AG »No Tears for Krauts«

AG NTFK Halle

AG »No Tears for Krauts«

Das ostdeutsche Gefühl. Warum es zu wenig ist, nur gegen Uwe Steimle zu demonstrieren.

Folgendes Flugblatt, das wir eigentlich als Redebeitrag halten wollten aber nicht durften, verteilten wir gestern auf der Kundgebung vom Bündnis gegen Rechts Halle, die sich gegen den Auftritt Uwe Steimles im Steintor-Varieté richtete:

Das ostdeutsche Gefühl

Warum es zu wenig ist, nur gegen Uwe Steimle zu demonstrieren

Laut Ankündigungstext protestieren wir heute hier, weil mit Uwe Steimle ein Verschwörungstheoretiker und AfD-Sympathisant im Steintor-Varieté auftritt. Das finden auch wir nicht schön; für viel skandalöser halten wir es jedoch, dass nicht schon vor zehn oder 15 Jahren eine Kundgebung gegen ihn stattgefunden hat. Das war die Zeit, in der Steimle noch der Haus- und Hofkabarettist des Mitteldeut- schen Rundfunks (MDR) war und zu den Dauer- gästen der MDR-Talkshow „Riverboat“ gehörte. Seine damaligen Aussagen unterschieden sich nämlich kaum von den heutigen.Steimle präsentierte sich als Repräsentant der „belogenen und betrogenen“ Ossis, die Opfer einer gemeinen Intrige böser Wessis, Bosse oder Kapitalisten seien, schimpfte auf „Ohmehriga“ (sächsisch für: Amerika) und gegen „die da oben“. „Wir werden für blöd verkauft“, erklärte er bereits 2015 in einem Interview, hierzulande herrsche „keine Demokratie“, die Bundesrepublik sei „nur anders, aber nicht besser“ als die DDR.

Der zentrale Unterschied zu heute bestand darin, dass Steimle damals als links galt. Der seinerzeit bekennende Anhänger der PDS und der Linkspartei war der Lieblingskabarettist ihrer Stammwählerschaft und tingelte als Honecker-Imitator, in seiner Paraderolle als Günther Zieschong oder als er selbst (eine Mischung aus beidem) von einem PDS-Fest zum nächsten. 2009 wurde er von der Linkspartei sogar zur Bundespräsidentenwahl in die Bundesversammlung entsandt. Das war kein Zufall, sondern Steimle passte hervorragend zur Partei. Seine Bühnenperformance war die kleinkünstlerische Version des ideellen PDS- und Linkspartei-Programmes. Ihm ging es ebenso wie der Partei nur selten um soziale Probleme, die dringend hätten thematisiert werden müssen, sondern vielmehr um Lug und Trug, Befindlichkeit, Ost-Nostalgie und „das Volk“. Wenn soziale Probleme trotzdem einmal thematisiert wurden, dann war das Ganze untrennbar mit der Klage über ostdeutschen Identitätsverlust, mit aggressiver Weinerlichkeit, dumpfem Gemeinschaftskult und Gesinnungskitsch verbunden: kollektive Identität statt soziale Frage. Die Linkspartei trat gerade auf dem Gebiet der früheren DDR als eine Art ostdeutscher Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten auf. Damit hatte sie deutlichen Anteil daran, dass die Verhältnisse im Osten so eklig und unerträglich waren. Gerade in den 1990er und 2000er Jahren trug die Partei trotz ihres offiziellen Antifaschismus dazu bei, dass der Boden bereitet wurde, auf dem auch Nazis gut gedeihen konnten.

Dass Uwe Steimle inzwischen nicht mehr im MDR und bei Linkspartei-Partys auftritt, mag auch einer gewissen Radikalisierung geschuldet sein. Vor allem aber ist es Ausdruck von Veränderungen im Osten. Sicherlich gibt es noch viele PDS-Rentner, die sich für Steimle begeistern und zur heutigen Veranstaltung kommen. Der Steintor-Betreiber Rudenz Schramm, der für die Linke im Stadtrat sitzt, hat sich sicherlich auch mit Blick auf dieses Publikum und als Reminiszenz an die Vergangenheit seiner Partei dazu entschlossen, den Kabarettisten einzuladen.

Trotzdem befinden sich das traditionelle ostdeutsche Gefühl und seine zentrale Repräsentantin, die Linkspartei, in einer tiefen Krise. Das zeigen auch ihre katastrophalen Wahlergebnisse. Dafür gibt es viele Gründe. Die AfD schafft es im Osten z.B. inzwischen besser als die Linkspartei, die Stimmung des Belogen- und Betrogenwerdens zu artikulieren. Sie erntet in gewisser Weise, was die PDS gesät hat, ohne ihre direkte Nachfolgerin zu sein. Denn auch wenn die AfD im Osten teilweise andere Bedürfnisse bedient als im Westen, bemüht sie das ostdeutsche Gefühl weniger stark als die Linke. Zugleich sorgt die – Achtung, Triggerwort! – Biologie dafür, dass sich die Verhältnisse im Osten verändern. Aus Gründen des altersbedingten Ablebens dezimiert sich die Stammwählerschaft der Linkspartei in jedem Jahr um etliche Prozent- punkte. Ohne ideell auf einem (selbstverständlich in sich widersprüchlchem) westlichen Niveau von Weltläufigkeit, Laissez Faire und Freundlichkeit angekommen zu sein, hat sich der Osten darüber hinaus gerade in den größeren Städten in einer Weise verwestlicht, die wir vor 15 Jahren noch nicht für möglich gehalten hätten.

Bei der Linkspartei löst diese Veränderung Panik aus. Die innerparteilichen Kämpfe zwischen „Hipstern“ und „Hartzern“, „Bionade“ und „Bockwurst“, wie es einige Beobachter genannt haben, sind auch Ausdruck davon. Das Dumme ist: Bei ihren Versuchen, die Partei zu reformieren und für die Gegenwart fit zu machen, bleiben beide Fraktionen den schlimmsten Traditionen ihrer Parteigeschichte treu. Wo völlig zu Recht die soziale Frage gestellt und der weitere Abbau des Sozialstaates kritisiert wird, kommt man in der Partei nicht ohne Steimle-artige Klagen gegen „Ohmehriga“, „die da oben“, Israel und den Westen aus – so, als könnte sozialer Protest in Deutschland tatsächlich nur in Gestalt eines Pogroms auftreten.

Auf der anderen Seite schmeißt man sich in opportunistischer Manier an die antiaufklärerisch- sten Entwicklungen der gegenwärtigen – postmodernen – Linken ran. Man macht mit in all dem, was die Grünen als Repräsentanten des gehobenen urbanen Mittelstandes besser können: ideologischer Antirassismus, Klima- und Identitätspolitik. Diese Fraktion merkt noch nicht einmal, wie viel sie mit den traditionellen autoritären Bedürfnissen ihrer innerparteilichen Gegner und der Vergangenheit der Linkspartei teilt – etwa, wenn die Linksjugend ihren Regionalgruppen per Bundeskongressbeschluss verbietet, sich in Veranstaltungen kritisch mit der Queertheorie à la Judith Butler zu beschäftigen und Gegner dieser Gleichschaltung des Denkens unisono als als transfeindlich denunziert. Im woken Gestus, mit dem die linken Identitären auftreten, hat sich das ostdeutsche Gefühl verallgemeinert. Hier findet sich in formveränderter Weise all das, was die alte Linkspartei ausgemacht hat: aggressive Weinerlichkeit, dumpfer Gemeinschaftskult, Befindlichkeitsterror und die Selbstdarstellung als Opfer mieser Intrigen. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu, lautet das heimliche Motto der Erneuerer.

Das alles heißt selbstverständlich nicht, dass es falsch ist, heute und hier gegen Uwe Steimle zu demonstrieren. Das gebietet allein schon der gute Geschmack: Deutsches Kabarett kommt aus dem Vorhof zur Hölle, ostdeutsches aus ihrem Zentrum. Es heißt aber, dass man nicht immer und immer wieder den Steimle-Fehler begehen darf. Soll heißen: Anstatt erst in zehn oder 15 Jahren gegen die Uwe Steimles von Morgen zu protestieren, ist es schon heute nötig. Das gilt auch und gerade, wenn sie ein Parteibuch der Linken oder der Grünen besitzen, Mitglied einer Linken Liste im Stura sind oder sich in einem Bündnis gegen Rechts engagieren. Die Steimles von Morgen werden allerdings nicht mehr auf Cordhütchen, Pullunder und sächsischem Dialekt zurückgreifen. Die neuen identitären Grenzgänger zwischen links und rechts kommen stattdessen mit hochgeschnittenem Pony, Abkürzungen wie TERF und SWERF oder Begriffen wie „cultural appropriation“ daher. Auch für sie muss gelten, was schon vor Jahren für Uwe Steimle hätte gelten müssen: Wehret den Anfängen! Oder frei nach einem großen Denker: Wer von der Linken nicht reden will, sollte auch von den Steimles schweigen!

Ihre
AG No Tears for Krauts Halle 06/2022

Kundgebung anlässlich der Eröffnung der »documenta 15« in Kassel am 18. Juni 2022

Solidarität mit Israel –
Dem Antisemitismus entgegentreten –
Stoppt BDS

Dem Israelboykott keine Bühne auf der mit Steuergeldern finanzierten documenta 15

18. Juni 2022, 14:00
Friedrichsplatz, Kassel
fb​.me/​e​/​3​u​d​o​d​J​MB2

Aufruf zur Kundgebung anlässlich der Eröffnung der »documenta 15«

Die documenta ist eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die weltweit Beachtung findet. Recherchen des Bündnisses gegen Antisemitismus Kassel förderten zu Tage, dass zahlreiche Anhänger der BDS-Bewegung und Kritiker des Bundestagsbeschlusses sowohl unter den berufenen Künstlern als auch in den Leitungsgremien der documenta 15 vertreten sind. Auch im Kuratorenteam „ruangrupa“ unterstützen die führenden Mitglieder Ade Darmawan und Farid Rakun Israelboykottbewegungen. Zahlreich sind insbesondere auch in den leitenden Gremien der documenta die Unterstützer des notorisch gegen Israel hetzenden „A Letter against Apartheid“.

Ohne dass es jemanden aufgefallen oder gar aufgestoßen wäre, wurde 2021 das palästinensische Kollektiv „The question of Funding“ in den „lumbung“ – das künstlerische Herz der documenta – berufen. Das Kollektiv steht in der Tradition des palästinensischen Nationalisten Khalil al Sakakini, der sich als Anhänger Hitlers bezeichnete. Akteure dieses Kollektivs, wie Yazan Khalili, sind Anhänger verschiedener Israelboykottinitiativen und treten für die Abschaffung Israels ein.

Nachdem die Recherchen des BgA-Kassel überregional in den Medien Beachtung fanden, taten die Stadt Kassel, die leitenden Kräfte der documenta und die politisch Verantwortlichen im Land Hessen zunächst alles dafür, dass unter den Augen der Weltöffentlichkeit und im Namen der Kunstfreiheit, Antizionismus als zu tolerierende Position einer multiperspektivischen Sicht auf die Welt als Kunst zu gelten habe. Unter dem Verweis auf die Freiheit der Kunst, wurde der Zusammenhang von Israelhass, Antizionismus und Antisemitismus schlicht ignoriert. Es reichte aus, dass die documenta 15 erklärte, Antisemitismus zu verurteilen. Der Kasseler Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der documenta Christian Geselle dekretierte: Eine Überprüfung findet nicht statt!

Nach dem sich die gerade berufene Kulturstaatsministerin Claudia Roth – ebenfalls Kritikerin des BDS-Beschlusses – einschaltete, rangen sich die Verantwortlichen der documenta 15 dazu durch, eine Diskussionsrunde zu organisieren, um über Antisemitismus und Islamophobie (sic!) zu diskutieren. Im April wurde klar, dass die Hälfte der geladenen „Experten“ entweder Kritiker des BDS-Beschlusses oder Anhänger der BDS-Bewegung sind. Nachdem bekannt wurde, dass die documenta auch die Expertise des Zentralrats der Juden Deutschlands ausschlug, wurde die angekündigte Diskussion wieder abgesagt. Im Nachgang verkündete die Kulturstaatsministerin, Boykotten gegen israelische Künstlerinnen und Künstler im Kulturbetrieb sei gemeinsam entgegenzutreten.

Wie das bei einer Kunstschau funktionieren soll, in der leitende Personen (Kuratoren, Künstlerische Leitung und Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit) Israel als Apartheidssystem verunglimpfen, die den Beschluss des Bundestages zur antisemitischen BDS-Bewegung ablehnen und die Künstler aus Palästina eingeladen haben, die offen die BDS-Bewegung unterstützen und Israel abschaffen wollen und deren Generaldirektorin Sabine Schormann keinerlei Problembewusstsein über den Zusammenhang von Israelhass, Antizionismus und Antisemitismus zeigt, bleibt das Geheimnis derer, die sich mit den Erklärungen und Absichtserklärungen der Kulturstaatsministerin zufrieden geben.

  • Wir geben uns nicht damit zufrieden, einfach abzuwarten, ob die künstlerischen Aktionen der Antizionisten und Israelhasser sich vielleicht gerade im Bereich des zu Duldenden bewegen.
  • Wir verurteilen, dass mit viel öffentlichen Geldern Antisemiten, Israelhassern und Antizionisten eine Bühne geboten wird, die weltweit Beachtung findet.
  • Auch auf der documenta muss gelten: Keine Toleranz dem Antizionismus – Gegen Antisemitismus heißt: Stoppt BDS!

Bündnis gegen Antisemitismus Kassel

TIP – Thunder in Paradise

AG Antifa (Uni Halle)

Junges Forum DIG Kassel

Bündnis gegen Antisemitismus Kiel

und Einzelpersonen

Karl Pfeifer, Simon Wiesenthalpreisträger (Wien)

Malca Goldstein-Wolf (Köln)

Jonas Dörge (Kassel)

Antifaschistische Liste in den StuRa wählen

„Wenn Wahlen was verändern würden, wären sie verboten“ – dieser Spruch empfing in den Neunziger- und Nullerjahren als prominent platziertes Graffito die Ankommenden am Hauptbahnhof in Halle und dürfte zugezogenen Linken und autochthonen Ossis gleichermaßen als Leitsatz gedient haben. Nicht zufällig blieb er über viele Jahre sichtbar; seine scheinbare Radikalität erzürnte in der Provinz kaum jemanden. Der Grund für die breite Zustimmung quer durch politische Milieus lag dabei sicher auch in seiner Beliebigkeit und Einfachheit, dabei ist er wahr und falsch zugleich.

Diese Woche jedenfalls ist er falsch. An der hallischen Uni sind StuRa-Wahlen und dabei wird jenes Gremium neu gewählt, das mit der absoluten Mehrheit von Grüner Hochschulgruppe, Jusos und der Offener Linker Liste, ein totalitäres Cancel-Regime geschaffen hat und damit im letzten Jahr zum Vorhof der Wokeness-Hölle wurde. Schaut man an andere Unis, insbesondere in UK und den USA, dürfte die Gängelung verschiedener AK’s, allen voran der Auflösungsantrag der geschätzten AG Antifa, nur der Aufgalopp für weitere Runden im Pronomentheater gewesen sein. Deshalb, wer kann: Beteiligt euch an der StuRa-Wahl, unterstützt die Antifaschistische Liste oder andere, die sich dem Feldzug gegen kritisches Denken entgegenstellen.
 

Bonjour Tristesse #25 (Sonderausgabe 2022)

Kurzmitteilung

Leseempfehlung:
Bonjour Tristesse 25/2022

»Vor wenigen Tagen ist die 25. Bonjour Tristesse als Sonderausgabe erschienen. In dieser Ausgabe veröffentlicht die Redaktion sowohl die Vorträge der Referenten der AG Antifa, die Anlass für einen Auflösungsantrag gegen den Stura-Arbeitskreis waren, als auch eine Reihe ausgewählter Texte, die die totalitären Entwicklungen in und um den hallischen Stura dokumentieren.« (facebook​.com/​r​e​d​a​k​t​i​o​n​b​o​n​j​o​u​r​t​r​i​s​t​e​s​se/)

Das gedruckte Heft liegt an den bekannten Orten in Halle und Leipzig aus.
Download [PDF] Bonjour Tristesse 25/2022

Inhalt dieser Ausgabe:
 

Bericht zur Demonstration „Raise your sheltered middle class kids voices against all who have even the slightest doubt“

  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)
  • Demonstration »Raise your voice against Terfs« (14.04.2022, Halle/Saale)

Raise your voice against Terfs – unter diesem Motto rief das »radikale Flintakollektiv Ost« am 14.04. zur großen Pronomenparade. Man wolle die linke Szene und Räume in der Stadt vom Konglomerat trans‑, islam- und sexworkerfeindlicher Gruppen intersektional zurückerobern. So versammelten sich ca. 80 Personen der örtlichen Erweckungsbewegung vor dem Steintor. Im Vorfeld der Demo tauchten vermehrt Schmierereien wie »Terfs jagen« »Terfs boxen« etc. auf. Das radikale Flintakollektiv, darunter Gestalten die im örtlichen Zivilgesellschaftsnetzwerk die lammfromm Engagierten mimen, privat aber den Straßenkampf herbeisehnen, blies zur großen Szenesäuberung. Dies nahmen die AG No tears for krauts, die feministische Gruppe Artemis und Einzelpersonen zum Anlass der vorgegebenen Militanz auf den Zahn zu fühlen. Das Flintakollektiv ließ sich nicht lumpen und entsandte genau einen (!) Späher um sich zu wappnen. Trotz beachtlicher Vorsichtsmaßnahmen schauten die radikalen und militanten Flintas blöd aus der geschmacklos zusammengetragenen Vintagewäsche, als ca. 40 Personen, ohne Bemühungen ihre Absichten zu verbergen, in die Demo einsickerten und diese sogleich übernahmen. Ein sichtlich angefressener Felix (vielleicht tageszeit- und wetterabhängig auch Klara) Stock wandte sich unmittelbar radikal und militant an die Polizei um die Störer der Demo verweisen zu lassen. Nachdem dieser Wunsch nicht erfüllt wurde, war das Awarenessteam vor allem damit beschäftigt dem versammelten Publikum das Lesen der mitgebrachten Flyer zu untersagen. Weil man wusste, dass die eigene Veranstaltung von jenen übernommen wurde, denen man über Monate Prügel anbot, unternahm man einige halbherzige Versuche zu schubsen und das mitgebrachte Transparent der AG NTFK zu entreißen. Schließlich beschränkte man sich darauf das Transparent zuzustellen, war aber mit unseren professionellen Polonaisekünsten überfordert. Einmal übernommen, entschieden wir uns dazu die Demo mit Transparent als Frontblock anzuführen, ganz zum Ärger der Flintas, von deren Radikalität nur Schweigen und Zerknirschtheit blieben. Um nicht in den Verdacht zu geraten ernsthaft ein Teil der Pronomenparade zu sein, haben wir die Demo selbstbestimmt auf der Ludwig-Wucherer Str. verlassen.

Flugblatt AG NO TEARS FOR KRAUTS:
Die verfolgende Unschuld

 

Die verfolgende Unschuld

Zur Demonstration „Raise your sheltered middle class kids voices against all who have even the slightest doubt“

Die AG „No Tears for Krauts“ hat es bisher vermieden, sich zu den Umtrieben der örtlichen Butler-Jugend zu äußern. Wie sich Leute „identifizieren“ oder „gelesen werden“, die durch ihre öffentlichen Stellungnahmen und Beschuldigungen nahelegen, dass sie selbst gar nicht richtig lesen können, ist uns herzlich egal. Wir bezeichnen sie allein schon aus Gründen der Höflichkeit als das, als das sie bezeichnet werden wollen – und gern auch noch als einiges andere dazu. Darüber hinaus wollen wir nichts mit den Kinderkreuzzügen verwöhnter Mittelstandskids zu tun haben, die auf dem Rücken des tatsächlich oft großen Leidensdrucks und der Diskriminierung von Transpersonen ihren Narzissmus ausleben. Darum auf diesem Weg auch nur ein paar wenige Worte zum Nachdenken, Weiterdenken, Ergänzen – und um den nächsten Transphobievorwurf basteln und uns die Fördergelder entziehen zu können, die wir nicht haben und auch nicht brauchen.

 

Sehr geehrte Flintas und Herren,

seit Marx ist bekannt, dass sich das offiziöse Programm politischer Vereine regelmäßig deutlich von dem unterscheidet, was sie am Ende anrichten. (1) Die amerikanischen und französischen Revolutionäre von 1776/89 glaubten, die alte und gottgegebene Ordnung wiederherzustellen. Dabei schufen sie eine völlig neue Gesellschaft. Die Bolschewiki des 20. Jahrhunderts sprachen von einer Welt ohne Ausbeutung und begründeten ein System, das, mit den Worten George Orwells, am besten auf das Bild eines Stiefels gebracht wird, der immer und immer wieder in ein menschliches Gesicht tritt. (2) Ein paar Nummern kleiner findet sich dieser Widerspruch auch bei der Szene, die diesen eintönigen Umzug hier organisiert. Sie spricht von Gleichberechtigung, Toleranz und Rücksichtnahme, objektiv gesehen steht sie jedoch für das völlige Gegenteil. Dazu ein paar vorläufige Thesen:

1. Die woke Queerszene ist frauenfeindlich

Auch wenn Exklusion in der Szene offiziell verpönt ist, ist es dort erstaunlich still, wenn es um Gewalt gegen Frauen sowie Entrechtung und Misshandlung von Frauen geht. Die Gleichberechtigung von Frauen in Alltag und Beruf ist dort längst kein Thema mehr. Es gibt sogar nur wenige Begriffe, die in der Szene so verpönt sind wie der Begriff „Frau“ an sich, das heißt ohne Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich und die restlichen Sonderzeichen der Tastatur, die in den nächsten Jahren sicher noch zur Anwendung kommen werden. Man meidet die Rede von Frauen wie der Veganer das Rumpsteak. Mal spricht man von „Menschen, die menstruieren“, mal von „Menschen mit Gebärmutter“: ein erstaunlich biologistisches und verächtliches Vorgehen für Leute, für die Biologie Schweinkram und gegenseitige Rücksichtnahme die heilige Botschaft ist. Zugleich zielt das Milieu darauf ab, die Erfolge der Frauenbewegung rückgängig zu machen, mindestens aber zu unterminieren. Das betrifft ganz konkret Frauenquoten, Frauenlisten, Frauenhäuser, Stipendien oder Preise für Frauen. Wenn sich jeder ganz unbürokratisch zur Frau ernennen kann, können Schutzräume für Frauen und Mädchen nicht mehr aufrechterhalten werden, obwohl sie weiterhin dringend nötig sind. Da Geschlecht ausschließlich als Konstruktion gilt, sollen sie in Zukunft auch für Typen geöffnet werden, die sich als Frauen verstehen oder, wie es im dümmlichen Jargon der Szene heißt, „lesen“. Am Ende stehen sie allen Männern offen, die hineinwollen. (3) „Wolle mer se roilasse“, ist das genauso karnevalistische wie ernst gemeinte Motto des Vereins. Das trifft auch für Toiletten, Umkleidekabinen, Frauensport, Frauengefängnisse und ähnliches zu. Frauen, die sich nicht als nonbinary oder trans verstehen, geraten in der Szene, wie eine Feministin schon vor einigen Jahren erklärte, immer mehr unter die Räder. (4)

2. Die woke Transszene ist in realitas eine Männerrechtsbewegung

In dem Maß, in dem sie die Rückzugsräume und Rechte von Frauen unterminiert, stärkt die Szene die Rechte von Männern. Männern, die sich als Frauen verstehen, soll nun überall dort Zugang verschafft werden, wo sie vorher nicht hindurften, weil sie nicht auf eine weibliche Sozialisation oder weibliche Erfahrungen zurückblicken können, sondern auf männliche oder transsexuelle. (5) Männer können gegenüber Frauen nun endlich wieder die Sau rauslassen: sei es, indem sie die genannten Preise, Stipendien oder Listenplätze einheimsen, die nicht für sie bestimmt sind, sei es, dass sie in die Damensauna, den Sehnsuchtsort der Altherrenclubs der 1980er Jahre, gehen können, oder, inzwischen auch sehr beliebt, lesbische Frauen beschimpfen können, die keinen Sex mit ihnen haben wollen: inzwischen nicht mehr, wie über Jahrzehnte hinweg üblich, als männer‑, sondern als transfeindlich. Die Fälle von Michelle Winter und Karen White sind zweifellos nicht die Regel: Beide wurden wegen der Vergewaltigung von Frauen verurteilt, aufgrund ihrer Selbstidentifikation als Frauen jedoch in einen Frauenknast überstellt, wo sie mehrere Inhaftierte sexuell attackierten. Manchmal verdeutlicht sich die Logik einer Entwicklung jedoch in Extrembeispielen.

Viel häufiger finden die männlichen Selbstermächtigungen jedoch in der Szene selbst statt, wenn die borrmännernden „Allies“, die sich aufgrund grünen Nagellacks am kleinen Finger oder einer rosa Hassmaske über dem bezopften Haar als „non-binary“ definieren, (6) gewöhnlichen Frauen mal so richtig Bescheid geben und über den Mund fahren können, weil sie den obligatorischen Sprech und die dazugehörigen Denksimulationen noch nicht richtig draufhaben. Es ist, wie sich eine Feministin jüngst in der „Taz“ beklagte, „wieder hoffähig, dass sogar linke Männer Frauen unterbrechen und ihre Definitionen von Feminismus erläutern und dabei möglichst noch perfekt den Glottisschlag nutzen“. (7)

Auch die Begeisterung der Szene für Pornografie und Prostitution spricht Bände. Zwar sind wir nicht der Meinung wie einige unserer Freunde, die für die modernisierte Version der PorNo-Kampagne oder das skandinavische Modell des Prostitutionsverbots eintreten: Das wird dem gesellschaftlichen Phänomen von Prostitution und Pornografie nicht gerecht und schafft neue Probleme. Dass die woke Verherrlichung von beidem nicht der absolut richtigen Unterstützung von Prostituierten oder Pornodarstellerinnen dient, sondern die Widerspiegelung des pornografisierten Frauenbildes des Junggesellenabends oder des Bundeswehrspindes ist, ist jedoch kaum zu übersehen. Kurz: Das woke Transgedöns, dem wir heute beiwohnen können, ist nicht zuletzt ein Projekt der alten weißen Männer von Morgen, die sich ihre Privilegien über den Umweg der Queerszene zurückerobern wollen.

3. Die woke Transszene bietet einfache Antworten auf schwierige Fragen

Selbstverständlich ist die Szene keine reine Männerbewegung. Ein nicht unerheblicher Teil besteht aus Frauen. Das stellt die These jedoch nicht infrage. Nicht erst seit den „Studien zum autoritären Charakter“ ist bekannt, (8) dass Menschen oft gegen ihre eigenen Interessen agieren. Gelegentlich findet auch eine Identifikation mit dem Aggressor statt: die linke Szeneversion des berühmten Stockholm-Syndroms. Zugleich bietet die Szene einfache Antworten für junge Frauen, die aufgrund der Verwandlung des Körpers am Ende der Kindheit, aufgrund gesellschaftlichen Drucks, von Belästigungen oder sexuellen Unsicherheiten, die zum Leben dazu gehören, mit ihrem Dasein als Frau oder ihrer sexuellen Orientierung hadern, wie es oft in der Pubertät und der inzwischen bis weit über das 20. Lebensjahr hinaus verlängerten Adoleszenz stattfindet. Der Weg, der für Menschen, die tatsächlich eine Geschlechtsdysphorie haben, ein überaus schwerer und herausfordernder ist, erscheint ihnen als der leichte: Sie sind nicht lesbisch, sondern ein Mann, der im falschen Körper geboren wurde; nicht schwul, sondern eine Transfrau; und nicht bisexuell, unzufrieden mit ihrem Körper oder gesellschaftlichen Anforderungen, sondern nichtbinär. So scheint die Ordnung der Dinge wiederhergestellt werden zu können.

4. Die woke Transszene bietet Ermächtigungsstrategien für narzisstische Mittelstandskids

Fürs Kapitalverhältnis sind alle gleich. Es interessiert sich nicht für die dahingeschmierten Strichmännchen, für die Klara als Kleinkind von ihren Eltern mit Rembrandt verglichen wurde, nicht dafür, dass der Siegemund von Mutti drei Mal zu oft am Abendbrotstisch gesagt bekommen hat, dass er so schön ist, und erst recht nicht für die beiden Bienchen, wegen denen Tonis Erzeuger ihn in der ersten Klasse für hochbegabt hielten, sondern nur für ihre Verwertungsfähigkeit. Das ist für alle Menschen mit einer Kränkung verbunden; besonders stark ist diese Kränkung aber für jene Mittelstandskinder, die nie gelernt haben, zwischen Innen und Außen zu unterscheiden, weil ihnen von ihren Eltern suggeriert wurde, dass sie identisch mit der Welt seien. Für sie ist es besonders schwer, während des Studiums oder des Einstiegs ins Berufsleben zu realisieren, dass sie sich nicht sonderlich von den anderen unterscheiden. Gerade im Zeichen der Krise, wenn das Angebot mittelbegabter Akademiker die Nachfrage bei weitem überschreitet, tendieren sie besonders stark dazu, die eigene Einzigartigkeit herausstellen, sich von anderen abheben und doch noch beweisen zu wollen, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Das ist kein bewusster Plan, oft noch nicht einmal erfolgversprechend oder sonderlich rational, sondern eine eher unbewusste Reaktion auf die Imperative des Marktes, die durch die Veränderung von Familienstrukturen und Erziehung noch befördert wird. Sie wissen nicht, dass sie es tun, aber sie tun es, heißt es irgendwo bei Marx. (9)

Es existieren viele Strategien, sich als etwas ganz Besonderes herauszustellen; zu den beliebtesten und erfolgversprechendsten gehört derzeit aber das Queer- und Transticket. Dafür gibt es viele Gründe. Der wichtigste dürfte sein, dass gerade der Anschluss an die woke Queerszene ebenso einfach wie preiswert ist, wenn man nicht gerade den schwierigen Weg der Transition gehen will, was aber nur die allerwenigsten Angehörigen der Szene tun. Es gehört kaum mehr dazu als ein Lippenbekenntnis, ein paar Utensilien aus der – wahlweise – Frauen- oder Herrenabteilung von H&M und ein bisschen Chuzpe, die die meisten Mittelstandskids aber bereits mit der Muttermilch eingesogen haben. (Nebenbei: Zum Bedürfnis sich abzuheben und als etwas ganz Besonderes zu erscheinen, passt auch die nur noch für Eingeweihte verständliche Sprache mit Leerformeln wie „Flinta“, „enby“, „A_gender“, „Cis“, „Terf“, „Swerf“, „Allies“, „Deadnaming“, „misgendern“ usw.)

Zugleich bietet die Szene wie derzeit kaum etwas anderes die Möglichkeit, die eigenen Kränkungen durch Aggressionen zu kompensieren. Die Verfolgung von Abweichlern, die Denunziation von Kritikern und die mal virtuelle, mal reelle Zusammenrottung kann nicht nur mit gutem Gewissen betrieben werden; von diesem kollektiven Abstrafungsbedürfnis gegen alle, die auch nur zaghafte Zweifel äußern, wird die Szene vielmehr zusammengehalten.

5. Die woke Transszene betreibt einen neuen Totalitarismus

Die Queerideologie ist in sich zutiefst widersprüchlich und bigott. Wenn Geschlecht ausschließlich eine soziale Konstruktion ist, welchen Zweck sollen dann Hormonbehandlungen und operative Veränderungen erfüllen? Wenn die „heteronormative Matrix“ kritisiert werden soll, warum sollen dann die geschlechtlichen Vereindeutigungen vorgenommen werden, auf die Transitionen, aber auch Namensanpassungen abzielen? Warum wollen Transfrauen dann unbedingt und ausschließlich als Frauen bezeichnet werden? Weshalb will Hildegard unter allen Umständen Horst genannt werden, wenn sie sich nicht mehr als Frau versteht und binären Geschlechtskonstruktionen entgehen will? Und wenn Geschlecht nicht so wichtig und nur konstruiert ist, wie kann Leuten dann die „Existenz“ abgesprochen werden, wenn sie z.B. „misgendert“ werden, so wie es im „Aufruf“ für diese Veranstaltung behauptet wird?

Wer solche Fragen stellt, weist nicht auf randständige Ungereimtheiten hin, die jede politische Bewegung hat, sondern rührt an den Grundfesten der Szene. Aus diesem Grund darf nicht darüber gesprochen werden. Die Szene tendiert zu Denk- und Sprechverboten, sowohl nach innen als auch nach außen. Deshalb werden Einladungen zu Podiumsdiskussionen, wie jüngst in Halle, abgelehnt, deshalb werden keine Argumente ausgetauscht, sondern es wird niedergebrüllt, gelogen, denunziert und verleumdet. Weil sie Angst haben, dass ihr Schwindel auffliegt, lassen sie sich nicht auf Diskussionen ein, sondern wiederholen entweder immer wieder argumentfrei den Vorwurf der Transphobie oder verfallen ins obligatorische Terf-Tourette: „Terf! Terf! Terf!“ Es geht nicht um Wissen und Nachdenken, sondern darum, zu gehorchen. Die Welt und die Mitmenschen sollen sich den eigenen Ansagen und Wünschen unterordnen: die Welt als Wille und Vorstellung. Wer sich verweigert, der wird bedroht; gegen ihn wird zur Gewalt aufgerufen („Terfs boxen!“, „Auf die Fresse!“ usw.), (10) so wie jüngst prominent bei Kathleen Stock geschehen. Die Feministin und Philosophieprofessorin der Universität Sussex hatte sich erdreistet, einige Grundannahmen der Szene zu hinterfragen, und wurde zunächst niedergebrüllt und denunziert. Schließlich wurden sie und ihre Familie von vermummten Transaktivisten bedroht und bedrängt, die Polizei riet ihr zum Personenschutz, weil sie nicht für ihre Sicherheit garantieren konnte. Am Ende nahm Stock ihren Abschied und zog sich aus der Universität zurück. Von Transaktivisten wurde dies als Sieg armer und verfolgter Opfer von Diskriminierung über eine aggressive und mächtige „Cis-Frau“ gefeiert: Sie bejubelten die Nachricht vom Rücktritt Stocks mit dem Lied „Ding Dong, the Witch is Dead“ aus dem „Zauberer von Oz“. Damit gaben sie nicht nur indirekt zu, dass sie eine Hexenjagd begangen haben, sondern sie präsentierten zugleich ein Muster, das auch aus der Geschichte anderer totalitärer Bewegungen bekannt ist – das der „verfolgenden Unschuld“ (Karl Kraus).

In diesem Sinn:

Für den Feminismus!

Gegen den neuen Totalitarismus!

Solidarität mit den Opfern transfeindlicher Gewalt!

Gegen die Instrumentalisierung von Transpersonen durch das Woke-Milieu!

Gegen die woke Anti-Antifa! (11)

WERQs stoppen! (12)

Ihr AK „Non-binary, Surf & Terf“ in und bei der

AG „No Tears for Krauts“,

04/2022


Anmerkungen:

(1) Da einigen unserer Freunde vorgeworfen wurde, nicht klar und überakademisch korrekt nachgewiesen zu haben, woher sie bestimmte Zahlen, Zitate und Erkenntnisse haben, möchten wir diese Angriffsfläche vermeiden und genau zeigen, dass wir im Soziologie-Grundkurs aufgepasst haben. Darum: Vgl. www​.google​.de, zuletzt aufgerufen am 2. Januar 2016.

(2) Vgl. www​.yahoo​.de, zuletzt aufgerufen am 2. Januar 2016.

(3) In letzter Zeit ist es beliebt geworden, vor der Kritik der Butler-Jugend zu erklären, dass man gegen die Diskriminierung von Transpersonen sei. Wir verzichten darauf. Wer solche Selbstverständlichkeiten extra betont, knickt bereits vor dem totalitären Anspruch der Szene ein. Wir beginnen Texte zur Kritik der antirassistischen Ideologie oder des Postkolonialismus ja auch nicht mit dem Abspulen von Banalitäten wie der, dass wir natürlich gegen Rassismus und Kolonialismus seien.

(4) Vgl. Emma, 2017 oder 2018. Vielleicht auch 2015. Oder Jungle World. Oder irgendwo anders. Darum auch hier: www​.google​.de.

(5) Diese Kombination aus Erfahrung und Sozialisation lässt sich nicht so leicht hormonell oder durch operative Eingriffe zum Verschwinden bringen. Sie wirkt nicht selten deutlich nach: So sind z.B. 98 Prozent der Sexualstraftäter in Großbritannien Männer. Sexualstraftaten sind damit primär ein männliches Delikt. Die Hälfte der britischen inhaftierten Transfrauen ist bezeichnenderweise wegen genau dieses männlichen Delikts hinter Gittern. Vgl. sucht selbst.

(6) Vgl. Radikales Flinta-Kollektiv, https://​www​.instagram​.com/​r​a​d​i​k​a​l​e​s​f​l​i​n​t​a​k​o​l​l​e​k​tiv, zuletzt aufgerufen: nur einmal, und das war schon zu oft.

(7) Genau, „Taz.

(8) Adorno und so.

(9) MEW, irgendwo.

(10) So u.a. Schriftzüge am linken Zentrum „VL“ in Halle, das sich erdreistet hatte, seine Räumlichkeiten für eine Diskussionsveranstaltung zur Verfügung zu stellen, bei der einige Dogmen der Szene kritisiert wurden, und die Parolen bei einer Kundgebung dagegen.

(11) Für Leute von außerhalb: Aufgrund einer kritischen Veranstaltung zur Butler-Jugend versucht das woke Queermilieu Halles mit Unterstützung der Juso-Hochschulgruppe („Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten!“), der Grünen Hochschulgruppe („Ja, Gerhard, lass uns Hartz-IV verabschieden, Dein Joschka!“) und der OLLi, der Offenen Linken Liste („Links ist da, wo der Daumen rechts ist!“), seit einiger Zeit, die AG Antifa als Arbeitskreis des Stura der Universität Halle aufzulösen. Damit würde der AK seine kompletten finanziellen Mittel und die Möglichkeit verlieren, ohne größeren Aufwand Veranstaltungen in Räumen der Uni zu organisieren. Die Chancen für die Auflösung stehen nicht schlecht. Sollte die Auflösung gelingen, würde dem linken Sturabündnis ein größerer Schlag gegen organisierte Antifa-Strukturen in Halle gelingen, als der gesamten Naziszene in den letzten 25 Jahren. Der stadtbekannte Neonazi Sven Liebich und seine Freunde waren dementsprechend schon begeistert von dem Antrag. Die „Bonjour Tristesse“ schrieb darum vollkommen richtig, dass Jusos, Grüne und Olli objektiv Anti-Antifa-Arbeit betreiben würden.

(12) Wir können uns auch dusselige Abkürzungen ausdenken: Women-Exclusionary Radical Queerfeminism!

Kundgebung zum Frauenkampftag 2022

Redebeitrag der AG NTFK zum Frauenkampftag 2022
AG No Tears For Krauts: I’ts only words

weitere Redebeiträge: https://​artemis​-halle​.tumblr​.com/​f​r​a​u​e​n​k​a​m​p​f​t​a​g​2​022

  1. Gruppe Artemis: “Feminismus ist für alle gut
  2. Feministinnen aus Leipzig: Antifeminismus in der eigenen Politgruppe
  3. Hannah Kassimi: Fleeing Womanhood like a House on Fire: Gründe für eine Transition und Detransition
  4. AG Widerspruch Leipzig: Genitalverstümmelung: Das Elend der Frauen aller Kontinente
  5. Nico­le Thies, Vor­stands­frau Dor­no­sa e.V.: Wir brauchen eine starke Frauenbewegung!
  6. Pirnaer Autonome Linke: Zur Lage von Frauen außerhalb Europas
  7. AG No Tears For Krauts: I’ts only words
  8. Naida Pintul: Intersektionale Ignoranz: Frauen im Islam
  9. SISTERS E.V. Leipzig: Kritik an der Prostitution

Eine Veranstaltung von Gruppe Artemis Halle

Dienstag, 08. März 2022, 16 Uhr
Hallmarkt, Halle (Saale)
facebook: https://​fb​.me/​e​/​1​Y​W​A​V​F​OGs

1908 wurde in den USA zum ersten Mal der Frauenkampftag begangen. Über hundert Jahre später hat dieser Tag kein Stück an Relevanz verloren. Im Laufe der Geschichte wurden nach und nach wichtige Meilensteine für die Emanzipation der Frau gesetzt, sie erfuhr zunehmend gesetzliche sowie gesellschaftliche Gleichheit. Jedoch findet im Spätkapitalismus stetig eine Verschiebung von Geschlechterrollen und ‑erwartungen statt. Die wenigsten Mitglieder unserer Gesellschaft vertreten heute noch das konservative “Frau am Herd”-Stereotyp, wie es vor 70 Jahren noch gang und gäbe war. Durch die Ausbreitung des Kapitalismus transformierte sich das bisher familiäre Leben der Frau zum gesellschaftlichen; das traditionelle Familienmodell bricht auf. Man könnte also meinen, die Frauenfeindlichkeit, zumindest westlicher Gesellschaften, wäre bald besiegt. Doch wirft man beispielsweise einen Blick auf Statistiken zu geschlechtsbezogener Gewalt, Anfeindungen in Kunst und Musik oder auch medizinischen Fortschritt, bemerkt man schnell, dass die Benachteiligung und Herabwürdigung der Frau offenbar nach wie vor en vogue ist. Dementsprechend muss es neue Instanzen geben, die Frauenhass hervorbringen und reproduzieren.

Wir sind der Ansicht, dass es wichtig ist den Frauenkampftag weiterhin als Frauenkampftag zu bestreiten statt diverse Diskriminierungsformen und “Feminismen” darunter zu vereinen – nicht zuletzt, weil auch postmoderne Ideologien, aus denen die Forderung, intersektional alles unterm Feminismus vereinen müssen zu können, selbst genügend misogynes Potential in sich tragen. Auch in Halle hat sich in den letzten Jahren ein “feministischer Kampftag” etabliert, der mitunter durch autoritäre Stimmungsmache gegen Feministinnen mit der “falschen” Meinung auffiel. Wir wollen uns dem entgegensetzen indem wir eine eigene politische Veranstaltung organisieren.
Unsere Wut über die Verhältnisse, sowie unsere Forderungen wollen wir dieses Jahr am Achten März auf die Straße tragen. Wir werden zum Frauenkampftag eine Kundgebung veranstalten, auf der verschiedenste Themen besprochen werden sollen, die sich mit Misogynie in unserer Gesellschaft sowie anderen Kulturräumen befassen und Ursprünge von Gewalt an Frauen analysieren.

 
Frauenhass ist immer noch bittere Realität.

Heraus zum Achten März!
 

Russland führt Krieg. Der neue Imperialismus.

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 3. März 2022, 19:00
Melanchthonianum, HS XX (Uniplatz Halle)
fb​.me/​e​/​1​B​Q​l​q​9​vNe

Am Morgen des 24. Februar trat ein, was seit Wochen vorherzusehen war: Russland führt Krieg, Putins Truppen fielen in die Ukraine ein. Bei der Begründung dieser Aggression gab sich Moskau noch nicht einmal Mühe. Denn dass die russische Minderheit in der Ukraine von einem Genozid bedroht sei oder die Ukraine Russland angreifen wolle, wie im russischen Staatsfernsehen behauptet, glaubt man selbst im Kreml nicht. Im Westen brachte man Putin dagegen bei aller Kritik lange Zeit entweder Verständnis entgegen oder man bot ihm in völliger Verkennung der Dinge, um die es in diesem Konflikt geht, Zugeständnisse an. Da man sich nur bedingt mit den Traditionen und Funktionsweisen des modernen Russlands auseinandergesetzt hat, konnte man sich auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass Moskau tatsächlich an einem Krieg gelegen ist. Umso aufgeregter und panischer reagiert man nun, wo die russischen Panzer längst in der Ukraine stehen.
Im Vortrag soll es um beides gehen. Es soll gezeigt werden, dass im neuen russischen Imperialismus drei Dynamiken aufeinandertreffen: Soziale Probleme, die imperialen Traditionen, die sich aus dem Zarenreich über die Zwischenkriegszeit und den Kalten Krieg ins 21. Jahrhundert verlängern, und ein ganz besonderes Verhältnis von politischer und ökonomischer Macht. Vor allem aber soll gezeigt werden, warum es derzeit neben dem Abzug der russischen Truppen nur eine Forderung geben kann: Waffen für die Ukraine!
 
Eine Veranstaltung der AG Antifa
antifa​.uni​-halle​.de

20 years war on terror. Hat der Westen den Kampf verloren?

Status

Eine Veranstaltung der AG Antifa:

20 years war on terror. Hat der Westen den Kampf verloren?
Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer

Donnerstag, 9. Dezember 2021, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uniplatz Halle
https://​fb​.me/​e​/​3​G​O​O​y​o​xEr

Zwanzig Jahre nach 9/11 sind die Taliban zurück an der Macht und es drängt sich die Frage auf, ob die Geschehnisse der letzten zwei Jahrzehnte für den Westen letztlich nur Teil eines selbstverschuldeten Nullsummenspiels namens War on Terror waren. Die Beantwortung dieser Frage setzt nicht nur voraus, den Unterschied zwischen der Operation Enduring Freedom und der Operation Iraqi Freedom zur Kenntnis zu nehmen. Sie setzt voraus, zwanzig Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zum einen China als den antiwestlichen Global Player zu begreifen und zum anderen einer kulturell-hegemonialen antibürgerlichen Stimmung im Westen gewahr zu werden, die sich seit 9/11 immens verstärkt hat und die objektive Tendenz eines nicht mehr an sich selbst glaubenden Westens immens befördert.
Erst vor diesem Hintergrund lässt sich darüber befinden, wie es sein konnte, dass sich Afghanistan nach dem Sturz der Taliban 2001 ausgerechnet eine islamische Republik nennen konnte und sich niemand daran störte; ob es ohne den Sturz Saddam Husseins in der Folge von 9/11 überhaupt einen sogenannten Arabischen Frühling gegeben hätte; wie es sein kann, dass bitter nötiges Nation Building nicht nur in Afghanistan mit einem antinationalen Hass im Westen konfrontiert ist, der die Idee einer immer nur nationalstaatlich zu garantierenden Herrschaft des Rechts (Rule of Law) insbesondere dadurch bekämpft, dass die Flucht aus elenden Verhältnissen gen Westen zur einzig emanzipativen Tat moralisch hochgejubelt und der Einsatz für nationale Befreiung vor Ort als quasi-reaktionär verächtlich gemacht wird; ob die Taliban nicht Dhijadisten alten Typs und die Kämpfer des Islamischen Staates (IS) nicht den eines längst bedrohlicheren neuen internationalistischen Typs verkörpern, der es derzeit insbesondere auf das Abschlachten der Christenheit in Subsahara-Afrika abgesehen hat.
 
Sören Pünjer ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.
 
Es gilt die 3G-Regel und eine FFP2-Maskenpflicht.