Antifaschistische Hochschultage (Wintersemester 2012)

- eine Veranstaltungsreihe der AG Antifa -

Mittwoch 17. Oktober 19 Uhr
VL Ludwigstraße
»Neustadt Stau – Der Stand der Dinge«
Filmvorführung mit Einleitungsreferat von Johannes Alberti (Materialien zur Aufklärung und Kritik, Halle)

7. November 2012, 20 Uhr (ct)
Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9

Vergesst Auschwitz! Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israelfrage
Vortrag und Buchvorstellung mit Henryk. M. Broder

28. November 2012, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9

Terror, Wahn, Gesellschaft. Der NSU, der Staat und die Verwandlung der Gesellschaft in ein Irrenhaus.
Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der AG Antifa
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Audio: Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen!

Der von Magnus Klaue im Rahmen der Veranstaltungsreihe Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen! Antifaschistische Hochschultage 2012 gehaltene Vortrag “Phantasie als Kompetenz – Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik.” kann nun hier nachgehört werden.

Magnus Klaue: Phantasie als Kompetenz – Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik

Außerdem stellen wir den am 1. August von der ag antifa im stura veranstalteten Vortrag “Die Austreibung der Kindheit – die »Kinderstadt« als Schule der Desillusionierung.” zur Verfügung.

Die Austreibung der Kindheit – die Kinderstadt als Schule der Desillusionierung

Magnus Klaue: Phantasie als Kompetenz – Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik.

Die am 6. Juni ausgefallene Veranstaltung der Antifaschistischen Hochschultage mit Magnus Klaue wird am Mittwoch, den 18. Juli nachgeholt.

Mittwoch, 18. Juli, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle (Saale)

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue

»Stell Dir vor, es ist Schule … und jeder will hin!« Unter dieser Maxime skizzierte jüngst eine »Gründungsinitiative Unbedingte Schule« nicht etwa eine pädagogische Dystopie, deren Verwirklichung unbedingt zu verhindern wäre, sondern das Ideal einer »guten Schule«, die »selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Lernen« ermöglicht und in der, wie gedroht wird, »Inklusion selbstverständlich ist«. Das gute Leben ist da, wenn niemand mehr ausgeschlossen werden muss, weil alle sich widerstandslos einschließen lassen. Entsprechend versteht sich die »Unbedingte Schule«, in Übereinstimmung mit Jacques Derridas »Unbedingter Universität«, als zivilgesellschaftlicher Gegen-Staat »ohne Menschenbild« und mit flachen Hierarchien, einem eigenen »Ethikrat«, einer »Schulversammlung« und einem »Schulgericht«. Ihre pädagogischen Prinzipien sind das Streben nach »Weltwissen« statt nach banalem Schulwissen sowie die Ermöglichung maximaler »Bewegungsfreiheit«. Der pädagogische Schlüsselbegriff lautet statt »Erziehung« oder »Bildung« nicht zufällig »Spiel«: Aller ehemalige Ernst des Lebens soll spielerisch aufgefasst, aber auch alles Spiel pädagogisiert werden. Ausgehend von dieser einstweilen imaginären Institution, die erahnen lässt, wie die Zukunft der Kindheit aussehen könnte, soll gezeigt werden, wie die neuere Pädagogik Phantasie und Imagination der werdenden Individuen in ihrem Triebgrund liquidiert, indem sie sie in »Kreativität« überführt.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt u.a. für Bahamas und Jungle World.

Insel fluten! Gegen den Volksmob, seine Apologeten und Anstachler

Demonstration: 08. Juli 2012 | Insel, bei Stendal
Treffpunkt: 14:30 UHR, Dorfplatz, Insel
Beginn: 15:00 UHR
Informationen zu Anreise, Route usw.: novolksmob.blogsport.de

Aufruf zur Demonstration in Insel am 8. Juli 2012

In Insel im nördlichen Sachsen-Anhalt finden sich seit letztem Sommer regelmäßig Dorfbewohner zusammen, um zwei Männer, die in den 1980er Jahren wegen Vergewaltigung verurteilt wurden, aus dem Ort zu vertreiben. Zu diesem Zweck haben sie auch den Schulterschluss mit Neonazis geprobt. Ihre Forderungen fanden bei der Landesregierung, bei „Bild“ & Co. zumindest zeitweise Gehör. Anfang Juni versuchte ein 50-köpfiger Lynchmob, das Haus der beiden Männer zu stürmen. Er konnte nur durch vehementen Polizeieinsatz davon abgehalten werden. Die Demonstration „Insel fluten!“ richtet sich weniger gegen die Beteiligung von Neonazis am Protest, sondern gegen die ganz gewöhnliche Lynchmeute vor Ort, gegen die Zugeständnisse der Landesregierung an den Dorfmob und die Hetzkampagne von „Bild“ & Co.

FÜR DIE CHANCE AUF RESOZIALISIERUNG! FREIE WOHNORTWAHL FÜR ALLE!

Die 400-Seelen-Gemeinde Insel im nördlichen Sachsen-Anhalt ist ein ganz normales ostdeutsches Dorf. Es herrscht die Tristesse, die in diesem Landstrich überall beobachtet werden kann. Seit dem Sommer 2011 geriet der Ort jedoch immer wieder in die Schlagzeilen. Regionale und überregionale Medien berichteten aus Insel. Der Grund dieser Aufmerksamkeit war, dass die Bewohner des Dorfes deutlich machten, welches bedrohliche Potenzial sich hinter der Idylle aus Vorgärten, Geranien und sanierten Fassaden verbirgt.

DER HINTERGRUND Weiterlesen

Jörg Huber: Der Aberglaube des Positivismus.

Am Montag, den 25. Juni, findet die vierte Veranstaltung der Antifaschistischen Hochschultage 2012 statt. Referieren wird Jörg Huber zum Aberglauben des Positivismus.

Montag, 25. Juni, 19 Uhr
Melanchthonianum, Halle (Saale)

Auf messbare Fakten gestützte, positivistische Modelle breiten sich wie selbstverständlich als bevorzugte Instrumente zur Welterklärung aus. Traditionell religiöse oder metaphysische Vorstellungen verfallen der Entmythologisierung. In positiver Gestalt erweisen sie sich eine nach der anderen als dogmatisch und widerlegbar.

Doch der unaufhaltsame Siegeszug des Positivismus wird begleitet von phantastischen Spekulationen, absurden Prognosen und offenkundig nutzlosen Erklärungsmodellen:
– Astrophysik und Astrobiologie stellen Vermutungen über neue fremde Welten in anderen Sternensystemen und deren mögliche Bewohner an—die mythischen Aliens.
– Die Klimaforschung rechnet uns ständig neue beunruhigende Varianten der Wettervorhersage für die nächsten hundert Jahre vor und möchte mit ihren Warnungen die aktuelle Politik unter Zugzwang setzen.
– Fraktale Statistik und Ökonophysik möchten das Auf und Ab der Finanzmärkte modellieren und auch dort etwas mathematisch oder quasiphysikalisch erklären, wo es offenkundig rational nichts zu erklären gibt und nicht einmal die traditionell dafür zuständigen Wissenschaftszweige noch durchblicken.

Passen solche wissenschaftlichen Projekte noch mit dem nüchtern-rationalen Anspruch der Aufklärung zusammen? Oder dienen sie eher der beruhigenden Selbstvergewisserung der Bürger im Spätkapitalismus, die den Glauben an eine vernünftigere Zukunft längst aufgegeben haben und nur noch den status quo sichern möchte?

Jörg Huber (Physiker) ist Autor für die Zeitschriften Bahamas und Jungle World.

Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen! Antifaschistische Hochschultage 2012

In ihrer Entstehungszeit in der Epoche der Aufklärung trat die moderne Wissenschaft mit dem Anspruch an, Wahrheit und Erkenntnis—und damit zugleich der Menschheit—zu dienen. Solche Parolen waren zwar stets Ideologie: Sie halfen zu kaschieren, dass die Wissenschaft stets weniger im Dienst von Wahrheit und Erkenntnis als der Herrschaft stand. Ihr offiziell verkündeter Anspruch trug jedoch zum einen dazu bei, dass sich innerhalb des universitären Betriebes einige (wenn auch kleine) Nischen herausbilden konnten, in denen die Rede von der Erkenntnis gelegentlich ernst genommen werden konnte. Zum anderen hielt die Parole vom Dienst an der Menschheit zumindest die Erinnerung daran wach, dass es auch etwas anderes geben kann als die Abfolge wechselseitiger Quälereien, die sich Weltgeschichte nennt.

Diese Zeit scheint inzwischen vorbei zu sein. Die wenigen akademischen Schutzräume sind im Zuge der Umgestaltung der Universitäten verschwunden. Auch diejenigen Studenten, die dieser Umgestaltung kritisch gegenüberstehen, haben zu diesem Prozess beigetragen—etwa durch ihre Forderung nach einer Evaluation der Lehrenden: Was als studentische Mitbestimmung ausgegeben wurde, hat zur intellektuellen Gleichschaltung der Universitäten beigetragen. Aus der Evaluation sind in der Regel die Eloquentesten, Modischsten und damit zugleich: Stromlinienförmigsten als Sieger hervorgegangen.

Darüber hinaus mag im akademischen Betrieb kaum noch jemand von der Menschheit sprechen. War der Widerspruch zwischen akademischem Anspruch und akademischer Realität einmal der kritische Stachel im Fleisch des universitären Betriebs, bekennen sich die einschlägigen Institute inzwischen mal stolz, mal verdruckst dazu, allenfalls Beamte zur Verwaltung des überflüssigen Menschenmaterials auszubilden: von der Psychologie, Erziehungswissenschaft und Soziologie über Medizin, BWL und Jura bis hin zu den Islamwissenschaften, der Afrikanistik und den Lateinamerikastudien, deren Absolventen Pläne dafür basteln, wie der Politbetrieb in Zukunft mit den abgehängten Regionen der Welt verfahren sollte—selbstverständlich unter Berücksichtigung der dortigen Traditionen, kulturellen Eigenheiten und religiösen Vorschriften.

Insbesondere der Verweis auf Wahrheit löst angesichts der postmodernen Welle, die die Universitäten seit den siebziger Jahren überflutet hat, angesichts des Sermons von »Sprechorten«, »Diskursen«, »Kulturen« und »Performanzen«, der über den Campus quillt, nur noch ungläubig-spöttisches Kopfschütteln aus. Wer auf dem Anspruch der Wahrheit beharrt, so heißt es gern, sei bestenfalls nicht ganz dicht, schlimmstenfalls ein Anhänger des Totalitarismus.

Von dieser Entwicklung ist auch die Linke betroffen, die einen entscheidenden Beitrag zum Einzug der Postmoderne in die Seminare und Universitätsbibliotheken leistete. Wollte die Linke in ihren besten Tagen—von denen es freilich nicht allzu viele gab—einmal die Verhältnisse zum Tanzen zwingen, indem »man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt« (Marx), sind sie inzwischen vor allem auf der Jagd nach einem Pöstchen im akademischen Betrieb. Dieser Betrieb verwandelt freilich innerhalb kürzester Zeit auch den kritischsten Geist in einen Kretin. Die wenigen Ausnahmen, die es möglicherweise gibt, bestätigen nur die traurige Regel. So pflegen die Jungrevoluzzer von gestern spätestens im dritten Semester auch bei ihren Polittreffen jenen akademischen Jargon, der jedweden kritischen Gedanken von vornherein verhindert. Das einstige Existentialurteil über die Gesellschaft verwandelt sich schon nach dem Absolvieren der Basismodule in die Aussage, dass man doch etwas mehr differenzieren müsse. Aus Verstehen (sprich: Begreifen) wird mit anderen Worten Verständnis. Die alte Forderung »Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen«, hat insofern noch immer nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil.

AG Antifa im Stura der Universität Halle
antifa.uni-halle.de

 

Veranstaltungstermine:

Mittwoch, 30. Mai, 19 Uhr
Gerhard Stapelfeldt: Kritik der Soziologie.
zur Ankündigung

Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr Neuer Termin: Mittwoch, 18. Juli, 19 Uhr
Magnus Klaue: Phantasie als Kompetenz. Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik.
zur Ankündigung

Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr
Alex Gruber: »That politics may be reduced to a science«. Die politikwissenschaftliche Ersetzung von Herrschaft durch Psychologie der Herrschenden.
zur Ankündigung

Montag, 25. Juni, 19 Uhr
Jörg Huber: Der Aberglaube des Positivismus.
zur Ankündigung

Ort für alle Veranstaltungen ist das Melanchthonianum,
Universitätsplatz, Halle (Saale)

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Anna und Arthur, geht spielen!

Flugblatt anläßlich einer linken “Antirepressionswoche” in Halle

Die radikale Linke hat weniger das Problem, dass jemand sie belauscht, ihre E‑Mails überwacht oder ihre Computerfestplatten liest, sondern dass sie keine Zuhörer findet. Wer vor diesem Hintergrund eine megalomane „Antirepressionsreihe“ wie die „Anna & Arthur“-Wochen organisiert, dem geht es weder darum, sich über Repression zu beklagen. Noch geht es ihm um – teilweise durchaus nützliche – Unterstützungsarbeit für die wenigen tatsächlichen Repressionsopfer aus den einschlägigen Kreisen. Sondern er versucht vielmehr, Repressionen herbeizureden. Die hallischen „Antirepressionswochen“ sind Ausdruck eines speziellen autonomen Aufmerksamkeitsdefizit-Komplexes. Weiterlesen

Words don’t come easy

Dieses Flugblatt wurde am 22. Februar bei einer „Phase‑2“-Veranstaltung in Berlin verteilt. Die „Phase‑2“-Veranstaltung war dem Schwerpunkt des aktuellen Heftes, der Psychoanalyse, gewidmet.

Abschließendes zur Faselei der „Phase 2“.

„Man darf nicht nur keinen Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, ihn zu formulieren – das ist das Motto der ‚Phase 2’.“ Alf, Gesellschaftskritiker und Vordenker der Genderbewegung, Staffel 3, Folge 2 (oder so)

Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Phase 2“ ist ein Artikel erschienen, dessen Autoren sich einen Scherz mit der Redaktion erlaubt haben. Dieser Scherz ist allerdings weit mehr als eine der traditionellen Spaßguerillaaktionen, mit denen junggebliebene Altautonome so gern aufwarten: Die Autoren dichteten der Präpubertierendenserie ALF unter Berufung auf Studien, Aufsätze und Interviews, die nie erschienen sind, ein emanzipatorisches Potential an. Darüber hinaus stellten sie ausgerechnet den behaarten Außerirdischen mit der tiefen Stimme und dem groben Humor als Vorkämpfer der Gender-Bewegung dar. Dümmer geht nimmer.
Das ist jedoch nur der halbe Skandal: Denn auch wenn die Fußnoten des ALF-Textes erstunken und erlogen sind, folgt der Artikel doch einem Muster, das zuvor schon hundertmal in der „Phase 2“ erprobt wurde: Die Argumentation ist hanebüchen. Private Vorlieben – für Comics, Fernsehserien, Regisseure, Nazijagden oder Geländespiele mit der Polizei – werden weltanschaulich aufgepeppt. Statt auf Logik und Vernunft wird auf Angebersprache, die Autorität von Fußnoten, name dropping und den zukünftigen Doktortitel der Autorin gesetzt. Obendrauf kommt schließlich eine Portion Pseudokritik, die Differenzierungsvermögen signalisieren soll, aber letztlich nur den Wunsch verrät, es allen recht zu machen: sowohl der Gender-Beauftragten als auch dem Traditionsantifa, dem PoMo-Aktivisten und dem akademischen Adorniten innerhalb der Leserschaft. Weiterlesen

Bonjour Tristesse Nr. 13 [Frühjahr 2012]

Schwerpunktthema »Linke Medien«: Sonderbeilage zur Leipziger Buchmesse.

Diese Ausgabe kann an den bekannten Auslageorten bezogen werden und ist auf bonjourtristesse.tk auch als PDF erhältlich.

Wasser marsch!

»Durst auf Heimat – Konfliktlinien in Israel und Palästina« war die Veranstaltung betitelt, welche der Friedenskreis Halle e.V. in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt am 15. Dezember 2011 in den Räumlichkeiten der Goldenen Rose ausrichtete. Das im folgenden dokumentierte Flugblatt wurde an die Veranstaltungsteilnehmer verteilt:

Flugblatt: Wasser marsch!

»Kaum jemand kennt sie nicht: Erschütternde Nachrichten
über die immer wieder eskalierenden Konflikte im
Nahen Osten.«

Mit diesem Satz hebt die Einladung zu einem Vortrag an, die auch Sie, verehrter Besucher, verehrte Besucherin, zur heutigen Veranstaltung gelockt hat. Welche eskalierenden Konflikte im Nahen Osten mögen gemeint sein, die kaum jemandem nicht bekannt sind und deren Kunde erschüttern lässt? Die mörderische Gewalt zwischen sunnitischen und schiitischen Gruppen im Irak? Die brutale Niederschlagung der iranischen Oppositionsbewegung? Die jüngsten Massaker der türkischen Armee in IrakischKurdistan? Der Krieg des Assad-Regimes gegen die syrischen Sunniten? Die monatelangen blutigen Kämpfe des Diktators Saleh gegen die Opposition im Jemen? Der gar nicht mehr so kalte Krieg zwischen Teheran und Riad? Weiterlesen