10 Years After. 9/11 und die Folgen. Antifaschistische Hochschultage 2011.

Das Ende Israels? Israel und die palästinensische Staatsgründung.
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat
Donnerstag, 13. Oktober, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Von New York bis Kairo. Amerika und seine Feinde.
Vorträge und Diskussion mit Bernd Volkert und Justus Wertmüller

Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Nothing Left to Lose. Die Linke nach 9/11.
Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Jan-Georg Gerber
Donnerstag, 10. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Koran und Kapital. Zum Stand der Islamkritik.
Podiumsdiskussion mit Thomas Maul, Niklaas Machunsky und einem Vertreter der Gruppe Morgenthau

Freitag, 18. November, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

 

Als am 11. September 2001 zwei von Islamisten gesteuerte Passagierflugzeuge die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, hieß es in Politiker- und Fernsehkommentaren, dass von nun an nichts mehr so sei wie bisher. Die Bundesregierung stellte für den Krieg in Afghanistan einige Einheiten zur Verfügung; ein Teil der Linken ergriff auf Demonstrationen mit Amerika- und Israelflaggen Partei für den »War on Terror«; und es schien sich ein Problembewusstsein gegenüber dem Islam zu entwickeln. Bereits ein Jahr später rettete ein amerikafeindlicher Wahlkampf die Sozialdemokraten vor der Niederlage bei der Bundestagswahl, und 2003 demonstrierten die zahlreichen Friedensfreunde – von der PDS bis zu den Grünen und der SPD – gemeinsam mit Neonazis gegen den Irak-Krieg. Zehn Jahre nach den Anschlägen will von einer Solidarität mit den USA niemand mehr etwas wissen.
Als Ossama bin Laden Anfang Mai 2011 von amerikanischen Eliteeinheiten aufgespürt wurde, hielt die Aufmerksamkeit gerade bis zur nächsten Unwetterwarnung. Für Israel und Amerika scheinen sich jedoch die schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu haben. Vor diesem Hintergrund soll sich im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage mit den Folgen des 11. Septembers und seiner Bedeutung für die Gesellschaftskritik auseinandergesetzt werden.

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Der große Hedonismus-Schwindel. Über die Rebellion der Angepassten.

Mittwoch, 31. August 2011, 19:00 Uhr
Radio Corax, Unterberg 11, Halle (Saale)

»Ich will Spaß, ich will Spaß«, sang der »Neue-Deutsche-Welle«-Star Markus Anfang der achtziger Jahre. Dreißig Jahre später ist diese Formel – »Ich will Spaß, ich will Spaß, ich geb’ Gas, ich geb’ Gas!« – erneut zur Parole einer Generation geworden. Der VW-Golf-Proll aus dem Saalekreis, die Friseur-Azubine aus Delitzsch, der Kulturarbeiter mit Antifa-Vergangenheit und die SozPäd-Studentin mit Eso-Fimmel: sie alle zieht es Wochen…ende für Wochenende zu den einschlägigen Clubs, Diskotheken und unangemeldeten Freiluftpartys, wo sie sich nicht mehr zu stumpfer Gitarrenmusik, sondern zu monotonem Elektrobeat bewegen. Der hippe Mittelstandsnachwuchs legt gegenüber dem Prekariat zwar ein großes Abgrenzungsbedürfnis an den Tag: Im Unterschied zu den Mandys, Kevins und Jacquelines, die bis zum großen Unglück von 2010 zur Loveparade fuhren, bevorzugen die Sandros und Janinas das »Fusion-Festival«, das »Nation of Gondwana« im märkischen Sand oder, für die ganz Hippen, die illegalen Zusammenkünfte an Seeufern und Waldlichtungen. Wenn sie eine Politvergangenheit haben, Soziologie oder Gender-Studies studieren, versuchen sie darüber hinaus, ihrem Wochenendspaß einen subversiven Gehalt überzuhelfen: Weil sie nicht mehr in Sackleinen und schwarzen Kapuzenpullovern herumlaufen, sprechen sie von Individualismus; weil sie sich gelegentlich mit Koks statt mit Korn betäuben, rhabarbern sie von Hedonismus. Spätestens wenn ihre illegalen Partys, wie jüngst in Leipzig und Halle, von der Polizei gesprengt werden und sie daraufhin mit konstruktiven Vorschlägen an die einschlägigen Stadtverwaltungen herantreten, wird jedoch deutlich, was bereits durch ihre musikalischen Vorlieben angedeutet wird: Von der Autotuning-Fraktion unterscheidet sie nichts außer ihrem Standesdünkel. Die Spontaneität, von der sie sprechen, ist geplant; die unkommerziellen Partys (bei denen, nebenbei, mehr Geld abfällt, als sie zugeben würden) sind die Testballons für den Einstieg ihrer Organisatoren ins professionelle Veranstaltungsmanagement; und ihr Hedonismus ist die Verlängerung des Leistungsprinzips in die Freizeit: Wer nicht lange genug durchhält, ist »out«. Wenn sie vor diesem Hintergrund, wie gerade in Halle und Leipzig, gegen die Prinzipientreue der einschlägigen Ordnungsämter protestieren, dann ist also nichts anderes zu erwarten als eine Rebellion der Angepassten.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura und der AG »No Tears for Krauts« Halle.

Audio: Die Antiquiertheit des Sexus. Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie (Magnus Klaue)

Der von Magnus Klaue im Rahmen der Veranstaltungsreihe Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus.’ (Antifaschistische Hochschultage 2011 an der Uni Halle) gehaltene Vortrag ‘Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie’ steht nun zum nachhören zur Verfügung. Dazu kann die Aufzeichnung über den Link bezogen, oder direkt im Player abgespielt werden nachdem die Datei vollständig gepuffert wurde.

MagnusKlaue: Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie mp3 (52min|128kBs|50MB)

Neuere Vorträge gibt es in der Kategorie Audioaufzeichnung, ältere Vorträge können in unserem Audio-Archiv nachgehört werden.

Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam.

Vortrag und Diskussion mit Thomas Maul

Mittwoch, 15. Juni 2011, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuvörderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet.
In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum.

Thomas Maul ist Autor der Bücher »Die Macht der Mullahs. Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger« (2006) und »Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus« (2010).

Eine Veranstaltung der ag antifa im Stura der Uni Halle.

Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus.

In der Veranstaltungsreihe ‘Hab mich gerne, Postmoderne.’ Antifaschistische Hochschultage 2011 an der Uni Halle:

Michel Foucault: Das Rätsel der Macht.

Vortrag und Diskussion mit Manfred Dahlmann.
Mittwoch, 4. Mai 2011, 19 Uhr
Universitätsplatz, Melanchthonianum Halle (Saale)

Foucaults originäre Leistung besteht darin, den im Selbsthass auf die Voraussetzungen ihrer eigenen Existenz befindlichen westlichen Intellektuellen, die spätestens seit Mitte der 1970er Jahre jeden Wirklichkeitsbezug verloren hatten, sein äußerst traditionelles Wissenschaftsverständnis verkauft zu haben, als könnten seine „nomadischen Untersuchungen“ Wirklichkeit erfassen, ohne ihnen einen universalistischen Wahrheitsanspruch zugrundelegen zu müssen. Darauf hatte die Linke (und mit ihnen alle Geistes‑, Kultur- und Sozialwissenschaftler) lange gewartet: sich kritisch geben zu können, ohne sich der äußerst mühsamen Anstrengung einer Arbeit am Begriff unterziehen zu müssen. Im Rätsel der Macht: überall zu sein, ohne eine substantielle, allgemeine Wirklichkeit „an und für sich“ zu haben, und doch – wenn auch ›nur‹ lokal – allüberall zu erscheinen, reproduziert Foucault in krud-banaler Weise die gängigen, von der Aufklärung und der Kritischen Theorie längst enttarnten Mysterien bürgerlichen Selbstverständnisses und ›modernisiert‹ dabei nichts Anderes als die Nazi-Philosophie des Ziehvaters auch aller ihm nachfolgenden Postmodernen: die von Martin Heidegger.

Manfred Dahlmann ist assoziiert in der Initiative Sozialistisches Forum Freiburg. Er ist Mitherausgeber der Bücher „Geduld und Ironie. Johannes Agnoli zum 70. Geburtstag“ (Freiburg 1995) und „Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag“ (Freiburg 2000).

 

Die Antiquiertheit des Sexus. Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie.

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue.
Mittwoch, 18. Mai 2011, 19 Uhr
Melanchthonianum Universitätsplatz Halle (Saale)

Zur neuesten Tendenz postmoderner Genderpolitik gehört der Versuch, die geschlechtertheoretischen Prämissen der Arbeiten von Judith Butler et al. in einer Weise praktisch werden zu lassen, die die altlinke Formel vom Privaten, das politisch sei, in denkbar bedrohlichster Weise zu verwirklichen verspricht. Beatriz Preciados „Kontrasexuelles Manifest“, das den Hass auf Sexus und Trieb selbstbewusst im Titel führt, sowie die „gendertechnologischen“ Schriften Donna Haraways sind die Referenztexte einer gender- und queerlinken Bewegung, die jeden Einzelnen auffordert, die Abschaffung des Leibes zugunsten des „Körpers“ und den Rückbau des Ich zum bewusstlosen Knotenpunkt blinder „Konstitutionsprozesse“ mit Haut und Haaren an sich selbst zu exekutieren. Der anti-humanistische „neue Mensch“, der dabei entstehen soll und wahlweise als „Mensch-Maschine“ oder „Cyborg“ figuriert, hat kein Unbewusstes und kein Triebschicksal, keine Geschichte und kein Begehren mehr. Seine Symbolwelt steht Preciado gemäß nicht mehr im Banne des „Phallus“, sondern des „Dildos“, des puren Konstrukts, das die reale Erfahrung der Verschränkung von Sexualität und Herrschaft liquidiert, indem es Intersubjektivität und Herrschaft konvergieren lässt. In seiner Welt gibt es weder Intimität noch individuelle Liebe, die Impulse der kindlichen Sexualität sind ebenso getilgt wie die Erfahrung der Sterblichkeit des menschlichen Körpers. Sexualität, von jedem Einzelnen als angstbesetzt und rätselhaft empfunden, soll kommensurabel gemacht werden, indem sie zum puren Vollzug eines allgemeinen Gesetzes erniedrigt wird: lästig, aber nötig, frei von jedem Glücksversprechen und damit auch von
der Angst vor Enttäuschung. In Anschluss an Günther Anders’ Theorem von der „Antiquiertheit des Menschen“ möchte der Vortrag zeigen, dass die Postmoderne damit endgültig zur praktischen Ethik individueller Selbstauslöschung wird, wie Anders sie in Heideggers Technikbegriff, den der deutsche Faschismus zu verwirklichen suchte, angelegt sah.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt unter anderem für „Bahamas“ und „Jungle World“.

 

Der Diskurs zum Tode.
Poststrukturalismus als deutsche Ideologie.

Vortrag und Diskussion mit Martin Dornis.
Mittwoch, 20. April 2011, 19 Uhr
Melanchthonianum Universitätsplatz Halle (Saale)

Dass Geschlecht, Rasse und Nation Konstrukte sind, die durch nationalistische, sexistische, rassistische oder antisemitische Diskurse erzeugt werden und denen durch die Methode der Dekonstruktion entgegengearbeitet werden könne und müsse, ist in der heutigen radikalen Linken ideeller Gemeinplatz. Poststrukturalistische Autoren wie Judith Butler und Michel Foucault, aber auch Gilles Deleuze und Jacque Derrida sind en vogue.Vielfach werden sie mit Marx und Ansätzen der kritischen Theorie Horkheimers und Adornos gemixt, hätten sie alle doch angeblich ein gemeinsames Bestreben, nämlich dem Besonderen und Unterdrückten eine Stimme zu verleihen und es zu befreien. Der Vortrag will Herkunft und Wirkung des postmodernen und poststrukturalistischen Denkens darlegen und es der Kritik unterziehen. Anhand ausgewählter linksradikaler Publikationen werden die teilweise verheerenden Folgen dieser Art von Theorie für linksradikales Denken und ihre gegensätzliche Stellung zu einer materialistischen Gesellschaftskritik aufgezeigt.

Martin Dornis ist freier Autor/Referent und wohnt in Leipzig. Er versteht sich als materialistischer Gesellschaftskritiker.

„Halle/Saale Hauptbahnhof, Endstation.“ Den Naziaufmarsch am 01. Mai 2011 stoppen!

Aufruf des Zusammenschlusses antifaschistischer Gruppen in Halle

Der 01. Mai – hierzulande seit 1933 der Tag der deutschen Arbeit – steht wieder bevor. Die ostdeutsche Naziszene hat sich für den von ihnen nun ausgerufenen Kampftag gegen EU-“Erweiterungsorgie“ und „Fremdarbeiterinvasion“ ausgerechnet Halle ausgesucht. Dort wollen sie dem nicht mal ernsthaft geplanten EU-Beitritt der Türkei entgegentreten, dem „Baustein der Raubtierkapitalisten in ihrem nächsten Globalisierungsvorhaben“. Nach ihrem Scheitern bei den Wahlen wollen die Nazis auf den hallischen Straßen verhindern, dass – man höre und staune – „weitere Millionen von Fremden in unser Land hereingelassen“ werden.

Den „Volkszorn auf die Straße tragen“ wollen am 01. Mai 2011 vor allem die sogenannten Freien Kräfte, Neonazis ausserhalb der Strukturen der NPD/JN, von denen sich viele zum Spektrum der aktionsorientierten „Autonomen Nationalisten“ zählen. Sie mobilisieren überregional, nicht nur auf dem flachen Land in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, sondern auch in der „ehemaligen Reichshauptstadt“. Die Organisatoren der Demonstration um Enrico Marx und Maik Müller kooperierten in der Vergangenheit teilweise mit NPD/JN-Strukturen, auch eine Beteiligung von deren Aktivisten ist also zu erwarten. Da in Halle der einzige und zentrale Aufmarsch der ostdeutschen Naziszene stattfinden wird, ist demnach mit einer größeren Ansammlung dieser Berufsdeutschen am Hauptbahnhof Halle/Saale zu rechnen.

Der sollte für die angereisten Nazis im wahrsten Sinne des Wortes zur Endstation werden. Denn es gilt, sich den gewalttätigen Rassisten und Antisemiten am 1. Mai in den Weg zu stellen und ihren Aufmarsch zum Desaster zu machen. Nicht, weil die Stadt so zeigen kann, dass sie bunt statt braun sei, oder weil Nazis in „unserer Stadt“ oder gar „unserem Land“ nichts zu suchen hätten. Ebensowenig um zu verhindern, dass der „Tag der Arbeit“ besudelt wird.

Denn die Nazis gehören zu Deutschland und zum „Tag der Arbeit“, wie die Schmeißfliege zum Scheißhaufen, und es sollte unmöglich sein, Nazis zu bekämpfen, ohne sich Gedanken über die deutschen Zustände zu machen. Es ist schlichtweg die Tatsache, dass noch der dümmste Nazi eine unmittelbare Gefahr für jeden ist, der nicht in sein ausgeprägtes Feindbild passt, die es notwendig macht, ihm den öffentlichen Raum zu nehmen, ihm offensiv entgegenzutreten.

Bereits im Juni 2009, als die Nazis in der hallischen Südstadt schon einmal nach 1000 Metern entnervt umdrehen mussten, hatten wir zuvor festgestellt: Man muss den Nazis ihre Auftritte versauen, um sich danach wieder ungestört der Kritik der Verhältnisse widmen oder einfach nur in Ruhe in die Kneipe gehen zu können. Daran hat sich nichts geändert, weshalb es am 01. Mai 2011 heißen muss: Halle/Saale Hauptbahnhof, Endstation! Eine gute Heimreise wünschen kann schließlich nicht nur die NPD.

Antifaschistische Gruppen Halle (04/2011)

weitere Informationen:www.nonazisinhalle.tk
www.twitter.com/nonazisinhalle

Gegen den linken Konsens: Dokumentation der Beiträge zur Veranstaltung am 21. Januar 2011 in Leipzig

Gewaltphantasien gegen Affektiertheit (Redaktion Bahamas)

Spalten statt Versöhnen (AG No Tears For Krauts – Halle)

Der Stachel der Kritik (Martin Dornis)

Über die Voraussetzungen der Israelsolidarität (Sören Pünjer)

Wir Terroristen des Wortes (Justus Wertmüller)

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WEBSITE RELAUNCH

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AG No Tears For Krauts – Halle im Januar 2011

Gegen den linken Konsens. Eine Veranstaltung in und gegen Leipzig

Es sprechen:

Justus Wertmüller über das Verhältnis von Polemik und Kritik, Beleidigung und Beleidigtsein.

Martin Dornis: Der Stachel der Kritik – Über interessierte Missverständnisse.

Sören Pünjer über die Scheu vor den Konsequenzen – Israelsolidarität als Instrument linker Modernisierung.


Freitag, 21. Januar 2011. 19 Uhr.

Alte Schlosserei
Kurt-Eisner-Straße 66, Leipzig

Eine Veranstaltung der AG „No Tears for Krauts“ Halle und der Redaktion Bahamas.

 

Die linke, manchmal sogar als antideutsch apostrophierte Szene Leipzigs hat ein Problem: Alle, die sich ihr zugehörig fühlen, sind von einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie erfüllt, alle suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner und sind wild entschlossen, einander zu respektieren. Das funktionierte bis zum Oktober 2010 scheinbar recht gut, seither ist das „Modell“ Leipzig nicht nur öffentlich blamiert, sondern auch für immer erledigt. Denn wo man sich Harmonie verordnet, obwohl einen außer Szene-Partys, einem Szene-Jugendzentrum und vor den Toren der Stadt sich weiterhin tummelnde Nazis nichts verbindet, muss irgendwann dem Kuschelkonsens ein Opfer dargebracht werden. Verordnete Harmonie braucht Abgrenzung und Ausschluss gerade dann, wenn der gegenseitige Respekt den letzten Rest inhaltlicher Verbindlichkeit aufgefressen hat. Respekt und friedliche Koexistenz sind nicht dem Inhalt sondern dem Ton verpflichtet. Entsprechend erfolgte der Beschluss des Conne-Island-Plenums, für eine Veranstaltung mit dem Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller den Versammlungsraum nicht zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung, dieser bediene sich einer rüden Sprache, beleidige seine Gegner und ziele seinerseits nicht auf Diskussion sondern auf den Ausschluss Andersdenkender. Wer stets auf Kritik mit Gekränktsein reagiert und das auf eine angeblich gefallene Beleidigung zurückführen will, bekundet nur, dass er es nicht aushalten kann, wenn unangenehme Wahrheiten fallen. Die Gekränkten sind es dann ihrerseits, die wie auf den Plenen des Conne Islands dutzendfach geschehen, über den gemeinsamen Feind mit stereotypen Verbalinjurien wie „Rassist“, „Sexist“ und „Verharmloser von Vergewaltigungen“ herfallen.

In Leipzig hat sich so nur mit Verspätung vollzogen, was etwa in Hamburg immer schon Konsens war. Man weiß, dass trotz größtmöglicher Toleranz nach innen die Felle wegschwimmen. Immer weniger Leute sind überhaupt noch politisch oder theoretisch – geschweige denn kritisch – aktiv, immer mehr ziehen sich zurück, sind nur noch auf Konzerten und Partys anzutreffen und fahren zum Diskutieren nach Halle, dem einzigen Forum für Kritik in der gesamten Zone. Zugleich wächst bei denen, die weitermachen wollen, als wäre nichts geschehen, der Druck, angesichts des absehbaren Endes einer früher so hochgejubelten, angeblich theoretisch versierten, israelsolidarischen und dabei noch großen Subkultur, sich als Leipziger Linke neu zu erfinden. Alles soll diskutierbar sein, solange es dem Projekt radikale oder „emanzipatorische“ Linke verpflichtet und der damit verbundene gute Ton der Solidarität und des Rühr-mich-nicht-an gewahrt bleibt. Weil man nicht weiß, was eine emanzipatorische Linke eigentlich sein soll und manchmal sogar darüber erschrickt, wie schnell man in einem Soli-Boot mit der Roten Antifa Duisburg sitzt, die durch einen tätlichen Angriff in Bonn schon einmal gezeigt hat, wie mit dem Provokateur Wertmüller umzugehen sei, ist das linke Leipzig schon jetzt so ewig jung wie die vergreisten Genossen in Hamburg. Die haben schon vor sieben Jahren erkannt, dass alles Böse aus den Berliner Redaktionsstuben der Zeitschrift Bahamas – also von außen – kommt, die sich sogar erdreistet hat, eine Demonstration gegen den linken Antisemitismus in der Hansestadt zu veranstalten. Gegen solche Penetrationsversuche, das ist jetzt auch in Leipzig Konsens, muss man zusammenstehen wie ein Mann. Unter diesen Vorzeichen geht von Leipzigs linker Szene mittlerweile eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für Kritik aus, die aus der Geschichte der Linken bekannt sein könnte. Wo die Generallinie durchgesetzt wurde, da wurde der Kritiker als Abweichler und Polemiker gebrandmarkt, weil er den Ruf der Partei geschädigt hätte – jener Partei, die in Leipzig nun ganz fortschrittlich nicht den Artikel der Groß- sondern der Kleinschreibung trägt: nicht Die, sondern die Linke.

Wir wollen der Leipziger Szene keinen Ausweg zeigen und schon gar kein Angebot unterbreiten. Die Veranstaltung „Gegen den linken Konsens“ richtet sich an jene, die genug von den faulen Kompromissen und dem haltlosen Gestammel auf irgendwelchen Plenen haben, die respektlos und harmonieresistent sind und als Kritiker noch etwas vorhaben. Die hohe Zahl von Besuchern aus Leipzig bei den Veranstaltungen in Halle und die stetig wachsende Leserschaft der Bahamas in der Stadt stimmt uns so optimistisch, dass wir unseren Freunden und Genossen in Leipzig einen Vorschlag machen wollen: Nehmt die Streitereien über einen im Grunde öden Vorfall aus der linken Provinz als Herausforderung an, dem linken Leipzig in allen seinen Erscheinungsformen – von der Linkspartei bis zum Conne-Island-Plenum, vom Antifa-Frauenblock bis zur Phase 2 – eine Abfuhr zu erteilen. Es ist möglich, einen kritischen Kern in und gegen die Heimatstadt und ihren Szenesumpf zu bilden.

Rettet das Conne Island!
Offener Brief an das Conne Island-Plenum anlässlich des verhängten Auftrittverbotes für den Redakteur der Zeitschrift Bahamas, Justus Wertmüller, durch das Conne Island-Plenum.

Von Blockwärtinnen und Platzkühen
Erklärung von Justus Wertmüller auf der Veranstaltung „Der Sarrazin-Komplex“ am 27.Oktober 2010 in Halle