Bonjour Tristesse: Interview mit dem Roten Netzwerk Halle

Link

Wer sich schon immer gefragt hat, ob Antideutsche Linke sind oder vielleicht doch nicht, sollte sich dieses Interview keinesfalls entgehen lassen. Uwe und Gerome vom Roten Netzwerk Halle geben der Bonjour Tristesse Auskunft über ihre politische Agenda und ihre geplanten Aktionen:

Bonjour Tristesse: Interview mit dem Roten Netzwerk Halle

Was kommt nach #MeToo? Vortrag und Diskussion mit Sara Rukaj

Ein Hinweis zur nächsten Online-Veranstaltung der AG Antifa.
Nutzungshinweise für den Livestream findet Ihr auf der Veranstaltungsseite und der Website der AG Antifa.

Was kommt nach #MeToo? Vortrag und Diskussion mit Sara Rukaj

Die Sexualität und das Geschlechterverhältnis haben in der westlichen Welt fraglos einen immensen Modernisierungsprozess durchlaufen. Religiöse Normen, die deontologisch bestimmte sexuelle Ausdrucksformen als gut (reproduktive Sexualität in der Ehe) oder schlecht (z.B Homosexualität oder Masturbation) einordnen, haben an Bedeutung verloren. Stattdessen wird auf der Basis sexueller Bürgerrechte zunehmend eine Verhandlungs- bzw. Konsensmoral evoziert, die während der #MeToo-Debatte sogar als justiziabler Bestand diskutiert wurde. Doch ist damit die Grundstruktur der Geschlechter in Sachen Liebe und Sexualität verschwunden? So setzt die Konsens- Kommunikationsmoral analog zur Partnerschaft bereits Egalität voraus, womit sie kein kritisches Potenzial birgt und nachfolgende Fragen gar nicht erst bearbeitet werden: Wie wirken ungleiche Rollenzuschreibungen in der Sexualität und in festen Paarbeziehungen? Perpetuiert die Liebe immer noch Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, ist Sexualität nicht konstitutiv unbewusst und widersprüchlich? Oder war die Kritik so wirksam, dass sie sich mittlerweile selbst abgeschafft hat? Einiges deutet darauf hin, dass Egalität sowohl in der Sexualität als auch in festen Paarbeziehung ein moderner Mythos ist und sich emanzipatorisch und fortschrittlich gerierende Paarkonstellationen ebenfalls dazu tendieren, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu nivellieren. Paradoxerweise gerade, weil man sich bereits als emanzipiert wahrnimmt. Weiterhin wurde kaum der eindimensionale Männerhass und die devote Haltung vieler Frauen, die sich qua #Me-Too zu Wortmeldeten, diskutiert. Immer wieder liest man von „dummen Sprüchen“ oder Flirtavancen, die einen traumatisiert hätten oder gar patriarchal seinen. Mit dieser Haltung verniedlicht man nicht nur genuine Traumata, sondern entmündigt gleich sich selbst. Was bleibt in puncto Emanzipation übrig, wenn man nicht einmalmehr zu einem „Spruch gegen Spruch“ in der Lage ist? Dass viele Frauen in Beklemmung geraten, ist verständlich. Weiterhin soll nicht der Eindruck entstehen, plumpe oder beleidigende Sprüche in Schutz zu nehmen. Allerdings wäre es vielversprechend, nicht nur Tatbestände, sondern auch etwaige Handlungsmöglichkeiten und einen nicht völlig entleerten Begriff des „Patriarchats“ breiter zu diskutieren. Es ist im Interesse des kapitalistischen Systems, dass Frauen und Männer zu feindlichen Gruppen avancieren. Solange das eindimensionale Feindbild Mann ohne Reflektion tradiert wird, arbeitet die Frauenbewegung – wenn auch unbewusst – gegen sich selbst an.

.Sara Rukaj schreibt u.a. für die „JungleWorld“.

ANLEITUNG ZUM LIVE-STREAM

 

Redebeitrag zur Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (Halle, 04.11.2020)

Etwas verspätet veröffentlichen wir nun unten stehend unseren Redebeitrag, den wir am 4. November auf der Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ in Halle hielten, auf der u.a. der Terroropfer von Wien gedacht wurde:
 

Das eigentlich Traurige dieser Tage ist, dass man nicht einmal mehr genau bestimmen kann, warum wir heute hier sind. Denn immer, wenn man gerade etwas zum aktuellen islamischen Terror verlautbaren will, ist bereits etwas Neues geschehen.
Dresden, Paris, Nizza, Wien und auch einmal mehr Kabul, wo gestern ebenfalls ein Anschlag durch den IS 22 Studenten tötete, sind nur die letzten Schlaglichter in einer Reihe von Ereignissen, die längst viel zu lang ist, um sie noch aufzuzählen. Man kommt sich komplett bescheuert vor, zum hundertsten Mal seit 911 darauf hinzuweisen, dass der sich noch immer global auf dem Vormarsch befindende Islam eine terroristische Fraktion mit sich bringt, die mit ihren endlosen Eskapaden immer neuer Brutalität jedem die Angst in die Glieder und Hass ins Herz treiben sollte.
Doch diese Angst gibt es Deutschland nicht. Mehr noch scheint es wieder einmal so zu sein, dass in Deutschland derjenige, der auf ein Problem hinweist, als weit gefährlicher gilt als derjenige, der das Problem macht. Bis heute muss man manchen Deutschen erklären, dass islamischer Terrorismus kein Vorwand der Amerikaner, Israelis oder gar der AfD ist, um fremde, friedliche Kulturen zu unterdrücken, sondern eine reale Gefahr für alle freien Bürger der Welt. Doch gerade jene Deutschen, die sich als liberales Bollwerk in einer Welt des Populismus sehen und die sich gerne eher links verorten, wollen von dieser Gefahr nichts wissen. Schon wer nur die barbarischsten Taten mit deutlichen Worten belegt, darf damit rechnen, vorgehalten zu bekommen, dass man eine rassistische Stimmung befördere. Wer die völlig offensichtliche Verbindung zwischen dem Terror und dem Islam zieht, darf mit einem Sturm der Entrüstung rechnen, wie man denn bitte eine ganze Religion beleidigen könne, nur weil deren unfehlbarer Prophet glasklar die Todesstrafe für Apostaten verhängt hat. Unverfroren dröhnt es aus den Kommentarspalten deutscher Medien, dass man jetzt zusammenhalten und differenzieren solle. Alles nur Kritik üben soll man nicht.
Diese deutsche Abwehrhaltung trägt schreckliche Früchte. Während die Toten in Frankreich immerhin ein Staatsbegräbnis mit allen Ehren bekommen und der Präsident eine Rede in Verteidigung der Opfer hält, vertuscht die Polizei in Deutschland, dass vor nicht einmal einem Monat in Dresden überhaupt ein Mord im Namen des Islam geschehen ist. Unnötigerweise vertuscht müsste man sagen, denn selbst dieser doppelte Skandal interessiert den mündigen anti-populistischen Bürger eben so wenig wie die Bluttat gestern in Kabul. Die Toten Hosen und Kraftklub werden jedenfalls den Teufel tun, in Dresden ein Benefiz-Konzert wegen so einer kleinen Betriebsstörung abzuhalten.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der Politik wieder. Während Frankreich sich nun immerhin zu dem Versuch gezwungen sieht, überhaupt irgendetwas gegen den ausufernden islamischen Terrorismus zu unternehmen, setzt man in Deutschland seit jeher auf Dialog. Anstatt wie Frankreich das mindeste zu tun und ausländische Imame scharf zu kontrollieren und wenn nötig auszuweisen, wird in Deutschland die fatale Rolle der Moscheevereine und Islamverbände für das Erstarken des radikalen Islam vollkommen verkannt. Auch die Hisbollah weigert man sich — bei aller symbolischen Allianz mit Israel — konsequent zu verbieten und politisch verfolgte Iraner wollen eigentlich schon immer lieber nach Frankreich oder Großbritannien, denn nirgends ist der iranische Geheimdienst so gefährlich wie in Deutschland, das weiter unbeirrt an Handelsbeziehungen mit dem Iran festhält. Die ehemalige westliche Welt mag hilflos und erschöpft vor dem islamischen Terror stehen, doch Deutschland hat nie ernsthaft versucht, ihn zu bekämpfen und ist darum einen Schritt weiter damit, sich in der Welt des Terrors einzurichten.
Etwas jedoch hat Deutschland mit der Welt gemeinsam: Eine Linke, die im Angesicht des Schreckens wie in Dresden nichts zu sagen hat. Im besten Fall nichts. Wer in den Auswirkungen des Islams auf das Leben in westlichen Gesellschaften eine zu bekämpfende Gefahr sieht, der weiß schon lange, dass er von jenen, die sich Säkularismus, Aufklärung und sozialen Fortschritt groß auf die Fahne geschrieben haben, nicht bloß keine Hilfe erwarten kann, sondern eher damit rechnen muss, dass sie ihm in den Rücken fallen werden. Völlig automatisch spulen all jene, die sonst bei Faschismus zurecht eine Null-Toleranz-Politik fahren, dieser Tage das Band ab, das man zuletzt in den 90ern für ostdeutsche Neonazis abspielte: Arme Verhältnisse, fehlende Bildung, Perspektivlosigkeit, Entfremdung von der restlichen Gesellschaft, zu wenig Verständnis für ihre einzigartige Sicht der Dinge. Aber der islamische Terror gedeiht überall, egal ob im zerrütteten Somalia oder im wirtschaftlich sicheren Schweden. Ein bisschen mehr soziale Integration, ohne den Islam selbst anzugehen, das hat sich wieder und wieder gezeigt, nutzt rein gar nichts. Es gibt keine ernstzunehmende Liberalisierung islamischer Ansichten, es gab nur den Rückzug des Islams in Identität, wie es bei vielen Gastarbeitern in den 70ern geschah und wie es heute Links-Liberalen Verfassungspatrioten als Lösung vorschwebt. Doch es hat nichts genutzt, die islamische Wiedergeburt geschah auch unter gut integrierten Muslimen im Westen.
So verrichtet der Islam auch heute in Deutschland täglich sein Werk. Dass Lehrer sensible Themen vermeiden, dass Mädchen unter Druck stehen ein Kopftuch zu tragen, dass Schwule in den falschen Stadtvierteln wieder im verborgenen Leben müssen, Stadtviertel, in denen man auch als Jude besser nicht erkannt wird. All das sind keine Extreme, das ist der ganz normale brave Islam, den alle vor dem bösen Islamismus retten wollen. Das ist Alltag, Alltag hier in Halle. Das empörte Zurückweisen des Terrorismus dient nur dazu, diese kranke Normalität zu entschuldigen, egal, ob in den Floskeln muslimischer Gemeinden, den Artikeln die zum “Zusammenstehen” aufrufen oder hier auf der Kundgebung.
Es liegt lange schon offen auf der Hand: Überall, wo der Islam in der modernen Welt auftaucht, macht er alles, wirklich alles, noch viel schlimmer als es ohnehin schon ist und der Terrorismus folgt ihm auf dem Fuße. Man muss dafür kein Theologe sein. Klar, man kann und sollte auf den schwer paranoiden Grundton des Koran verweisen, und seine seltsamen oder verrückten Suren durcharbeiten, um festzustellen, dass diese Religion auch ganz detailliert und differenziert betrachtet extrem behämmert ist. Aber das ist nicht nötig. Es reicht, die Nachrichten zu lesen. Vom Handel mit christlichen Schulmädchen-Sklaven in Nigeria, den Terror von Al-Kaida in der Westsahara, Morningshows in Marokko, die Ehefrauen zeigen wie man ein blaues Auge überschminkt, den Islamischen Staat in Libyen, Massenvergewaltigungen auf öffentlichen Plätzen in Ägypten, einem Land das nur durch eine Militärdiktatur davon abgehalten wird, vollends die Sharia einzuführen, Tschetschenien, wo Schwule in Camps inhaftiert sind, über den Iran, wo Schwule an Baukränen aufgehängt werden, über Pakistan, wo schon das Gerücht, ein christliches Mädchen hätte den Propheten beleidigt, ausreicht, dass ein Gouverneur gelyncht wird, und Afghanistan, wo man längst alle Hoffnung verloren hat, bis nach Indonesien, wo es Prügelstrafen für Sittenverstöße und Todesstrafe für das Dealen mit Gras gibt. Egal wo, egal wie reich das Land, egal welche Strömung des Islams vorherrscht, es wird düster, wenn Mohammed etwas zu sagen hat. Der Feind ist nicht der Islamismus, es ist der Islam selbst. Wer diesen simple Schritt nicht nachvollzieht, etwas, das ganz offensichtlich schlecht ist, auch schlecht zu nennen, der soll auch vom Terror lieber schweigen.


AG No Tears for Krauts Halle
 
 

Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (04.11. Halle/Saale)

Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (04.11. Halle/Saale)


weitere Bilder.. Weiterlesen

We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam. (Podiumsgespräch)

Nicht erst seit dem barbarischen Mord an Samuel Paty, einem Geschichts- und Geografielehrer aus Conflans-Sainte-Honorine, haben Frankreichs Schulen Probleme mit dem Islam. Bereits im Jahr 2015 wurde die Schweigeminute für die Ermordeten der Redaktion „Charlie Hebdo“ an zahlreichen Schulen von muslimischen Schülern gestört. Die Schweigeminute für Paty sollte europaweit stattfinden. Es dürfte wenig überraschen, dass sowohl in Frankreich als auch in Deutschland mit Störungen gerechnet wurde. Zeigen doch viele Moslems mehr Wut über die Karikierung des Propheten als über den Mord. Auf die unsäglichen Zustände und Zumutungen an deutschen Schulen durch die Anhänger des Propheten macht seit einigen Jahren Birgit Ebel aufmerksam. Die Lehrerin aus Herford und Gründerin der Initiative „extrem dagegen“ sprach vor einem Jahr zusammen mit dem Buchautor und Redakteur der Zeitschrift Bahamas Justus Wertmüller in Halle über die Probleme des Islam an deutschen Schulen. Das Podiumsgespräch ist jetzt als Audiomitschnitt zum Nachhören online.

Birgit Ebel (Bündnis 90 die Grünen) und Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas) sprechen darüber, wie der Islam die berufliche Praxis verändert und warum kaum jemand einhergehende Missstände benennen möchte.

Ankündigungstext der Veranstaltung:

Weiterlesen

Online-Vortrag mit Ulrike Becker vom Mideast Freedom Forum Berlin über die deutsch-iranischen Beziehungen zwischen Atomdeal, Massenprotesten und Hinrichtungswellen.

Kurzmitteilung

Wir empfehlen die Online-Vorträge der AG Antifa (Uni Halle) und freuen uns auf interessante Diskussionen. Weitere Online-Veranstaltungen im Winersemester 2020/2021 sind in Vorbereitung: https://www.facebook.com/agantifaschismus/events/

05.11.2020, 19:00
Infos zum Live-Stream: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Online-Vortrag und Diskussion mit Ulrike Becker

Teheran Tabu? — Die deutsch-iranischen Beziehungen zwischen Atomdeal, Massenprotesten und Hinrichtungswellen.

Während die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgetreten sind und das islamistische Regime in Teheran mit harten Sanktionen zu einem Politikwechsel zwingen wollen, setzen Bundesregierung und EU weiter auf Zusammenarbeit und den Atomdeal aus dem Jahr 2015.
Die Haltung Deutschlands wirft Fragen auf: Warum verzichtet die Bundesregierung weitgehend auf Mittel des politischen Drucks, trotz massiver Menschenrechtsverletzungen, der tödlichen Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung, einer Hinrichtungs- und Verhaftungswelle im Iran und weiterhin permanenter Vernichtungsdrohungen gegen Israel sowie Verstößen gegen die Auflagen des Atomdeals und einer terroristischen Außenpolitik? Der Vortrag geht auf die Lage Protestbewegung im Iran ein, auf die Zuspitzung des Streits um das iranische Atomprogramm und auf die deutsche Iran-Politik. Dabei wird auch die Frage diskutiert, was die Gründe dafür sind, dass die Bundesregierung an einer Politik festhält, die man als Appeasement bezeichnen kann.

Anleitung zur Teilnahme am Live-Steam und Hinweise zum Ablauf der Diskussion: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Verharmlosung von Antisemitismus am Jahrestag der Reichsprogromnacht anlässlich des Anschlags von Halle

Kurzmitteilung

Meanwhile in Halle: Das Interdisziplinäre Zentrum für europäische Aufklärung und das Seminar für Judaistik/jüdische Studien der MLU beschäftigten sich in einem Vortrag mit dem »Missbrauch der Dialektik der Aufklärung« und dem »Antisemitismusvorwurf«. Dafür haben sie sich ein ganz besonderes Datum ausgewählt. Die Genossen von der AG Antifa skandalisieren diese Veranstaltung in einem offenen Brief.

 

Offener Brief an das Interdisziplinäre Zentrum für europäische Aufklärung (IZEA Uni Halle) und das Seminar für Judaistik/Jüdische Studien der Universität Halle

 
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Professor Dierken, sehr geehrter Herr Professor Fraisse, sehr geehrter Herr Professor Fulda,
 
am 82. Jahrestag der Reichspogromnacht, am 9. November 2020, organisieren Sie eine Online-Veranstaltung mit dem Soziologen Moshe Zuckermann. Der Vortrag trägt den Titel: „Antisemitismus-Vorwurf und die Apologie des Kapitalismus: Zum Missbrauch der Dialektik der Aufklärung“. Der in Israel umstrittene Zuckermann wird erklären, dass der Vorwurf des Antisemitismus nur der Legitimation der israelischen Politik diene und der zeitgenössische Antizionismus nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Anders als gern von ihm behauptet, haben neuere Studien jedoch gezeigt, dass sich hinter dem Drang, den jüdischen Staat zu kritisieren, oft kaum mehr als das Bedürfnis verbirgt, wieder ungeniert gegen Juden hetzen zu können. Zuckermann wird deshalb in Deutschland überall dort zustimmend zitiert, wo es nicht um das Wohl der Palästinenser geht, sondern die Existenz des jüdischen Staates insgesamt als störend empfunden wird. Sowohl die nationalbolschewistische Tageszeitung „Junge Welt“ als auch der antisemitische Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen beziehen sich gern auf ihn.
Besonders geschichtsvergessen ist es, dass Sie die Veranstaltung am 9. November stattfinden lassen, dem Tag, an dem 1938 mehr als tausend Synagogen zerstört, achthundert Juden ermordet und Zehntausende in Konzentrationslager verschleppt wurden. Sie missbrauchen das Gedenken an die Reichspogromnacht damit für die Kritik der israelischen Politik, die laut Zuckermann hinter dem vermeintlich ungerechtfertigten Antisemitismus-Vorwurf stecke.
Wenn Sie die Veranstaltung darüber hinaus in eine Vortragsreihe über den „globalen Antisemitismus“ einbetten, die noch dazu mit einem Bild der zerschossenen Synagogen-Tür von Halle beworben wird, die im letzten Jahr über 50 Betenden das Leben rettete, entsteht sogar der Eindruck, Sie wollten den gegenwärtigen Antisemitismus verharmlosen. Oder glauben Sie wirklich, dass der Pogromnacht von 1938 angemessen gedacht wird, wenn nicht der Antisemitismus, sondern der „Antisemitismus-Vorwurf“ kritisiert wird? Und denken Sie tatsächlich, dass der „Antisemitismus-Vorwurf“ ein ähnliches Problem darstellt wie der globale Antisemitismus, den seit 1945 hunderte Juden mit dem Leben bezahlen mussten? Um es offen auszusprechen: Auch wenn es im Bewusstsein um die »Dialektik der Aufklärung« leider keine Überraschung ist, dass ein Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung und ein Seminar für Jüdische Studien eine solche Veranstaltung am Tag der Reichspogromnacht (und genau einen Monat nach dem einjährigen Jubiläum des Anschlags von Halle) in der Saalestadt stattfinden lassen wollen, ist das ein Skandal.
 
Mit freundlichen Grüßen,
AG Antifa im Studierendenrat der Universität Halle

 

Der kleine Unterschied: Zu den Morden von Paris und Dresden

„Entendez-vous dans les campagnes
Mugir ces féroces soldats?
Ils viennent jusque dans vos bras
Égorger vos fils, vos compagnes.“*
(Aus der „Marseillaise“)

Oktober 2020: Ein Mann wird auf offener Straße mit einem Messer abgeschlachtet. Der Täter ist ein bekennender Anhänger des Islam, das Motiv der Hass auf die westlichen Freiheiten, zu denen neben der Presse- und Meinungsfreiheit u.a. auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und das Recht auf freie Partnerwahl gehören. Der Tatort ist Conflans-Sainte-Honorine, jener Vorort von Paris, in dem der Lehrer Samuel Paty am 16. Oktober enthauptet wurde, weil er im Unterricht Mohammed-Karikaturen zeigte, aber auch das sächsische Dresden. Dort war bereits zwei Wochen vor dem Mord an Paty, am 4. Oktober, ein schwules Paar in der Innenstadt von einem 20-jährigen Syrer, der von der sächsischen Polizei als islamistischer Gefährder eingestuft wurde, mit einem Messer attackiert worden. Der 55-jährige Thomas L. starb kurz darauf im Krankenhaus, sein Partner Oliver überlebte schwer verletzt.
Nach dem Mord von Conflans-Sainte-Honorine besuchte Präsident Macron den Tatort, Innenminister Darmanin kehrte früher von einer Dienstreise zurück, ein Krisenstab wurde gebildet. Trotz der Corona-Pandemie gingen zehntausende Franzosen auf die Straße; Samuel Paty erhielt ein Staatsbegräbnis. Zugleich wurde eine Moschee geschlossen, die Hetze gegen den Lehrer verbreitet hatte; Razzien wurden durchgeführt, die laut Darmanin „eine Botschaft vermitteln“ sollten: „nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik“.
Dieses Pathos ist selbstverständlich hohl. Es verdeckt nicht zuletzt den Kuschelkurs, der auch in Frankreich – vom Präsidenten über den Innenminister bis hin zu den Medien – regelmäßig gegenüber dem Islam gefahren wird. Dennoch schwingt in ihm noch der Rest der Ahnung davon mit, was die Republik und der Westen einmal waren.
Ganz anders in Deutschland, wo der Begriff der Republik nie ein emphatischer war und sich der „Weg nach Westen“ (Heinrich August Winkler) als so lang erwies, dass er auf halber Strecke abgebrochen wurde. Während der Großteil der französischen Nation den Namen Samuel Paty kennt, muss man die deutsche Presse lange durchforsten, um wenigstens die Vornamen der beiden Anschlagsopfer von Dresden herauszubekommen. Aber noch mehr: Als in Frankreich längst offen über die Hintergründe der Tat von Conflans-Sainte-Honorine gesprochen wurde, wurde der Dresdener Fall in Deutschland gedeckelt. Obwohl Gerüchte darüber kursierten, dass ein homosexuelles Paar von einem sogenannten Gefährder angegriffen worden war, hüllten sich die sächsische Polizei und die sächsische Staatsregierung in Schweigen. Weder über den mutmaßlichen Täter noch über das eventuelle Motiv und die Homosexualität der Opfer wurde berichtet. Es war nicht die sonst überaus umtriebige sächsische Antifa, es war auch keine zivilgesellschaftliche Initiative für Demokratie und Toleranz, die den Fall sicher bereits bei den leisesten Gerüchten über einen neonazistischen Täter skandalisiert hätten, sondern die Landtagsfraktion der AfD, die als erstes (und schon eine gute Woche nach der Tat) über Schwulenhass als Motiv sprach. Es dauerte schließlich noch einmal mehr als eine Woche, bis in den Medien über Homophobie und den islamischen Hintergrund des Täters gesprochen wurde: Seine Identität war durch DNA-Spuren am Tatort schon kurz nach dem Angriff bekannt. Die Polizei, die ihn inzwischen gefasst hat, weigert sich noch immer, über den Hintergrund der Tat zu sprechen.
Doch obwohl es inzwischen als gesichert gelten kann, dass es sich beim Mord von Dresden um einen islamistischen Anschlag handelt, blieb der Aufschrei aus: Weder berichtet die Presse in der angemessenen Weise über den Fall, noch gibt es nennenswerte Stellungnahmen aus Regierungskreisen, vonseiten der etablierten Parteien oder der Zivilgesellschaft. Die Antifa Dresden ruft für das Wochenende auf ihrem Twitter-Account weiter zu einer „Tekno-Demo“ zum „6. Pegidageburtstag“ auf. Im Aufruf für diesen Umzug (Motto: „Tekno against Fascism and Racism“) wird zwar völlig zu Recht auf ein versuchtes Tötungsverbrechen hingewiesen: Im August 2020 griff ein Neonazi zwei Menschen mit einem Messer bei einer Techno-Party an und verletzte sie schwer. Von der Attacke auf Thomas L. und Oliver findet sich jedoch auch in den Aktualisierungen kein Wort. Sie wurden in der Dresdener Altstadt wohl vom falschen Nazi angegriffen.
Im Umgang mit dem Anschlag von Dresden zeigt sich damit noch einmal der kleine Unterschied zwischen Deutschland und dem Rest der zivilisierten Welt. Dieser Unterschied wird aufgrund der Krise des Westens sicher kleiner, gelegentlich mag sogar der Eindruck entstehen, er sei kaum noch vorhanden. Insbesondere im Ausmaß der kaum irgendwo besonders stark ausgeprägten Bereitschaft, die prekär gewordenen westlichen Werte gegen den Islam zu verteidigen, werden sie jedoch noch einmal deutlich.

Ihre AG „No Tears for Krauts“ Halle, 23.10.2020
* „Hört ihr im Land / Das Brüllen der grausamen Krieger? / Sie kommen bis in eure Arme, / Eure Söhne, Eure Gefährtinnen zu schlachten!“

Online-Vorträge im Herbst 2020

Wir empfehlen die Online-Vorträge der AG Antifa (Uni Halle) und freuen uns auf interessante Diskussionen. Weitere Online-Veranstaltungen im Winersemester 2020/2021 sind in Vorbereitung: https://www.facebook.com/agantifaschismus/events/

20.10.2020, 19:00
Infos zum Live-Stream: https://www.facebook.com/events/333416644580482/

Online-Vortrag & Diskussion mit Ingo Elbe

„… it’s not systemic“. Antisemitismus im postmodernen Antirassismus.

„An deutschen Hochschulen ist kein Platz für Antisemitismus“, titelte eine kürzlich publizierte Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz. Doch nicht erst seit der Debatte um den postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe stellt sich die Frage, ob ein „ehrbarer Antisemitismus“, wie Jean Améry ihn einst nannte, nicht längst ein fester Bestandteil – insbesondere der sich in postmoderner Weise antirassistisch artikulierenden – universitären Disziplinen geworden ist. In diesem von Michel Foucault, Edward Said oder Judith Butler inspirierten Diskurs findet sich nämlich ein systematischer Zusammenhang von begrifflicher Eliminierung des Antisemitismus, Relativierung des Holocaust, De-Thematisierung vor allem der islamischen Judenfeindschaft und Hass gegen Israel. Wird es in Deutschland eine ähnliche Entwicklung geben wie in den USA, wo die Black-Lives-Matter-Bewegung, muslimische Aktivistinnen im Rahmen der demokratischen Partei oder Women’s March-Führerinnen dem Antisemitismus das Label „progressiv“ verpasst haben?
Der Vortrag gibt einen Überblick über Faktoren, die das wichtige Anliegen der Rassismus-Analyse in eine postmoderne Weltanschauung verwandelt haben, die partiell gültige Aussagen unzulässig verallgemeinert, empirische Analysen durch starre Theorieschablonen ersetzt, inkonsistente, machtreduktionistische und kulturrelativistische Erkenntnistheorien zugrunde legt und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird.
Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg. Zum Thema publizierte er u.a.: “… it’s not systemic”. Antisemitismus im akademischen Antirassismus. In: T. Amelung (Hg.): Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik, Berlin 2020. The Anguish of Freedom. Is Sartre’s existentialism an appropriate foundation for a theory of antisemitism? In: Antisemitism Studies/April 2020. Die falsche Versöhnung von Subjekt und Objekt. Eine Kritik an Hans-Georg Gadamers hermeneutischem Antirealismus Mit einem Epilog: Dipesh Chakrabartys konservative Hermeneutik im postmodernen Historyland. In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Frühjahr 2020. Im Herbst erscheint sein Buch Gestalten der Gegenaufklärung. Untersuchungen zu Konservatismus, politischem Existentialismus und Postmoderne.
Anleitung zur Teilnahme am Live-Steam und Hinweise zum Ablauf der Diskussion: https://www.facebook.com/events/333416644580482/
———————————————————————————–

05.11.2020, 19:00
Infos zum Live-Stream: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Online-Vortrag und Diskussion mit Ulrike Becker

Teheran Tabu? — Die deutsch-iranischen Beziehungen zwischen Atomdeal, Massenprotesten und Hinrichtungswellen.

Während die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgetreten sind und das islamistische Regime in Teheran mit harten Sanktionen zu einem Politikwechsel zwingen wollen, setzen Bundesregierung und EU weiter auf Zusammenarbeit und den Atomdeal aus dem Jahr 2015.
Die Haltung Deutschlands wirft Fragen auf: Warum verzichtet die Bundesregierung weitgehend auf Mittel des politischen Drucks, trotz massiver Menschenrechtsverletzungen, der tödlichen Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung, einer Hinrichtungs- und Verhaftungswelle im Iran und weiterhin permanenter Vernichtungsdrohungen gegen Israel sowie Verstößen gegen die Auflagen des Atomdeals und einer terroristischen Außenpolitik? Der Vortrag geht auf die Lage Protestbewegung im Iran ein, auf die Zuspitzung des Streits um das iranische Atomprogramm und auf die deutsche Iran-Politik. Dabei wird auch die Frage diskutiert, was die Gründe dafür sind, dass die Bundesregierung an einer Politik festhält, die man als Appeasement bezeichnen kann.

Anleitung zur Teilnahme am Live-Steam und Hinweise zum Ablauf der Diskussion: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Gedenkkundgebung zum antisemitischen Terroranschlag am 9.10.2019 in Halle

Kurzmitteilung

Gedenkkundgebung zum Terroranschlag vor einem Jahr in Halle:
„Solidarisch gegen Antisemitismus und rechten Terror“ (7.10.2020)


(via JFDA — Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus)