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ANNA & ARTHUR, GEHT SPIELEN!

Flugblatt anläßlich einer linken “Antirepressionswoche” in Halle

Die radikale Linke hat weniger das Problem, dass jemand sie belauscht, ihre E-Mails überwacht oder ihre Computerfestplatten liest, sondern dass sie keine Zuhörer findet. Wer vor diesem Hintergrund eine megalomane „Antirepressionsreihe“ wie die „Anna & Arthur“-Wochen organisiert, dem geht es weder darum, sich über Repression zu beklagen. Noch geht es ihm um – teilweise durchaus nützliche – Unterstützungsarbeit für die wenigen tatsächlichen Repressionsopfer aus den einschlägigen Kreisen. Sondern er versucht vielmehr, Repressionen herbeizureden. Die hallischen „Antirepressionswochen“ sind Ausdruck eines speziellen autonomen Aufmerksamkeitsdefizit-Komplexes.

Die radikale Linke hat ein Problem: Kein Schwein interessiert sich für sie. Ein Teil der Dinge, für die sie einmal stand, ist längst im gesellschaftlichen Mainstream angekommen. Um Parolen gegen Neonazis, korrupte Banker, die Wallstreet oder das Pentagon zu hören, muss man längst nicht mehr das Treffen eines autonomen Selbstfindungszirkels besuchen. Es genügt vielmehr, am Sonntag von 18.50 Uhr bis 22.45 Uhr die ARD einzuschalten und den großen Propagandablock aus „Lindenstraße“, „Weltspiegel“, „Tatort“ und „Günther Jauch“ zu schauen. Wer am Wochenende besseres zu tun hat, kann am Montag einfach an der Tür eines beliebigen Lehrerzimmers lauschen oder die „Frankfurter Rundschau“, die „Süddeutsche Zeitung“, den „Spiegel“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“ aufschlagen.
Für linksradikale Forderungen hingegen, die über den traditionellen Antifaschismus, den Antiimperialismus und den Hass auf böse, böse Banker hinausgehen – das Streben nach Glück, Individualität und Genuss –, gibt es dagegen kaum noch Ansprechpartner. Auch die radikale Linke selbst hat weitgehend vergessen, dass es Schöneres geben kann als die Dienstags-Küfa (für Nicht-Hallenser: das Kind der „Vokü“, die „Küche für alle“) oder die linke Variante des Musikantenstadels, die unter der Bezeichnung „Punkkonzert“ regelmäßig in besetzten Häusern stattfindet. Selbst wenn sie sich, wie auf einem Aufkleber, der vor einigen Jahren in der Küche der „Reilstraße 78“ bewundert werden konnte, gelegentlich die Parole „Her mit dem schönen Leben“ auf ihre Fahnen schreibt, unterscheidet sich ihre Vorstellung von diesem Leben nur selten von der des Neckermann-Katalogs, des ZDF-„Traumschiffs“ oder eines gut budgetierten Pornofilms: Der Aufkleber zeigt die Kombination aus türkisfarbenem Meer, weißem Sandstrand und Palmen, die schon in hunderten Fernseh-, Kino- und DVD-Produktionen als Kulisse herhalten musste. (Zur Relativierung sei angemerkt: Wer die Küche der „Reilstraße 78“ kennt, die nicht aufgrund des fiesen Systems, sondern aufgrund des kreativen Verhältnisses ihrer Nutzer zur Hygiene wie Dresden 1945 aussieht, der weiß, dass diese Forderung nicht ernst gemeint war.)

Linke Wunschträume
Die Bedeutungslosigkeit der radikalen Linken spiegelt sich auch in der staatlichen Repression gegen sie wider. Soll heißen: Nicht einmal der Staat und seine Repressionsorgane interessieren sich sonderlich für die Jungs (Mädchen sind eher selten) mit den roten Fahnen, den schwarzgrauen Kapuzenpullovern und den Bärten, mit denen man sich nach der glücklichen Zeit der Abstinenz seit einigen Jahren wieder das Gesicht behängt. In den 20er Jahren, in der Zeit, in der die „Rote Hilfe“ gegründet wurde und die KPD hunderttausende Mitglieder hatte, saßen unzählige Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten in den Knästen. Inzwischen lassen sich die Namen derjenigen, die sich hierzulande wegen ihrer linken Gesinnung hinter Gittern befinden, auf einem mittelgroßen Einkaufszettel unterbringen. Wenn der Staat doch einmal zuschlägt, dann ist dafür vor allem eine Kombination aus Folklore und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme verantwortlich: Immerhin müssen die Staatsschutzbeamten der Abteilung „Politische Kriminalität (links)“ rechtfertigen, dass sie 20 Jahre nach dem Untergang des Ostblocks und 15 Jahre nach der Auflösung der RAF ein Budget für einen neuen Dienstwagen, einen Flachbildschirm und den spaßigen Combat-Schießkurs brauchen.
Vor diesem Hintergrund verwundert es zunächst, dass die hallische Ortsgruppe der „Roten Hilfe“ im März so genannte „Anna & Arthur Antirepressionswochen“ organisiert: eine Mammutreihe von zehn Veranstaltungen in rund zwei Wochen, mit deren Hilfe, wie es auf dem Ankündigungsflyer heißt, „Übergriffen durch den Staat entgegengewirkt“ werden soll. Für die Organisation und Durchführung dieser Veranstaltungsreihe ist wesentlich mehr Aufwand an Zeit und Manpower nötig als für sämtliche Unterstützungsfälle der hallischen „Roten Hilfe“ in den gesamten 15 Jahren ihres Bestehens zusammen. Darüber hinaus ist es merkwürdig, dass sich im Vorbereitungskreis der „Antirepressionswochen“ weitaus mehr Personen engagieren als im gesamten Chemiedreieck zwischen Halle, Merseburg und Bitterfeld als potentielle Zielscheiben für staatliche Repressionen gegen Links in Frage kommen. Wenn sich also kaum jemand für die radikale Linke interessiert; wenn schon die selbsternannten Revolutionäre die Langeweile, die auf linken Gruppentreffen herrscht, kaum ertragen und im Sommer lieber ins Nordbad als zum Offenen Antifa-Plenum in die Reilstraße gehen; wenn sich die regionalen linken Repressionsopfer der letzten Dekade darüber hinaus an einer Hand abzählen lassen: Warum findet diese Veranstaltungsreihe dann statt? Warum der Aufwand? Die Antwort ist einfach: Hier werden Wunschträume verhandelt. Viel Repression bedeutet viel Beachtung bedeutet großen Einfluss. Da sich die Repression gegen die radikale Linke einfach nicht einstellen will – der Staat beschränkt sich in dieser Region gerade, wie jüngst in Dessau zu beobachten war, auf Migranten –, wird sie mit den „Antirepressionswochen“ kurzerhand herbeigeredet. Man kennt das von pubertierenden Jungs: Sie brüsten sich ständig damit, dass sie sich vor weiblichen Annäherungsversuchen kaum retten können, bringen damit allerdings weniger die Realität als ihre Sehnsüchte zum Ausdruck.

Zusammen basteln!
Die Organisatoren der „Antirepressionswochen“ scheinen sich jedoch nicht nur nach öffentlicher und staatlicher Beachtung zu sehnen, sondern, unmittelbar damit verbunden, auch nach Gemeinschaft. So beginnt die Veranstaltungsreihe bezeichnenderweise mit einem „Transpi-Workshop“, bei dem, wie es im Ankündigungstext heißt, „gemeinsam schicke Transpis für die nächsten Demos“ gemalt werden sollen. Gemeinsames Herumwerkeln, das wissen die Sozialpädagogik-Studenten unter den Organisatoren aus ihren Erlebnispädagogik-Seminaren, schweißt zusammen. Passend zum gemeinschaftsstiftenden Anfang endet die Vortragsreihe dann auch mit einem Kaffeekränzchen, bei dem sich die hallische Ortsgruppe der „Roten Hilfe“ vorstellen will: „Im Infoladen Glimpflich stehen ab 15.00 Uhr Kaffee, Tee und veganer [was sonst?] Kuchen bereit.“ Ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft wird jedoch vor allem durch die Traditionen zum Ausdruck gebracht, auf die sich die Organisatoren beziehen: So sind der autonome Dresscode und die autonome Micky-Maus-Sprache („Transpi“, „Soli“, „Flugi“, „Luwi“ usw.), die sich seit einiger Zeit wieder großer Beliebtheit erfreuen, vor allem Ausdruck von Gangmentalität: Man versteht und erkennt sich untereinander. Das Gleiche gilt auch für die autonome Uralt-Kampagne „Anna & Arthur halten’s Maul“, auf die sich die Organisatoren der hallischen Veranstaltungsreihe berufen. Über den Hintergrund dieser Kampagne wollen sie lieber nicht so viel verraten: Nach dem Auseinanderbrechen der Protestbewegung gegen den Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens, so heißt es lapidar im Ankündigungsflyer, „soll sich die erste ‚Anna & Arthur halten’s Maul’ Kampagne gebildet haben“.

Gegen die linke Omertà!
Tatsächlich fand im November 1987 eine autonome Demonstration am Zaun der Startbahn West statt. Aus dem Demonstrationszug heraus wurden die Polizisten, die den Aufmarsch begleiteten, mit einer scharfen Pistole beschossen. Zwei Beamte starben, mehrere wurden schwer verletzt. Als einige Demonstranten daraufhin Aussagen bei der Polizei machten, riefen Autonome aus dem Rhein-Main-Gebiet die Aussageverweigerungskampagne „Anna & Arthur halten’s Maul“ ins Leben. Zwar verurteilten auch die Initiatoren dieser Kampagne die Morde: Auch wenn man der Aussage A.C.A.B. zustimmt, heißt das nicht, dass man die „Bastards“ erschossen wissen will. Mit dem Staat sollte aber auch dann nicht zusammengearbeitet werden, wenn es sich um Ermittlungen in einem Mordfall handelt; die Mitglieder der eigenen Crew, die man etwas großspurig als „Strukturen“ bezeichnete, sollten in Mafiamanier auch dann geschützt werden, wenn es sich bei ihnen um kaltblütige Mörder handelt. Der autonome Ehrenkodex und die Gemeinschaft wurden höhergestellt als die individuelle Abscheu vor der Tat. Zu dieser Mafiamentalität passte auch der Titel der Kampagne: So wurden „Anna & Arthur“ nicht einfach gebeten, keine Aussagen bei der Polizei zu machen. Sie sollten vielmehr „das Maul halten“. Auch Personen, die nicht Linguistik studiert haben, dürften den aggressiv-bedrohlichen Unterton der Forderung „Halt’ Maul!“ erkennen, auf die der Kampagnentitel anspielt. Passenderweise wurden in autonomen Publikationen bald die Namen derjenigen veröffentlicht, die auch nach dem Start der Kampagne weiterhin Aussagen bei der Polizei machten. Die autonome Gemeinde wurde zwar dazu aufgefordert, ihnen, ihren Angehörigen und Freunden kein Haar zu krümmen. Allein diese Bitte zeigt jedoch, dass zeitweise zumindest über solche Optionen – Gewalt gegen die Zeugen, ihre Verwandten und Freunde – diskutiert wurde: Ohne solche Diskussionen wäre kein entsprechender Hinweis nötig gewesen. Aus den einschlägigen Mafiafilmen ist darüber hinaus bekannt, dass auch eine Verneinung gelegentlich als Aufforderung dienen kann: Wenn der Pate seinen Untergebenen in einem bestimmten Tonfall erklärt, dass er nicht möchte, dass dem Verräter etwas passiert, wissen sie schon, was zu tun ist.
Die Kampagne „Anna & Arthur halten’s Maul“, auf die sich die hallischen Repressionsgegner berufen, hat damit einen entscheidenden Beitrag zum Zustandekommen jener Verhältnisse geleistet, die in den letzten Jahren innerhalb der Linken beobachtet werden konnten. Die autonomen und antiimperialistischen Schläger, die gelegentlich auf tatsächliche oder vermeintliche Antideutsche losgehen, israelsolidarische Veranstaltungen angreifen (Magdeburg, Hamburg, Berlin), mal einzelne Szeneangehörige, mal ein paar Straßenzüge tyrannisieren, konnten sich lange Zeit darauf verlassen, dass ihre Opfer aufgrund des linken Ehrenkodexes schweigen werden und sich weiter drangsalieren lassen. Anna & Arthur haben insofern ganze Arbeit geleistet. Vor diesem Hintergrund wird es Zeit, dass die beiden linken Identifikationsfiguren (O-Ton Veranstaltungsreihe: „Anna & Arthur stehen für jede_n von uns“), die auf den einschlägigen Bildern bezeichnenderweise stets als Vorschulkinder mit Eimerchen und Schippe dargestellt werden, nicht mehr aufgefordert werden, „ohne Wenn und Aber“ „das Maul“ zu halten. Sie sollten stattdessen endlich auf den Spielplatz gehen.

ag „no tears for krauts“, März 2012

Words don’t come easy

Dieses Flugblatt wurde am 22. Februar bei einer „Phase-2“-Veranstaltung in Berlin verteilt. Die „Phase-2“-Veranstaltung war dem Schwerpunkt des aktuellen Heftes, der Psychoanalyse, gewidmet.

Abschließendes zur Faselei der „Phase 2“.

„Man darf nicht nur keinen Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, ihn zu formulieren – das ist das Motto der ‚Phase 2’.“ Alf, Gesellschaftskritiker und Vordenker der Genderbewegung, Staffel 3, Folge 2 (oder so)

Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Phase 2“ ist ein Artikel erschienen, dessen Autoren sich einen Scherz mit der Redaktion erlaubt haben. Dieser Scherz ist allerdings weit mehr als eine der traditionellen Spaßguerillaaktionen, mit denen junggebliebene Altautonome so gern aufwarten: Die Autoren dichteten der Präpubertierendenserie ALF unter Berufung auf Studien, Aufsätze und Interviews, die nie erschienen sind, ein emanzipatorisches Potential an. Darüber hinaus stellten sie ausgerechnet den behaarten Außerirdischen mit der tiefen Stimme und dem groben Humor als Vorkämpfer der Gender-Bewegung dar. Dümmer geht nimmer.
Das ist jedoch nur der halbe Skandal: Denn auch wenn die Fußnoten des ALF-Textes erstunken und erlogen sind, folgt der Artikel doch einem Muster, das zuvor schon hundertmal in der „Phase 2“ erprobt wurde: Die Argumentation ist hanebüchen. Private Vorlieben – für Comics, Fernsehserien, Regisseure, Nazijagden oder Geländespiele mit der Polizei – werden weltanschaulich aufgepeppt. Statt auf Logik und Vernunft wird auf Angebersprache, die Autorität von Fußnoten, name dropping und den zukünftigen Doktortitel der Autorin gesetzt. Obendrauf kommt schließlich eine Portion Pseudokritik, die Differenzierungsvermögen signalisieren soll, aber letztlich nur den Wunsch verrät, es allen recht zu machen: sowohl der Gender-Beauftragten als auch dem Traditionsantifa, dem PoMo-Aktivisten und dem akademischen Adorniten innerhalb der Leserschaft.

Ein Beispiel von vielen
Bereits das Vokabular des idealtypischen „Phase-2“-Textes („Einschreiben“, „Strukturmechanismen“, „Matrix“, „Topoi“, „Engführung“ usw.) und seine Satzkonstruktionen verraten alles. So erklärt – ein Beispiel von vielen – die „Phase-2“-Redaktion in der Einleitung zum Schwerpunkt des aktuellen Heftes: „Auch wenn die Psychoanalyse vielen als taugliches Analyseinstrument des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft dient, so bietet sie zugleich einigen Übereifrigen die Möglichkeit, mittels psychoanalytischer Begrifflichkeiten, den/die politische(n) Gegner/Gegnerin in unzulässiger Weise zu denunzieren oder pathologisieren. Es ist sicher nicht zuletzt diese Verwendung der Psychoanalyse als rhetorische Waffe, die die Antipathien ihr gegenüber stetig schürt.“ Die Redakteure wollen wohl sagen: „Es gibt seriöse und unseriöse Rückgriffe auf die Freudsche Lehre. Weil die Psychoanalyse missbraucht werden kann, ist sie so unbeliebt.“ Stattdessen schreiben sie, wenn man ihr „Phase-2“-Deutsch in richtiges Deutsch übersetzt – wenn man also das tut, was sie wollen und sie ernst, das heißt: beim Wort nimmt, folgendes:
1. „Dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft gehört ein taugliches Analyseinstrument.“ Das hat zwar keinen Sinn, passiert aber, wenn man z.B. den Akkusativ („Instrument für die Analyse des Verhältnisses“) mit dem Genitiv („Analyseinstrument des Verhältnisses“) verwechselt.
2. „Das Analyseinstrument, das dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft gehört, dient vielen als“ – was auch immer. Hier fehlt ein Teil des Prädikats. So etwas passiert, wenn man nicht nur die Fälle miteinander verwechselt, sondern auch noch die falschen Worte an den richtigen Stellen verwendet, wenn man also „Analyseinstrument des Verhältnisses“ statt „Instrument für die Analyse des Verhältnisses“ schreibt.
3. „Trotzdem bietet die Psychoanalyse einigen Übereifrigen die Möglichkeit, den politischen Gegner mittels psychoanalytischer Begrifflichkeiten in unzulässiger Weise zu denunzieren oder zu pathologisieren.“ Das „Trotzdem“ ergibt zwar ebenfalls keinen Sinn. Aus diesem Grund hat die „Phase-2“-Redaktion vermutlich darauf verzichtet. Wenn man in der vierten Klasse aufgepasst hat, weiß man allerdings, dass ein „trotzdem“, ein „jedoch“ oder ganz allgemein eine Wendung folgen muss, mit der ein Widerspruch kenntlich gemacht wird, wenn ein Satz mit „auch wenn“ begonnen wird. Ein solcher Widerspruch existiert in diesem Satz jedoch nicht. Das „auch wenn“, mit dem der erste Satz beginnt, muss also verschwinden. (Die Frage, was eine zulässige Denunziation und Pathologisierung politischer Gegner ist, entscheidet darüber hinaus die „Phase-2“-Redaktion bei ihrem nächsten Selbstfindungstreffen.)
4. „Die Psychoanalyse wird als rhetorische Waffe verwendet.“ Auch das ist selbstverständlich großer Quatsch. So kann eine Theorie zwar als Waffe dienen; als rhetorische Waffe können hingegen nur Argumentationsstrategien, Stilmittel usw. verwendet werden. Allenfalls wenn Worte, wie es bei der „Phase-2“-Redaktion der Fall zu sein scheint, bereits als Theorie gelten, wird die Aussage richtig.
5. „Die Antipathien gegenüber der Psychoanalyse werden durch die falsche Verwendung der Freudschen Lehre geschürt.“ Das ist zwar ebenfalls purer Unsinn – das Ressentiment gegen die Psychoanalyse basiert nicht auf einem möglicherweise falschen Hantieren mit psychoanalytischen Begriffen, sondern auf dem Hass auf die kritische Selbstbesinnung, für die Freuds Theorie steht. Aber es ist zumindest halbwegs richtig formuliert.

Sprachliche Tarnmanöver
Der Kritischen Theorie diente der sperrige Duktus als Waffe gegen die Phrase, das Banale und den Terror der Kommunikation. Inzwischen wird mit der Kombination aus Angebervokabular, Fremdworten und irrwitzigen Nebensatzkonstruktionen allenfalls verdeckt, dass man nichts zu sagen hat. Mehr noch: Die Schaumschlägersprache, mit der die „Phase 2“ aufwartet, verhindert jede kritische Idee; sie lässt die Arbeit am Gedanken, für die das Formulieren und das Niederschreiben einmal standen, gar nicht erst zu. Die Gesamtausrichtung der „Phase 2“ entwertet die wenigen guten Texte, die dort erschienen sind. Denn wie kann z.B. ein Interview mit Christoph Türcke, das in der aktuellen Ausgabe erschienen ist, ein kritischer Text von Udo Wolter oder ein Interview mit Jan Tomasz Gross noch ernst genommen werden, wenn sie gemeinsam mit Rechenschaftsberichten des „Ums-Ganze“-Bündnisses oder einer „Pink-Rabbit“-Kampagne, den Wichtigtuereien eines Floris Biskamp („promoviert in Gießen zu [sic!] Kritischer Theorie und postkolonialer Dekonstruktion“) oder Artikeln über den „emanzipatorischen Gehalt“ von „South Park“ oder ALF erscheinen, die die Redaktion ebenfalls für veröffentlichungswürdig hält?
Dennoch ist die Kombination aus Wissenschaftsjargon, Dummsprech, Gespreiztheit und Nullsätzen keine Spezialität der „Phase 2“. (Will heißen: Nicht einmal in dieser Sache ist das Blatt besonders originell.) Auch in den diversen zivilgesellschaftlichen Initiativen, akademischen Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs, aus denen die „Phase 2“ nicht umsonst ihre Autoren und Redakteure rekrutiert, im Feuilleton, in den Nachrichtensendungen und Talkshows ist zu beobachten, was von konservativer Seite gern als Sprachverfall beklagt wird. Kurz: In der Faselei der „Phase 2“ spiegelt sich eine objektive gesellschaftliche Entwicklung.

Am Anfang war das Wort
Rede und Handlung waren einmal miteinander verschwistert. Das Wort drängte zur Tat. Ob die Flugschriften der Reformationszeit, die Pamphlete der Frühaufklärer oder die revolutionären Schriften des 19. Jahrhunderts: Sie ergriffen unmittelbar die Massen und wurden wirkungsmächtig. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfasst, konnten Worte eine Revolution auslösen. Die Herrschenden, die es in der Zeit des Feudalismus und in der Übergangszeit zur bürgerlichen Gesellschaft tatsächlich noch gab, hatten darum oft mehr Angst vor den ramponierten Gestalten, die in ihren Kammern aufrührerische Flugblätter schrieben, als vor den Verschwörergruppen, die in alten Kellern Bomben zusammenbastelten. Die Attentate der Anarchisten konnten ein paar unbeliebte Angehörige der königlichen Familie ins Jenseits befördern. Durch die aufrührerischen Schriften konnte hingegen die Macht selbst infrage gestellt werden. Der Text der Marseilleise, das „Manifest der kommunistischen Partei“ oder Blanquis „Instruktionen für den Aufstand“ hatten ein größeres Echo als etwa die Ermordung der Operettenkaiserin Sissi durch den Anarchisten Luigi Lucheni 1898 in Genf. Den Königen, Fürsten und Kaisern war die Gefahr, die von den Flugblättern, Zeitschriften, Liedern und Artikeln ausging, durchaus bewusst. So war die Geheimpolizei zwar weder im zaristischen Russland und in Preußen noch in Frankreich oder im Habsburger-Reich der Metternich-Ära unterbesetzt. Weit mehr Geld als für Spitzel, Agenten, Horch & Guck wurde allerdings für die gigantischen Zensurbehörden ausgegeben. Deren Mitarbeiter hatten nichts anderes zu tun, als jedes einzelne für die Veröffentlichung bestimmte Wort auf seine Fähigkeit hin zu überprüfen, die Herrschaft in Gefahr zu bringen.
Diese Zeit ist lange vorbei. Bereits die Zensur in den Staaten des Ostblocks war ein Anachronismus. Die einzigen, die Figuren wie Wolf Biermann, Stephan Krawczyk et al. ernst nahmen, waren die Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes. Nach ihrer Ausreise in den Westen mussten die Dichter feststellen, dass sie mit der Stasi auch ihr Publikum verloren hatten. Krawczyk und Co. hatten aus dem Grad der Repression irrtümlich auf ihr politisches und – oft noch schlimmer – künstlerisches Gewicht geschlossen. Ihren Platten, Reimen und Kalendersprüchen erging es ähnlich wie den Schriften von Marx, Engels, Lenin, Blanqui, Durruti oder Mühsam: Zwar hatte niemand etwas gegen ihre Veröffentlichung einzuwenden. Aber entweder wollte sie niemand kaufen, oder ihre Botschaften blieben wirkungslos. Im Unterschied zur ausgehenden Feudalzeit kann inzwischen, zumindest im Westen, alles gesagt und gedruckt werden, ohne dass sich auch nur das Geringste ändert. Selbst die wenigen Texte, die doch der Zensur anheim fallen, landen weniger aufgrund der Angst auf dem Index, dass sie die Menschen ergreifen. (Abgesehen davon spricht es in einigen Fällen fast für die berühmten Massen, wenn sie sich von bestimmten Schriften nicht mitreißen lassen.) Sondern sie werden vor allem um des Schikanierens willen verboten. Die Sprache hat ihren eingreifenden Charakter verloren. Diese Entwicklung hat einen Grund, dem weder bessere Lehrpläne noch ein Lektoratswechsel bei der „Phase 2“, so sehr er auch zu begrüßen wäre, etwas anhaben können: „Allzuleicht vergessen wir,“ so schrieb ein kluger Mann schon in den fünfziger Jahren, „dass die Sprache deshalb tot ist, weil der Einzelne, der zum anderen spricht, als Einzelner, sagen wir als denkendes Subjekt, nichts mehr zu sagen hat – in dem Sinn, wie es heißt: ‚Der hat nichts zu sagen’, das heißt, der ist ohnmächtig, er kann nichts vollbringen, auf sein Wort hin geschieht nichts. Er hat nichts zu sagen, heißt, es hat keine Konsequenzen, es bedeutet nichts, es tut nichts, es macht nichts. Wenn heute zwei miteinander reden, so mag ihre Rede ein Vermittlungsglied in einer vorherbestimmten, festen Kette von Machtauswirkungen sein, wie etwa die Rede der Marionetten aus dem Osten in den Versammlungen der Vereinten Nationen, aber das Gespräch zwischen zwei Bürgern erzeugt keine Kette von Ursachen und Wirkungen in der Welt.“ Soll heißen: Die Rückbildung der Artikulationsfähigkeit, die Katastrophen, die der Pisa-Test immer wieder zutage fördert, und die Zumutungen, die regelmäßig in der „Phase 2“ zu lesen sind, haben ihre Ursache in der realen politischen Ohnmacht der Einzelnen. Selbst die Damen und Herren auf den roten Teppichen sind allenfalls Verwaltungsbeamte der großen „Staat, Kapital und Co. KG“.

Ey, Alter!
Diese Ohnmacht wirkt auf die Sprache zurück. Wenn sich die Konsequenzen, die das Sprechen nach sich zieht, allein auf die Alternativen Opel oder Ford, Reihenhaus oder Mietwohnung, Fernsehen oder Ficken beschränken: Welcher Grund besteht dann, z.B. den kategorischen Imperativ in Worten wiedergeben zu können, die Kant nicht in einen Ohnmachtsanfall getrieben hätten?
So wird Sprache zum Jargon; sie dient nur noch als Zugehörigkeitsnachweis. Was dem Kevin aus Marzahn sein „Ey, Alter“, ist dem Torben aus Friedrichshain seine „heteronormative Matrix“. Die Malocher erkennen sich durch den extensiven Rückgriff auf jene tausend Worte, die auch clevere Affen angeblich in Gebärdensprache erlernen können; die Schreiber der „Phase 2“ versichern sich durch die Verwendung der einschlägigen Code- und Reizworte, dass sie gerade nicht zu den Working-Class-Heroes, sondern zur Bildungselite gehören. In ihren Selbstbeschreibungen, die am Ende jedes „Phase-2“-Artikels stehen, verweisen sie nicht umsonst geradezu zwanghaft auf ihren zukünftigen Doktortitel, der seine Besonderheit indes längst verloren hat: Die Promotion ist das neue Abitur. Diese Doktorandeninflation verweist bereits darauf, dass die Jung-Dynamisch-Erfolglosen die – Achtung, ein Bourdieu! – habituelle Selbstvergewisserung bitter nötig haben. Denn weder kennen die Freunde der „Matrix“, der „Topoi“, der „Engführung“ und der vertrackt-falschen Nebensätze die einfachsten politischen oder historischen Zusammenhänge. Noch spiegeln sich die zwölf bis dreizehn Schuljahre, die sieben Jahre an der Uni und die dutzenden Praktika bei den Institutionen mit den großen Namen in irgendeiner Weise im Lebensstandard oder in der gesellschaftlichen Anerkennung wieder. Die gern belächelten Mitschülerinnen und Mitschüler von einst, die sich nach der zehnten Klasse für eine Lehre als Metzger, Bankangestellter oder Einzelhandelskauffrau entschieden haben, verdienen nicht nur mehr Geld: Sie müssen nicht mit Ende Zwanzig noch regelmäßig zu Mutti fahren, um sich den Rucksack mit Brot, Butter und Käse vollstopfen zu lassen. Sondern sie haben zugleich bessere Zukunftsperspektiven und sind nicht dazu gezwungen, sich bis zur Rente von einer prekären „Baustelle“ zur nächsten zu hangeln.

„Phase 2“ – mittendrin statt nur dabei
In ihren besten Momenten, von denen es allerdings nicht viele gab, reflektierte die Linke einmal auf solche Voraussetzungen des eigenen Handelns. Sie bemühte sich darum, die gesellschaftlichen Entwicklungen, Trends und Modewellen in emanzipatorischer Absicht zu denunzieren. Inzwischen ist sie – das zeigt nicht zuletzt die Bereitschaft der „Phase 2“, einen solchen Unsinn wie den ALF-Text abzudrucken – ganz vorn dabei, wenn es gilt, die Herausbildung des universellen Verblödungszusammenhanges weiter zu befördern.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Vielleicht ist jedoch alles auch ganz anders. Denn möglicherweise verbirgt sich hinter der Herausgabe der „Phase 2“ auch ein großer Masterplan, von dem bisher nur niemand etwas erfahren hat. Vielleicht bekennt sich die Redaktion also demnächst dazu, dass nicht nur der ALF-Text ein subversiver Anschlag auf die Dummheit, den Konformismus und die Autoritätshörigkeit der Linken war, sondern sämtliche Artikel, die es in den letzten elf Jahren in das Blatt geschafft haben. Durch ein solches Geständnis könnte sie ihr Publikum, das den Quark der „Phase 2“ Quartal für Quartal abgenickt hat, vor sich selbst erschrecken lassen. Dieses Erschrecken könnte heilsame Folgen haben – was nicht das Schlechteste wäre. Die heutige Veranstaltung wäre der richtige Anlass für ein solches Geständnis. Immerhin besteht die Psychoanalyse, um die es heute gehen soll, in genau jener kritischen Selbstbesinnung, die der Linken gut tun würde.

Wir drücken die Daumen!

ag „no tears for krauts“,
02/2012

Bonjour Tristesse Nr. 13 [Frühjahr 2012]

Schwerpunktthema »Linke Medien«: Sonderbeilage zur Leipziger Buchmesse.

Diese Ausgabe kann an den bekannten Auslageorten bezogen werden und ist auf bonjour-tristesse.tk auch als PDF erhältlich.

Wasser marsch!

»Durst auf Heimat – Konfliktlinien in Israel und Palästina« war die Veranstaltung betitelt, welche der Friedenskreis Halle e.V. in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt am 15. Dezember 2011 in den Räumlichkeiten der Goldenen Rose ausrichtete. Das im folgenden dokumentierte Flugblatt wurde an die Veranstaltungsteilnehmer verteilt:

Flugblatt: Wasser marsch!

10 Years After. 9/11 und die Folgen. Antifaschistische Hochschultage 2011.

Das Ende Israels? Israel und die palästinensische Staatsgründung.
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat
Donnerstag, 13. Oktober, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Von New York bis Kairo. Amerika und seine Feinde.
Vorträge und Diskussion mit Bernd Volkert und Justus Wertmüller

Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Nothing Left to Lose. Die Linke nach 9/11.
Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Jan-Georg Gerber
Donnerstag, 10. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Koran und Kapital. Zum Stand der Islamkritik.
Podiumsdiskussion mit Thomas Maul, Niklaas Machunsky und einem Vertreter der Gruppe Morgenthau

Freitag, 18. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

 

Als am 11. September 2001 zwei von Islamisten gesteuerte Passagierflugzeuge die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, hieß es in Politiker- und Fernsehkommentaren, dass von nun an nichts mehr so sei wie bisher. Die Bundesregierung stellte für den Krieg in Afghanistan einige Einheiten zur Verfügung; ein Teil der Linken ergriff auf Demonstrationen mit Amerika- und Israelflaggen Partei für den »War on Terror«; und es schien sich ein Problembewusstsein gegenüber dem Islam zu entwickeln. Bereits ein Jahr später rettete ein amerikafeindlicher Wahlkampf die Sozialdemokraten vor der Niederlage bei der Bundestagswahl, und 2003 demonstrierten die zahlreichen Friedensfreunde – von der PDS bis zu den Grünen und der SPD – gemeinsam mit Neonazis gegen den Irak-Krieg. Zehn Jahre nach den Anschlägen will von einer Solidarität mit den USA niemand mehr etwas wissen.
Als Ossama bin Laden Anfang Mai 2011 von amerikanischen Eliteeinheiten aufgespürt wurde, hielt die Aufmerksamkeit gerade bis zur nächsten Unwetterwarnung. Für Israel und Amerika scheinen sich jedoch die schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu haben. Vor diesem Hintergrund soll sich im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage mit den Folgen des 11. Septembers und seiner Bedeutung für die Gesellschaftskritik auseinandergesetzt werden.

Den restlichen Eintrag lesen »

Der große Hedonismus-Schwindel. Über die Rebellion der Angepassten.

Mittwoch, 31. August 2011, 19:00 Uhr
Radio Corax, Unterberg 11, Halle (Saale)  

»Ich will Spaß, ich will Spaß«, sang der »Neue-Deutsche-Welle«-Star Markus Anfang der achtziger Jahre. Dreißig Jahre später ist diese Formel – »Ich will Spaß, ich will Spaß, ich geb’ Gas, ich geb’ Gas!« – erneut zur Parole einer Generation geworden. Der VW-Golf-Proll aus dem Saalekreis, die Friseur-Azubine aus Delitzsch, der Kulturarbeiter mit Antifa-Vergangenheit und die SozPäd-Studentin mit Eso-Fimmel: sie alle zieht es Wochen…ende für Wochenende zu den einschlägigen Clubs, Diskotheken und unangemeldeten Freiluftpartys, wo sie sich nicht mehr zu stumpfer Gitarrenmusik, sondern zu monotonem Elektrobeat bewegen. Der hippe Mittelstandsnachwuchs legt gegenüber dem Prekariat zwar ein großes Abgrenzungsbedürfnis an den Tag: Im Unterschied zu den Mandys, Kevins und Jacquelines, die bis zum großen Unglück von 2010 zur Loveparade fuhren, bevorzugen die Sandros und Janinas das »Fusion-Festival«, das »Nation of Gondwana« im märkischen Sand oder, für die ganz Hippen, die illegalen Zusammenkünfte an Seeufern und Waldlichtungen. Wenn sie eine Politvergangenheit haben, Soziologie oder Gender-Studies studieren, versuchen sie darüber hinaus, ihrem Wochenendspaß einen subversiven Gehalt überzuhelfen: Weil sie nicht mehr in Sackleinen und schwarzen Kapuzenpullovern herumlaufen, sprechen sie von Individualismus; weil sie sich gelegentlich mit Koks statt mit Korn betäuben, rhabarbern sie von Hedonismus. Spätestens wenn ihre illegalen Partys, wie jüngst in Leipzig und Halle, von der Polizei gesprengt werden und sie daraufhin mit konstruktiven Vorschlägen an die einschlägigen Stadtverwaltungen herantreten, wird jedoch deutlich, was bereits durch ihre musikalischen Vorlieben angedeutet wird: Von der Autotuning-Fraktion unterscheidet sie nichts außer ihrem Standesdünkel. Die Spontaneität, von der sie sprechen, ist geplant; die unkommerziellen Partys (bei denen, nebenbei, mehr Geld abfällt, als sie zugeben würden) sind die Testballons für den Einstieg ihrer Organisatoren ins professionelle Veranstaltungsmanagement; und ihr Hedonismus ist die Verlängerung des Leistungsprinzips in die Freizeit: Wer nicht lange genug durchhält, ist »out«. Wenn sie vor diesem Hintergrund, wie gerade in Halle und Leipzig, gegen die Prinzipientreue der einschlägigen Ordnungsämter protestieren, dann ist also nichts anderes zu erwarten als eine Rebellion der Angepassten.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura und der AG »No Tears for Krauts« Halle.

Veranstaltungsmitschnitt von Magnus Klaue: Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie

Der von Magnus Klaue im Rahmen der Veranstaltungsreihe Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus.’ (Antifaschistische Hochschultage 2011 an der Uni Halle) gehaltene Vortrag ‘Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie’ steht nun zum nachhören zur Verfügung. Dazu kann die Aufzeichnung über den Link bezogen, oder direkt im Player abgespielt werden nachdem die Datei vollständig gepuffert wurde.

MagnusKlaue: Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie mp3 (52min|128kBs|50MB)

weitere Vorträge sind in unserem Audio-Archiv nachhörbar.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam.

Vortrag und Diskussion mit Thomas Maul

Mittwoch, 15. Juni 2011, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuvörderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet.
In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum.

Thomas Maul ist Autor der Bücher »Die Macht der Mullahs. Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger« (2006) und »Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus« (2010).

Eine Veranstaltung der ag antifa im Stura der Uni Halle.

Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus.

In der Veranstaltungsreihe ‘Hab mich gerne, Postmoderne.’ Antifaschistische Hochschultage 2011 an der Uni Halle:

Michel Foucault: Das Rätsel der Macht.

Vortrag und Diskussion mit Manfred Dahlmann.
Mittwoch, 4. Mai 2011, 19 Uhr
Universitätsplatz, Melanchthonianum Halle (Saale)

Foucaults originäre Leistung besteht darin, den im Selbsthass auf die
Voraussetzungen ihrer eigenen Existenz befindlichen westlichen
Intellektuellen, die spätestens seit Mitte der 1970er Jahre jeden
Wirklichkeitsbezug verloren hatten, sein äußerst traditionelles
Wissenschaftsverständnis verkauft zu haben, als könnten seine
„nomadischen Untersuchungen“ Wirklichkeit erfassen, ohne ihnen einen
universalistischen Wahrheitsanspruch zugrundelegen zu müssen. Darauf
hatte die Linke (und mit ihnen alle Geistes-, Kultur- und
Sozialwissenschaftler) lange gewartet: sich kritisch geben zu können,
ohne sich der äußerst mühsamen Anstrengung einer Arbeit am Begriff
unterziehen zu müssen.
Im Rätsel der Macht: überall zu sein, ohne eine substantielle,
allgemeine Wirklichkeit „an und für sich“ zu haben, und doch – wenn
auch ›nur‹ lokal – allüberall zu erscheinen, reproduziert Foucault in
krud-banaler Weise die gängigen, von der Aufklärung und der Kritischen
Theorie längst enttarnten Mysterien bürgerlichen Selbstverständnisses
und ›modernisiert‹ dabei nichts Anderes als die Nazi-Philosophie des
Ziehvaters auch aller ihm nachfolgenden Postmodernen: die von Martin
Heidegger.

Manfred Dahlmann ist assoziiert in der Initiative Sozialistisches
Forum Freiburg. Er ist Mitherausgeber der Bücher „Geduld und Ironie.
Johannes Agnoli zum 70. Geburtstag“ (Freiburg 1995) und „Kritik der
Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag“ (Freiburg 2000).

 

Die Antiquiertheit des Sexus. Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie.

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue.
Mittwoch, 18. Mai 2011, 19 Uhr
Melanchthonianum Universitätsplatz Halle (Saale)

Zur neuesten Tendenz postmoderner Genderpolitik gehört der Versuch, die geschlechtertheoretischen Prämissen der Arbeiten von Judith Butler et al. in einer Weise praktisch werden zu lassen, die die altlinke Formel vom Privaten, das politisch sei, in denkbar bedrohlichster Weise zu verwirklichen verspricht. Beatriz Preciados „Kontrasexuelles Manifest“, das den Hass auf Sexus und Trieb selbstbewusst im Titel führt, sowie die „gendertechnologischen“ Schriften Donna Haraways sind die Referenztexte einer gender- und queerlinken Bewegung, die jeden Einzelnen auffordert, die Abschaffung des Leibes zugunsten des „Körpers“ und den Rückbau des Ich zum bewusstlosen Knotenpunkt blinder „Konstitutionsprozesse“ mit Haut und Haaren an sich selbst zu exekutieren. Der anti-humanistische „neue Mensch“, der dabei entstehen soll und wahlweise als „Mensch-Maschine“ oder „Cyborg“ figuriert, hat kein Unbewusstes und kein Triebschicksal, keine Geschichte und kein Begehren mehr. Seine Symbolwelt steht Preciado gemäß nicht mehr im Banne des „Phallus“, sondern des „Dildos“, des puren Konstrukts, das die reale Erfahrung der Verschränkung von Sexualität und Herrschaft liquidiert, indem es Intersubjektivität und Herrschaft konvergieren lässt. In seiner Welt gibt es weder Intimität noch individuelle Liebe, die Impulse der kindlichen Sexualität sind ebenso getilgt wie die Erfahrung der Sterblichkeit des menschlichen Körpers. Sexualität, von jedem Einzelnen als angstbesetzt und rätselhaft empfunden, soll kommensurabel gemacht werden, indem sie zum puren Vollzug eines allgemeinen Gesetzes erniedrigt wird: lästig, aber nötig, frei von jedem Glücksversprechen und damit auch von
der Angst vor Enttäuschung. In Anschluss an Günther Anders’ Theorem von der „Antiquiertheit des Menschen“ möchte der Vortrag zeigen, dass die Postmoderne damit endgültig zur praktischen Ethik individueller Selbstauslöschung wird, wie Anders sie in Heideggers Technikbegriff, den der deutsche Faschismus zu verwirklichen suchte, angelegt sah.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt unter anderem für „Bahamas“ und „Jungle World“.

Der Diskurs zum Tode.
Poststrukturalismus als deutsche Ideologie.

Vortrag und Diskussion mit Martin Dornis.
Mittwoch, 20. April 2011, 19 Uhr
Melanchthonianum Universitätsplatz Halle (Saale)

Dass Geschlecht, Rasse und Nation Konstrukte sind, die durch nationalistische, sexistische, rassistische oder antisemitische Diskurse erzeugt werden und denen durch die Methode der Dekonstruktion entgegengearbeitet werden könne und müsse, ist in der heutigen radikalen Linken ideeller Gemeinplatz. Poststrukturalistische Autoren wie Judith Butler und Michel Foucault, aber auch Gilles Deleuze und Jacque Derrida sind en vogue.Vielfach werden sie mit Marx und Ansätzen der kritischen Theorie Horkheimers und Adornos gemixt, hätten sie alle doch angeblich ein gemeinsames Bestreben, nämlich dem Besonderen und Unterdrückten eine Stimme zu verleihen und es zu befreien. Der Vortrag will Herkunft und Wirkung des postmodernen und poststrukturalistischen Denkens darlegen und es der Kritik unterziehen. Anhand ausgewählter linksradikaler Publikationen werden die teilweise verheerenden Folgen dieser Art von Theorie für linksradikales Denken und ihre gegensätzliche Stellung zu einer materialistischen Gesellschaftskritik aufgezeigt.

Martin Dornis ist freier Autor/Referent und wohnt in Leipzig. Er versteht sich als materialistischer Gesellschaftskritiker.

„Halle/Saale Hauptbahnhof, Endstation.“ Den Naziaufmarsch am 01. Mai 2011 stoppen!

Aufruf des Zusammenschlusses antifaschistischer Gruppen in Halle

Der 01. Mai – hierzulande seit 1933 der Tag der deutschen Arbeit – steht wieder bevor. Die ostdeutsche Naziszene hat sich für den von ihnen nun ausgerufenen Kampftag gegen EU-“Erweiterungsorgie“ und „Fremdarbeiterinvasion“ ausgerechnet Halle ausgesucht. Dort wollen sie dem nicht mal ernsthaft geplanten EU-Beitritt der Türkei entgegentreten, dem „Baustein der Raubtierkapitalisten in ihrem nächsten Globalisierungsvorhaben“. Nach ihrem Scheitern bei den Wahlen wollen die Nazis auf den hallischen Straßen verhindern, dass – man höre und staune – „weitere Millionen von Fremden in unser Land hereingelassen“ werden.

Den „Volkszorn auf die Straße tragen“ wollen am 01. Mai 2011 vor allem die sogenannten Freien Kräfte, Neonazis ausserhalb der Strukturen der NPD/JN, von denen sich viele zum Spektrum der aktionsorientierten „Autonomen Nationalisten“ zählen. Sie mobilisieren überregional, nicht nur auf dem flachen Land in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, sondern auch in der „ehemaligen Reichshauptstadt“. Die Organisatoren der Demonstration um Enrico Marx und Maik Müller kooperierten in der Vergangenheit teilweise mit NPD/JN-Strukturen, auch eine Beteiligung von deren Aktivisten ist also zu erwarten. Da in Halle der einzige und zentrale Aufmarsch der ostdeutschen Naziszene stattfinden wird, ist demnach mit einer größeren Ansammlung dieser Berufsdeutschen am Hauptbahnhof Halle/Saale zu rechnen.

Der sollte für die angereisten Nazis im wahrsten Sinne des Wortes zur Endstation werden. Denn es gilt, sich den gewalttätigen Rassisten und Antisemiten am 1. Mai in den Weg zu stellen und ihren Aufmarsch zum Desaster zu machen. Nicht, weil die Stadt so zeigen kann, dass sie bunt statt braun sei, oder weil Nazis in „unserer Stadt“ oder gar „unserem Land“ nichts zu suchen hätten. Ebensowenig um zu verhindern, dass der „Tag der Arbeit“ besudelt wird.

Denn die Nazis gehören zu Deutschland und zum „Tag der Arbeit“, wie die Schmeißfliege zum Scheißhaufen, und es sollte unmöglich sein, Nazis zu bekämpfen, ohne sich Gedanken über die deutschen Zustände zu machen. Es ist schlichtweg die Tatsache, dass noch der dümmste Nazi eine unmittelbare Gefahr für jeden ist, der nicht in sein ausgeprägtes Feindbild passt, die es notwendig macht, ihm den öffentlichen Raum zu nehmen, ihm offensiv entgegenzutreten.

Bereits im Juni 2009, als die Nazis in der hallischen Südstadt schon einmal nach 1000 Metern entnervt umdrehen mussten, hatten wir zuvor festgestellt: Man muss den Nazis ihre Auftritte versauen, um sich danach wieder ungestört der Kritik der Verhältnisse widmen oder einfach nur in Ruhe in die Kneipe gehen zu können. Daran hat sich nichts geändert, weshalb es am 01. Mai 2011 heißen muss: Halle/Saale Hauptbahnhof, Endstation! Eine gute Heimreise wünschen kann schließlich nicht nur die NPD.

Antifaschistische Gruppen Halle (04/2011)

weitere Informationen:
www.nonazisinhalle.tk

www.twitter.com/nonazisinhalle

Gegen den linken Konsens: Dokumentation der Beiträge zur Veranstaltung am 21. Januar 2011 in Leipzig

Gewaltphantasien gegen Affektiertheit (Redaktion Bahamas)
Spalten statt Versöhnen (AG No Tears For Krauts – Halle)
Der Stachel der Kritik (Martin Dornis)
Über die Voraussetzungen der Israelsolidarität (Sören Pünjer)
Wir Terroristen des Wortes (Justus Wertmüller)

WEBSITE RELAUNCH

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AG No Tears For Krauts – Halle, im Januar 2011

Gegen den linken Konsens. Eine Veranstaltung in und gegen Leipzig

Es sprechen:

Justus Wertmüller über das Verhältnis von Polemik und Kritik, Beleidigung und Beleidigtsein.

Martin Dornis: Der Stachel der Kritik – Über interessierte Missverständnisse.

Sören Pünjer über die Scheu vor den Konsequenzen – Israelsolidarität als Instrument linker Modernisierung.


Freitag, 21. Januar 2011. 19 Uhr.

Alte Schlosserei
Kurt-Eisner-Straße 66, Leipzig

Eine Veranstaltung der AG „No Tears for Krauts“ Halle und der Redaktion Bahamas.


Die linke, manchmal sogar als antideutsch apostrophierte Szene Leipzigs hat ein Problem: Alle, die sich ihr zugehörig fühlen, sind von einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie erfüllt, alle suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner und sind wild entschlossen, einander zu respektieren. Das funktionierte bis zum Oktober 2010 scheinbar recht gut, seither ist das „Modell“ Leipzig nicht nur öffentlich blamiert, sondern auch für immer erledigt. Denn wo man sich Harmonie verordnet, obwohl einen außer Szene-Partys, einem Szene-Jugendzentrum und vor den Toren der Stadt sich weiterhin tummelnde Nazis nichts verbindet, muss irgendwann dem Kuschelkonsens ein Opfer dargebracht werden. Verordnete Harmonie braucht Abgrenzung und Ausschluss gerade dann, wenn der gegenseitige Respekt den letzten Rest inhaltlicher Verbindlichkeit aufgefressen hat. Respekt und friedliche Koexistenz sind nicht dem Inhalt sondern dem Ton verpflichtet. Entsprechend erfolgte der Beschluss des Conne-Island-Plenums, für eine Veranstaltung mit dem Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller den Versammlungsraum nicht zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung, dieser bediene sich einer rüden Sprache, beleidige seine Gegner und ziele seinerseits nicht auf Diskussion sondern auf den Ausschluss Andersdenkender. Wer stets auf Kritik mit Gekränktsein reagiert und das auf eine angeblich gefallene Beleidigung zurückführen will, bekundet nur, dass er es nicht aushalten kann, wenn unangenehme Wahrheiten fallen. Die Gekränkten sind es dann ihrerseits, die wie auf den Plenen des Conne Islands dutzendfach geschehen, über den gemeinsamen Feind mit stereotypen Verbalinjurien wie „Rassist“, „Sexist“ und „Verharmloser von Vergewaltigungen“ herfallen.

In Leipzig hat sich so nur mit Verspätung vollzogen, was etwa in Hamburg immer schon Konsens war. Man weiß, dass trotz größtmöglicher Toleranz nach innen die Felle wegschwimmen. Immer weniger Leute sind überhaupt noch politisch oder theoretisch – geschweige denn kritisch – aktiv, immer mehr ziehen sich zurück, sind nur noch auf Konzerten und Partys anzutreffen und fahren zum Diskutieren nach Halle, dem einzigen Forum für Kritik in der gesamten Zone. Zugleich wächst bei denen, die weitermachen wollen, als wäre nichts geschehen, der Druck, angesichts des absehbaren Endes einer früher so hochgejubelten, angeblich theoretisch versierten, israelsolidarischen und dabei noch großen Subkultur, sich als Leipziger Linke neu zu erfinden. Alles soll diskutierbar sein, solange es dem Projekt radikale oder „emanzipatorische“ Linke verpflichtet und der damit verbundene gute Ton der Solidarität und des Rühr-mich-nicht-an gewahrt bleibt. Weil man nicht weiß, was eine emanzipatorische Linke eigentlich sein soll und manchmal sogar darüber erschrickt, wie schnell man in einem Soli-Boot mit der Roten Antifa Duisburg sitzt, die durch einen tätlichen Angriff in Bonn schon einmal gezeigt hat, wie mit dem Provokateur Wertmüller umzugehen sei, ist das linke Leipzig schon jetzt so ewig jung wie die vergreisten Genossen in Hamburg. Die haben schon vor sieben Jahren erkannt, dass alles Böse aus den Berliner Redaktionsstuben der Zeitschrift Bahamas – also von außen – kommt, die sich sogar erdreistet hat, eine Demonstration gegen den linken Antisemitismus in der Hansestadt zu veranstalten. Gegen solche Penetrationsversuche, das ist jetzt auch in Leipzig Konsens, muss man zusammenstehen wie ein Mann. Unter diesen Vorzeichen geht von Leipzigs linker Szene mittlerweile eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für Kritik aus, die aus der Geschichte der Linken bekannt sein könnte. Wo die Generallinie durchgesetzt wurde, da wurde der Kritiker als Abweichler und Polemiker gebrandmarkt, weil er den Ruf der Partei geschädigt hätte – jener Partei, die in Leipzig nun ganz fortschrittlich nicht den Artikel der Groß- sondern der Kleinschreibung trägt: nicht Die, sondern die Linke.

Wir wollen der Leipziger Szene keinen Ausweg zeigen und schon gar kein Angebot unterbreiten. Die Veranstaltung „Gegen den linken Konsens“ richtet sich an jene, die genug von den faulen Kompromissen und dem haltlosen Gestammel auf irgendwelchen Plenen haben, die respektlos und harmonieresistent sind und als Kritiker noch etwas vorhaben. Die hohe Zahl von Besuchern aus Leipzig bei den Veranstaltungen in Halle und die stetig wachsende Leserschaft der Bahamas in der Stadt stimmt uns so optimistisch, dass wir unseren Freunden und Genossen in Leipzig einen Vorschlag machen wollen: Nehmt die Streitereien über einen im Grunde öden Vorfall aus der linken Provinz als Herausforderung an, dem linken Leipzig in allen seinen Erscheinungsformen – von der Linkspartei bis zum Conne-Island-Plenum, vom Antifa-Frauenblock bis zur Phase 2 – eine Abfuhr zu erteilen. Es ist möglich, einen kritischen Kern in und gegen die Heimatstadt und ihren Szenesumpf zu bilden.

Rettet das Conne Island!
Offener Brief an das Conne Island-Plenum anlässlich des verhängten Auftrittverbotes für den Redakteur der Zeitschrift Bahamas, Justus Wertmüller, durch das Conne Island-Plenum.

Von Blockwärtinnen und Platzkühen
Erklärung von Justus Wertmüller auf der Veranstaltung „Der Sarrazin-Komplex“ am 27.Oktober 2010 in Halle