganda Rap“ und „Drill Instructor Beat“. Mit überspitzten martialischen Gesten, Fantasieuniformen und Texten, die die untergegangene Sowjetunion betrauern (die bald wieder groß sein und es dem fiesen Kapitalismus schon zeigen wird), bieten sie ihrem Publikum eine wunderbare Stalinismuspersiflage. Die Bandmitglieder treten als Kunstfiguren auf die Bühne und nehmen mit Travestieelementen unter anderem Anleihen an längst untergegangene Ikonen der Schwulenbewegung wie der schwedischen Popband „Army of Lovers“, deren Frontmann, wie „Mary O.D.“ von den „Dictators“, mit geschminktem Gesicht, langen, wallenden Haaren, langem Mantel und Rüschenbluse auftrat. Die Band macht sich nicht nur über Osteuropaklischees lustig, wenn sie in schlechtem Englisch mit russischem Akzent machohafte Songtexte wie „De‐Virginator“, „Baby, Touch My Disco Balls“ oder „Show Me Your Sister“ zum Besten gibt. Sie singen so überspitzt davon, dass sie die Größten sind, dass jedem, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, klar sein müsste: Sie verspotten mit ihrer Show jene unangenehmen Typen mit fragwürdigem Frauenbild und übersteigertem Selbstbewusstsein, die der einen oder anderen zum „Aufriss“ auserkorenen Frau schon mal einen ausgelassenen Partyabend vergällen können. Mit anderen Worten: Die Band ist damit nicht nur witziger als alle auf dem VL‐Straßenfest auftretenden Bands zusammen, sondern vor allem: feministischer.

Die House Dictators

Es muss schon eine Menge Dummheit und gewolltes Missverständnis im Spiel sein, wenn die Organisatoren des Straßenfestes die Texte einer Band für bare Münze nehmen, die rote Armbinden trägt, deren weißen Kreis kein Hakenkreuz, sondern ein schwarzes Herz ziert. Doch woher kommt das völlige Unverständnis für Ironie? Woher die Unfähigkeit, das Offensichtliche wahrzunehmen? Zunächst dürfte es einen Zusammenhang mit dem politischen Selbstverständnis der Hausbewohner geben.  Auf der Suche nach ihrer Identität sind ihnen die selbst auferlegten Werte, für die ihr Hausprojekt steht, ins Blut übergegangen. Der nimmermüde Dreiklang – antifaschistisch, antirassistisch und antisexistisch – lässt eine Gedankenwelt entstehen, durch deren Filter die gesamte Umwelt wahrgenommen wird. Die durch diese Brille als feindlich betrachtete Gesellschaft, zu der sie sich in Opposition wähnen, wird daher als das komplette Gegenbild ihres kleinen alternativen Pippi‐Langstrumpf‐Kosmos’ wahrgenommen. Um das eigene Tun als irgendwie sinnvoll und wichtig erscheinen zu lassen – wer begibt sich schon freiwillig jede Woche auf ein linkes Hausplenum –, muss die Welt da draußen schlichtweg faschistisch, rassistisch und sexistisch sein. Eben aus diesem individualpsychologischen Grund – es geht dabei um nicht weniger, als es mit sich selbst auszuhalten – suchen die Hausbewohner detektivisch nach derlei (vermeintlichen) Verfehlungen. Durch die hundertprozentige Identifikation mit dem, was in linken „Freiräumen“ als „politischer Kampf“ durchgeht, wird eine kritische Distanz zum eigenen Denken und Handeln verunmöglicht. Sich mal rauszunehmen, innezuhalten, zu überlegen, ob denn gängige Erklärungsmuster überhaupt noch stimmen oder vielleicht von der Realität längst überholt wurden – kurzum: die Fähigkeit zur Selbstreflexion auch hinsichtlich der eigenen politischen Arbeit –, das alles kann nicht ausgebildet werden, wo man eins mit seinem politischen Selbstbild ist. Die fehlende Distanz zur eigenen Praxis, die Unfähigkeit einfach auch mal über sich selbst zu lachen, sorgt nicht nur für die verbiesterte Humorlosigkeit, die in linken Szeneschuppen täglich am Tresen beobachtet werden kann. Sie ist auch ursächlich dafür, dass man alles, was man nicht kennt und was aus dem eigenen begrenzten Rahmen fällt, nicht verstehen kann. Dazu gehört auch eine Männerband, die sich – ohne in platitüdenhaftes Gestammel zu verfallen – über Mackertum lustig macht. So ist es fast schon folgerichtig, dass Menschen, die mit der lange antrainierten Unfähigkeit ausgestattet sind, einen Witz zu verstehen, der nicht explizit erklärt wird, dann fordern, über eine Band wie die „Love Dictators“ einen Bannfluch auszusprechen. Frei nach dem autoritären Motto: Wenn es mir nicht gefällt, dann soll es auch kein anderer hören dürfen. Das Hausplenum der Ludwigstraße 37 beugte sich diesem Diktat der Betroffenheit und befindet sich damit in guter Gesellschaft. Denn exakt so funktioniert heute eine linke Auseinandersetzung: Irgendjemand fühlt sich von einer Aussage beleidigt, unwohl oder sonst irgendwie betroffen. Doch anstatt derlei übergriffige Ansinnen zurückzuweisen, ihnen mit dem besseren Argument entgegen zu treten oder sie unseretwegen auch auszulachen, sollen alle einstimmen. Gefühliges Gestammel schlägt das Argument, die persönliche Klatsche ist der Edeljoker beim Schnick‐Schnack‐Schnuck der linken Entscheidungsfindung.

Der Freiraum

Doch es wäre zu kurz gegriffen, das Auftrittsverbot allein mit der psychischen Verfassung einzelner Aktivisten zu erklären. Eine Lachnummer als Begründung, die leider kein Aprilscherz war, kann nur in Strukturen verfasst worden sein, die diese Verblödung befördern, verstärken und mitverursachen – Strukturen, die in der linken Szene unter dem Schlagwort des Freiraums verhandelt werden. Bewohner linker Häuser wollen sich eine Insel schaffen, die frei von gesellschaftlicher Reglementierung und dem kapitalistischen Normalwahnsinn ist, dem sie oft selbst nicht gewachsen sind. Auf der Suche nach der wohligen Wärme der Gemeinschaft und einer besseren Welt wirken Hausprojekte wie die Ludwigstraße 37 wie Oasen in der Wüste. Allein: Das „Räderwerk, zu welchem sich das gesellschaftliche Gefüge verhärtet“, so erklärte Wolfgang Pohrt einen solchen Magnetismus in einem seiner frühen Aufsätze, treibt „die zermahlenden und ausgestoßenen Einzelnen in die suchtartige Verfallenheit an die Gruppe“. Das Problem ist dabei: Der vermeintliche Freiraum spiegelt selbst die Welt, vor der man zu fliehen hofft. Nochmal Pohrt dazu: „Die Flüchtlinge laufen exakt den Verhältnissen in die Arme, denen zu entkommen sie trachteten: stumpfsinnige Arbeit und Langeweile, Reglementierung und Kontrolle, Verdummung und Behinderung, Konformitätsdruck und Zankerei, Selbstpreisgabe des eigenen Verstandes und Unterwerfungsrituale als Preis dafür, geduldet zu werden. Der Unterschied ist nur, dass das, was sonst anonyme Instanzen und unpersönliche Kräfte den Menschen antun, sie in der Gruppe einander selbst zufügen.“ Damit ist schon alles über die Strukturen in linken Häusern gesagt.

Gerade das Verbot der „Love Dictators“ zeigt, wie weit die „Verdummung“ und die „Selbstpreisgabe des eigenen Verstandes“, von der Wolfgang Pohrt schon in den 1980er Jahren sprach, in der Ludwigstraße fortgeschritten sind. Der Freiraum, in dem es sich Verbotsbefürworter wie -gegner so gemütlich eingerichtet haben, ist vor allem eins: frei von Vernunft, frei von eigenem Denken und vor allem: frei von Humor.

AG „No tears for Krauts“, Mai 2018

Für den Feminismus.

Folgendes Flugblatt wurde am 14.04.2018 auf der Demonstration »konsequent. feministisch. antifaschistisch. – Kick Them Out! Nazizentren Dichtmachen.« in Halle (Saale) verteilt:

Flugblatt: Für den Feminismus [PDF]

Liebe Teilnehmer der heutigen  Demonstration,

mal Hand auf‘s Herz: Kommt es Euch nicht auch etwas lächerlich vor, auf eine feministische Demonstration zu gehen, die sich gegen die Identitären richtet? Oder gar verlogen? Anscheinend nicht, denn ansonsten wärt Ihr zuhause geblieben, anstatt Euch hier bei einem Protest gegen ein Dutzend Flachpfeifen, die ohnehin niemand zu mögen scheint, als ehrenwerte Verteidiger des Feminismus aufzuspielen.

Marsch der Begrifflosen

Man kann den Leuten von der Identitären Bewegung (IB) einiges vorwerfen. Ihre Mitglieder sind gewaltaffin, sie haben ein Faible für faschistische Ästhetik (Seitenscheitel, Fackelmärsche) und sie träumen von ethnisch homogenen Gemeinschaften. Vor allem aber sind sie fremdenfeindliche Arschlöcher, die ein halbwegs geschicktes Händchen haben,  Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihnen das in der letzten Zeit so gut gelang, dazu habt allerdings auch Ihr beigetragen. Denn anstatt die Identitären aus der Adam‐Kuckhoff‐Straße einfach als unangenehme Nervensägen zu behandeln, wart Ihr wackeren Antifaschisten Euch nicht zu blöde, sie zu einer Gefahr für alles Mögliche zu stilisieren. Und nun soll es das Frauenbild dieser Handlampen sein, das der befreiten Gesellschaft im Weg steht, von der im Aufruf die Rede ist?
Wie kommt Ihr überhaupt darauf, dass die IB sonderlich sexistisch sei? Deren weibliche Protagonisten treten sehr selbstbewusst und nun wahrlich nicht als die »Heimchen vom Herd« auf. Uns sind auch keine Verlautbarungen der Identitären bekannt, die diese als üble Sexisten überführen. Gewiss, wir sind nicht die Nazi‐Experten wie Ihr. Aber so ganz haut Euer Vorwurf nicht hin. Die Identitären haben sicherlich ein traditionelles Frauenbild. Aber das ist weder dezidiert sexistisch, noch unterscheidet sich das wesentlich von anderen Milieus wie den Fans vom Halleschen Fußballclub, den Ammendorfer Sportkeglern oder dem Frauenyogakurs im Iris‐Regenbogenzentrum.
Mit Begriffen scheint Ihr es ohnehin nicht so genau zu nehmen. Die ständig wiederholte Behauptung, dass die Identitären durchweg Nazis seien, ist zudem nicht ganz richtig. Weder beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus, noch teilen sie dessen ideologischen Kern, den zur Vernichtung drängenden Antisemitismus. Wir wollen Euch jetzt an dieser Stelle nicht mit Theorie behelligen – schließlich seid Ihr ja hier, um gegen fiese Nazischweine zu demonstrieren. Aber worin bitteschön äußern sich solche Vernichtungswünsche bei der IB? Das Verschwörungsdenken dieser Leute unterscheidet sie jedenfalls nicht von Attac und Co., deren Mitglieder Ihr natürlich niemals als Nazis bezeichnen würdet. Und bitte kommt jetzt nicht mit »Ethnopluralismus«. Der Begriff, den Ihr gerne anführt, um die IB’ler als besonders schlimme Rassisten auszuweisen, taugt nicht einmal dazu, die Neue Rechte mit ihrem Traum von einem Fest der Völker von der Neuen Linken mit ihrer Freude am Karneval der Kulturen abzugrenzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir mögen die Jungs und Mädchen mit ihrem penetranten Hang zur Selbstüberschätzung auch nicht. Uns liegt nichts daran, sie zu verteidigen. Es spricht nichts dagegen, sie in die Schranken zu weisen – erst recht, wenn sie anfangen Leute zu bedrohen.
Aber wir finden Eure Schaumschlägerei gegen diese paar Trottel hochnotpeinlich. Euch fällt gar nicht auf, wie sehr Ihr selbst zu den Handlangern einer Politik geworden seid, der es nur noch um das reine Gewissen geht. Anwohnerinitiativen, Stadtrat, Stura und Universitätsleitung geben Statements gegen die Identitären ab, die Euren Äußerungen gar nicht so unähnlich sind. Den Deppen von der IB scheint das große Heer Antifaschisten jedweder Couleur, in das Ihr Euch hier eingereiht habt, ganz recht zu kommen. Würde es sie nicht geben, Ihr müsstet sie erfinden. Heute geht Ihr mit Hunderten auf die Straßen. Wenn es aber nicht deutschstämmige Nazis sondern Migranten sind, die, wie am 16. Dezember vergangenen Jahres, eine Demonstration abhalten, die offener antisemitisch ist als jeder Aufmarsch der Brigade‐Suffnazis aus der hallischen Silberhöhe, dann bleibt ihr zuhause.

Selbstvergewisserung statt Feminismus

Ist es möglich, dass es Euch auch beim Thema Feminismus gar nicht so sehr um die Identitären geht, sondern eher um Euch selbst? Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht,  dass  Eure  Beißreflexe   gegenüber dem »Nazizentrum« in erster Linie einer Vermeidung dienen? Wenn Ihr Euren Lieblingsfeinden unbeirrbar Sexismus und Rassismus unterstellt, braucht Ihr Euch gar nicht erst die Frage zu stellen, ob sie an dem einen oder anderen Punkt nicht vielleicht doch Recht haben. Gewiss, sie sind Fremdenfeinde und interessieren sich für sexuelle Übergriffe nur dann, wenn sich Migranten als Täter finden. Aber stimmt es vielleicht nicht sogar, dass das Frauenbild autochthoner Männer bei weitem nicht das Schlimmste ist, was der Markt derzeit hergibt? Und ist es nicht möglicherweise wahr, dass Übergriffe gegen Frauen schneller bagatellisiert werden, wenn sie von Zugezogenen begangen werden? Ist es nicht auch in linken Läden so, dass es bei sexuellen Belästigungen durch einen Nicht‐Deutschen aus Rücksicht auf seinen »kulturellen Background« weitaus länger dauert, bis er eine Backpfeife bekommt als bei einem deutschen Proll?
Ihr ahnt sicherlich, was jetzt kommt: Ein durchaus beträchtlicher  Teil  des  vom  Islam  geprägten Milieus – sowohl frisch zugewandert als auch Teile der schon länger hier lebenden Moslems – ist der Ansicht, dass Frauen sich den Männern zu fügen haben. Die Verführungskraft weiblicher Sexualität und deren vermeintlicher Ausdruck – Haare, Arme, Körperlichkeit etc. pp. – wird von Anhängern des Propheten Mohammed als Bedrohung empfunden, die durch Verhüllung zu bannen sei. Harām gekleidete Frauen werden als »Schlampen« bzw. legitime Beute gesehen, was sich immer wieder in sexueller Gewalt entlädt. Wir wissen, Ihr werdet nicht gerne an die Kölner Silvesternacht erinnert. Und falls doch, antwortet Ihr reflexartig mit »Oktoberfest«. Euch ist keine Verrenkung zu blöd, um über das Frauenbild des Islams nicht sprechen zu müssen.
Und? Merkt Ihr etwas? Springt bei diesen Worten Euer Rechtspopulismusradar an? Es hat sich nämlich – insbesondere seit Pegida, AfD und IB ihren nur halbherzig verschleierten Fremdenhass als »Islamkritik« verkaufen – eingebürgert, dass jede Kritik am Islam und dessen Zumutungen abgewehrt wird, indem man jenen, die diese aussprechen, Rassismus vorwirft. Dabei müssten Feministen gerade hier besonders laut aufschreien. Im Aufruf wird stattdessen die Frauenverachtung »islamischer Fundamentalisten« erwähnt, die eine »ideologische Gemeinsamkeit« mit der IB begründen würde. Ihr tut damit alles, um den strukturellen Sexismus im Islam in jeglicher Hinsicht zu relativieren. Denn was hat bitteschön das konservative Rollenbild, dem die Identitären möglicherweise nachtrauern, mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Frauen zu tun, die das Haus nur verschleiert verlassen dürfen, sich daheim aber jederzeit für ihren Mann zur Verfügung stellen sollen? Mit jenen jungen Frauen, die permanent einen ihrer Brüder an der Seite kleben haben, damit bloß keine Schande über die Familie kommt? Die ihren Kampf um individuelle Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung meist verlieren und im schlimmsten Fall umgebracht werden?
Es ist übler Zynismus, wenn im Aufruf von einer »gesamtgesellschaftlichen Frauenverachtung« gefaselt wird. Frauen haben in westlichen Gesellschaften nahezu die gleichen Chancen und Rechte wie Männer. Sie können ihren Wunschberufen nachgehen, in manchen Gegenden verdienen sie inzwischen aufgrund ihrer höheren Qualifikation sogar mehr als Männer, und in Halle sind Frauen unter den Studenten in der Überzahl. Und während sie im Islam dem Gutdünken und der Willkür der Männer ausgesetzt sind, werden hier Übergriffe auf ihre (sexuelle) Selbstbestimmung gesellschaftlich verurteilt und geächtet.
Doch ihr Paradefeministen differenziert und vergleicht solange, bis das Problem nicht mehr wiederzuerkennen ist. Gegen Euch ist jeder Feminismus zu verteidigen, der sich nicht scheut, den größten Agenten der Frauenunterdrückung in Deutschland zu benennen, ohne nebulös herumzueiern und von »religiösen Strukturen« zu schwadronieren.
Also, liebe Demonstranten, nehmt es uns nicht übel. Aber: Ihr seid Teil des Appeasements gegenüber dem Islam und verratet all jene Frauen und Homosexuelle, die täglich unter den Zumutungen des Islam zu leiden haben. Ihr betreibt nur dümmliche Selbstvergewisserung, wenn Ihr in Eurem Aufruf auch Konservative für ihr traditionalistisches Rollenbild anklagt, als wären sie inzwischen nicht diejenigen, die noch am beharrlichsten individuelle Freiheiten gegenüber dem Islam und seinen linken Freunden verteidigen. Eure Indifferenz gegenüber der Zerstörungswut des Islam ist für das gesellschaftliche Zusammenleben gefährlicher als die ohnehin einflusslosen Mitglieder einer rechten PR‐ Sekte. Mit Euch lässt sich kein Feminismus machen!
– Kickt Euch!

Eure »No Tears for Krauts«
Halle (Saale), April 2018

Bonjour Tristesse #22 (Herbst 2017)

Kurzmitteilung

Die Herbstausgabe der Bonjour Tristesse ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Mit dieser Ausgabe erscheint die hallische Zeitung Bonjour Tristesse seit 10 Jahren. Wir gratulieren zum Redaktions‐Jubiläum, lasst die Korken knallen. Hier gehts zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Bonjour Tristesse #22
(Herbst 2017)

Download [PDF] Bonjour Tristesse 222017

DIE THEMEN DIESER AUSGABE:

Bonjour Tristesse Sonderausgabe #G20

Kurzmitteilung

Die Sonderausgabe der Bonjour Tristesse zu den G20‐Protesten ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier gehts zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com


Bonjour Tristesse — Sonderausgabe
#G20
(Sommer 2017)

  • Editorial
  • Jusos mit Steinen  Ein Vertreter der »AG Antifa« fragte, ob es hierzulande eigentlich irgendjemanden gab, der nichts gegen das G20‐Treffen in Hamburg hatte?
  • Vorschein des Schlimmeren. Uli Schuster (Roter Salon, Leipzig)
    Die Proteste gegen den G20‐Gipfel haben gezeigt, dass die Linke aus der eigenen Geschichte nichts gelernt hat.
  • Die Wiederkehr des Immergleichen.  Angesichts der Proteste gegen den G20‐Gipfel fragte ein Vertreter der »AG Antifa« danach, warum die Linke immer wieder selbst hinter ihre eigenen theoretischen Erkenntnisse zurückfällt.

Download [PDF] Bonjour Tristesse Sonderausgabe G20/2017

Im Zweifel dagegen

Vor einiger Zeit wurden »No Tears for Krauts« Halle auf dem in Leipzig weltbekannten »Sprachlos‐Blog« (sprachlos-blog.de/no-ears-for-krauts) angegriffen. Der Grund: Wir hatten uns mit dem Conne Island solidarisiert, dem wegen seiner Stellungnahme zu sexuellen Übergriffen durch Migranten in linken Kreisen Rassismus vorgeworfen worden war. Ein Statement dazu:

Im Zweifel dagegen

„Sprache ist übersät mit Irritationen, versteckten Wertungen, kleinen Frechheiten und gemeinen Deutungen“, heißt es vollkommen richtig in der Selbstverständniserklärung des in Leipzig betriebenen „Sprachlos“-Blogs. Es ist insofern überaus verdienstvoll, die Zumutungen, Falschbehauptungen und die Irrlogik, der, wie es bei „Sprachlos“ heißt, „ökonomisierten, PR‐ und werbegesteuerten Sprache der Gegenwart“ aufs Korn zu nehmen. Fragwürdig wird es jedoch dann, wenn die Sprachkritik nicht mehr Wahrheit, Logik und Vernunft verpflichtet ist, sondern selbst zur Ideologie wird. Das war in jüngster Zeit mehrfach ausgerechnet auf jenem „Sprachlos“-Blog zu beobachten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verdeckten Bedeutungsgehalte von Texten zu entschlüsseln. Insbesondere die Beiträge Robert Feustels – einer der Betreiber des Blogs – legen nahe, dass auch und gerade bei den selbsternannten linken Sprachwahrern Argwohn angebracht ist.

1. Robert Feustel und die Verharmlosung des Nationalsozialismus

Vor einigen Wochen verglich Feustel die Betreiber des Leipziger Conne Island mit dem Nazi Carl Schmitt, weil sie die sexuellen Übergriffe von Migranten, zu denen es bei Partys des Clubs gekommen war, nicht einfach verschweigen oder fein diskurstheoretisch auflösen wollten. Hätte jemand anders einen solchen Vergleich angestellt, dann hätte Feustel dieses Vorgehen zweifellos als das bezeichnet, was es ist – eine Verharmlosung des Nationalsozialismus: Wer ein alternatives Zentrum in den Zusammenhang mit dem Kronjuristen des Dritten Reiches bringt, der zu den Vordenkern der Vernichtung der europäischen Juden gehörte, der relativiert die deutschen Verbrechen. Wenn Feustel so etwas tut, dann ist das alles jedoch etwas vollkommen anderes: Von seiner „wichtigen Kompetenz“ des Zweifelns, von der er in seinem Text so großspurig spricht, ist zumindest dann nichts zu bemerken, wenn es um ihn selbst geht.

2. Der Antifeminismus des Robert Feustel

Anstatt damit zufrieden zu sein, dass kaum jemand auf seine NS‐Verharmlosung einging, glaubte Feustel nachlegen zu müssen. In einem äußerst originell mit „No Ears for Krauts“ überschriebenen Text warf er „No Tears for Krauts“ Halle reaktionäres Gedankengut, mangelnde Differenzierungsfähigkeit, Pauschalisierung und Vorverurteilung, kurz: Rassismus vor. Das war nicht weiter verwunderlich. Solche Unterstellungen gehören abstruserweise seit Längerem zum Standardrepertoire von Leuten, die den Universalismus – zu dem auch die Forderung gehört, an das Verhalten aller Menschen die gleichen Maßstäbe anzulegen – unter antirassistischen Vorzeichen anzugreifen versuchen. Erstaunlicher war, dass Feustel „No Tears for Krauts“ ironisch als die „Kings aus Halle“ bezeichnete. Die „Queens“ unter uns fand er offensichtlich nicht erwähnenswert. In seiner Welt kommen anscheinend keine Frauen vor. Entweder glaubt Feustel, dass Politik Männersache ist, oder dass Frauen zurückhaltend, der Polemik abgeneigt und ständig offen für „Diskurse“ sind. In jedem Fall verbirgt sich hinter Feustels vermeintlichem Feminismus ein überaus traditionelles Frauenbild.

3. Robert Feustel und die Verharmlosung des islamistischen Terrors

Während Feustel kein Problem mit pauschalen Rassismusvorwürfen und Nazivergleichen hat, will er immer dann differenzieren, wenn es um einen der blutigsten Vereine der Weltgeschichte geht: den Islam. Der sei, wie er schreibt, nämlich eine „ungemein vielstimmige Religion“. Die Opfer dieser freundlichen Religion von nebenan, die vor allem unter den Moslems selbst zu finden sind, sind Feustel nicht der Rede wert. Sie sind allenfalls Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“, die es „innerhalb der islamischen Glaubensvielfalt“ auch gebe. Genau das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die zehntausenden Toten, die auf die Kappe des Islamischen Staates gehen, die Opfer von Boko Haram, die die des IS inzwischen sogar übersteigen, die 3.000 Toten von 911, die Opfer der Terrorherrschaft der Taliban, die Ermordeten von Paris, Brüssel, Berlin, Madrid, Nizza, Tel Aviv, Jerusalem, um nicht von den Fluchtbewegungen in Westafrika, im Irak oder in Syrien zu sprechen: Das alles ist Ausdruck einiger „problematischer Tendenzen“? Man fasst es einfach nicht – und spätestens hier wird deutlich, worum es Feustel tatsächlich geht: Er hat weder Religionskritik noch Differenzierung im Sinn, sondern eine Verharmlosung des islamistischen Terrors.

4. Robert Feustel und die Juden

Wie viele andere Freunde des Islam hat es auch Feustel vor allem auf das Judentum abgesehen. So schreibt er, dass es unter Juden „auch den einen oder anderen Verrückten“ gebe. Niemand würde bestreiten, dass es innerhalb des Judentums nicht nur freundliche Leute gibt. Verräterisch ist jedoch, in welchem Zusammenhang Feustel das Wörtchen „auch“ benutzt. Wer im Kontext von Ausführungen über den islamistischen Terror darüber spricht, dass es innerhalb des Judentums „auch“ den einen oder anderen Verrückten gibt, will sagen, dass es zwischen Judentum und Islam eigentlich keinen Unterschied gibt. Der Diskurstheoretiker Feustel will darauf hinaus, dass bei Nacht alle Religionen gleich sind; der Antizionist übersetzt für sich, dass die islamischen Terroristen auch nichts anderes tun würden als die Juden.
Doch selbst dabei will es Feustel nicht belassen: So war es ihm offensichtlich ein inneres Bedürfnis, eine längere Passage des „No-Tears-for-Krauts“-Textes zu zitieren und den Begriff „Moslem“ überall durch „Jude“ zu ersetzen. Damit wollte er nach eigenen Angaben zeigen, wie hanebüchen die Argumentation von „No Tears for Krauts“ sei. Das Dumme war nur: Erstens setzte er so erneut Judentum und Islam gleich. Die Frage nach den Differenzen zwischen verschiedenen Religionen – also: die Frage danach, warum sich nicht massenhaft Juden, Buddhisten, Christen, sondern Moslems in die Luft sprengen, um so viele Ungläubige wie möglich zu töten – ist nicht die Sache des Differenzierers Robert Feustel. Zweitens wäre es für seine Argumentation überhaupt nicht nötig gewesen, das Wort „Moslem“ tatsächlich überall durch „Jude“ zu ersetzen. Es hätte der Hinweis genügt, dass durch ein solches Austauschen irgendetwas besonders deutlich würde. Feustel hat es aber offenkundig danach verlangt, beide Begriffe auszutauschen. Es scheint ihm Genugtuung verschafft zu haben, endlich einmal schreiben zu können, dass „das Problem […] vor allem das Judentum“ sei. Über die Gründe dafür können wir nur spekulieren – wir kennen Feustel nicht persönlich. Allerdings haben wir genug Freud, Fromm und Adorno gelesen, um eine Vorstellung davon zu haben. Entweder wollte Feustel solche Aussagen wieder sagbar machen: Als Diskurstheoretiker dürfte er davon überzeugt sein, dass bestimmte Positionen auch durch Ex‐negativo‐Aussagen in der Öffentlichkeit verankert werden können. Oder es einfach mit ihm durchgegangen und er hat seine innersten Wünsche nach außen gekehrt. Egal, was es war: Beides wirft weder ein gutes Licht auf Robert Feustel und den „Sprachlos“-Blog noch auf den Netzantirassismus.

No Tears for Krauts,
03/2017

Wer schweigt, stimmt zu!

In der aktuellen Ausgabe des CEE IEH #238 verteidigt die AG »No Tears for Krauts« das Conne Island gegen seine Freunde. Im Folgenden ist der Artikel dokumentiert:

Wer schweigt, stimmt zu!
Eine Verteidigung des Conne Island gegen seine Freunde

Es dürfte inzwischen etwa ein Jahr her sein, dass die ersten Gerüchte über die Zunahme von sexuellen Übergriffen und Gewalt im Conne Island kursierten. Im Nachgang der sogenannten Flüchtlingskrise wurden die Tanzveranstaltungen des Clubs zu einem beliebten Anlaufpunkt für Migranten. Der wichtigste Grund dafür dürfte die Regelung gewesen sein, von Flüchtlingen nur 50 Cent Eintritt zu verlangen: Wer am Existenzminimum lebt, muss auf jeden Euro achten. Zur offensichtlichen Verwunderung des Conne Island waren die neuen Gäste allerdings weder sonderlich dankbar noch in großer Zahl an der politischen Arbeit interessiert, die der Laden für sie vorgesehen hatte. Einige von ihnen sorgten stattdessen dafür, dass aggressive Anmachen, sexuelle Übergriffe und Gewalt zum Dauerthema wurden. Das Ganze nahm ein Ausmaß an, das es in der Geschichte des Conne Island bis dahin nicht gegeben hatte. Einige Gäste blieben bereits weg, mehrfach war die Crew des Ladens so überfordert, dass sie – wahrscheinlich auch ein Novum in der Geschichte des Clubs – keinen anderen Ausweg sah, als die Polizei zu rufen.
Diese Entwicklung war vor allem für Leute verwunderlich, die Flüchtlinge aufgrund ihrer Herkunft für die besseren Menschen oder revolutionäre Subjekte im Wartezustand halten. Dabei ist es gar nicht schwer zu verstehen: Wer sich erfolgreich mit Schlepperbanden herumgeschlagen, Grenzzäune überwunden oder die lebensgefährliche Reise übers Mittelmeer überstanden hat, ist nicht immer ein freundlicher und umgänglicher Mensch. Er musste vielfach eine Durchsetzungsfähigkeit, Skrupellosigkeit und Abgebrühtheit an den Tag legen, von der die Türsteher des Conne Island meilenweit entfernt sind. Der Islam, von dem das Gros der hierzulande ankommenden Flüchtlinge zum Teil direkt, zum Teil indirekt geprägt wird, erledigt oft den gar nicht so kleinen Rest. Denn dass diese wohl patriarchalste aller Religionen ihren männlichen Angehörigen nicht unbedingt zu einem freundlichen und rücksichtsvollen Umgang mit Frauen ermutigt, dürfte durch Funk, Fernsehen oder Spaziergänge durch die Berliner Sonnenallee bekannt sein.
Irgendwann im Sommer war der Leidensdruck des Conne Island schließlich so groß, dass die 50‐Cent‐Regelung de facto abgeschafft wurde; das Plenum reichte im Oktober eine Erklärung nach.(1) Diese Stellungnahme ist, wie wir bereits beiläufig in einem Flugblatt formuliert haben,(2) in mehrfacher Hinsicht misslungen. Andere Gruppen und Einzelpersonen sind der gleichen Meinung – blöderweise aus anderen Gründen als wir. Das Einschießen auf die Stellungnahme wurde zum linken Breitensport, an dem sich Jungle‐World‐Autoren ebenso beteiligten wie Konkret‐Pinscher und megalomane Facebook‐Klugscheißer. Die Mehrheit dieser Kritiker legte bei ihrer Beurteilung der Erklärung ein so großes Maß an Realitätsverweigerung an den Tag, dass wir uns genötigt sehen, den Club trotz unserer Kritik zu verteidigen. Wer von seinen Kumpels ungerechtfertigt als Halbnazi dargestellt wird, wie es einige vermeintliche »Freundinnen und Freunde des Conne Island« im Hate‐Magazin getan haben,(3) der braucht nicht nur keine Feinde, sondern der hat auch Solidarität verdient.

Trendsport Rassismusvorwurf

In den Wochen nach der Veröffentlichung der Erklärung wurde innerhalb der linken Szene ein regelrechter Wettbewerb darum geführt, wer das Statement am dummdreistesten in den Kontext neurechter Diskussionen rücken kann. Einige fanden die Erklärung allein deshalb verwerflich, weil sich Beatrix von Storch auf sie bezogen hatte. Andere warfen dem Club gleich selbst Rassismus vor. Die Allerdümmsten rückten die Erklärung sogar in die Nähe der Machwerke Carl Schmitts, des Kronjuristen des »Dritten Reiches«.(4) Unter einem Nazivorwurf macht man’s als waschechter Antirassist eben nicht. Die Aufregung war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass das Conne Island auf die Herkunft der Täter verwiesen hatte. Ein gewisser Bernhard Torsch log die Stellungnahme in einem Artikel für die Konkret schließlich bis zur Unkenntlichkeit zurecht: »Die Steinzeitmenschen aus dem mysteriösen Orient sind leider zu doof, um zu wissen, wie man sich benimmt.«(5) Diese Aussage glaubte er im Text des Conne Island erkannt zu haben.Die Empörung über den Hinweis auf die Herkunft der Täter war dabei gleich aus mehreren Gründen skurril:
Erstens hatte das Conne Island zwar tatsächlich von »jungen Männern mit Migrationshintergrund« gesprochen. Um nicht in eine vermeintlich rassistische Kerbe zu schlagen, hatte es diese Aussage jedoch sofort wieder relativiert und suggeriert, dass »Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen« gleichermaßen Probleme bereiten würden.(6)Zweitens verwundert die Aufregung über den Hinweis auf den Background der Täter, weil sie nicht zuletzt von Leuten kommt, denen die Rede von der Prägung menschlichen Verhaltens durch Diskurse, Rollenbilder und ähnlichen Schnickschnack sonst zur zweiten Haut geworden ist. Natürlich wird nicht immer aus ehrenwerten Gründen auf die sozialen, nationalen, religiösen oder politischen Hintergründe von Tätern verwiesen. Oft ist ein solcher Hinweis aber eine Voraussetzung dafür, Entwicklungen verstehen, erklären und ihnen gegebenenfalls entgegenwirken zu können. So würden den meisten Gegnern der Conne‐Island‐Erklärung im Falle gewaltaffiner Deutscher, die eine Tanzveranstaltung für andere Gäste zum Spießrutenlauf machen, innerhalb kürzester Zeit etliche historische, ökonomische, soziale, politische und ideengeschichtliche Gründe (Luther, Hitler, Mielke, Müllermilch etc.) für ihr Verhalten einfallen – ohne dass sie damit eine Aussage über alle Deutschen treffen würden. Im Fall eines Überfalls deutscher Neonazis wären viele von ihnen sogar regelrecht empört, wenn der Hinweis auf den Hintergrund der Täter verschwiegen würde.
Im Unterschied dazu fällt den entsprechenden Leuten bei Hinweisen auf die Lebensumstände und die Erziehung von Migranten – und darum geht es – sofort und ausschließlich die Praxis der Schädelvermessung ein. Sobald es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelt, verliert so mancher Antirassist rascher die Fassung als ein Autor der Jungen Freiheit. Das zeigt, dass ihnen weder an Erkenntnis noch an einem vernünftigen Umgang mit solchen Fällen gelegen ist. Sondern sie sind vor allem an der Aufrechterhaltung ihres eigenen Pippi‐Langstrumpf‐Weltbildes interessiert, in dem Migranten nur als Opfer (des europäischen Grenzregimes, der rassistischen Mehrheitsgesellschaft, des Westens etc.) vorzukommen haben. Ohne es zu realisieren, werden die selbsternannten Kämpfer für eine »universalistische, globale politische Ethik«(7) damit zu freundlichen Rassisten, die ihrer Klientel ganz paternalistisch einen Sonderstatus verschaffen und den Universalismus, will heißen: die Gleichbehandlung aller, einen guten Mann sein lassen. Dabei ist auch das gar nicht so schwer: Denn so richtig es ist, jedem Opfer eines Neonaziübergriffs beizuspringen, egal, welche Hautfarbe oder Religion er hat, egal, ob er nett zu seinen Kindern ist, Katzenbabys quält oder sich unberechtigt Zutritt zum Conne Island verschafft hat, so falsch wäre es, jeden Unsinn, den er verzapft, zu rechtfertigen, zu akzeptieren oder, wie von einigen Gegnern der Conne‐Island‐Erklärung verdruckst angemahnt, unter den Teppich zu kehren.Drittens könnte das Argument für die Aussetzung des Universalismus, die von einigen Leuten klammheimlich, von anderen offener gefordert wurde, nicht dümmer sein. Es lautet in etwa so: Der Verweis auf die Herkunft der Täter heizt »rassistische Diskurse« und »Meinungen« an.(8) Das ist zum einen deshalb albern, weil die Bekloppten von AfD, Legida und NPD zur Bestätigung ihrer eingeschränkten Weltsicht keine Stellungnahme eines linken Clubs nötig haben. Zum anderen steht dahinter die absurde Vorstellung, dass das Conne Island mittels einer auf seiner Homepage veröffentlichten Erklärung dazu in der Lage sein könnte, einen Menschenfreund über Nacht in einen Ausländerfeind zu verwandeln. Mit ihrer Behauptung, dass der Verweis auf die Herkunft der Täter Rassismus anstacheln würde, verhalten sich die Gegner der Erklärung darüber hinaus so wie die Intellektuellen der 30er und 40er, die die Verbrechen Stalins angesichts der antibolschewistischen Hetze der Nazis leugneten, relativierten oder sogar rechtfertigten. Die Begründung lautete, dass jede Kritik des Gulags Hitler und seinen Kumpanen helfen könnte.

Let’s talk about Islam

Wer den Universalismus ernst nimmt, hätte im Unterschied dazu darauf zu bestehen, dass die Kritik des einen Übels nicht von der des anderen entbindet. Dazu müssten die Übel allerdings zunächst einmal benannt werden. Daran ist leider auch das Conne Island gescheitert. Natürlich ist es nicht verkehrt, zur Erklärung der an den Tag gelegten Frauenverachtung und Asozialität einiger der neuen Clubgäste auf eine »autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation« zu verweisen, wie es der Club getan hat.(9) Doch anders als vom Plenum suggeriert, war das Problem, mit dem der Laden konfrontiert wurde, keine beliebige migrantische Männergruppe und nur bedingt das Patriarchat, sondern vor allem der Islam.(10) So ist es ein offenes Geheimnis, dass diejenigen, die das Conne Island zeitweise in einen Ausnahmezustand versetzten, gerade nicht aus Kumasi oder Nowosibirsk kamen, sondern aus muslimischen Ländern, in denen der Islam selbst einige derer entscheidend prägt, die sich nicht direkt zur Religion des Propheten bekennen. Auch das gilt selbstverständlich nicht für alle, aber dass der Islam viel tiefgreifender in die Sozialisation, Erziehung und Alltagskultur seiner Angehörigen eingreift als viele andere Vereine, dürfte unbestritten sein. Ohne den Hinweis auf die spezifische Rolle dieser Religion ist der Verweis auf patriarchale Verhältnisse deshalb ebenso irreführend wie der Hinweis auf fehlende Jugendclubs und Arbeitsplätze bei ostdeutschen Neonazis und Suffschlägern. Schwere Zeiten haben viele durchgemacht, mit einem polternden Familienführer sind auch nicht wenige aufgewachsen. Auch »Macht‐ und Hierarchisierungsverhältnisse«,(11) von denen ein Gegner der Erklärung sprach, dem das zurückhaltende Statement des Clubs noch nicht zurückhaltend genug war, gibt es überall. All diese Dinge bringen jedoch genau sowenig überall die gleiche Vehemenz an Sexismus und Frauenverachtung hervor wie alle »Gruppen umherziehender Männer«(12) gleichermaßen unerträglich sind. Denn dass vietnamesische, italienische, tschechische, israelische, deutsche oder chilenische Männercrews, so unangenehm sie sein können, im großen Stil No‐Go‐Areas für Frauen errichten, glaubt nicht einmal Jürgen Todenhöfer. Wer angesichts von muslimischen Männerhorden ganz allgemein von Flüchtlingen und Migranten spricht, tut denen Unrecht, die sich, wie eben die absolute Mehrheit der aus Vietnam, Italien, Tschechien, Israel oder Chile Kommenden, bei Tanzveranstaltungen nicht wie bei einer Massenerniedrigung verhalten. Mit der verblödenden Allzweckleier von globalen Machtverhältnissen und Mackertum, die dem Conne Island von vielen seiner Gegner entgegengehalten wurde, wird der Unterschied zwischen ekligen Anmachsprüchen und einem Griff zwischen die Beine, zwischen widerwärtigen Ausfälligkeiten und prinzipieller Frauenverachtung, kurz: zwischen Oktoberfest und Kölner Silvesternacht verleugnet.(13) Es dient nur einem Zweck, nicht über das strukturelle Problem des Islam mit Frauen und Sexualität sprechen zu müssen.

Verrat am Feminismus

Dem Bedürfnis, vom Islam schweigen zu dürfen, opfern einige Gegner der Conne‐Island‐Erklärung schließlich sogar den Feminismus, den sie sonst wie eine Schnapsfahne vor sich hertragen. Bernhard Torsch hat das in der Konkret nur offen ausgesprochen, als er den genannten Männerhorden gutes Gelingen dabei wünschte, die »Inseln selbstgerechter Saturiertheit« zu verwüsten,(14) sprich: Orte der feuchtfröhlichen Ausgelassenheit durch die öffentliche Erniedrigung von Frauen zu zerstören. Durch ihren Unwillen, den Islam zu kritisieren, geben die meisten Gegner der Conne‐Island‐Erklärung zunächst all diejenigen zum Abschuss frei, die unter dem religiös‐gesellschaftlichen Wahn ihrer Verwandten, Nachbarn und Bekannten zu leiden haben: So sind die ersten Opfer der islamischen Gewalt Frauen aus muslimischen Familien, die dem traditionellen Rollenbild nicht entsprechen wollen. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag dazu, dass das Leben auch für andere Frauen, für Schwule oder Juden immer mehr zum alltäglichen Behauptungskampf wird. Denn natürlich sind es, so laut sie inzwischen auch wieder sein mögen, weniger die Stellungnahmen der rechten Ausländerfeinde, die in Medien und Politik Gehör finden. Es sind vielmehr die Stimmen von Akademikerheinzen wie Florian Biskamp, der in seiner Kritik am Conne Island den Diskursexperten gibt, oder der vermeintlichen »Freundinnen und Freunde des Conne Island«, die sich lieber für das, was die Linke früher Schweinepresse genannt hat, krumm machen als auf die intern bereits früh geäußerten Hilferufe »ihres« Clubs zu reagieren. Durch ihre Weigerung, den Islam überhaupt als Problem wahrzunehmen, tragen gerade diejenigen, die permanent vor einem Geländegewinn der AfD warnen, maßgeblich dazu bei, dass sich Figuren wie Beatrix von Storch, Björn Höcke oder Jürgen Elsässer als Vorkämpfer für Meinungsfreiheit inszenieren können. In Frankreich ist die Zahl der Juden, die den Front National wählen, bereits deutlich gestiegen – schlicht und ergreifend deshalb, weil es keine andere Partei gibt, die den Vormarsch des Islam offen kritisiert.(15)

Was tun? Islamkritik!

Für das Conne Island wäre die Kritik des Islam auch deshalb eine probate Möglichkeit gewesen, sich nicht nur, wie in seiner Stellungnahme geschehen, qua Deklamation sondern argumentativ von AfD und Co. abzugrenzen. Die Antira‐Meute hätte zwar auch in diesem Fall geschäumt, weil ihnen »Refugees« oder »Geflüchtete« – zwei Begriffe übrigens, die bereits das verdinglichte Verhältnis der Antirassisten zu ihrer Klientel andeuten – vor allem politische Schwungmasse sind. Beatrix von Storch und anderen wäre die positive Bezugnahme auf den Text jedoch möglicherweise etwas schwerer gefallen, weil zu den Ekelhaftigkeiten ihrer Partei gehört, dass sie entgegen anderslautender Behauptungen gerade keine Islamkritik betreibt. Ihr Islambashing (und hier geben wir nur in kurzer Form wieder, was wir schon an anderer Stelle ausführlich gemacht haben)(16) basiert stattdessen auf einer Mischung aus ordinärer Ausländerfeindlichkeit und Neid. Denn warum sonst sollten Leute, die mit Tradition, Familie, Korpsgeist hausieren gehen, gegen die Halsabschneider des Propheten auf die Straße gehen, die wie kaum jemand anders dafür einstehen wollen? Hier wird ein Konkurrenzkampf um autoritäre Auswege aus der Krise geführt, bei dem der politische Islam vor allem deshalb ins Visier geraten ist, weil er hierfür die im Weltmaßstab attraktivsten Angebote bereithält. Auch darum hätte zu gelten: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen.

Fight for your right – to party!

Mit denjenigen, die in jedem Versuch, das Problem überhaupt einmal zu benennen, vor allem Rassismus erkennen wollen, lässt sich nicht diskutieren. Erst recht nicht, solange sie sich über die Ausfälle muslimischer Männer nicht halb so stark aufregen wie über die autochthoner Deutscher, und auch nicht, solange sie der Hinweis auf die gesellschaftlichen Hintergründe der Täter mehr in Rage bringt als die Tat selbst. Insgesamt war in der bisherigen Debatte auffallend wenig von den Opfern der Übergriffe die Rede. Im Unterschied zu Leuten, die nur dann die frauenbewegte Karte spielen, wenn es ihnen in den politischen Kram passt, hat das Conne Island gezeigt, dass ihm die Rede vom Feminismus und vom Universalismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Zugleich scheint der Club nicht bereit zu sein, um der Reinheit der Lehre willen Dinge unter den Teppich zu kehren oder – auch das war eine beliebte Forderung – sie im Mafiastil »intern« zu regeln. Zwar hat die Erklärung des Conne Islands Schwachstellen. Diese mögen der Sorge vor der linken Inquisition, deren Ausmaß wir unterschätzt haben, oder der Tatsache geschuldet sein, dass Erkenntnisprozesse manchmal mühselig sind. Was davon auch immer zutreffen mag: Wir wünschen dem Conne Island bei seinem Versuch, eine wichtige Diskussion zu führen, auf jeden Fall viel Glück. Vor allem drücken wir die Daumen, dass es ihm gelingen wird, die Situation weiter zu entspannen und auch in Zukunft Konzerte, Partys und Tanzveranstaltungen zu organisieren, die für niemanden zur Qual werden.

No Tears for Krauts, Januar 2017

Anmerkungen

(1) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück, conne-island.de.
(2) No Tears for Krauts: Im Diskurs sind alle Katzen grau, nokrauts.org.
(3) Dort wird dem Conne Island unterstellt, »anschlussfähig« an neurechte Positionen zu sein, rhetorische Figuren aus »rechten Kreisen« zu verwenden usw., Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen, hate-mag.com.
(4) O.A.: Im Zug der Opportunisten, sprachlos-blog.de.
(5) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz, in: Konkret 12 (2016).
(6) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück. By the way: Ein Verweis auf den »Orient«, von dem Torsch spricht, das Kerngebiet des Islam also, taucht in der Stellungnahme des Conne Island gar nicht erst auf. Es war Torsch selbst, der aus dem Verweis auf sexuelle Übergriffe durch Migranten den – leider nicht ganz falschen – Rückschluss auf einen islamischen Hintergrund der Täter zog. Ob er deshalb ein Rassist ist, ein Ideologe oder ob er sich nur dümmer macht als er ohnehin zu sein scheint, mögen andere entscheiden.
(7) Freundinnen und Freunde des Conne Island: Ein anderer Text wäre möglich gewesen.
(8) Etwa Florian Biskamp: Conne‐Island‐Debatte. Antirassistische Ambivalenzvermeidung, ruhrbarone.de.
(9) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(10) Tatsächlich geht es nicht nur um den Islamismus, wie gern suggeriert wird, sondern um neue Entwicklungen des Alltagsislam, die die Situation auch für die vielen Muslime immer unerträglicher macht, die zu ihrer Religion ein ähnlich privatistisches Verhältnis haben wie die meisten europäischen Christen, Buddhisten etc.
(11) Marcus Adler: Von der (Traum-)Insel in die Realität?, hate-mag.de
(12) Conne Island Plenum: Ein Schritt vor, zwei zurück.
(13) Es ist in linken Kreisen beliebt geworden, die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 201516 unter Verweis auf das Oktoberfest zu relativieren. Das geschah zuletzt in dem von den Betreibern des Sprachlos‐Blogs (sprachlos-blog.de), wo passenderweise auch ein »Nachruf« auf das Conne Island veröffentlicht wurde, herausgegebenen Wörterbuch des besorgten Bürgers (Mainz 2016). Dort wird behauptet, dass es zu solchen Geschehnissen wie in der Silvesternacht »auf dem Oktoberfest alle Jahre kommt« (S. 115). Wer die Zahlen ins Verhältnis zueinander setzt, wird jedoch zu anderen Ergebnissen kommen: 2015 gab es in den zwei Wochen des Oktoberfestes, das von etwa sechs Millionen Menschen besucht wurde, 26 Anzeigen wegen Sexualdelikten. (Süddeutsche Zeitung, 11.1.2016) Das sind selbstverständlich 26 Übergriffe zu viel. Wer sie jedoch mit den 454 angezeigten sexuellen Übergriffen der einen Kölner Silvesternacht aufrechnet, der ist ein Lügner, ein schlimmer Ideologe oder jemand, der den Grundkurs »Methoden der Sozialwissenschaften« wiederholen sollte. Bereits am 1. Januar 2016, bevor sich viele Frauen durch die bundesweite Berichterstattung ermutigt sahen, doch noch Anzeige zu erstatten, lagen der Kölner Polizei mehr als 100 Anzeigen vor. (Zahlen nach Die Welt, 10.2.2016)
(14) Bernhard Torsch: Ein Inselwitz.
(15) Jüdische Allgemeine, 22.3.2015.
(16) No Tears for Krauts: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen, nokrauts.org, Antideutsche Aktion Berlin, Antifaschistische Gruppen Halle, Association Progrès Eichsfeld: Straigt to Hell! Weg mit den braunen Zonen, weg mit der AfD, nokrauts.org.

Audio: Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Tabuisierte Selbstverständlichkeit

Wie Alltagsislam und Islamismus zusammenhängen und warum Antifaschismus ohne Islamkritik zur Lüge wird.

Vortrag von Uli Krug am 28. Juni in Berlin

(via redaktion-bahamas.org/audio-archiv)

Die Situation ist ebenso bedrohlich wie grotesk: Denn an sich sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen müssen, dass Folter, pathologische Misogynie und Homophobie, Massenmord und das Streben nach globaler Willkürherrschaft nicht ausgerechnet von Leuten, die für sich den Antifaschismus reklamieren, verharmlost, totgeschwiegen, ja sogar befördert werden. Doch genau das ist der Fall, wenn es um den Islamismus geht: Die SPD erklärte erst jüngst den Islam in einem offiziellen Papier der Parteiführung zu einem lediglich »theoretischen Konstrukt« und bestritt rundweg, dass der Verschleierungszwang irgend frauenfeindlich wäre. »Islamkritisch« steht in der Sprache des staatstreuen Medienkartells ohnehin schon synonym für »rechtsradikal«; auf der anderen Seite ist es ausgerechnet bekennenden Abtreibungsgegnern wie Beatrix von Storch und Stahlhelm‐Nostalgikern wie Alexander Gauland vorbehalten, das Offensichtliche auszusprechen: Dass der praktizierte Islam per se keine unpolitische Religion ist, einen universalen Herrschaftsanspruch verkörpert und als praktizierender Sharia‐Gegensouverän auftritt. Aufklärung tut in einer Welt der verkehrt scheinenden Fronten also dringend not. Nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Vortrag über die Psychopathologie des Islam und den »Islamischen Staat« als dessen notwendige Konsequenz leisten, also eine Einführung in das eigentlich Selbstverständliche geben.

Eine Veranstaltung der HUmmel Antifa im Rahmen der Maiwoche 2016 »Rackets on the rise. Zur Dialektik von Klatschen und Beklatschen«
(via redaktion-bahamas.org/aktuell)