Antisemitische Netzwerke zerschlagen – das Orientalische Institut dichtmachen!

Als »Initiative IfO dichtmachen« verteilten wir gestern anlässlich einer Veranstaltung des Orientalischen Instituts in Halle folgendes Flugblatt:

Antisemitische Netzwerke zerschlagen –
das Orientalische Institut dichtmachen!

Nicht weit von Schnellroda, in Halle an der Saale, treibt ein pseudowissenschaftliches Institut sein Unwesen: das Institut für Orientalistik der Martin-Luther-Universität Halle. Man hat sich längst daran gewöhnt, dass offizielle Amtsträger in Deutschland kein böses Wort über den Islam verlieren. Wenn es doch mal eine noch so hauchzarte Kritik an islamischen Zumutungen geben sollte, können sich Politiker und Medienmeute darauf verlassen, dass irgendwo ein „Islam-Experte“ um die Ecke kommt, der „wissenschaftlich fundiert“ jegliche Zurückweisung des Herrschaftsanspruches des Islam als islamfeindlichen Rassismus zu disqualifizieren versucht. Und genau dieser Aufgabe hat sich das Institut für Orientalistik angenommen.
Das heutige Podium mit „Experten“ bildet dabei keine Ausnahme. Ein opportunistischer Berufspolitiker, dem keine Verrenkung zu blöd ist, um die Regierungskoalition in Sachsen-Anhalt nicht zu gefährden, und zwei notorische Islamverharmloser diskutieren, wie arg Muslime aus den westlichen Gesellschaften ausgegrenzt würden. Besonders dreist lügt es dabei in Saba-Nur Cheema. Sie ist Pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank–Zentrum für politische Bildung und Beratung Hessen, deren Herzensanliegen es ist, jeden Unterschied zwischen Antisemitismus und einem angeblichen antimuslimischen Rassismus zu verwischen. So bringt Cheema das Kunststück fertig, Anhänger der Religion des Propheten als Rasse zu konstruieren, nur damit sie jegliche Kritik daran als Rassismus denunzieren kann. [1]
Auch Hans Goldenbaum beherrscht dieses Spiel vorzüglich. So ist Goldenbaums Job angeblich, Moslems von der Radikalisierung abzuhalten – was im Wesentlichen bedeutet, ihnen beizubringen, „Tod den Zionisten“ statt „Tod den Juden“ zu sagen. Denn anders als Cheema ist Goldenbaum ein wahrer Meister des Differenzierens. Für Hans-„Das hat nichts mit dem wahren Islam zu tun“-Goldenbaum ist es stets so, dass der Islam und der islamistische Terrorismus zwei völlig voneinander verschiedene und überhaupt nicht aufeinander bezogene Phänomene sind. Um nichts auf der Welt lässt er was auf seinen Islam kommen. Er schafft es sogar, einen Artikel über die Zusammenarbeit der Nationalsozialisten mit dem Mufti von Jerusalem zu schreiben, in dem die Religion nicht einmal vorkommt, die nicht unwesentlich dazu beitrug, dass die antisemitische Propaganda der Nazis in Palästina auf äußerst fruchtbaren Boden stieß.
Wenn sich intellektuelle Islamversteher zusammenrotten, um ihr Gerede von Ausgrenzung und Abwertung in die Welt zu posaunen, wird es besonders ekelhaft, wenn sie dann auch noch versuchen, irgendwie die Juden ins Spiel zu bringen. Mit einer unfassbaren Schamlosigkeit wird hier nicht nur der Anschlag auf die hallische Synagoge im letzten Monat zur Werbung für die eigene Veranstaltung instrumentalisiert, sondern bereits in der Ankündigung wird völlig unverfroren behauptet, Antisemitismus richte sich unter anderem gegen Muslime.
Im seiernden Gewäsch über „Ausgrenzung“ und „Anderssein“ geht jeder Unterschied, dass es z.B. islamischen Terrorismus gibt, eine jüdische Weltverschwörung aber nicht, unter. Man tut so, als sei es Stephan Balliet, dem Terroristen von Halle, darum gegangen, die Menschen in der Synagoge auszugrenzen und deren „Anderssein“ zu betonen, und nicht etwa darum, möglichst viele aus zutiefst antisemitischer Motivation heraus zu töten. Auch wenn er sich nach dem missglückten Versuch, in die Synagoge einzudringen, den Dönerladen aus fremdenfeindlichen Motiven als Anschlagsort wählte, so kann man dies nicht von seinem antisemitischen Weltbild entkoppeln. Denn die Schuld an allem Unglück, und damit auch an der sogenannten Überfremdung hat für Balliet „der Jude“ – und somit ist er der Hauptfeind. Ihm war es letztlich völlig egal, ob er im Döner Moslems, Christen oder Fußballfans tötet. In seinen antisemitischen Amoklauf die leere Floskel vom antimuslimischen Rassismus reinzulügen, ist absurd und verharmlost den antisemitischen Charakter des Anschlags.
Diese Mischung aus Verschiebung und offener Lüge hat nur einen Zweck: Man nutzt die Aura des Antisemitismus, um die Muslime zu entlasten. Der unterschiedslose Vernichtungswahn, mit dem Juden konfrontiert waren und sind, soll angeblich auch den Moslems drohen. Die Juden müssen als Beispielopfer herhalten, während gleichzeitig vermieden wird, zu genau auf den Antisemitismus einzugehen. Man könnte ja darauf kommen, dass das gar nicht so viel mit ausgeleierten Unworten wie „Ausgrenzung“ oder „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu tun hat und eben doch etwas ist, das sich nicht gegen Muslime richtet, sondern nicht selten von ihnen ausgeht.
Im Ankündigungstext fragen die Veranstalter aus der Orientalistik, was man gegen „Radikalisierung“ tun könne. Ein heißer Tipp wäre es, auf solche üblen Veranstaltungen zu verzichten. Stattdessen könnte man das Problem des militanten Antisemitismus benennen und die Frage, wer dessen Träger sind, stellen. Und das sind neben durchgeknallten Nazis wie Stephan Balliet derzeit überwiegend Anhänger des Propheten. Vom Orientalischen Institut kann dazu nicht viel erwartet werden. Sind es doch Personen wie Astrid Meier, die Resolutionen zur antisemitischen BDS-Bewegung im Bundestag für einen Affront gegen das muslimische Menschenrecht auf Israelhetze hält, die solche Gruselkabinette einberufen und Veranstaltungen wie diese organisieren. Da es am Orientalischen Institut vor Goldenbaums und Meiers nur so wimmelt, die ihren Lebensinhalt darin sehen, jegliche Kritik am Islam pseudowissenschaftlich abzukanzeln, ist es folgerichtig, die Schließung dieser Brutstätte der Antisemitismusverharmlosung zu fordern.
Initiative IfO dichtmachen!

[1] In dem lesenswerten Text „Die Pädagogen der Demagogen“ der Frankfurter Gruppe Thunder in Paradise wird die Verkommenheit des Anne-Frank-Zentrums ausführlich beschrieben.

21st Century Schizoid Country. Das Nachleben des Nationalsozialismus

Das Veranstaltungsprogramm der AG Antifa (Winter 2019/2020)

OCT24 We don’t need no education.Erfahrungen aus d. beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam

NOV5 Zur Kritik der politischen Ökologie.

NOV28 Die politische Sozialisation Wolfgang Pohrts

DEC12 Die Sehnsucht nach der Unfreiheit

DEC20 „Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe.“ (W. Benjamin) 

JAN30 The End of the World as We Know It. Zum Aufstieg des Populismus

Auf der Website der AG Antifa kann der Einleitungstext zum Semesterprogramm nachgelesen werden:

Weiterlesen

We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam.

Kurzmitteilung

Ein Veranstaltungshinweis unserer Freunde von der AG Antifa: Birgit Ebel (Bündnis 90 die Grünen) und Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas) sprechen darüber, wie der Islam die berufliche Praxis verändert und warum kaum jemand einhergehende Missstände benennen möchte.

Donnerstag, 24. Oktober 2019; 19 Uhr
Hörsaal 1, Haus 30, Franckesche Stiftungen, Halle (Saale)

We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam.

Podiumsgespräch mit Birgit Ebel und Justus Wertmüller

2018 erschien das Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer. Wie der Islam die Schulen verändert“. Verfasst wurde es von der Pädagogin Susanne Wiesinger, Lehrerin an einer Wiener Brennpunktschule. Schonungslos schildert sie die Zustände an ihrer Schule. Sie spricht von Schülern, die nicht willens sind, Deutsch zu lernen, ihre Mitschülerinnen zwingen, sich zu verhüllen, und ihre Religion über alles stellen. Darüber hinaus berichtet sie von der Verharmlosung und dem Herunterspielen dieser Zustände durch Stadtschulrat und Gewerkschaften.

Nicht nur im Schulbetrieb Österreichs werden zunehmend Stimmen lauter, die auf Probleme im Umgang mit Menschen aus islamisch geprägten Ländern hinwiesen und die rigiden „Wertvorstellungen“ der selbsternannten Religion des Friedens kritisieren. In Nordrhein-Westfalen wies eine Lehrerin Ende August darauf hin, dass viele Schüler unter dem stark ansteigenden Prozentsatz muslimischer Schüler merklich leiden. „Moslems weigerten sich plötzlich, die Gleichwertigkeit aller Religionen anzuerkennen und reagierten heftig, wenn jemand den Islam kritisierte. Diskussionen über Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau oder Verweise auf das Grundgesetz endeten mit üblen Beleidigungen und der Einforderung von Respekt.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

Ereignisse, wie sie von Pädagogen aus Deutschland und Österreich beschrieben werden, findet man auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ob Flüchtlingshilfe, Kindertagesstätten oder Polizei – überall gibt es Personen, die auf Probleme mit Menschen, die dem Islam angehören oder wesentlich von ihm beeinflusst wurden, hinweisen. Nicht selten werden die beschriebenen Zustände als Einzelfälle abgetan, wenn sie denn überhaupt thematisiert werden. Oftmals sehen sich diejenigen, die solche Fälle skandalisieren, mit dem Vorwurf des Rassismus oder der Islamfeindlichkeit konfrontiert. Notwendige Debatten werden erschwert und als Fall für den rechten Rand denunziert.

2014 gründete sich die ehrenamtliche Empowerment- und Präventionsinitiative „extremdagegen!“, um über Probleme des Extremismus und speziell auch des Islamismus in und rund um Schulen auf-zuklären. Auslöser für die Gründung war die Lage vor Ort in der Stadt Herford, die als Salafistenhochburg immer häufiger in die lokalen und überregionalen Schlagzeilen geriet. Wir wollen mit der Gründerin dieser Initiative, Birgit Ebel (B’90/Die Grünen) ins Gespräch kommen und über ihre Erfahrungen als Pädagogin diskutieren. Außerdem werden wir mit dem Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“ und Buchautor Justus Wertmüller darüber sprechen, warum es insbesondere bei Menschen aus islamischen Ländern immense Integrationsschwierigkeiten gibt und weshalb sich das mediale und politische Interesse bei dieser Problemstellung so stark zurückhält.

Über gute und böse Juden | Flugblatt

Am 25. Juni 2019 hielt Dr. David Ranan auf Einladung der Friedrich‐Ebert‐Stiftung einen Vortrag unter dem Titel »Wehrhafte Demokratie? Israel nach der Wahl und die Rolle des Militärs in der Gesellschaft« (Halle, 25. Juni 2019). Wir haben davor folgendes Flugblatt verteilt:

[PDF] Flugblatt: Über gute und böse Juden

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Ihnen sicherlich nicht entgangen ist, befindet sich die Sozialdemokratie in der größten Krise der Nachkriegszeit. Bei den anstehenden Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen wird voraussichtlich nur jeder zehnte Wähler sein Kreuz bei der SPD setzen, die einmal den Ruf hatte, die Partei des kleinen Mannes zu sein. Dennoch geht alles weiter seinen Gang.
Als Promotionsagentur der SPD ist die parteinahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) merklich vom Niedergang der Sozialdemokratie betroffen. Während aber die SPD weiterhin munter das Personalkarussell dreht, um die Persönlichkeit mit dem nötigen Charme ausfindig zu machen, die das verloren gegangene Vertrauen der Wähler wiedererweckt, dokumentiert die politische Bildungsarbeit der FES einen Zustand ausufernder geistiger Verwahrlosung. Dies wird nicht zuletzt an ihrem instrumentellen Verhältnis zu Juden deutlich, das repräsentativ für die Sozialdemokratie ist.

Böser Jude = Islamkritischer Jude

Kennzeichnend dafür ist beispielsweise die kurzfristige Absage der für den 29.04.2019 in Leipzig geplanten Veranstaltung mit dem deutsch-israelischen Schriftsteller Chaim Noll. Das sächsische Landesbüro der FES lud den Referenten drei Tage vor seiner Lesung ohne Angabe von Gründen aus. Im Nachhinein sah sich der Leiter des Landesbüros, Matthias Eisel, immerhin veranlasst, die Gründe für die Absage nachzureichen: Er attestierte Noll, rechtspopulistische Positionen zu vertreten. Demnach lasse sich politische Bildung im Geiste von Demokratie und Pluralismus nicht mit Nolls Kritik an der bundesrepublikanischen Appeasement-Politik gegenüber dem iranischen Mullah-Regime vereinbaren.
Insbesondere verzeiht man Noll nicht, dass er die augenscheinlichen Widersprüche deutscher Außenpolitik nach Auschwitz an der Person des Außenministers Heiko Maas mustergültig vorgeführt hat. Dieser bekennt zwar bei jeder Gelegenheit, dass er wegen Auschwitz in die Politik gegangen sei, unterstützt aber ausgerechnet den Dialog und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit jenem Regime, das dem Staat der Juden offen mit seiner Auslöschung droht und unbeirrbar daran arbeitet. Mit der Unterstützung von Hisbollah und Hamas führt der Gottesstaat seit langem quasi einen Stellvertreterkrieg gegen Israel.

Guter Jude = Israelkritischer Jude

Heute lädt die FES in Halle hingegen einen Juden ein, der Ihnen weder etwas Erhellendes darüber zu berichten weiß, warum die SPD in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden droht, noch darüber, warum der Ausnahmezustand de facto Normalität für Israel ist. Vielmehr geht es dem heutigen Referenten Dr. David Ranan darum, auf dem von Begriffsverwirrung umwölkten Gipfel moralischer Überheblichkeit über die israelische Politik zu urteilen und zugleich den moslemischen Antisemitismus zu banalisieren.
Ein Anzeichen für die Preisgabe jeder politischen Urteilskraft ist Ranans strunzsteile These, Antisemitismus lasse sich nur bei einer verschwindend geringen Minderheit von Moslems ausmachen. Mit seiner Agenda verfolgt er das Ziel, den offenen Antisemitismus, der weitgehend Konsens ist unter Moslems in Beirut, Berlin und Brüssel, zur zulässigen politischen Meinung aufzuputzen. „Tod den Juden“ zu skandieren sei nicht etwa antisemitisch, sondern eine herkunftsbezogene Reaktion auf den israelisch-arabischen Konflikt.

Was ist legitimer Judenhass?

Juden wegen ihres Staates zu hassen, sei etwas grundlegend anderes als sie wegen ihrer Rasse oder Religion zu hassen, versichert Ranan. Sein Imponiergestammel zielt auf die Verwässerung eines Begriffs von Antisemitismus ab, um so die Auswüchse des in moslemischen Communities epidemischen Judenhasses zur politisch korrekten Israelkritik umzulügen.
Wenn Moslems Juden als Yahudi beschimpfen, ihnen gegenüber Tötungsabsichten artikulieren und den jüdischen Staat als Krebsgeschwür bezeichnen, meinen sie Ranan zufolge lediglich Israelis (Iisrayiyli) und ihren Staat, bringen also nur die Begriffe durcheinander. Denn in Wahrheit, so Ranan, existiere kein jüdischer, sondern nur ein israelischer Staat. Wer ernsthaft glaubt, die derzeit virulenteste Form des Antisemitismus durch sprachmagische Schwin deleien zum Verschwinden bringen zu können, hat ein ähnliches Erkenntnisinteresse wie Sie es haben, wenn es um eine kritische Bestandsaufnahme zum Stand der Sozialdemokratie geht.
Übrigens: Ein antisemitisches Weltbild zeichnet sich dadurch aus, dass der Antisemit Juden unterstellt, die Welt insgeheim zu beherrschen und hinter sämtlichen Kriegen und Krisen, Miseren und Missetaten zu stecken. Sein Problem mit Juden besteht also nicht darin, was sie konkret machen, sondern darin, dass sie überhaupt da sind. Sie verkörpern das negative Prinzip, auf das der Antisemit reflexionslos alles Mögliche projiziert.

„Kein Mensch ist heute mehr Antisemit, man ver-
steht nur die Araber.“ (F. Dürrenmatt)

Im Grunde ist Ihr Verhältnis zu Israel von einer aggressiven Straflust geprägt. Deshalb laden Sie sich einen Alibi-Juden ein, der Ihre gedämpften Ressentiments gegen wehrhafte Juden und ihren Staat – aus Verantwortung gegenüber der Geschichte – offen ausspricht. Herr Ranan wird Ihnen das sagen, was Sie ohnehin schon lange ahnen. Israel sei selbst schuld daran, dass es so leidenschaftlich gehasst wird. Er wird Sie vor den Zuständen in Israel warnen: dem korrupten Netanjahu, den rechten Hardlinern, Ultra-Orthodoxen und Ultra-Nationalisten, die keine neue Regierung zustande bekommen, dem allgegenwärtigen Rassismus mit Schädelvermessungen und Züchtungsprogrammen… Dass der Zwergstaat Israel – der übrigens nicht grundlos bis auf die Zähne bewaffnet ist – unter Anwendung von Waffengewalt seine Bürger verteidigt, ist für Sie schon eine unglaubliche Chuzpe. Dass er sich darüber hinaus von seinen sozialdemokratischen Ursprüngen verabschiedet hat, bringt das Fass zum Überlaufen.
Die deutsche Sozialdemokratie hat schon lange ein handfestes Israel-Problem. Sie geriert sich zwar als Freund der Israelis, ist aber durchdrungen von einer unnachgiebigen Rechthaberei, was die Angelegenheiten des jüdischen Staates angeht. Statt Israel zu belehren, es solle eine andere Politik machen – die letztlich zu seiner Auflösung führen würde –, täten Sozialdemokraten gut daran, sich endlich ein zutiefst gestörtes Verhältnis zu Israel einzugestehen.
Zur Erinnerung: Es war Sigmar Gabriel, der Israel als „Apartheid-Regime“ bezeichnete und sich ganz ungeniert beim Besuch in Israel mit der NGO Breaking the Silence traf. Andrea Nahles beschwor bei einem Treffen mit Vertretern der Fatah „gemeinsame Werte“. Martin Schulz applaudierte, als Mahmud Abbas im Europäischen Parlament die Legende von jüdischen Brunnenvergiftern wiederaufleben ließ, und nannte die Rede „inspiring“. Es war Frank-Walter Steinmeier, der im Arafat-Mausoleum einen Kranz niederlegte und in stiller Andacht dem Borderliner der Menschenrechte ehrerbietend seine Hochachtung zollte. Mal Hand aufs links schlagende Herz: Beneiden Sie nicht heimlich diejenigen Moslems ein bisschen, die so beseelt sind vom Hass, Juden den Tod zu wünschen, als hinge das eigene Leben davon ab?

Ihre AG »No Tears for Krauts«
Halle, Juni 2019

Presse-Mitteilung der AG Antifa im StuRa der MLU zum Auftritt des antisemitischen BDS-Rappers Talib Kweli im Tanzklub Drushba Halle

Kurzmitteilung

Am 11. Juli 2019 soll der Judenhasser und erklärte Feind Israels Talib Kweli im Tanzklub Drushba (Halle) auftreten. Der Musiker unterstützt die BDS-Bewegung («Boycott, Divestment and Sanctions»), eine Organisation, die zum Boykott Israels aufruft, das Land als Apartheidsstaat deklariert und das Existenzrecht Israels in Frage stellt. Der Deutsche Bundestag hatte unlängst BDS als antisemitisch eingestuft. Kweli wirft dem Bundestag sogar vor, sich durch diese Entscheidung mit dem Faschismus einzulassen. Er argumentiert mit einer „weißen Vorherrschaft“ und „weißen Juden“, die gemeinsame Sache mit Nazis und dem Ku-Klux-Klan machen würden.

Wir fordern die Betreiber des «Klub Drushba» auf, das Konzert mit Talib Kweli abzusagen. Kein Verständnis haben wir dafür, dass Aktivisten, die in rassistische, antisemitische und hetzerische Aktionen sowie BDS-Kampagnen verwickelt sind, eine Bühne geboten wird. Die Betreiber der Drushba müssen sich überlegen, ob sie im Gegensatz zu Veranstaltern aus Düsseldorf und München antisemitischer Propaganda öffentlichen Raum verschaffen wollen.

Zu den Hintergründen: https://www.facebook.com/notes/ag-antifa/presse-mitteilung-zum-auftritt-des-antisemitischen-bds-rappers-talib-kweli-im-ta/2439035092784418/

Identitätsbezogene Vernunftfeindlichkeit — Über Antisemitismus, Islam und Antidiskriminierungsideologie

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 2. Mai 2019, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz

Halle (Saale)

Dass der Jargon der Antidiskriminierung lagerübergreifend zum guten Ton gehört, weiß man spätestens seit selbst der AfD-Chef Jörg Meuthen vor „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gewarnt hat. Unter diese Hohlformel der Vorurteilsforschung werden Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und so weiter unterschiedslos subsumiert. Der Erfolg der vielfaltsorientierten Antidiskriminierungsideologie, die auf die Gleichwertigkeit der Identitäten pocht, hat seine reale Ursache in der postmodernen Transformation der Arbeitsgesellschaft. In dem Maße wie Unternehmen auf den „arbeitenden Kunden“ (G. Günter Voß) als unbezahlte Arbeitskraft setzen, wachsen die Notwendigkeit und die Bereitschaft, potentiellen Mitmachern jedweder Identität die „Teilhabe am Wertschöpfungsprozess“ zu ermöglichen. Inklusion wird zur betriebswirtschaftlichen Erfordernis, Diskriminierung zum Verlustgeschäft.
Der Identitätsfetisch, dem diese Entwicklung entgegenkommt, beruht seinerseits auf den gleichen sozioökonomischen Voraussetzungen: Wo grenzenlose Mobilität und Anpassungsfähigkeit gefragt sind und „Patchwork-Biografien“ längst zur Norm geworden sind, wird Identität zwangsläufig austauschbar und ihre Herstellung und Transformation dem Subjekt als niemals endende Arbeit an sich selbst aufgetragen. Die krisenhafte Neuerfindung des Selbst in Permanenz provoziert jedoch Abwehrreaktionen: Der Zumutung der kontinuierlichen Identitätsverwandlung entkommt, wer sich auf eine scheinbar fixe Identität zurückzieht, also sein Geschlecht, seine Herkunft oder Kultur zum unantastbaren Wesenskern seines Selbst erhebt. Symptom dieser Krise ist die auch im Westen potente Anziehungskraft des Islam, der alle anderen Identitäten nivelliert und sie an ihren rechtmäßigen Platz auf Erden oder in der Hölle verweist.
Dieser omnipräsente Identitätswahn zeitigt massenhaft antisemitische Erregungen, nicht nur weil im fantasierten Bild des Juden er als Zersetzer von Authentizität und Selbsthaftigkeit erscheint, sondern auch weil Israel das staatgewordene Dementi des Nexus von Natur und Kultur ist, den Identitäre jeglicher Couleur postulieren. Die heute größte Bedrohung für Juden in aller Welt ist der islamische Antisemitismus. Im Krieg gegen die Juden soll sich die verloren geglaubte muslimische Identität behaupten. Davon zu sprechen gilt den staatlichen und zivilgesellschaftlichen Agenten der Antidiskriminierungsideologie aber als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, nämlich als „antimuslimischer Rassismus“. Dass diese Schützenhilfe für judenfeindliche Muslime keine willkürliche Macke ist, sondern der allgegenwärtigen Vielfaltspropaganda unmittelbar entspringt, wird im Vortrag anhand der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank illustriert, die nicht nur ein Trainingsprogramm mit dem Titel „Was gewinnen Betriebe durch Diversity Management?“ anbietet, sondern auch die Kritik des islamischen Antisemitismus sabotiert.

Es spricht ein Vertreter der Gruppe Thunder in Paradise aus Frankfurt a.M.

Eine Veranstaltung der AG Antifa.
antifa.uni-halle.de

Magdeburg bleibt blöd

„Haltet euch ab 17 Uhr im Viertel bereit. Mobilisiert alles und jeden.“ Mit diesen Worten und der Parole „Magdeburg bleibt rot!“ riefen linke Antisemiten im Netz dazu auf, unsere Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ am 9. April mit Stephan Grigat in Magdeburg zu verhindern. Mehr als 21 Leute, drei Fahrräder und einen Hund bekamen sie allerdings nicht zusammen. Sie bauten sich in respektabler Entfernung vom Veranstaltungsort auf und versuchten, Gäste und Security mit lustigen Kampfsportposen und Schimpfworten aus dem Repertoire der 7c („Deine Mutter!“, „Hurensohn!“ usw.) zu beeindrucken. Da den Aufrufen von „Zusammen kämpfen“ und Co. selbst in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts kaum noch jemand folgen will, mussten einige der tapferen Verteidiger Magdeburgs eigens von außerhalb angekarrt werden. Natürlich durfte auch die notorische Ines Fritz alias „Thea Tiger“ nicht fehlen, die sich schon mal fälschlicherweise als Mitarbeiterin der Linkspartei ausgibt und sich im Vorfeld der Veranstaltung durch Lügen, Denunziationen und Einschüchterungsversuche besonders hervorgetan hat.

Diese Einschüchterungsversuche waren auch der Grund dafür, dass wir kurzfristig den Veranstaltungsort wechselten. Der Betreiber der Factory, wo der Vortrag ursprünglich stattfinden sollte, wurde im Vorfeld massiv bedroht, teilweise wurde ihm aber auch Geld geboten, die Veranstaltung abzusagen. Da wir ihn keinem unnötigen Druck aussetzen wollten, nahmen wir Gespräche mit der Magdeburger Rosa-Luxemburg-Stiftung auf.

Deren Mitarbeiter haben wir als freundliche und interessierte Zeitgenossen kennengelernt, die Zusammenarbeit mit der Polizei hat ebenfalls gut funktioniert. Denn selbstverständlich haben wir uns mit ihr abgesprochen. Auch wenn wir deutlich in der Überzahl waren, spielen wir weder das faschistische Spiel vom Recht des Stärkeren mit, noch sind wir von der Mafia, der Bundeswehr und anderen Männerbünden fasziniert. Männerschweiß, Mut-Koks und Geländespiele interessieren uns nicht besonders.

Während „Zusammen kämpfen“ in der Umgebung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Verkleiden und Verstecken spielten und sich beim Tritt gegen ein Auto fast verletzten,* sprach Stephan Grigat vor über 40 Zuhörern über die Notwendigkeit der linken Solidarität mit Israel, die Geschichte und Gegenwart des Zionismus, die Bedrohung Israels und den Zusammenhang der beiden kategorischen Imperative von Karl Marx und Theodor W. Adorno.

Fazit: Wie wir schon 2008 und 2013 gezeigt haben, ist es ohne größere Schwierigkeiten möglich, eine israelsolidarische Veranstaltung in Magdeburg durchzuführen – selbst in unmittelbarer Nachbarschaft der örtlichen Antiimpis. Deren Mobilisierungsfähigkeit hält sich selbst in „ihrem“ Viertel, wo der Vortrag stattfand, in engen Grenzen. Insgesamt waren wesentlich mehr Leute an der Veranstaltung als an ihrer Verhinderung interessiert. Zwar mögen die linken Antisemiten im Einzelfall eine Gefahr darstellen, sie sind jedoch weniger ein politisches als ein polizeiliches Problem. Sprich: Es wird Zeit, sie als die Horde Kleinkrimineller zu betrachten, die sie sind. Das Schlägerimage, das sich die Magdeburger Linke vor einigen Jahren mühsam erarbeitet hat, scheint auch weiterhin kaum noch Anknüpfungspunkte in der Realität zu besitzen. Uns hat sich dasselbe Bild geboten wie 2013: „Ein offensichtlich nervöser Haufen Autonomer, die angespannt an ihren unter den Jacken versteckten Waffen herumfingern, entspricht nicht unbedingt dem Bild einer schlagkräftigen Antiimp-Gang,“ war damals in der „Bonjour Tristesse“„Bonjour Tristesse“ zu lesen. Aus diesem Grund sollte man die Magdeburger Männerbündchen auch in Zukunft einfach weiter links liegen lassen.

No Tears for Krauts, 04/2019

* Grandios dabei der folgende Dialog: „Ronny guck‹ ma‹, der da war auch bei die Antideutschen.“ „Ja, den treten wir den Spiegel.“ – „Mist, ich komme nicht so hoch mit die Beine.“ „Oh man Ronny was ist das für 1 Scheiß zionistische Schwein, lass‹ schnell wegrennen.“

Solidarität mit Israel. Über den kategorischen Imperativ nach Auschwitz. (Vortrag in Magdeburg)

Vortrag von Stephan Grigat

Dienstag, 09. April 2019; 19 Uhr

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt
Ebendorfer Straße 3, Magdeburg

Factory Magdeburg
Sandbreite 2, Magdeburg

Am 9. April laden wir zu unserer Veranstaltung „Solidarität mit Israel“ nach Magdeburg ein. Seitdem wir auf den Vortrag hinweisen, wird der Betreiber des Veranstaltungsortes, der Factory Magdeburg, täglich mit Anrufen, E‑Mails und Posts bombardiert, um eine Absage für die Veranstaltung zu erwirken. Neben den für Magdeburger Verhältnisse typischen Vandalismus-und Gewaltandrohungen waren die anonymen Anrufer diesmal sehr kreativ und gaben sich mal als Vertreter des Studierendenrates, mal als Stadtabgeordnete aus. Nachdem Geld für eine Absage geboten wurde, wird nun mit Boykott der Factory gedroht. Diesen ganzen Aufwand betreiben einige Magdeburger Linke, um eine Veranstaltung, die Solidarität mit Israel heißt, zu verhindern. Um nicht direkt gegen Israel argumentieren zu müssen – denn dann wüsste auch der Dümmste, dass es sich um linke Antisemiten handelt –, werden die veranstaltenden Gruppen, der Referent und Supporter als Rassisten, Nationalisten und zum Teil als Rechtsradikale dargestellt. Und das alles nur, um von ihrem Hass auf Israel abzulenken. Wir freuen uns auf die Veranstaltung am 9. April, haben uns aber dazu entschlossen, den Veranstaltungsort zu ändern, den wir noch rechtzeitig bekannt geben.


Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen in Magdeburg und anderswo hinaus. In den Attacken auf Israel tritt der Antisemitismus als eine spezifische Form des Judenhasses nach Auschwitz auf, der sich gegen den kollektiven Juden, den jüdischen Staat, richtet. Der Vortrag soll zeigen, inwiefern der Antizionismus in nahezu allen seinen Ausprägungen als geopolitische Reproduktion des Antisemitismus begriffen werden muss, was der kategorische Imperativ Theodor W. Adornos bedeutet, wenn man ihn nicht lediglich zur wohlfeilen Rhetorik für die deutsche Vergangenheitsbewirtschaftung missbrauchen möchte, und was der kategorische Imperativ von Karl Marx mit einer Solidarität mit Israel zu tun hat.
Es soll erläutert werden, vor welchen Problemen Israel durch die veränderte Situation im Nahen Osten und durch die aktuellen Erscheinungsformen des Antizionismus steht, und warum die Solidarität mit Israel nicht nur antifaschistisch ist, sondern die Unterstützung seiner militärischen Selbstverteidigung beinhalten muss. Dazu gehört auch die konsequente Bekämpfung der Feinde des jüdischen Staates: insbesondere das iranische Regime und seine Verbündeten an den Grenzen Israels, die heute die größte sicherheitspolitische Herausforderung für den Staat der Holocaustüberlebenden und ihrer Nachkommen darstellen, und ihre europäischen Unterstützer.

Stephan Grigat ist als Wissenschaftler sowie Autor tätig und für STOP THE BOMB aktiv. Er hat zuletzt die Bücher „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos 2017) sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich 2017) herausgegeben.

Veranstaltet von:
AG No Tears For Krauts Halle
Offenes Antifaplenum Halle
Linksjugend [´solid] Halle
Gesellschaftskritische Odyssee

Redebeitrag zur Kundgebung gegen Islamismus in Leipzig

Wir dokumentieren unseren Redebeitrag zur Kundgebung der Leipziger Initiative gegen Islamismus vor der Al-Rahman-Moschee. Weitere Beiträge und Pressestimmen können auf der Homepage der Initiative (gegen-islamismus.de) sowie auf deren facebook-Seite nachgelesen werden.

[PDF] Redebeitrag von AG »No Tears for Krauts«
zur Kundgebung »Gegen Islamismus in
Leipzig!» am 21. Dezember 2018

Liebe Besucherinnen und Besucher, liebe Genossinnen und Genossen,

als uns vor einigen Monaten die ersten vorsichtigen Informationen erreichten, dass die „Leipziger Initiative gegen Islamismus“ plane, eine Kundgebung gegen die salafistische Al-Rahman-Moschee zu veranstalten, brauchten wir nicht lange, um uns auf eine Unterstützung des Anliegens zu verständigen. Doch gleichzeitig wuchsen auch Zweifel. Wäre es richtig, gegen eine Al-Qaida-nahe, vom Verfassungsschutz beobachtete Moschee zu demonstrieren, deren bärtige Vorbeter ohne jeden Zweifel Dschihadisten und üble Menschenfeinde sind, aber falsch, gegen eine ordinäre Moschee wie jene in Halle zu intervenieren, in der Grundschulkindern erklärt wird, dass Ungläubige in die Hölle kommen? Ist es nicht so, dass sich vom BAK Shalom über die SPD bis hin zur AfD, vom Kleinstadtpfaffen bis zum Zentralrat der Muslime nahezu das gesamte politische und religiöse Spektrum Deutschlands auf die Formel einigen könnte: „Für radikale Islamisten ist kein Platz in unserer Gesellschaft!“? Innenminister Thomas de Maiziere, von dem diese Parole stammt, dürfte in seiner Politkarriere wenige Sätze geäußert haben, die für sich stehend derart hohe Zustimmungsraten erreichen.

Der Kampf gegen den Islamismus scheint bis auf ein paar irren Antiimperialisten allen am Herzen zu liegen. Wie kann es dann sein, dass im August bei „Wir sind mehr“ 65.000 Menschen gegen braune Wastelands in den sächsischen Zonenrandgebieten demonstrierten, heute aber kaum mehr als ein Tausendstel dessen gegen die Halsabschneider des Propheten sein zartes Stimmchen erhebt? Die Antwort dürfte Wenigen gefallen. Sobald sich eine Kritik am Islamismus konkretisiert, sobald sie Ross und Reiter benennt, kurz: sobald darauf hingewiesen wird, dass Islamismus ohne Islam schwerlich zu denken ist, bekommt der linke islamismuskritische Menschenfreund einen ziehenden Schmerz in der Bauchgegend und verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Dickicht der „Toleranz und Weltoffenheit“. Die heutige Kundgebung vor einer Moschee wird deshalb nicht zu Unrecht als Tabubruch wahrgenommen. Denn nirgendwo sonst als vor einem islamischen Gotteshaus, in dessen Inneren Männer und Frauen säuberlich separiert werden, wird so offensichtlich, dass die Trennung zwischen „friedlichem Islam“ auf der einen Seite und dem wunderschön unkonkreten „bösen Islamismus“ auf der anderen nicht ohne Weiteres aufrechtzuerhalten ist. So zu tun, als hätte der Islam mit dem Islamismus nicht das Geringste zu tun, ist so, als würde ein Alkoholiker behaupten, dass es am Schnaps ja wohl kaum liegen könne. Wer sich aber dieser künstlichen und im Kern ideologischen Trennung verweigert, gilt zumindest als verdächtig. Man sei undifferenziert, rede der AfD das Wort oder sei gar ein Rassist.

Dabei ist es das eine, eine Petition gegen das Kinderkopftuch zu unterschreiben, und das andere, den Islam in der Konsequenz als das zu bezeichnen, was er ist: die weltweit gegenwärtig größte Gefahr für individuelle Freiheitsrechte. Dass diese nicht nur durch bärtige Islamisten beschnitten werden, dass der Alltagsislam auch in Halle und Leipzig – beides Städte mit vergleichsweise kleiner muslimischer Bevölkerungszahl – Mädchen vom Sport- und Schwimmunterricht fernhält, dass auch ganz normale moslemische Jungmänner ihren Schwestern aus Angst um die Beschmutzung der Familienehre das Leben zur Hölle machen, davon will der stets differenzierte Mainstream nichts wissen. Man spricht hierzulande so gern über den Islamismus, um über den Islam schweigen zu können.

Auch wenn Klügere mitunter auf die Formel des „politischen Islam“ zurückgreifen, verschleiert diese Formulierung mehr als sie erhellt. Kann eine Religion, die im Kern einen politischen Anspruch hat, nicht politisch sein? Kann es einen unpolitischen Islam überhaupt geben? Warum werden liberale Moslems wie Seyran Ates und Ahmad Mansour, die sich als absolute Minderheit für die Privatisierung des Glaubens – also gegen einen politischen Islam – einsetzen, dann mit dem Tod bedroht und brauchen Polizeischutz? Der Anspruch des Islam ist total. Er ist expansiv, und seine Anhänger würden das im Gegensatz zu seinen antirassistischen Freunden niemals leugnen. Der Islam ist nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern erhebt einen umfassenden Herrschaftsanspruch. Seine Lehre sabotiert die Idee individueller Freiheit, die die Aufklärung gebracht hat.

In Deutschland wird über den Islam inzwischen zwar viel gesprochen, doch leider kommt dabei nur selten etwas Vernünftiges heraus. AfD, Pegida und Co. kaschieren mit der Rede vom Islam nur sehr mühsam ihr fremdenfeindliches Ressentiment. Und das linksliberale Lager übt sich, mit dem politischen Mainstream im Rücken, in kollektivem Antirassismus, der nichts anderes als übler Kulturrelativismus ist. Der Schutz der „fremden Kultur“ wiegt dabei schwerer als der Schutz des Individuums. Der Verrat der Gutbürger gerade an jenen Menschen, die eine fast immer traumatische Flucht hinter sich gebracht haben und vielfach die Hoffnung mitgebracht hatten, ohne den repressiven Zugriff der Religion frei und selbstbestimmt leben zu können, ist der Preis für das politische Wellnessprogramm, das seinen Ursprung in der deutschen Vergangenheitsbewältigung hat. Die Wenigen, die hierzulande eine ernsthafte Kritik am Islam formulieren, sind so gut wie immer liberale oder ehemalige Muslime.

Der Deutschen Knacks besteht nicht im Hass auf alles Fremde. Sozialpsychologisch interessanter und gefährlicher ist eine viel tiefer im kollektiven Bewusstsein liegende Störung. Sie ist eine Art Abfallprodukt der deutschen Läuterung. Sie besteht darin, sich um keinen Preis des Rassismus verdächtig zu machen. Dass man stets tolerant zu sein habe. Das „Nie wieder“ als über allem stehendes Leitmotiv führt paradoxerweise zu einer Blindheit gegenüber Entwicklungen, die objektiv und statistisch deutlich gefährlicher sind als die braunen Jungs aus der Platte. Während die Bundesrepublik zu Recht jahrelang über den „NSU-Komplex“ diskutierte, fanden 2018 in diesem Land über 50 Ehrenmorde und Mordversuche statt. Mediale Reaktion: Nahezu Null.

Während in Frankreich der Alltagsislam offen als Problem benannt wird, tut man sich in Deutschland immer noch schwer. Im Nachbarland haben Anfang des Jahres hunderte Intellektuelle unterschiedlichen religiösen und politischen Hintergrunds, darunter drei ehemalige Präsidenten, eine Petition unterschrieben, in der muslimischer Antisemitismus verurteilt, der Koran als „überholt“ bezeichnet und folgerichtig gefordert wird, Koransuren mit Tötungsaufrufen zu entfernen. In Deutschland berichteten darüber fast nur die dubiosen Webseiten der extremen Rechten, in Österreich immerhin die Zeitung „Der Standard“.

Nicht wenige Deutsche beschäftigen sich selbst zunehmend mit ihrer eigenen Herkunft und entdecken ihre Wurzeln in Niederschlesien. Das Faible für Tradition, Familie und Sicherheit durch Nähe ist offenbar ein Kind der Zeit. Eheschließungen nehmen seit Jahren wieder deutlich zu. In diesem Zusammenhang kann durchaus auch von einer heimlichen Faszination für den Islam gesprochen werden, der diese Werte in Reinform zur Verfügung stellt. Insbesondere männliche Jugendliche rasten heute wie selbstverständlich aus, wenn jemand – und sei es noch so harmlos – die eigene Familie beleidigt. Was einst ein Ghettoprivileg unter moslemischen Jugendlichen war, hat längst Einzug in Sprache und Habitus des Durchschnittsjugendlichen gehalten. In einer Gesellschaft, in der Individualität mit Kleidungsstil verwechselt wird, bietet der Islam mit seinen starren Richtlinien und Vorschriften dem atomisierten Individuum auch Schutz und Zuflucht. Das Unbehagen an der Moderne, an der westlichen Zivilisation als solche, mit all ihrer Dekadenz, der Gewaltenteilung, mit ihren individuellen Freiheitsrechten und der mühsamen Aushandlung von Konflikten eint weite Teile der Gesellschaft von rechts bis links.

Kurz gesagt: Die Deutschen haben keinen Schimmer, was es eigentlich am Westen gegen den Islam zu verteidigen gibt. Kein Wunder also, dass es kaum jemand tut.

Vielen Dank!

 


Weitere Beiträge und Pressestimmen können demnächst auf der Homepage der Initiative (gegen-islamismus.de) sowie auf deren facebook-Seite nachgelesen werden. Hier eine Übersicht:

  1. Grußworte (zur Leipziger Initiative gegen Islamismus)

    Alex Feuerherdt, freier Publizist
    Berlin gegen Islamismus
    Sigrid Herrmann-Marschall, Bloggerin und Islamismusexpertin

    Berliner Initiative „Ehrlos statt wehrlos

  2. Einleitungsrede der »Leipziger Initiative gegen Islamismus«

  3. Der alltägliche Islam
    - Redebeitrag von En Arrêt Berlin (EAB)

  4. Islamismus und Islam
    - Redebeitrag von AG »No Tears for Krauts« Halle (NTFK)

  5. Islamischer Antisemitismus ist islamisch
    - Redebeitrag der Gruppe Thunder in Paradise (Frankfurt)

  6. Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime)

  7. Redebeitrag von Inge Bell
    für die Leipziger Städtegruppe »Terres des femmes« (TDF)

  8. Redebeitrag von Marie Kreutz

 


Bericht der LVZ: (21.12.2018)

Blog Islamismus und Gesellschaft: Linkes Bündnis demonstriert vor Problem-Moschee

Beitrag im Sachsenspiegel [ab 13:15] https://www.mdr.de/tv/programm/video-260874_zc-12fce4ab_zs-6102e94c.html

JungleWorld: Islamkritik im Regen. Konflikte zwischen linken Islamkritikern und linken Islamverstehern in Leipzig (03.01.2019)

 

Veranstaltungstipps Dezember

Zum Jahresende empfehlen wir die Veranstaltungen der AG Antifa in Halle:

6. Dezember 2018, 19 Uhr
Der Westen – eine Bestandsaufnahme

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard
Melanchthonianum, Halle (Saale)

15. Dezember 2018, ab 19 Uhr
Arrivederci Patriarchat – Ist der Feminismus noch zu retten?

Jahresabschlussveranstaltung mit Vorträgen, Diskussion und anschließender Party
VL, Ludwigstraße 37 in Halle

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