Veranstaltungstipps Dezember

Zum Jahresende empfehlen wir die Veranstaltungen der AG Antifa in Halle:

6. Dezember 2018, 19 Uhr
Der Westen – eine Bestandsaufnahme

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard
Melanchthonianum, Halle (Saale)

15. Dezember 2018, ab 19 Uhr
Arrivederci Patriarchat – Ist der Feminismus noch zu retten?

Jahresabschlussveranstaltung mit Vorträgen, Diskussion und anschließender Party
VL, Ludwigstraße 37 in Halle

Weiterlesen

Kundgebung: Gegen Islamismus in Leipzig!

Kundgebung vor der Al‐Rahman Moschee

Roscherstraße 33A, 04105 Leipzig
21. Dezember 2018, 12 Uhr

 

Während des Höhepunkts der sogenannten Flüchtlingskrise im Spätherbst 2015 geschah in einer Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände der Neuen Messe in Leipzig etwas Merkwürdiges. Die Betreuer der Einrichtung gaben an, dass sich täglich Bewohner der Unterkunft über die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr in ihre Heimatländer erkundigten. Die Helfer rätselten, was diese vorwiegend aus dem Irak und aus Syrien stammenden Menschen, die sich erst unter größten Strapazen und Gefahren den Weg nach Europa gebahnt hatten, dazu bewog, ausgerechnet an jenen Ort zurückkehren zu wollen, von dem aus sie ihre Flucht begonnen hatten.


Die Al‐Rahman Moschee

Nach einiger Zeit fanden die Betreuer der Einrichtung heraus, dass einer der dort arbeitenden Dolmetscher konsequent »falsch übersetzt und die Flüchtlinge massiv missioniert hat«.1 Der vermeintliche Dolmetscher entpuppte sich als ein salafistischer Aktivist aus dem Umfeld der radikal‐islamischen Al‐Rahman Moschee im Leipziger Norden. Dieser hatte bei nicht wenigen Bewohnern der Unterkunft eine derartige Entrüstung ausgelöst, dass sie sich entschieden, besser wieder in ihre vom Krieg zerrütteten Heimatländer zurückzukehren, als nun auch in Deutschland mit Islamisten konfrontiert sein zu müssen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die von der Moschee ausgehenden Radikalisierungsversuche unter Flüchtlingen nicht auf jene allgemeine Ablehnung gestoßen ist, die wünschenswert gewesen wäre. Laut dem sächsischen Verfassungsschutz, der die Moschee beobachtet, habe diese »in den Jahren 2015 und 2016 im Zuge der Migrationsströme« einen massiven Zulauf verzeichnen können, so dass mittlerweile »regelmäßig bis zu 1.000 Personen« zu den dortigen Freitagsgebeten pilgern.2 Die Moschee war durch den rasanten Zuwachs nach eigenen Angaben dazu gezwungen, seit geraumer Zeit zwei Freitagsgebete hintereinander abzuhalten, um allen Zuhörern des dortigen Salafisten‐Predigers einen Platz anbieten zu können.


Imam Hassan Dabbagh

Der aus Syrien stammende Imam dieser Moschee, Hassan Dabbagh, ist einer der führenden Köpfe der deutschen Salafistenszene und bei den Sicherheitsbehörden bereits einschlägig bekannt. Nach Informationen des »International Institute for Counter‐Terrorism« (ICT) pflegt Dabbagh enge Kontakte zu verschiedenen Jihadisten. So galt er als ein enger Vertrauter des ehemaligen Finanzchefs von Al‐Qaida, Dr. Adly el‐Attar. Die islamische Terrororganisation, die weltweit für die Ermordung tausender Menschen verantwortlich ist, hat Dabbagh einst finanziell unterstützt.3 Der Salafist, der sich offiziell gern als Verkünder einer Religion des Friedens ausgibt, stand im Kontakt zur sogenannten »Hamburger Zelle« um Mohammed Atta, die für die Anschläge am 11. September in New York und Washington verantwortlich war. Die Angriffe soll er im Anschluss als »gerechte Strafe Allahs gegen alle Ungläubigen« bezeichnet haben.4 Darüber hinaus pflegte er unter anderem gute Kontakte zur salafistischen Szene in Ulm und stand auch im Kontakt mit der dortigen Terrorzelle der »Islamischen Jihad‐Union«, bekannt als »Sauerlandgruppe«. Deren Vorhaben konnte glücklicherweise durch die Sicherheitsbehörden unterbunden werden. Der urteilende Richter im anschließenden Strafprozess sprach in Bezug auf die Anschlagspläne von einem Ausmaß, dass es »in Deutschland noch nie gegeben« habe.5 Hätten die Pläne in die Tat umgesetzt werden können, so der Richter weiter, »hätte es ein ungeheures Blutbad gegeben mit einer unübersehbaren Vielzahl von Toten und Verletzen«.6 Auch gegen Hassan Dabbagh selbst wurden bereits mehrere Ermittlungsverfahren der sächsischen und bayrischen Polizei eingeleitet. Vorgeworfen wurde ihm u.a. die Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, die Anwerbung zu einem fremden Wehrdienst, Volksverhetzung, sowie Veruntreuung, Fördermittelbetrug und der Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Im Zuge von Hausdurchsuchungen wurden in der Leipziger Al‐Rahman Moschee unter anderem Propagandavideos von Al‐Qaida gefunden, in denen zum bewaffneten Jihad aufgerufen wurde. Auf von Dabbagh veranstalteten Islam‐Seminaren, die im gesamten Bundesgebiet stattfinden, traten mehrmals Jihad‐Rückkehrer auf, die dort u.a. für die mit Al‐Qaida verbündete islamistische Miliz »Junud al‐Sham« Kämpfer rekrutieren wollten.7 Im August 2017 untersagte das sächsische Oberverwaltungsgericht dem in einer Doppelehe lebenden Imam die Betriebserlaubnis für einen Kindergarten auf dem Gelände der Al‐Rahman Moschee. In der Urteilsschrift stufte es ihn als »Multiplikator der salafistischen Szene« ein, der bereits eine »Vielzahl von Schmähungen gegen Juden, Feinde des Islams und der Muslime, Ungläubige und Ketzer« verbreitete.8 Das Gericht teilte die Verschwörungstheorie von Dabbagh nicht, laut welcher »der Salafismus […] ein Konstrukt westlicher Geheimdienste« sei und sah durch einen möglichen Kindergarten auf dem Gelände der Moschee das »Kindeswohl« und »eine gesellschaftliche Integration« als gefährdet an.9 Im Gegensatz zu diesem Urteil wurden alle Ermittlungsverfahren in Strafsachen gegen den Imam, teils auf Grund ungeklärter Zuständigkeitsfragen, eingestellt.


Gepredigte Unfreiheit

Die in der Moschee verbreiteten Lehren fordern von den Gläubigen ein konsequentes Befolgen islamischer Alltagsvorschriften. Den Genuss von Alkohol, Diskobesuche, sexuelle Freizügigkeit, die Gleichstellung der Geschlechter, das Tragen von Schmuck, Eigensinn, Müßiggang, ein selbstbestimmtes Leben oder die säkulare, im besten Fall auf Individualismus abzielende Kindeserziehung sieht der Imam als »satanische Methoden« einer »schmutzigen« und »verdorbenen« ungläubigen Gesellschaft an, die sich gegen den Islam verschworen habe.10 Juden seien »Feinde des Islam, die Gläubige töten wollen« und würden in diesem Vorhaben bereitwillig von Christen unterstützt: »Die sind alle gegen uns«.11 Dieses, das gesamte Alltagsleben umfassende Regelwerk des Islams, das für die Gläubigen zahlreiche Verbote und Vorschriften vorsieht, schlägt somit ohne weiteres in eine Freund‐Feind Unterscheidung um, in der die unislamische Lebensweise sofort als Verschwörung gegen den Islam erscheint. Diese einer freien Gesellschaft abträgliche Haltung wird durch eine wortwörtliche Lesart des Koran getragen, die von verschiedenen islamischen Rechtsschulen geteilt wird. Dieser hat als das offenbarte Wort Gottes den Rang einer unhinterfragbaren Gesetzesschrift, der unbedingt Folge zu leisten sei. Weil es in Sure 33 des Koran aber heißt, dass die Muslime auch »im Gesandten Gottes ein schönes Beispiel« für einen vorbildlichen Gläubigen haben, sind neben dem Koran die überlieferten Gewohnheiten und Verhaltensweisen des Propheten Mohammed (Hadithe) die zweite Quelle islamisch‐korrekter Lebensführung. Die daraus folgende grenzenlose Idealisierung des ersten Muslims führt zu einem verheerenden Führerkult, dem bereits im Namen dieser Religion Rechnung getragen wird: Das arabische Wort »Islam« lässt sich mit dem deutschen Wort »Unterwerfung« übersetzen. Die Schnittstelle zwischen dem von Entsagungen geprägten Leben praktizierender Muslime einerseits und dem Überlegenheitsdünkel dieser vermeintlich wahren Gläubigen andererseits bildet somit Mohammed. Aufgrund der undurchschaubaren Masse an Versagungen und Verboten, die streng genommen von allen Muslimen eingehalten werden müssen, erklärt sich auch die besondere Funktion eines Imams. Dieser ist nämlich nicht bloß ein Vorbeter und Kenner religiöser Rituale, sondern zugleich ein Ausbilder, der durch das Studium des Koran und der Hadithe befähigt ist, den Gläubigen die Ge‐ und Verbote des Islams am Beispiel ihres konkreten Lebens zu diktieren. Der Unterschied zwischen einem gemäßigten Islam und dem Islamismus ist darum im Wesentlichen nicht qualitativer Natur, sondern besteht darin, wie weit die islamischen Regeln in das Alltagsleben und die Geisteshaltung der Menschen eingreifen. Zwar gibt es Muslime, die den Islam weniger intensiv praktizieren als andere, doch selbst Bassam Tibi, der einst den Begriff des »Euro‐Islam« einführte, um einen anderen, liberalen und mit westlichen Errungenschaften kompatiblen Islam zu bezeichnen, musste sich bereits im Sommer 2016 eingestehen: »Ich kapituliere. Den Euro‐Islam wird es nicht geben. Er war eine schöne Hoffnung, aber die Realität ist leider eine andere«.12


Versäumte Islamkritik

Die Leipziger Al‐Rahman Moschee ist darum kein harmloser Traditionsverein, sondern ein Radikalisierungszentrum, das die notwendigen Integrationsbemühungen untergräbt. Immer wieder rekrutieren sich aus der islamistischen Szene auch Terroristen wie Anis Amri, dessen Bluttat von Berlin sich in diesem Dezember zum zweiten mal jährt. Dass es dem salafistischen Umfeld dieser Moschee gelang, ihren Unterstützerkreis seit dem Jahr 2015 derart zu vergrößern, ist eine herbe Niederlage für die liberale Gesellschaft. Die Situation in Leipzig bildet allerdings bei weitem keinen Einzelfall, sondern bestätigt nur den bundesweiten Trend, der seit Jahren auf eine anhaltende Radikalisierung von Muslimen in Deutschland hinweist. Insbesondere die islamistische Szene konnte durch die überwiegend muslimischen Zuwanderer seit 2015 einen massiven Zuwachs verzeichnen. Laut dem Bundesverfassungsschutzbericht von 2017 gibt es in Deutschland mittlerweile fast genauso viele Islamisten wie Rechtsextremisten. Im Gegensatz zu rechtsextremen Strömungen sehen sich islamistische Gruppierungen bislang allerdings nicht mit einem entsprechend großen Netz aus zivilgesellschaftlichen Abwehrstrategien konfrontiert, wozu Präventionsmaßnahmen ebenso zählen, wie Aufklärung und breiter gesellschaftlicher Protest. Seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise in Deutschland und der damit verbundenen Aufnahme von hunderttausenden, meist in islamischen Ländern sozialisierten Menschen, sind nunmehr drei Jahre vergangen. Die sich daraufhin deutlich beschleunigende Spaltung der deutschen Öffentlichkeit scheint einen unüberwindbaren Graben verursacht zu haben, der bislang auf beiden Seiten mehr Bekenntnisse und Plattitüden als Lösungen zu Tage gebracht hat. Der Widerstand gegen den islamischen Fanatismus darf weder einer blinden Toleranz zum Opfer fallen, noch durch fremdenfeindliche Identitätspolitik verdrängt werden. Es sollte nicht hingenommen werden, dass im notwendigen Kampf gegen Rechts der Kampf gegen den Islamismus versäumt wird. Er ist als notwendiger Selbstschutz einer liberalen, rechtsstaatlich konstituierten Gesellschaft anzusehen, deren Aufgabe es ist, die individuellen Persönlichkeitsrechte gegenüber jedem Einzelnen zu garantieren und durchzusetzen. Die mangelnde Problematisierung des Islams als dem größten Integrationshindernis vieler dieser Menschen führt nicht mehr nur zur Ausbildung von Parallelgesellschaften und Doppelstandards, sondern auch dazu, dass radikal‐islamische Organisationen hierzulande nahezu ungehindert anwachsen können. Die Frage, wie die Integration von Menschen gewährleistet werden kann, deren praktizierter Alltagsislam nicht wenige zivilisatorische Errungenschaften tagtäglich mit Füßen tritt, lässt sich nicht mit kultursensibler Gleichgültigkeit lösen. Eine solche bringt vor allem Frauen, Homosexuelle, Juden und Andersgläubige zunehmend in Gefahr und ist nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund lädt die »Leipziger Initiative gegen Islamismus« am 21. Dezember 2018 zu einer Kundgebung vor der Al‐Rahman Moschee ein. Wir fordern von den zuständigen Behörden in Sachsen eine Aberkennung der mit steuerlichen Vergünstigungen einhergehenden Gemeinnützigkeit des Moscheevereins »IGS‐AM e.V.« und darüber hinaus die Einleitung eines Verbotsverfahren gegen denselben.


Leipziger Initiative gegen Islamismus

Die Veranstalter behalten sich vor, Personen, die rechtsextremen oder islamistischen Organisationen angehören oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische, islamistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Das Mitführen von eigenen Fahnen und Transparenten ist nur nach Rücksprache mit den Veranstaltern gestattet.

 

1 https://www.tag24.de/nachrichten/salafisten-missionieren-fluechtlinge-fuer-heiligen-krieg-leipzig-sachsen-verfassungs-schutz-34989
2 https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/31495
3 https://www.trackingterrorism.org/system/files/chatter/Salafist%20Jihadism%20in%20Germany.pdf
4 https://www.achgut.com/artikel/islam_ist_frieden_und_hassan_dabbagh
5 https://www.welt.de/politik/sauerlandgruppe/article6648270/Es-haette-ein-ungeheures-Blutbad-gegeben.html
6 Ebd.
7 https://www.onetz.de/neustadt-an-der-waldnaab/politik/oberpfaelzer-terrorhelfer-vor-gericht-protokolle-aus-dem-dschihad-d1827780.html
8 https://www.justiz.sachsen.de/ovgentschweb/documents/16A372.pdf
9 Ebd.
10 https://www.youtube.com/watch?v=zlJiomypIs0
11 https://www.focus.de/magazin/archiv/islamist-imam-hetzt-gegen-juden_aid_433043.html
12 https://www.derwesten.de/politik/islam-experte-bassam-tibi-der-euro-islam-ist-gescheitert-id12069234.html

Karl Marx in Paris — Die Entdeckung des Kommunismus

Vortrag und Buchvorstellung mit Jan Gerber

Donnerstag, 1.11. 2018, 19:00
Melanchthonianum, Universitätsplatz 8–9, Halle (Saale)

Im zweihundertsten Jahr nach seiner Geburt hat Karl Marx erneut Konjunktur. So erschienen nicht nur zwei Dutzend Bücher über sein Leben und Werk, auch das Feuilleton überschlägt sich mit Würdigungen. Ob Dietmar Bartsch von der Linkspartei, Hans Werner Sinn vom IFO‐Institut, das „Handelsblatt“, die „FAZ“ oder die Marxistisch‐Leninistische Partei Deutschlands: Sie alle sind der Meinung, dass Marx überaus aktuell sei. All diese Würdigungen kommen jedoch in der Regel ohne jeden Hinweis auf das bereits stattgefundene Dementi mindestens eines Teils der Marx’schen Grundbegriffe aus. Die im 19. Jahrhundert entwickelten Kategorien werden vielfach blindlings auf die Situation des 21. Jahrhunderts übertragen – so als habe es keinen Stalinismus, keine zwei Weltkriege und keinen Holocaust gegeben. Vermittelt über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts rekonstruiert Jan Gerber stattdessen die Genese einiger der zentralen Marx’schen Begriffe und fragt davon ausgehend nach ihrer historischen Geltungskraft. Als Dreh‐ und Angelpunkt dienen die 15 Monate, die Marx zwischen 1843 und 1845 in Paris verbrachte. Denn in dieser Zeit entwickelte er die zentralen Begriffe seines Denkens: Marx traf als Radikaldemokrat in Paris ein und verließ die Stadt als überzeugter Klassenkämpfer und Kommunist.

Jan Gerber ist Historiker und Politikwissenschaftler. Neben „Karl Marx in Paris. Die Entdeckung des Kommunismus“ (Piper: München 2018) sind außerdem von ihm erhältlich: „Eine Prozess in Prag. Das Volk gegen Rudolf Slánský und Genossen“ (2. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen/Bristol 2017) und „Das letzte Gefecht. Die Linke im Kalten Krieg“ (2. Auflage, XS‐Verlag: Berlin 2016).

Eine Veranstaltung der AG Antifa
antifa.uni-halle.de

Die Riedel‐Antideutschen

Folgendes Flugblatt haben wir am 02.10.18 vor der Veranstaltung Abgesang des Abendlandes — Grenzarbeit, mit Felix Riedel verteilt, die von der Selbsthilfegruppe Initiative gegen rechte Antideutsche organisiert wurde.

[PDF] Flugblatt: Die Riedel‐Antideutschen

 

Die Riedel‐Antideutschen

Liebe Gäste des heutigen Vortrags,

wir verstehen Euer Interesse nur zu gut. Man bekommt nicht alle Tage die Chance, einem Mann zu lauschen, der glaubhaft von sich sagt, sein Spezialgebiet sei die Hexenjagd. Dass Felix Riedel nicht nur im akademischen Bereich ein ganz besonderes Verhältnis zu Spuk und Hexerei pflegt, macht ihn zum Referenten erster Wahl für die Leipziger »Initiative gegen rechte Antideutsche«.

Verleumdung als Geschäftsmodell

Felix Riedel wäre bereit, für einen Platz auf dem Podium seine eigene Mutter zu verkaufen. Auf seiner Website erklärt er, ihm sei das »Denken und Schreiben in gesellschaftlich umkämpften Feldern« derart »Leidenschaft und Pflicht« geworden, dass er sich nichts sehnlicher wünsche als Einladungen zu Vorträgen, um seinen Senf unter die Leute zu bringen. Kommen die nicht wie gewollt, geht es mit ihm durch: So war es Riedel nicht zu peinlich, an Veranstalter heranzutreten, die wegen geplanter Vorträge mit Bahamas‐Autoren Anfeindungen ausgesetzt waren, und sich als besseren Referenten zu empfehlen. Gleichzeitig kurbelte er die Empörungsmaschinerie fleißig an, indem er die Eingeladenen, auf deren Platz er scharf war, hemmungslos als Rassisten und Sexisten diffamierte.
Weil Verleumdung sein Geschäftsmodell ist, verdankt Riedel auch seine heutigen zwei Stunden Ruhm einer länger gärenden Denunziationskampagne. Ihre Speerspitze, die »Initiative gegen rechte Antideutsche« trat auf den Plan, als für den 28. Mai in Leipzig ein Vortrag mit dem Bahamas‐Autor Thomas Maul innerhalb der Reihe »70 Jahre Israel« angekündigt wurde. Die Veranstaltung mit dem Titel »Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung« sorgte für einen Eklat in der Messestadt. Zuvor hatte Maul bei Facebook anlässlich einer Rede Alexander Gaulands zur deutschen Israelpolitik geschrieben: »Immer wieder erscheint die AfD objektiv als einzige Stimme der Restvernunft im Deutschen Bundestag…« Zwar hatte er damit in erster Linie die Redner der anderen Parteien gescholten, die im Gegensatz zu Gauland nicht auf israelfeindliche Bemerkungen verzichten konnten. Doch für Linke aller Provenienz war klar: Wer nicht dreimal hervorhebt, wie menschenverachtend die AfD sei, kann nur ein Rechter sein.
Der Leipziger Studentinnenrat, die Naturfreundejugend Berlin und die Falken Leipzig zogen ihre bereits zugesagte Unterstützung für die Vortragsreihe zurück. Im Nachgang der Veranstaltung überboten sich die Freunde des allseitigen Rechtspopulismusvorwurfs in wilden Anschuldigungen gegenüber dem Autor der Bahamas. Sie wurden selbst dann nicht stutzig, als sie tatkräftige Unterstützung durch Artikel in der taz, dem Neuen Deutschland und sogar der Jungen Welt erhielten. Freilich hat die »Initiative gegen rechte Antideutsche« ihre Freunde verdient. Sie behauptete im Gleichklang mit allen drei Zeitungen, Thomas Maul habe die ungarische Flüchtlingspolitik befürwortet. Das tat er zwar nie, sondern kritisierte ausdrücklich Viktor Orbán – was man auch in der öffentlichen Dokumentation des Vortrags nachlesen konnte. Doch während die Junge Welt noch so redlich war, eine Gegendarstellung nachzuschieben, ist den Leipziger Denunzianten die Wahrheit herzlich egal. Seit ihrer Gründung üben sie sich einzig darin, jedem, der Widerspruch gegen ihre halbgaren Gewissheiten erhebt, eine Nähe zur AfD zu unterstellen.

Riedelei für Einsteiger

Deshalb ist Felix Riedel für sie genau der richtige Mann. Der Marburger Oberdenunziant lässt keine Gelegenheit ungenutzt, Ideologiekritikern die Bildung einer »Querfront« mit der AfD anzudichten – so etwa in der Ankündigung des heutigen Vortrags. Seine Methode hat er in seinem Text »Rechtsantideutsch – Zur Genese eines Phänomens« mustergültig vorgeführt. Wortfetzen reichen ihm, um aus Sören Pünjers Kritik des ideologischen Antirassismus eine rechte Gesinnung zusammenzuschustern. Zuerst zitiert Riedel den Autor der Bahamas: »Rassismus, der wirklich noch Rassismus genannt werden kann, also nicht die Verrücktheiten der Antira‐Szene, die jede staatliche Regulierung von Zuwanderung als Rassismus geißelt, oder jeden, der das Wort Neger in den Mund nimmt, standrechtlich zusammenschlagen will, hat doch nicht wirklich eine Zukunft. Die Zukunft gehört der Ideologie des Antirassismus…« Daraus zaubert er sogleich: Pünjer mache »aus der humanistischen Kritik der immer weiter eskalierenden Dezimierung von Flüchtlingen durch Hürden, die sie in den Kriegsgebieten halten sollen, schon ein ›Geißeln‹ ›jeder staatlicher Regulierung von Zuwanderung‹. Das ist der Jargon der Rechten, die aus der verzweifelten Flucht von etwa 50 Millionen Menschen weltweit eine gemütliche ›Zuwanderung‹ zu machen sucht, die dann nur ›reguliert‹ würde.«
Merke: Die Worte »Zuwanderung« und »regulieren« sind strengstens verboten. Wer sich daran nicht hält, ist schon Teil der Gauland‐von Storch‐Fraktion. So will Riedel jede Diskussion über Migrationspolitik im Voraus abwürgen. Schlechte Karten also für alle, die über ein sinnvolles Einwanderungsgesetz reden wollen, das es Zuwanderern erleichtert, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen. Denn die Forderung nach staatlicher Regulierung auf diesem Feld ist ja Sache der Rechten. Riedels bester Trick funktioniert aber ganz subtil. Offensichtlich spielt er auf den »Jargon der Rechten« nach 2015 an, als es für Flüchtlinge immer schwerer wurde, nach Deutschland zu gelangen. Was er dabei verschweigt: Die Aussagen Sören Pünjers, mit denen dieser vermeintlich in den Kanon der Fremdenfeinde einstimme, stammen von 2004.

»Querfront« ist überall

Der kurze Auszug steht exemplarisch für Riedels Texte zur Bahamas und ihren Freunden, die weithin von Unterstellungen, Reizbegriffen und Begriffswillkür leben. Heute Abend will er noch viel höher hinaus, und kündigt – bescheiden wie er ist – folgende Welterklärung für den »Sinkflug« der Zeitschrift mit steigenden Abonnementzahlen an: »Über fünfzehn Jahre hinweg lassen sich strukturelle Ursachen dieses Absturzes vorahnen: Eine konservative Fehlinterpretation der Freudianischen Psychoanalyse, eine teleologische Entwicklungsideologie eines undialektisch gelesenen Marx, eine gescheiterte Begriffsbildung zum Rassismusproblem, Mythen und Unklarheiten zu komplexen Konflikten wie den Jugoslawienkriegen.« Man darf gespannt sein auf die Erklärung des Copy‐and‐Paste‐Genies, warum Thomas Maul und Justus Wertmüller in die Arme Gaulands fielen, weil sie im Marx zu wenig den Hegel sahen. Sein multikausaler Ansatz verspricht immerhin einen langen Abend. Ob der Möchtegern‐Oberstudienrat da noch Zeit findet, die Positionen der AfD zu kritisieren, zu denen die Autoren der Bahamas angeblich übergelaufen seien? Welch ein Glück für ihn, dass er auf das zuvorkommende Einverständnis seines Publikums bauen kann. Denn zur Sache selbst hat die Leipziger Antifa nicht mehr zu sagen als der bundesdeutsche Mainstream: »Fuck AfD!«
Mit Riedel ist sie sich einig, dass jeder, der sich weigert, in der Kampagne gegen den Volksfeind des geläuterten Deutschlands mitzumischen, zur »Querfront« mit der AfD gehört. Das Label hat gerade Aufwind, weil man – denkfaul und begriffsstutzig wie immer – Beliebiges unter ihm subsumieren und in den Giftschrank verbannen kann. Mit seiner Hilfe werden der Bayerische Bauernverband, der Pirnaer Ortsverein der AfD und die Berliner Redaktion der Bahamas kurzerhand zu gemeinsamen Vorkämpfern der Faschisierung Deutschlands erklärt. Natürlich gäbe es Unterschiede zwischen Konservativen, »Wir-sind-das-Volk!«-Ossis und »Rechtsantideutschen«, aber irgendwie würden sie sich halt in Sprache und Positionen ähneln. Das liest sich dann so wie im Facebook‐Gründungstext der »Initiative gegen rechte Antideutsche«. Dort heißt es, »die Konvergenz von Islamismus, der AfD und rechten Antideutschen« bestehe darin, dass der Islam, Pegida, die AfD und Thomas Maul »zuviel gemeinsam haben um nebeneinander existieren zu können.« Darauf folgt die alte Leier, dass sich völkische Rechte mit dem Islam in der Ablehnung westlicher Werte einig sind. Was den Salonkritikern dabei durch die Lappen ging: Sie hätten schon noch erklären müssen, wie Maul und die »rechten Antideutschen« in die Aufzählung gelangt sind. Oder haben wir verpasst, dass Ideologiekritiker neuerdings zum Angriff auf die bürgerliche Gesellschaft blasen?

Die goldene Mitte

Die Leipziger Szene und ihre Avantgarde‐Initiative bedienen sich solcher Verunglimpfungen, um weiterhin mal ein Bisschen Kritische Theorie lesen zu können, während sie jede Konsequenz für Denken und Handeln von sich fernhalten. Wer den mühsam antrainierten Begriffsapparat nicht zur Disposition stellen und es sich mit niemandem verscherzen will, muss eben ab und an mit aufgeschnappten Sprachhülsen gegen fiese Nestbeschmutzer Stimmung machen. Weil Felix Riedel darin die meiste Übung und wenigsten Hemmungen hat, darf er sich kurzzeitig zum spirituellen Führer der Leipziger Antideutschen aufschwingen. Das Marburger Multitalent weist den Weg zur goldenen Mitte zwischen altbackener Junger Welt und der verpönten »Querfront«-Bahamas. Er imponiert mit seinen argumentativen Spreizfugen, die zwischen unvereinbaren Positionen vermitteln und jeden logischen Widerspruch überbrücken.
So schafft es Riedel, sich in seinem jüngsten Seminar zur Critical Whiteness gleichermaßen auf die Kritische Theorie und Stuart Hall, eine Ikone des Postkolonialismus, zu berufen. Seine Ying‐Yang‐Sülze schützt wirksam davor, einen Gedanken auch dann mal zu verfolgen, wenn sein Ergebnis von der linken Linie abweichen könnte. Im Tonfall eines gutmeinenden Vaters erklärt er seinen Zöglingen, wo sie unbedingt mit dem Denken aufhören müssen, wollen sie nicht ihren Platz im Wohlfühlbecken der Szene gefährden. Felix Riedel und die »Initiative gegen rechte Antideutsche« sind die passenden Protagonisten für eine Linke, der stupide Selbstvergewisserung mehr gilt als Kritik.

AG »No Tears for Krauts«
Leipzig, Oktober 2018

1948. Die Ausstellung

8. — 20. Oktober 2018
Juridicum, Universitätsplatz 5, Halle (Saale)

1948. Die Ausstellung

Vom 8. bis zum 20. Oktober 2018 zeigen die Jüdische Gemeinde Halle und die AG Antifa im Studierendenrat der Martin‐Luther‐Universität die Ausstellung 1948 im Juridicum. Die Ausstellung über die Staatsgründung Israels ist im Foyer der rechtswissenschaftlichen Bibliothek der Uni Halle zu sehen. Ausstellungseröffnung ist am 8. Oktober 2018, 18 Uhr, mit Max Privorozki von der Jüdischen Gemeinde und einem Vertreter der AG Antifa.

Zur Ausstellung: Israel wird gefeiert, bewundert – und diffamiert. Die propalästinensische Propaganda stellt Israels Gründung als historisches Unrecht dar. Fakten werden verfälscht, Zusammenhänge verzerrt. Der Verein für Demokratie und Information (DEIN e.V.) hat den 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels zum Anlass genommen, über ihre Geschichte aufzuklären. Die Ausstellung, entstanden nach intensivster Recherche, zeigt Dokumente, historische Fotos und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Sie sucht den historischen Kontext zu vermitteln, um ihn unbrauchbar für ideologisch vordergründige Überformungen und Propaganda zu machen.

8. Oktober, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung

Links:
1948. Die Ausstellung [facebook]

AG Antifa Uni Halle [facebook]

facebook event: https://www.facebook.com/events/241528596708049/
Das Grußwort der AG Antifa zur Eröffnung der Ausstellung »1948« zum nachlesen: https://www.facebook.com/agantifaschismus/posts/2050039515017313

AUDIO GUIDE zur Ausstellung: http://l.ead.me/1948audioguidecomplete
Weitere AUsstellungsorte: 1948. Die Ausstellung

 

 

16. Oktober 2018, 19 Uhr
Melanchthonianum, Halle (Saale)

Darum Israel! Über die Notwendigkeit des jüdischen Staates.

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer und Alex Feuerherdt

Seit der Gründung vor siebzig Jahren muss Israel sich seiner arabischen Nachbarn erwehren. So war der Unabhängigkeitskrieg nur der Auftakt für eine lange Reihe militärischer Auseinandersetzungen, bei denen sich der jüdische Staat in einer feindseligen Umgebung behaupten musste. Dass das Land auf die existenziellen Bedrohungen nicht mit Friedensangeboten, sondern mit Waffengewalt antwortet, wird ihm in Deutschland nach wie vor von vielen Seiten verübelt. Bei den Bundesbürgern sorgen nicht Hamas, Hisbollah und Co. für Empörung, die sich geschworen haben, solange weiter zu kämpfen, bis der jüdische Staat in ihrer Mitte vernichtet ist, sondern die Einsätze des israelischen Militärs.

Begleitend zur Ausstellung „1948“ im Juridicum über die Staatsgründung Israels vor 70 Jahren lädt die AG Antifa zu einem Vortrag mit Karl Pfeifer und Alex Feuerherdt ein. Karl Pfeifer erinnert an die Staatsgründung und den folgenden Unabhängigkeitskrieg, bei dem er als 19‐Jähriger bei der Palmach auf Seiten Israels kämpfte. Heute arbeitet er als freier Journalist. Alex Feuerherdt wird vor allem die offene Feindseligkeit der Deutschen gegenüber dem jüdischen Staat in den Blick nehmen. Er schreibt als freier Autor regelmäßig für die Jungle World und die Jüdische Allgemeine. Als Mitglied im Beirat war er zudem an der Konzeption der Ausstellung beteiligt.

Samstag, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Halle/Saale

facebook event: https://www.facebook.com/events/2170493249894512/

Bonjour Tristesse #23 (Sommer 2018)

Kurzmitteilung

Bonjour Tristesse #23
(Sommer 2018)

Die neue Bonjour Tristesse ist da. Das gedruckte Heft liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier geht es zu den Beiträgen im Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Download [PDF] Bonjour Tristesse 232018

DIE THEMEN DER AUSGABE #23:

FÜR DEN FEMINISMUS

In der aktuellen Bonjour Tristesse (Nr. 23) wurde unser Flugblatt veröffentlicht, das wir im April 2018 auf einer antifeministischen Demonstration mit dem Motto »Konsequent. Feministisch. Antifaschistisch. Kick them out – Nazizentren dichtmachen!« verteilt haben.

Für den Feminismus.
Ein Flugblatt der AG No Tears for Krauts Halle.

 

Liebe Teilnehmer der heutigen Demonstration,

mal Hand aufs Herz: Kommt es Euch nicht auch etwas lächerlich vor, auf eine feministische Demonstration zu gehen, die sich gegen die Identitären richtet? Oder gar verlogen? Anscheinend nicht, denn ansonsten wärt Ihr zuhause geblieben, anstatt Euch hier bei einem Protest gegen ein Dutzend Flachpfeifen, die ohnehin niemand zu mögen scheint, als ehrenwerte Verteidiger des Fe­minismus aufzuspielen.


Marsch der Begrifflosen

Man kann den Leuten von der Identitären Bewegung (IB) einiges vorwerfen. Ihre Mitglieder sind gewaltaf­fin, sie haben ein Faible für faschistische Ästhetik (Seitenscheitel, Fackelmärsche) und sie träumen von ethnisch homogenen Gemeinschaften. Vor allem aber sind sie fremdenfeindliche Arschlöcher, die ein halb­wegs geschicktes Händchen haben, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihnen das in der letzten Zeit so gut ge­lang, dazu habt allerdings auch Ihr beigetragen. Denn anstatt die Identitären aus der Adam‐Kuckhoff‐Straße einfach als unangenehme Nervensägen zu behandeln, wart Ihr wackeren Antifaschisten Euch nicht zu blö­de, sie zu einer Gefahr für alles Mögliche zu stilisieren. Und nun soll es das Frauenbild dieser Handlampen sein, das der befreiten Gesellschaft im Weg steht, von der im Aufruf die Rede ist?
Wie kommt Ihr überhaupt darauf, dass die IB son­derlich sexistisch sei? Deren weibliche Protagonisten treten sehr selbstbewusst und nun wahrlich nicht als die »Heimchen vom Herd« auf. Uns sind auch keine Verlautbarungen der Identitären bekannt, die diese als üble Sexisten überführen. Gewiss, wir sind nicht die Nazi‐Experten wie Ihr. Aber so ganz haut Euer Vorwurf nicht hin. Die Identitären haben sicherlich ein traditionelles Frauenbild. Aber das ist weder dezidiert sexistisch, noch unterscheidet sich das wesentlich von anderen Milieus wie den Fans vom Halleschen Fuß­ballclub, den Ammendorfer Sportkeglern oder dem Frauenyogakurs im Iris‐Regenbogenzentrum.
Mit Begriffen scheint Ihr es ohnehin nicht so genau zu nehmen. Die ständig wiederholte Behauptung, dass die Identitären durchweg Nazis seien, ist zudem nicht ganz richtig. Weder beziehen sie sich positiv auf den Nationalsozialismus, noch teilen sie dessen ideologi­schen Kern, den zur Vernichtung drängenden Antise­mitismus. Wir wollen Euch jetzt an dieser Stelle nicht mit Theorie behelligen – schließlich seid Ihr ja hier, um gegen fiese Nazischweine zu demonstrieren. Aber worin bitteschön äußern sich solche Vernichtungs­wünsche bei der IB? Das Verschwörungsdenken dieser Leute unterscheidet sie jedenfalls nicht von Attac und Co., deren Mitglieder Ihr natürlich niemals als Nazis bezeichnen würdet. Und bitte kommt jetzt nicht mit »Ethnopluralismus«. Der Begriff, den Ihr gerne an­führt, um die IB’ler als besonders schlimme Rassisten auszuweisen, taugt nicht einmal dazu, die Neue Rech­te mit ihrem Traum von einem Fest der Völker von der Neuen Linken mit ihrer Freude am Karneval der Kulturen abzugrenzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir mögen die Jungs und Mädchen mit ihrem penetranten Hang zur Selbstüberschätzung auch nicht. Uns liegt nichts daran, sie zu verteidigen. Es spricht nichts dagegen, sie in die Schranken zu weisen – erst recht, wenn sie anfangen Leute zu bedrohen.
Aber wir finden Eure Schaumschlägerei gegen diese paar Trottel hochnotpeinlich. Euch fällt gar nicht auf, wie sehr Ihr selbst zu den Handlangern einer Politik geworden seid, der es nur noch um das reine Gewissen geht. Anwohnerinitiativen, Stadtrat, Stura und Universitätsleitung geben Statements gegen die Identitä­ren ab, die Euren Äußerungen gar nicht so unähnlich sind. Den Deppen von der IB scheint das große Heer Antifaschisten jedweder Couleur, in das Ihr Euch hier eingereiht habt, ganz recht zu kommen. Würde es sie nicht geben, Ihr müsstet sie erfinden. Heute geht Ihr mit Hunderten auf die Straßen. Wenn es aber nicht deutschstämmige Nazis sondern Migranten sind, die, wie am 16. Dezember vergangenen Jahres, eine De­monstration abhalten, die offener antisemitisch ist als jeder Aufmarsch der Brigade‐Suffnazis aus der halli­schen Silberhöhe, dann bleibt ihr zuhause.


Selbstvergewisserung statt Feminismus

Ist es möglich, dass es Euch auch beim Thema Femi­nismus gar nicht so sehr um die Identitären geht, son­dern eher um Euch selbst? Habt Ihr schon mal dar­über nachgedacht, dass Eure Beißreflexe gegenüber dem »Nazizentrum« in erster Linie einer Vermeidung dienen? Wenn Ihr Euren Lieblingsfeinden unbeirrbar Sexismus und Rassismus unterstellt, braucht Ihr Euch gar nicht erst die Frage zu stellen, ob sie an dem einen oder anderen Punkt nicht vielleicht doch Recht haben. Gewiss, sie sind Fremdenfeinde und interessieren sich für sexuelle Übergriffe nur dann, wenn sich Migranten als Täter finden. Aber stimmt es vielleicht nicht sogar, dass das Frauenbild autochthoner Männer bei wei­tem nicht das Schlimmste ist, was der Markt derzeit hergibt? Und ist es nicht möglicherweise wahr, dass Übergriffe gegen Frauen schneller bagatellisiert wer­den, wenn sie von Zugezogenen begangen werden? Ist es nicht auch in linken Läden so, dass es bei sexuel­len Belästigungen durch einen Nicht‐Deutschen aus Rücksicht auf seinen »kulturellen Background« weit­aus länger dauert, bis er eine Backpfeife bekommt als bei einem deutschen Proll?
Ihr ahnt sicherlich, was jetzt kommt: Ein durchaus beträchtlicher Teil des vom Islam geprägten Milieus – sowohl frisch zugewandert als auch Teile der schon länger hier lebenden Moslems – ist der Ansicht, dass Frauen sich den Männern zu fügen haben. Die Verführungskraft weiblicher Sexualität und deren vermeintli­cher Ausdruck – Haare, Arme, Körperlichkeit etc. pp. – wird von Anhängern des Propheten Mohammed als Bedrohung empfunden, die durch Verhüllung zu ban­nen sei. Harām gekleidete Frauen werden als »Schlam­pen« bzw. legitime Beute gesehen, was sich immer wie­der in sexueller Gewalt entlädt. Wir wissen, Ihr werdet nicht gerne an die Kölner Silvesternacht erinnert. Und falls doch, antwortet Ihr reflexartig mit »Oktoberfest«. Euch ist keine Verrenkung zu blöd, um über das Frau­enbild des Islams nicht sprechen zu müssen.
Und? Merkt Ihr etwas? Springt bei diesen Worten Euer Rechtspopulismusradar an? Es hat sich näm­lich – insbesondere seit Pegida, AfD und IB ihren nur halbherzig verschleierten Fremdenhass als »Islamkri­tik« verkaufen – eingebürgert, dass jede Kritik am Is­lam und dessen Zumutungen abgewehrt wird, indem man jenen, die diese aussprechen, Rassismus vorwirft. Dabei müssten Feministen gerade hier besonders laut aufschreien. Im Aufruf wird stattdessen die Frauen­verachtung »islamischer Fundamentalisten« erwähnt, die eine »ideologische Gemeinsamkeit« mit der IB begründen würde. Ihr tut damit alles, um den strukturellen Sexismus im Islam in jeglicher Hinsicht zu re­lativieren. Denn was hat bitteschön das konservative Rollenbild, dem die Identitären möglicherweise nach­trauern, mit der Lebenswirklichkeit unzähliger Frauen zu tun, die das Haus nur verschleiert verlassen dürfen, sich daheim aber jederzeit für ihren Mann zur Verfü­gung stellen sollen? Mit jenen jungen Frauen, die per­manent einen ihrer Brüder an der Seite kleben haben, damit bloß keine Schande über die Familie kommt? Die ihren Kampf um individuelle Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung meist verlieren und im schlimms­ten Fall umgebracht werden?
Es ist übler Zynismus, wenn im Aufruf von einer »ge­samtgesellschaftlichen Frauenverachtung« gefaselt wird. Frauen haben in westlichen Gesellschaften na­hezu die gleichen Chancen und Rechte wie Männer. Sie können ihren Wunschberufen nachgehen, in man­chen Gegenden verdienen sie inzwischen aufgrund ihrer höheren Qualifikation sogar mehr als Männer, und in Halle sind Frauen unter den Studenten in der Überzahl. Und während sie im Islam dem Gutdünken und der Willkür der Männer ausgesetzt sind, werden hier Übergriffe auf ihre (sexuelle) Selbstbestimmung gesellschaftlich verurteilt und geächtet.
Doch ihr Paradefeministen differenziert und ver­gleicht solange, bis das Problem nicht mehr wiederzu­erkennen ist. Gegen Euch ist jeder Feminismus zu ver­teidigen, der sich nicht scheut, den größten Agenten der Frauenunterdrückung in Deutschland zu benen­nen, ohne nebulös herumzueiern und von »religiösen Strukturen« zu schwadronieren.
Also, liebe Demonstranten, nehmt es uns nicht übel. Aber: Ihr seid Teil des Appeasements gegenüber dem Islam und verratet all jene Frauen und Homosexuelle, die täglich unter den Zumutungen des Islams zu leiden haben. Ihr betreibt nur dümmliche Selbstvergewisse­rung, wenn Ihr in Eurem Aufruf auch Konservative für ihr traditionalistisches Rollenbild anklagt, als wären sie inzwischen nicht diejenigen, die noch am beharr­lichsten individuelle Freiheiten gegenüber dem Islam und seinen linken Freunden verteidigen. Eure Indif­ferenz gegenüber der Zerstörungswut des Islams ist für das gesellschaftliche Zusammenleben gefährlicher als die ohnehin einflusslosen Mitglieder einer rechten PR‐Sekte. Mit Euch lässt sich kein Feminismus machen! – Kickt Euch!

Eure No Tears for Krauts
Halle (Saale), April 2018

Das Elend der Einzelnen. (Veranstaltungstipp — Halle)

Über einige Übereinstimmungen von staatlicher Flüchtlingspolitik und antirassistischem Engagement, die keineswegs zufällig sind.

Vortrag und Diskusion mit Tjark Kunstreich

Donnerstag, 28. 06. / 19:00
Melanchthonianum, Hörsaal A
Uni Halle

An diesem Abend haben wir den Psychoanalytiker, Sozialarbeiter und Autoren Tjark Kunstreich zu Gast. Er lebt in Wien und hat viele Jahre Asylbewerberinnen und -bewerber begleitet, sein Schwerpunkt lag auf der Begleitung von LGBT‐Geflüchteten. Er ist aktuell u.a. tätig in der Trauma Unit des Ambulatoriums der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

Das Grundrecht auf Asyl ist an eine Einzelperson gebunden, die ihre Verfolgungsgeschichte glaubhaft machen muss. Seit 2015 ist die Einzelfallprüfung vollends obsolet, eine Tendenz, die schon länger in der Erfindung „sicherer Herkunftsländer“ ihren Ausdruck fand. Nun wird gesammelt und kollektiviert, was Ethnologie und Stammeskunde hergeben. Die Entscheidung von Kanzlerin Merkel, die Grenzen zu öffnen, hat eine Situation geschaffen, in der die Einzelnen, die aus individuellen Verfolgungsgründen fliehen, mit einem abstrakten Kollektiv konkurrieren müssen, das allein aufgrund einer Definition seitens des Staates, aber eben auch der so genannten Zivilgesellschaft, geschaffen wurde. Für dieses Kollektiv, genannt „die Flüchtlinge“ oder „die Geflüchteten“, wird, vollkommen unabhängig von Fluchtgründen und Lebenszielen, Respekt und Anerkennung gefordert, gleichgültig, ob es sich um einen islamistischen Mörder handelt oder einen Homosexuellen, der geflohen ist, weil sein Geliebter hingerichtet wurde und der selbst um sein Leben fürchtet. Vielmehr muss der Homosexuelle wegen des Islamisten, mit dem er in der gleichen Unterkunft untergebracht ist, auch in Deutschland und Österreich um sein Leben fürchten. Die staatliche Duldung von gesellschaftlichen Parallelstrukturen geht auf Kosten jener Einzelnen, denen das Grundrecht auf Asyl eigentlich zusteht – und nur ihnen. (Eine andere Ebene ist die Genfer Flüchtlingskonvention, die auch Kollektiven Aufnahme und Versorgung garantieren soll.)

Im Vortrag wird eine klinisch‐empirische Perspektive vorgestellt: Die Arbeit mit Menschen am – manchmal vorläufigen – Ende ihrer Flucht ist, wenn es um psychosoziale Belange geht, immer eine Herausforderung. Oftmals versagen Abwehrmechanismen, die bislang ihren Dienst getan haben, die (trügerische) Sicherheit vom Ausnahmezustand des Flüchtens und die gleichzeitige Herausforderung, sich in der neuen gesellschaftlichen Situation zurechtzufinden, führen nicht selten zu existentiellen Krisen bis hin zum Suizid. Die Herausforderung liegt in einem schmerzhaften Individuierungsprozess – der Fähigkeit, sich selbst als getrennt von anderen und von der Ethnie oder Kultur und die eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Interessen und vor allem: die eigene Traumatisierung wahrzunehmen. Dass therapeutische Angebote fast ausschließlich von jenen Flüchtlingen wahrgenommen werden, die individuelle Fluchtgründe nachweisen können und gerade deshalb in den Flüchtlingseinrichtungen neuen Bedrohungen ausgesetzt sind, belegt die Notwendigkeit, das Elend der Einzelnen in den Blick zu nehmen.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
http://antifa.uni-halle.de

Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung

Ein Veranstaltungstipp

Vortrag von Thomas Maul
Montag, 28. Mai 2018
19:00 in der Uni Leipzig, Raum HS 11, Hörsaalgebäude (HSG)
im Conne Island

Da der Raum an der Uni Leipzig für die Veranstaltung entzogen wurde, findet diese im Conne Island statt: http://gegen-antizionismus.de/veranstaltungen/zur-kritik-des-islamischen-antisemitismus/

Eine vernünftige Kritik des islamischen Antisemitismus hat mit ihrem Gegenstand nicht nur zur Sprache zu bringen, was in der westeuropäischen Öffentlichkeit allzu gern verschwiegen oder relativiert wird: dass die Gefahr für Leib und Leben von als Juden erkennbaren Juden gegenwärtig vor allem von bekennenden Moslems ausgeht, sondern zugleich deutlich zu machen, dass zu den jüdischen Opfern besser die Klappe hält, wer die anderen (autochthone wie migrantische Frauen, Homosexuelle, Christen) im Namen von Antirassismus und Religionsfreiheit unter den Teppich kehrt. Denn der islamische Suizid‐ wie Tugendterror zielt jenseits von Opfersortierung und -ranking immer auf das freie und selbstbestimmte Individuum als Produkt der Zivilisation. Dabei speist sich der Hass aus der – angesichts der Moderne unvermeidlichen – Krise der traditionellen islamischen Sexualmoral, die ihrerseits die Gemeinschaft der Gläubigen – und zwar in ihrer Mitte – als solche überhaupt erst konstituiert. Wer sich weigert, die bürgerliche Gesellschaft z.B. mit dem überfälligen Kopftuchverbot für Schülerinnen gegen die fortschreitende Islamisierung zu verteidigen, macht aus der Bedrohung aller freiheitsliebenden Menschen ein Problem der Juden und verrät damit die Juden wie sich selbst, was auf Bundestagsdeutsch heißt: „Flüchtlinge“ zur pädagogischen Auschwitzbesichtigung nötigen und einen „Antisemitismusbeauftragen“ installieren, der von „jüdischen Experten“ beraten, „Ansprechpartner für jüdische Gruppen“ sein soll.

Thomas Maul, freier Autor, Publizist und Schriftsteller lebt in Berlin und schreibt für die Zeitschrift ‘Bahamas’. Er ist u.a. Autor von »Die Macht der Mullahs« (ca ira Verlag, 2006), »Sex, Djihad und Despotie« (ca ira Verlag, 2010), »Darum negative Dialektik« (XS‐Verlag, 2014) sowie der zweiteiligen Schrift »Wert und Wahn« (XS -Verlag, 2014 & 2017).

Veranstaltet im Rahmen der Reihe »70 Jahre Israel«:

Anlässlich des 70. Jahrestages der Staatsgründung Israels findet in Leipzig eine Veranstaltungsreihe zur Aufklärung über den auf Israel bezogenen Antisemitismus statt.
gegen-antizionismus.de

Ankündigung: Die unkultivierte Aneignung – Über islamische Sklaverei

Vortrag und Diskussion mit Philippe Witzmann

Melanchthonianum, Halle (Saale)
31. Mai 2018, 19 Uhr

Als die Bruderhorden des „Islamischen Staates“ tausende jezidische Mädchen und junge Frauen in ihre Gewalt brachten und auf öffentlichen Sklavenmärkten verkaufen, um sie anschließend sexuell zu mißbrauchen, meldete sich eine Professorin der womöglich höchsten bzw. autoritativsten Institution des sunnitischen Islams in der Welt, der ägyptischen Al‐Azhar Universität, zu Wort und stellte der barbarischen Praxis der Glaubensgenossen mit Verweis auf Koran und Sunna das Halalzertifkat aus. Saud Saleh plauderte nebenbei noch aus, wie erbärmlich es offenbar um das Sexleben der Moslems generell bestellt ist: der Kämpfer könne seine Kriegsbeute gebrauchen „just like he has sex with his wives.”
Zwischen den in ihrem Magazin Dabiq vertretenen Verlautbarungen des IS und denen des Mainstream Islam passt also kein Haar, und das nicht nur in dieser Frage: der oberste Gelehrte der Al‐Azhar, Ahmad Al‐Tayyeb, teilt nämlich die jihadistische Auffassung, derzufolge Apostaten ein kurzer Prozess gemacht, diese also getötet werden sollten. In Deutschland ist Al‐Tayebb indes gern gesehener Gast evangelischer Kirchentage und der Bundesregierung, auf deren Einladungen er dann unwidersprochen vor einem „Rückfall ins Mittelalter“ warnen darf, dessen Aufrechterhaltung doch gerade die raison d‘être der Al‐Azhar sowie anderer Fatwadreckschleudern darstellt.
Der Vortrag wird darlegen, dass die inzwischen über 1300‐jährige Geschichte islamischer Sklaverei, die bis vor kurzem noch als „wohl gehütetes Tabu“ (Chebel) bzw. „verschleierter Genozid“ (N›Diaye) beschrieben wurde, zwar langsam aber kontinuierlich erforscht wird, damit aber keineswegs aus der Welt verschwindet. Im Gegenteil: der islamische Sklavenhandel boomt. Weltweit waren noch nie so viele Menschen versklavt wie heute, und vorne mit dabei die islamischen Länder: Mauretanien, Libyen, Sudan, die Golfstaaten etc. Zudem war das islamische Sklavensystem, historisch betrachtet, wesentlich umfangreicher und grausamer als das transatlantisch‐europäische. Im Rückblick gilt es daher die Tese zu proflieren, dass das einzig „Weiße“ an Kolonialismus und Sklaverei, deren Abschaffung gewesen ist. Hingegen gibt es bis heute kein nennenswertes islamisches Pendant zum christlich‐westlichen Abolitionismus; vielmehr hat das, was nicht nur hierzulande als islamische Auflärung bzw. Rationalismus gefeiert wird, maßgeblich zur Entstehung des modernen Hautfarbenrassismus beigetragen. Dass diese Umstände den meisten Leuten unbekannt sein dürfen, könnte zumindest im Westen durchaus etwas mit einer dauerempörten akademisch tonangebenden Linken zu tun haben, die zwar bei allerlei „kulturellen Aneignungen“ hysterisch aus dem Häuschen gerät, aber von den wirklichen Gräueltaten, aber auch historischen Fortschritten rein gar nichts wissen will.

Eine Veranstaltung der AG Antifa
des Studierendenrates der Universität Halle
www.antifa.uni-halle.de