Trau keinem unter Dreißig. Zum zwanzigsten Geburtstag der Reilstraße 78


Es mag einmal eine Zeit gegeben haben, in der die linke Empörung über Spießbürger berechtigt war. Als die Chancen auf eine wirkliche Veränderung der Gesellschaft gut standen und die alte Ordnung durch klare Regeln, Rückwärtsgewandtheit und Behäbigkeit gekennzeichnet war, war es möglicherweise nicht ganz falsch, sich über deren Repräsentanten lustig zu machen. Bereits die Tatsache, dass die Nazis der Zwanziger und Dreißiger regelmäßig auch gegen „Spießbürger“ und vermeintliche „Reaktionäre“ hetzten, hätte jedoch stutzig machen können. Sie verstanden ihren Verein als jugendliche Aufbruchsbewegung gegen das Alte und Verknöcherte. „Und mögen die Spießer auch schelten / so lass sie nur toben und schrei’n / und stemmen sich gegen uns Welten / wir werden doch Sieger sein,“ heißt es im Lied der Deutschen Arbeitsfront. Mit dem „Spießer“, dem „Reaktionär“ und dem traditionellen Konservativen – auch er ein Feindbild der Nazis – sollte all das verschwinden, das es sich für eine bessere Welt gelohnt hätte zu konservieren: Berechenbarkeit, eine gewisse Selbstbezüglichkeit, die Weigerung, sich dem Zeitgeist unterzuordnen, oder die Wertschätzung des Privaten.
Dass die Linke im Stile der Nazis nach 1945 weiter gegen Spießer agitierte, hatte mehrere Gründe. Zum einen wurden die Leichen, die die Deutschen im Keller hatten, zunächst tatsächlich unter den spießbürgerlichen Geranien, dem röhrenden Hirsch oder dem Spitzendeckchen auf der Couchgarnitur versteckt. Zum anderen hatten viele derer, die sich nach dem Krieg innerhalb der Linken engagierten, ihren Sozialismus oder Kommunismus mental oder real im Schützengraben gelernt. Soll heißen: Ihre Vorstellungen waren nationalsozialistisch geprägt. Das zeigte sich nicht nur daran, dass sich linke Gruppen, wie der Historiker Dan Diner einmal erklärte, mit ihrem Kampf gegen die USA und Israel aufführten, als wären sie „die letzten versprengten Einheiten der Aktion Werwolf“: Sie konzentrierten sich vor allem auf die Führungsmacht der westlichen Alliierten des Zweiten Weltkrieges und den Staat der Überlebenden des Holocaust. Es zeigte sich auch in der linken Agitation gegen Spekulanten, die in der Tradition der nationalsozialistischen Unterteilung in gutes „schaffendes“ und böses „raffendes“ Kapital stand, und der Begeisterung für autochthone Völker, die „um Befreiung kämpfen“. Das Individuum hatte sich diesen Kollektiven unterzuordnen. Auch ästhetisch gab es klare Kontinuitäten: So sahen und sehen viele linke Selbstinszenierungen aus, als wären sie von Leni Riefenstahl oder Albert Speer persönlich choreografiert worden: schwarze Uniformierung, martialische Pose und Flammen in der Nacht.
Hatte die Polemik gegen den Spießer aufgrund der Tatsachen, dass sich zahlreiche frühere Nazis nach 1945 hinter der Spießbürgerlichkeit versteckten und die Wirtschaftswunderzeit stets auch an Friedhofsruhe erinnerte, trotzdem noch eine gewisse Berechtigung, ist diese Zeit inzwischen lange vorbei. „Die Agitation gegen ‚Spießer‘, ‚geplante Biographien‘ und lebenslange Ehe hat in der Zeit von ‚Flexibilität‘, ‚Nonkonformismus‘, ‚Lebensabschnittsgefährten‘ und ‚gebrochenen Lebensläufen‘ (Trittin, Fischer usw.) mehr staatstragenden denn provokativen Charakter“, hieß es bereits vor mehr als fünfzehn Jahren vollkommen zu Recht in der „Bahamas“. Der Spießer ist längst zum Feindbild der CDU, SPD, FDP und der Grünen geworden. Seine Abneigung gegen Veränderungen, seine Kritik der permanenten Revolution, die die Arbeitswelt und die Kommunikation prägen, und seine geringe Mobilität stehen den Erfordernissen und Wünschen des Kapitals deutlicher entgegen als die Bewegungslinke, die sich in ihren „Hausprojekten“, Politgruppen und Plenen all die Skills aneignet, die sie später in den Werbeagenturen des postmodernen digitalen und kommunikativen Kapitalismus braucht. Der traditionelle Spießer ist, wenn es ihn denn überhaupt noch irgendwo gibt, zu einem Hemmschuh bei der Auflösung des Unterschieds zwischen Arbeits- und Privatsphäre, der Entgrenzung von Arbeitszeiten, der stetigen Umwälzung der Produktion, der regelmäßigen „Neuerfindung“ der eigenen Biografie usw. geworden, die seit einigen Jahren auf der Tagesordnung stehen.
Die linke Agitation gegen ihn ist darum inzwischen eine Mischung aus Anachronismus und Konformismus. Wohl auch deshalb findet sie sich in dem Text, den die Reilstraße 78 aus Anlass ihres zwanzigsten Geburtstags und ihrer Feierdemo zusammengeschmiert hat. Er liest sich nicht, als wäre er nicht zwanzig Jahre nach, sondern dreißig Jahre vor der Besetzung des ehemaligen Kinderheimes am hallischen Zoo geschrieben worden – in einer Zeit also, in der die linke Bastelbogenwelt noch in Ordnung war. So erweckt das Pamphlet den Anschein, als hätten seine „Autor*innen“ noch nie etwas von „verkürzter Kapitalismuskritik“ (so ungenau der Begriff auch sein mag) oder der Nähe personalisierender Welterklärungen zum Weltbild des Antisemitismus gehört: böse Kapitalisten kämpfen gegen gute Hausbesetzer-Linke-Antifaschisten. Da ist nicht nur von Spießern die Rede, die sich in Ämtern hinter Paragraphen verstecken würden – so als wäre die Orientierung an Gesetzen angesichts des Trends zu Maßnahmen, Verordnungen und Willkür bei allem Wissen um den Doppelcharakter des Rechts nicht etwas Verteidigenswertes. Da wird zugleich im Stile des Frankfurter Häuserkampfs der Siebziger, dessen Aktivisten sich bevorzugt an jüdischen „Spekulanten“ austobten, von „Investoren“ schwadroniert, die sich „im Wunsch nach Profitmaximierung“ noch dazu „hinter Briefkastenfirmen verstecken“, sprich: im Klandestinen agieren und ihren Gegnern nicht, wie die Ritter des offenen Visiers aus der Reilstraße von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten würden. Und da wird von „Faschos“ gesprochen, als befänden wir uns noch in den Neunzigern. Zumindest der klügere Teil der Antifaszene war spätestens am Ende dieses Jahrzehnts von der Rede von „Faschos“ zum Begriff des „Nazis“ übergegangen, weil er wusste, dass sich der historische Nationalsozialismus und seine Freunde aufgrund ihres Antisemitismus deutlich von anderen Varianten des Faschismus unterschieden. Kurz: Es scheint fast so, als hätte die Retraditionalisierung des Dresscodes, die Rückkehr zu Versatzstücken des Autonomenstils der Achtziger, die seit einigen Jahren in linken Kreisen zu beobachten ist, auch zu einer inhaltlichen Retraditionalisierung geführt.
Diese Rückverdummung geht mit einem gehörigen Maß an Konformismus einher. Das zeigt sich auch in der Larmoyanz, mit der parlamentarische Anfragen und Anträge der AfD zu „Angriffen“ auf „emanzipatorische Projekte“ umgelogen werden. Solche Dinge sind sicher unschön, sie gehören allerdings zum politischen Geschäft. Oder wäre es besser, wenn Martin Reichert und seine Kumpels begeistert von der Reilstraße wären? Wer das obligatorische Geklapper von AfD und Co. zu „Angriffen“ aufnordet, verhöhnt nicht nur die Opfer tatsächlicher Angriffe, die sich gegen wesentlich mehr als gegen Anfragen im Magdeburger Landtag oder im hallischen Stadtrat zur Wehr setzen müssen. Er erinnert zugleich an ein Kleinkind, das auch noch dafür belohnt werden will, dass es nicht auf seine Eltern hört, sein Kinderzimmer verwüstet und keine Lust auf den Besuch bei der Oma hat. Hier ist ein Sozialtypus am Wirken, der zum dominierenden zu werden droht und deshalb längst zum politischen und kulturellen Personal der Bundesrepublik gehört. Es handelt sich um Leute wie Robert Habeck, Annalena Baerbock, Friedrich Merz, Andrea Nahles, Christian Lindner, Susanne Hennig-Wellsow und wie sie alle heißen – um Leute also, die sich nicht für die Logik und Konsistenz der eigenen Argumentation interessieren, denen der Begriff der „Anerkennung“ alles ist, denen eine Kombination aus Selbstmitleid und Auftrumpfen zur zweiten Natur geworden ist, die keine Verantwortung für die eigenen Taten übernehmen wollen und sich beim leisesten Gegenwind als Opfer hinterhältiger „Angriffe“ bösartiger Menschen inszenieren.
Vor allem aber zeigt sich der Konformismus, wenn die Teilnehmer der Demo am Ende des Aufrufs dazu aufgefordert werden, beim „Tanzen und Gehen Abstand“ zu halten („1,5 Meter“), eine FFP2-Maske zu tragen, sich zum Essen, Trinken und Rauchen „ein Stück weit aus der Menge“ zu entfernen und die „kostenlosen Testangebote in der Stadt“ zu nutzen. Das klingt nach großem Spaß. Keine Frage: Ein Teil dieser Aufforderungen geht sicher auf die hallische Versammlungsbehörde zurück. Allerdings wird niemand dazu gezwungen, die städtischen Auflagen zum integralen Bestandteil seines Demoaufrufes zu machen. (Üblicherweise werden sie am Beginn einer Versammlung verlesen.) Vor allem wird niemand dazu gezwungen, die staatlichen Auflagen überzuerfüllen. Eine FFP2-Maske wurde beispielsweise schon zu dem Zeitpunkt, zu dem der Aufruf veröffentlicht wurde, von keiner Behörde mehr verlangt. Hier ist nicht nur ein enormer Paternalismus gegenüber den Teilnehmern am Werk, die durch Fernsehen, Radio und Presse ohnehin ziemlich genau wissen, worauf zu achten ist, sondern ein immenses Maß an vorauseilendem Gehorsam. Oder in anderen Worten: eine konformistische Rebellion. Es bleibt darum festzuhalten: Wenn das die „emanzipatorischen Projekte“ und „direkten Aktionen“ sind, die im Aufruf angedroht werden, dann hat die Reilstraße 78 in Zukunft nicht viel zu befürchten. Die AfD, die „Spießer in den Amtsstuben“, Polizei und Co. dürften ihre Paragraphen- und Anfragenangriffe nämlich bald einstellen: nicht aus Angst oder Einsicht, sondern aufgrund der Langeweile und der kompletten Harmlosigkeit, für die die Aktivitäten der Reilstraße stehen.

Ihre
AG No Tears for Krauts
06/2021

Aufruf zur Kundgebung in Halle: We stand with Israel

Wir laden zur Teilnahme an der Kundgebung für Israel, gegen Antisemitismus und gegen den islamischen Terror ein.

Anlässlich der jüngsten antisemitischen und israelfeindlichen Manifestationen ruft das Bündnis gegen Antisemitismus Halle zur Kundgebung unter dem Motto “We stand with Israel” am Dienstag, 18.05.2021 (18 Uhr) auf dem Rosa-Luxemburg-Platz (Halle) auf.

Dienstag, 18.05.2021
18:00 — 20:30
Rosa-Luxemburg-Platz (Halle)

Weitere Infos auf facebook: https://www.facebook.com/events/168902241832688

Shutdown des Denkens

Der Aufruf der heutigen Kundgebung und der Realitätsverlust der Linken

Es ist nicht zu übersehen: Die Pandemie, die Sorge um die eigene Gesundheit und die Gesundheit von Freunden, Verwandten, Bekannten, der Lockdown und seine stetige Verlängerung sowie der kaum aufzulösende Widerspruch zwischen dem notwendigen Schutz von Leben und dem Schutz der elementarsten Freiheitsrechte, die seit einem Jahr in einer vorher lange kaum vorstellbaren Weise eingeschränkt werden, lassen die Menschen nicht nur verzweifeln. Sie machen sie auch dumm. Das zeigt nicht zuletzt die inzwischen wieder aufgehobene Ausgangssperre in Halle, die nicht nur an Dreistigkeit, sondern auch an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten war. Selbst die Mitglieder des hallischen Krisenstabs dürften gewusst haben, dass sich die meisten der in Halle Erkrankten nicht zwischen 21 und 5 Uhr bei Spaziergängen durch die nächtliche Stadt, sondern zu anderen Zeiten und an anderen Orten mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Ausgangssperre war zum einen (wie viele andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie) Ausdruck von Ohnmacht und Hilflosigkeit: Weil die anderen Versuche, die Pandemie einzugrenzen, aufgrund des hohen Ansteckungsrisikos und der regelmäßigen Mutationen des Virus’ nur bedingt Wirkung zeigten und die Impfkampagne nur schleppend vorankommt, tendiert der Notstandsapparat zu Verzweiflungstaten.
Zum anderen zeigten sich in der Ausgangssperre, direkt damit verbunden, jene Allmachtsgelüste, zu denen der Staat insbesondere in Krisensituationen neigt. Die Exekutive, die Verwaltung und ihre Planspiele tendieren dazu, sich zu verselbstständigen. Zugleich verstärken und beschleunigen sich im Zuge der Pandemie jene Entwicklungen, die bereits vorher auf der Tagesordnung standen – darunter die Auflösung von Öffentlichkeit, das Einkassieren der Differenz zwischen Arbeit und Privatleben (Stichwort: Homeoffice), die Vereinsamung und die Digitalisierung jeglicher Lebensregungen: Herbert Marcuses Rede vom „eindimensionalen Menschen“ erhält durch die Verlegung des Schulbetriebs, der universitären Lehre, der Büroarbeit und der sozialen Kontakte ins Digitale eine neue Bedeutung. Zu fragen wäre nur, ob mit der enormen Beschleunigung all dieser Entwicklungen auch qualitative Veränderungen verbunden sind. Es spricht zumindest einiges dafür: Nicht erst seit Marx ist bekannt, dass Quantität regelmäßig in Qualität umschlägt.
Aber auch der Aufruf zur heutigen Kundgebung zeigt, dass die Menschen im Zuge der Pandemie zumindest nicht klüger werden. Die Linke war seit dem Beginn des ersten Lockdowns öffentlich fast verschwunden. War sie ausnahmsweise doch einmal wahrnehmbar, dann trat sie noch staatstragender auf als der Staat selbst. So wurden die Masken- und Hygienevorschriften in linken Hausprojekten nach einer Phase der Verunsicherung auch in Halle teilweise vehementer umgesetzt als in manchen Krankenhäusern. Die linken Pamphlete gegen die (ohne Zweifel unangenehmen) Querdenker unterschieden sich argumentativ in Nichts von den Äußerungen der Bundeskanzlerin, der überregionalen Tagespresse, des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder der Heute Show. Die Linke versuchte ihre Mitstreiter in Sachen aktiver Staatsbürgerkunde nur in der Frage der Militanz zu überbieten. Während sich die Polizei und die Gerichte bei der Einschränkung des Demonstrationsrechts und bei der Knüppel-aus-dem-Sack-Politik, die Sozialdemokraten ebenso forderten wie CDU-Politiker, zurückhielten, übernahm die Linke diesen Job gern. Sie trat auch hier, wie wir schon vor etlichen Jahren formuliert haben, als „militanter Arm der Zivilgesellschaft“ auf – als „Zivilgesellschaft with Attitude“. Auch hier setzten sich also Entwicklungen fort, die lange vor der COVID-19-Pandemie begonnen haben.
Den Höhepunkt dieses sich kritisch gebenden Konformismus bildete zweifellos die Initiative Zero COVID. Unter der Parole des „solidarischen europäischen Shutdowns“ wenden sich dort mehr als hunderttausend (Stand 9. April: 109.905) Linke mit der Forderung an den Staat, ihre Rechte (und die Rechte aller anderen Europäer) doch bitte noch weiter einzuschränken. Ganz abgesehen von der Fragwürdigkeit, dass deutsche Linke den Bewohnern Frankreichs, Polens, Griechenlands usw. vorschreiben wollen, wie sie sich in Zeiten der Pandemie verhalten sollen, wäre die Umsetzung der Forderungen von Zero COVID mit einer noch weiteren Einschränkung der Bewegungsfreiheit verbunden. Das Gleiche gilt für andere Rechte: Denn was wäre mit denen, die den Empfehlungen des Aufrufs nicht „solidarisch“ folgen – sei es, weil sie die Maßnahmen für überzogen halten, sei es, weil sie zu den Corona-Leugnern gehören, oder sei es, weil sie aufgrund der Dauer der Einschränkungen des öffentlichen Lebens müde geworden sind? Der Aufruf von Zero COVID vermeidet es zwar, Antworten auf diese Frage zu geben; der Sozialwissenschaftler Alex Demirović hat jedoch vollkommen richtig nachgehakt: „Sollen die Polizei und die Security-Dienste verstärkt werden? Soll es Internierungen in Quarantäne-Lagern geben?“ In letzter Konsequenz laufen die Forderungen der Initiative auf den weiteren Ausbau der Bürokratie und eines Kontrollregimes hinaus. „Ein harter Lockdown kann nur polizeilich durchgesetzt werden“, so Demirović. Das chinesische Modell hat ausgesprochen und unausgesprochen auch unter antiautoritären Linken eine große Anhängerschaft.
Mit all dem wollen die Organisatoren der heutigen Kundgebung möglicherweise nichts zu tun haben. Ihre Zauberformel heißt nicht „Zero COVID“, sondern „Wirtschaftsshutdown“. Sie weisen völlig zu Recht darauf hin, dass es mehr als fragwürdig ist, dass Kassiererinnen, die Mitarbeiter von Amazon, Handwerker und andere jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, wo sie in Kontakt mit vielen anderen Menschen kommen, sich aber zu Feierabend noch nicht einmal zu dritt auf einer Bank ausruhen dürfen. Dennoch stellt sich die Frage, ob diese Maßnahmen tatsächlich im Sinne „der Wirtschaft“ sind. Ist es im Zeichen der Pandemie tatsächlich so, dass der Ökonomie das Primat zukommt, wie es der Aufruf nahelegt? Hat, wenn man diese schematische Unterteilung vornehmen will, derzeit nicht eher „die Politik“ die Führungsrolle übernommen? Und überhaupt: Haben wir etwas verpasst, oder geht derzeit nicht gerade ein nicht unerheblicher Teil „der Wirtschaft“ – von der Gastronomie über die Veranstaltungsbranche bis hin zum Einzelhandel – vor die Hunde? Auch wenn sich die Organisatoren der Kundgebung die hiesige Gesellschaft in sozialromantischer Tradition nach dem Muster des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vorzustellen scheinen, ist die Bundesrepublik schon längst kein Land der Fabriken, Bergwerke und Eisenhütten mehr. Der größte Teil der Wirtschaftsleistung kommt aus dem Dienstleistungsbereich, wo gegenwärtig nicht nur ein Marktreinigungs‑, sondern ein enormer Erosionsprozess zu beobachten ist. Der Anteil des Dienstleistungssektors an der Gesamtbeschäftigung liegt bei ungefähr drei Vierteln.
Vor diesem Hintergrund wäre die Frage zu stellen, was die Forderung nach einem „Wirtschaftslockdown“ überhaupt bedeuten soll, wenn der größte Teil „der Wirtschaft“ im Dienstleistungsbereich angesiedelt ist – und vor allem, wenn die Dienstleistungsbereiche, in denen die Ansteckungsgefahren am größten sind, zu einem nicht unerheblichen Teil um die Versorgung und die weiteren Grundbedürfnisse, kurz: den existenziellen Bereich, kreisen. Sollen neben dem schon brachliegenden Gaststätten- und dem Veranstaltungsgewerbe, dem Einzelhandel und den großen Kaufhäusern auch die Supermärkte dichtgemacht, der Transport weiter heruntergefahren, die pharmazeutische und medizinische Versorgung eingestellt werden? Oder, um doch über den hierzulande nur noch schwach ausgeprägten zweiten Sektor zu sprechen: Sollen die Bäckereien, Schlachtereien, die landwirtschaftlichen Betriebe schließen, die zur Versorgung notwendig sind?* Und sollen sich diejenigen, die dort arbeiten, nun ebenfalls, wie ihre Kollegen, die ins Homeoffice wechseln mussten, in Dauerpräsenz in den eigenen vier Wänden aufhalten und sich dort mit ihren Mitbewohnern, Kindern, Ehepartnern, Eltern zerfleischen? Die sozialen Dienste sind schon ohne „Wirtschaftsshutdown“ überlastet.
All diese Fragen dürften zeigen, dass die Forderung nach einem „wirtschaftlichen Shutdown“ nicht dem Zweck dient, sich Klarheit über die vertrackte Situation zu verschaffen, die einen tatsächlich zur Verzweiflung treiben kann. Im Gegenteil: Sie scheint die Möglichkeit zu bieten, die COVID-19-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung nach Monaten des Schweigens und der Verunsicherung wieder in ein gewohntes Schema einzupressen: Der Kapitalismus ist schuld – it’s the economy, stupid! Die ebenso absurde wie kontrafaktische Behauptung, dass die Politik „für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft“ in Zeiten der Pandemie „wortwörtlich über Leichen“ gehe, hilft nicht nur, das gewohnte Weltbild aufrechtzuerhalten, sondern sie erspart zugleich das eigene Denken. Die Forderung nach „Wirtschaftsshutdown“ ist kaum mehr als der hilflose Versuch, die letzten Reste der eigenen und oft nur halluzinierten Handlungsfähigkeit, die mit dem Beginn der Pandemie verlorengegangen sind, wiederzuerlangen. Der Preis dafür ist das weitere Voranschreiten des eigenen Realitätsverlusts. In diesem Sinn: Denken statt Parolen!

Ihre
AG No Tears For Krauts, Halle

04/2021

 

* Oder noch einmal anders: 75 Prozent der Deutschen arbeiten im Dienstleistungssektor, der größte Teil von denen, die in diesem Sektor arbeiten und nicht ins Home-Office umgezogen sind, arbeitet im existenziellen Bereich (Versorgung, Pflege usw.). In diesen Berufsgruppen sind die Ansteckungszahlen am größten. Nun könnte man entweder die Wirtschaftszweige dicht machen, die nicht zum existenziellen Bereich gehören. Dagegen spricht nichts, aber es hätte keinen so großen Effekt wie gern suggeriert wird. Oder man schließt den existenziellen Bereich – mit den zu erwartenden Folgen. Sinnvoller als der „Wirtschaftsshutdown“ dürften in diesem Bereich darum die Erhöhung von Sicherheitsstandards, Ausdünnungen usw. sein. Die Forderung nach dem „Wirtschaftsshutdown“ ist eine Kombination aus Verzweiflung über die seit einem Jahr andauernde Situation und linkem Traditionalismus: Wenn endlich mal »die Wirtschaft« angefasst würde, wird schon alles wieder gut.

Bonjour Tristesse: Interview mit dem Roten Netzwerk Halle

Link

Wer sich schon immer gefragt hat, ob Antideutsche Linke sind oder vielleicht doch nicht, sollte sich dieses Interview keinesfalls entgehen lassen. Uwe und Gerome vom Roten Netzwerk Halle geben der Bonjour Tristesse Auskunft über ihre politische Agenda und ihre geplanten Aktionen:

Bonjour Tristesse: Interview mit dem Roten Netzwerk Halle

Was kommt nach #MeToo? Vortrag und Diskussion mit Sara Rukaj

Ein Hinweis zur nächsten Online-Veranstaltung der AG Antifa.
Nutzungshinweise für den Livestream findet Ihr auf der Veranstaltungsseite und der Website der AG Antifa.

Was kommt nach #MeToo? Vortrag und Diskussion mit Sara Rukaj

Die Sexualität und das Geschlechterverhältnis haben in der westlichen Welt fraglos einen immensen Modernisierungsprozess durchlaufen. Religiöse Normen, die deontologisch bestimmte sexuelle Ausdrucksformen als gut (reproduktive Sexualität in der Ehe) oder schlecht (z.B Homosexualität oder Masturbation) einordnen, haben an Bedeutung verloren. Stattdessen wird auf der Basis sexueller Bürgerrechte zunehmend eine Verhandlungs- bzw. Konsensmoral evoziert, die während der #MeToo-Debatte sogar als justiziabler Bestand diskutiert wurde. Doch ist damit die Grundstruktur der Geschlechter in Sachen Liebe und Sexualität verschwunden? So setzt die Konsens- Kommunikationsmoral analog zur Partnerschaft bereits Egalität voraus, womit sie kein kritisches Potenzial birgt und nachfolgende Fragen gar nicht erst bearbeitet werden: Wie wirken ungleiche Rollenzuschreibungen in der Sexualität und in festen Paarbeziehungen? Perpetuiert die Liebe immer noch Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, ist Sexualität nicht konstitutiv unbewusst und widersprüchlich? Oder war die Kritik so wirksam, dass sie sich mittlerweile selbst abgeschafft hat? Einiges deutet darauf hin, dass Egalität sowohl in der Sexualität als auch in festen Paarbeziehung ein moderner Mythos ist und sich emanzipatorisch und fortschrittlich gerierende Paarkonstellationen ebenfalls dazu tendieren, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu nivellieren. Paradoxerweise gerade, weil man sich bereits als emanzipiert wahrnimmt. Weiterhin wurde kaum der eindimensionale Männerhass und die devote Haltung vieler Frauen, die sich qua #Me-Too zu Wortmeldeten, diskutiert. Immer wieder liest man von „dummen Sprüchen“ oder Flirtavancen, die einen traumatisiert hätten oder gar patriarchal seinen. Mit dieser Haltung verniedlicht man nicht nur genuine Traumata, sondern entmündigt gleich sich selbst. Was bleibt in puncto Emanzipation übrig, wenn man nicht einmalmehr zu einem „Spruch gegen Spruch“ in der Lage ist? Dass viele Frauen in Beklemmung geraten, ist verständlich. Weiterhin soll nicht der Eindruck entstehen, plumpe oder beleidigende Sprüche in Schutz zu nehmen. Allerdings wäre es vielversprechend, nicht nur Tatbestände, sondern auch etwaige Handlungsmöglichkeiten und einen nicht völlig entleerten Begriff des „Patriarchats“ breiter zu diskutieren. Es ist im Interesse des kapitalistischen Systems, dass Frauen und Männer zu feindlichen Gruppen avancieren. Solange das eindimensionale Feindbild Mann ohne Reflektion tradiert wird, arbeitet die Frauenbewegung – wenn auch unbewusst – gegen sich selbst an.

.Sara Rukaj schreibt u.a. für die „JungleWorld“.

ANLEITUNG ZUM LIVE-STREAM

 

Redebeitrag zur Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (Halle, 04.11.2020)

Etwas verspätet veröffentlichen wir nun unten stehend unseren Redebeitrag, den wir am 4. November auf der Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ in Halle hielten, auf der u.a. der Terroropfer von Wien gedacht wurde:
 

Das eigentlich Traurige dieser Tage ist, dass man nicht einmal mehr genau bestimmen kann, warum wir heute hier sind. Denn immer, wenn man gerade etwas zum aktuellen islamischen Terror verlautbaren will, ist bereits etwas Neues geschehen.
Dresden, Paris, Nizza, Wien und auch einmal mehr Kabul, wo gestern ebenfalls ein Anschlag durch den IS 22 Studenten tötete, sind nur die letzten Schlaglichter in einer Reihe von Ereignissen, die längst viel zu lang ist, um sie noch aufzuzählen. Man kommt sich komplett bescheuert vor, zum hundertsten Mal seit 911 darauf hinzuweisen, dass der sich noch immer global auf dem Vormarsch befindende Islam eine terroristische Fraktion mit sich bringt, die mit ihren endlosen Eskapaden immer neuer Brutalität jedem die Angst in die Glieder und Hass ins Herz treiben sollte.
Doch diese Angst gibt es Deutschland nicht. Mehr noch scheint es wieder einmal so zu sein, dass in Deutschland derjenige, der auf ein Problem hinweist, als weit gefährlicher gilt als derjenige, der das Problem macht. Bis heute muss man manchen Deutschen erklären, dass islamischer Terrorismus kein Vorwand der Amerikaner, Israelis oder gar der AfD ist, um fremde, friedliche Kulturen zu unterdrücken, sondern eine reale Gefahr für alle freien Bürger der Welt. Doch gerade jene Deutschen, die sich als liberales Bollwerk in einer Welt des Populismus sehen und die sich gerne eher links verorten, wollen von dieser Gefahr nichts wissen. Schon wer nur die barbarischsten Taten mit deutlichen Worten belegt, darf damit rechnen, vorgehalten zu bekommen, dass man eine rassistische Stimmung befördere. Wer die völlig offensichtliche Verbindung zwischen dem Terror und dem Islam zieht, darf mit einem Sturm der Entrüstung rechnen, wie man denn bitte eine ganze Religion beleidigen könne, nur weil deren unfehlbarer Prophet glasklar die Todesstrafe für Apostaten verhängt hat. Unverfroren dröhnt es aus den Kommentarspalten deutscher Medien, dass man jetzt zusammenhalten und differenzieren solle. Alles nur Kritik üben soll man nicht.
Diese deutsche Abwehrhaltung trägt schreckliche Früchte. Während die Toten in Frankreich immerhin ein Staatsbegräbnis mit allen Ehren bekommen und der Präsident eine Rede in Verteidigung der Opfer hält, vertuscht die Polizei in Deutschland, dass vor nicht einmal einem Monat in Dresden überhaupt ein Mord im Namen des Islam geschehen ist. Unnötigerweise vertuscht müsste man sagen, denn selbst dieser doppelte Skandal interessiert den mündigen anti-populistischen Bürger eben so wenig wie die Bluttat gestern in Kabul. Die Toten Hosen und Kraftklub werden jedenfalls den Teufel tun, in Dresden ein Benefiz-Konzert wegen so einer kleinen Betriebsstörung abzuhalten.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der Politik wieder. Während Frankreich sich nun immerhin zu dem Versuch gezwungen sieht, überhaupt irgendetwas gegen den ausufernden islamischen Terrorismus zu unternehmen, setzt man in Deutschland seit jeher auf Dialog. Anstatt wie Frankreich das mindeste zu tun und ausländische Imame scharf zu kontrollieren und wenn nötig auszuweisen, wird in Deutschland die fatale Rolle der Moscheevereine und Islamverbände für das Erstarken des radikalen Islam vollkommen verkannt. Auch die Hisbollah weigert man sich — bei aller symbolischen Allianz mit Israel — konsequent zu verbieten und politisch verfolgte Iraner wollen eigentlich schon immer lieber nach Frankreich oder Großbritannien, denn nirgends ist der iranische Geheimdienst so gefährlich wie in Deutschland, das weiter unbeirrt an Handelsbeziehungen mit dem Iran festhält. Die ehemalige westliche Welt mag hilflos und erschöpft vor dem islamischen Terror stehen, doch Deutschland hat nie ernsthaft versucht, ihn zu bekämpfen und ist darum einen Schritt weiter damit, sich in der Welt des Terrors einzurichten.
Etwas jedoch hat Deutschland mit der Welt gemeinsam: Eine Linke, die im Angesicht des Schreckens wie in Dresden nichts zu sagen hat. Im besten Fall nichts. Wer in den Auswirkungen des Islams auf das Leben in westlichen Gesellschaften eine zu bekämpfende Gefahr sieht, der weiß schon lange, dass er von jenen, die sich Säkularismus, Aufklärung und sozialen Fortschritt groß auf die Fahne geschrieben haben, nicht bloß keine Hilfe erwarten kann, sondern eher damit rechnen muss, dass sie ihm in den Rücken fallen werden. Völlig automatisch spulen all jene, die sonst bei Faschismus zurecht eine Null-Toleranz-Politik fahren, dieser Tage das Band ab, das man zuletzt in den 90ern für ostdeutsche Neonazis abspielte: Arme Verhältnisse, fehlende Bildung, Perspektivlosigkeit, Entfremdung von der restlichen Gesellschaft, zu wenig Verständnis für ihre einzigartige Sicht der Dinge. Aber der islamische Terror gedeiht überall, egal ob im zerrütteten Somalia oder im wirtschaftlich sicheren Schweden. Ein bisschen mehr soziale Integration, ohne den Islam selbst anzugehen, das hat sich wieder und wieder gezeigt, nutzt rein gar nichts. Es gibt keine ernstzunehmende Liberalisierung islamischer Ansichten, es gab nur den Rückzug des Islams in Identität, wie es bei vielen Gastarbeitern in den 70ern geschah und wie es heute Links-Liberalen Verfassungspatrioten als Lösung vorschwebt. Doch es hat nichts genutzt, die islamische Wiedergeburt geschah auch unter gut integrierten Muslimen im Westen.
So verrichtet der Islam auch heute in Deutschland täglich sein Werk. Dass Lehrer sensible Themen vermeiden, dass Mädchen unter Druck stehen ein Kopftuch zu tragen, dass Schwule in den falschen Stadtvierteln wieder im verborgenen Leben müssen, Stadtviertel, in denen man auch als Jude besser nicht erkannt wird. All das sind keine Extreme, das ist der ganz normale brave Islam, den alle vor dem bösen Islamismus retten wollen. Das ist Alltag, Alltag hier in Halle. Das empörte Zurückweisen des Terrorismus dient nur dazu, diese kranke Normalität zu entschuldigen, egal, ob in den Floskeln muslimischer Gemeinden, den Artikeln die zum “Zusammenstehen” aufrufen oder hier auf der Kundgebung.
Es liegt lange schon offen auf der Hand: Überall, wo der Islam in der modernen Welt auftaucht, macht er alles, wirklich alles, noch viel schlimmer als es ohnehin schon ist und der Terrorismus folgt ihm auf dem Fuße. Man muss dafür kein Theologe sein. Klar, man kann und sollte auf den schwer paranoiden Grundton des Koran verweisen, und seine seltsamen oder verrückten Suren durcharbeiten, um festzustellen, dass diese Religion auch ganz detailliert und differenziert betrachtet extrem behämmert ist. Aber das ist nicht nötig. Es reicht, die Nachrichten zu lesen. Vom Handel mit christlichen Schulmädchen-Sklaven in Nigeria, den Terror von Al-Kaida in der Westsahara, Morningshows in Marokko, die Ehefrauen zeigen wie man ein blaues Auge überschminkt, den Islamischen Staat in Libyen, Massenvergewaltigungen auf öffentlichen Plätzen in Ägypten, einem Land das nur durch eine Militärdiktatur davon abgehalten wird, vollends die Sharia einzuführen, Tschetschenien, wo Schwule in Camps inhaftiert sind, über den Iran, wo Schwule an Baukränen aufgehängt werden, über Pakistan, wo schon das Gerücht, ein christliches Mädchen hätte den Propheten beleidigt, ausreicht, dass ein Gouverneur gelyncht wird, und Afghanistan, wo man längst alle Hoffnung verloren hat, bis nach Indonesien, wo es Prügelstrafen für Sittenverstöße und Todesstrafe für das Dealen mit Gras gibt. Egal wo, egal wie reich das Land, egal welche Strömung des Islams vorherrscht, es wird düster, wenn Mohammed etwas zu sagen hat. Der Feind ist nicht der Islamismus, es ist der Islam selbst. Wer diesen simple Schritt nicht nachvollzieht, etwas, das ganz offensichtlich schlecht ist, auch schlecht zu nennen, der soll auch vom Terror lieber schweigen.


AG No Tears for Krauts Halle
 
 

Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (04.11. Halle/Saale)

Kundgebung „Nieder mit dem Islamismus“ (04.11. Halle/Saale)


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We don’t need no education. Erfahrungen aus der beruflichen Praxis im Umgang mit dem Islam. (Podiumsgespräch)

Nicht erst seit dem barbarischen Mord an Samuel Paty, einem Geschichts- und Geografielehrer aus Conflans-Sainte-Honorine, haben Frankreichs Schulen Probleme mit dem Islam. Bereits im Jahr 2015 wurde die Schweigeminute für die Ermordeten der Redaktion „Charlie Hebdo“ an zahlreichen Schulen von muslimischen Schülern gestört. Die Schweigeminute für Paty sollte europaweit stattfinden. Es dürfte wenig überraschen, dass sowohl in Frankreich als auch in Deutschland mit Störungen gerechnet wurde. Zeigen doch viele Moslems mehr Wut über die Karikierung des Propheten als über den Mord. Auf die unsäglichen Zustände und Zumutungen an deutschen Schulen durch die Anhänger des Propheten macht seit einigen Jahren Birgit Ebel aufmerksam. Die Lehrerin aus Herford und Gründerin der Initiative „extrem dagegen“ sprach vor einem Jahr zusammen mit dem Buchautor und Redakteur der Zeitschrift Bahamas Justus Wertmüller in Halle über die Probleme des Islam an deutschen Schulen. Das Podiumsgespräch ist jetzt als Audiomitschnitt zum Nachhören online.

Birgit Ebel (Bündnis 90 die Grünen) und Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas) sprechen darüber, wie der Islam die berufliche Praxis verändert und warum kaum jemand einhergehende Missstände benennen möchte.

Ankündigungstext der Veranstaltung:

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Online-Vortrag mit Ulrike Becker vom Mideast Freedom Forum Berlin über die deutsch-iranischen Beziehungen zwischen Atomdeal, Massenprotesten und Hinrichtungswellen.

Kurzmitteilung

Wir empfehlen die Online-Vorträge der AG Antifa (Uni Halle) und freuen uns auf interessante Diskussionen. Weitere Online-Veranstaltungen im Winersemester 2020/2021 sind in Vorbereitung: https://www.facebook.com/agantifaschismus/events/

05.11.2020, 19:00
Infos zum Live-Stream: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Online-Vortrag und Diskussion mit Ulrike Becker

Teheran Tabu? — Die deutsch-iranischen Beziehungen zwischen Atomdeal, Massenprotesten und Hinrichtungswellen.

Während die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgetreten sind und das islamistische Regime in Teheran mit harten Sanktionen zu einem Politikwechsel zwingen wollen, setzen Bundesregierung und EU weiter auf Zusammenarbeit und den Atomdeal aus dem Jahr 2015.
Die Haltung Deutschlands wirft Fragen auf: Warum verzichtet die Bundesregierung weitgehend auf Mittel des politischen Drucks, trotz massiver Menschenrechtsverletzungen, der tödlichen Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung, einer Hinrichtungs- und Verhaftungswelle im Iran und weiterhin permanenter Vernichtungsdrohungen gegen Israel sowie Verstößen gegen die Auflagen des Atomdeals und einer terroristischen Außenpolitik? Der Vortrag geht auf die Lage Protestbewegung im Iran ein, auf die Zuspitzung des Streits um das iranische Atomprogramm und auf die deutsche Iran-Politik. Dabei wird auch die Frage diskutiert, was die Gründe dafür sind, dass die Bundesregierung an einer Politik festhält, die man als Appeasement bezeichnen kann.

Anleitung zur Teilnahme am Live-Steam und Hinweise zum Ablauf der Diskussion: https://www.facebook.com/events/347591423020872

Verharmlosung von Antisemitismus am Jahrestag der Reichsprogromnacht anlässlich des Anschlags von Halle

Kurzmitteilung

Meanwhile in Halle: Das Interdisziplinäre Zentrum für europäische Aufklärung und das Seminar für Judaistik/jüdische Studien der MLU beschäftigten sich in einem Vortrag mit dem »Missbrauch der Dialektik der Aufklärung« und dem »Antisemitismusvorwurf«. Dafür haben sie sich ein ganz besonderes Datum ausgewählt. Die Genossen von der AG Antifa skandalisieren diese Veranstaltung in einem offenen Brief.

 

Offener Brief an das Interdisziplinäre Zentrum für europäische Aufklärung (IZEA Uni Halle) und das Seminar für Judaistik/Jüdische Studien der Universität Halle

 
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Professor Dierken, sehr geehrter Herr Professor Fraisse, sehr geehrter Herr Professor Fulda,
 
am 82. Jahrestag der Reichspogromnacht, am 9. November 2020, organisieren Sie eine Online-Veranstaltung mit dem Soziologen Moshe Zuckermann. Der Vortrag trägt den Titel: „Antisemitismus-Vorwurf und die Apologie des Kapitalismus: Zum Missbrauch der Dialektik der Aufklärung“. Der in Israel umstrittene Zuckermann wird erklären, dass der Vorwurf des Antisemitismus nur der Legitimation der israelischen Politik diene und der zeitgenössische Antizionismus nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Anders als gern von ihm behauptet, haben neuere Studien jedoch gezeigt, dass sich hinter dem Drang, den jüdischen Staat zu kritisieren, oft kaum mehr als das Bedürfnis verbirgt, wieder ungeniert gegen Juden hetzen zu können. Zuckermann wird deshalb in Deutschland überall dort zustimmend zitiert, wo es nicht um das Wohl der Palästinenser geht, sondern die Existenz des jüdischen Staates insgesamt als störend empfunden wird. Sowohl die nationalbolschewistische Tageszeitung „Junge Welt“ als auch der antisemitische Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen beziehen sich gern auf ihn.
Besonders geschichtsvergessen ist es, dass Sie die Veranstaltung am 9. November stattfinden lassen, dem Tag, an dem 1938 mehr als tausend Synagogen zerstört, achthundert Juden ermordet und Zehntausende in Konzentrationslager verschleppt wurden. Sie missbrauchen das Gedenken an die Reichspogromnacht damit für die Kritik der israelischen Politik, die laut Zuckermann hinter dem vermeintlich ungerechtfertigten Antisemitismus-Vorwurf stecke.
Wenn Sie die Veranstaltung darüber hinaus in eine Vortragsreihe über den „globalen Antisemitismus“ einbetten, die noch dazu mit einem Bild der zerschossenen Synagogen-Tür von Halle beworben wird, die im letzten Jahr über 50 Betenden das Leben rettete, entsteht sogar der Eindruck, Sie wollten den gegenwärtigen Antisemitismus verharmlosen. Oder glauben Sie wirklich, dass der Pogromnacht von 1938 angemessen gedacht wird, wenn nicht der Antisemitismus, sondern der „Antisemitismus-Vorwurf“ kritisiert wird? Und denken Sie tatsächlich, dass der „Antisemitismus-Vorwurf“ ein ähnliches Problem darstellt wie der globale Antisemitismus, den seit 1945 hunderte Juden mit dem Leben bezahlen mussten? Um es offen auszusprechen: Auch wenn es im Bewusstsein um die »Dialektik der Aufklärung« leider keine Überraschung ist, dass ein Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung und ein Seminar für Jüdische Studien eine solche Veranstaltung am Tag der Reichspogromnacht (und genau einen Monat nach dem einjährigen Jubiläum des Anschlags von Halle) in der Saalestadt stattfinden lassen wollen, ist das ein Skandal.
 
Mit freundlichen Grüßen,
AG Antifa im Studierendenrat der Universität Halle