Raus aus der Scheiße: Ende der Antifademo durch das Drecksnest Bornhagen | 5. Mai 2016

Kurzmitteilung

Weil es so schön war, der dörflichen Idiotie zu entsagen, hier nochmal ein Video vom Ende der Demo durch das Drecksnest Bornhagen.
Es spielten die Bands: NTFK, ADAB, GEKO

„Straight to hell! Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!“ [youtube playlist]

FAZ 6.5.2016 | Ein Himmelfahrtsprotest gegen Gefühlszonis. Linke Gruppen kommen nach Bornhagen, in den Wohnort des AfD-Manns Björn Höcke – ihre Wut richtet sich aber vor allem gegen die Provinz

Die Redebeiträge zur Demo im Eichsfeld sind hier nachzulesen:
http://nokrauts.org/2016/05/redebeitraege-zur-demonstration-straight-to-hell-in-bornhagen/

Bilderreihe: https://www.flickr.com/photos/lionelcbendtner/sets/72157667942386086

Presseshow following up straighttohellbornhagen.wordpress.com/presseschau/

Weitere Berichte in der youtube Playlist: Weiterlesen

Redebeiträge zur Demonstration „Straight to hell!“ in Bornhagen

Die Redebeiträge zur Demonstration „Straight to hell!“ (Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!) im thüringischen Eichsfeld können hier nachgelesen werden.

Redebeitrag AG NTFK Halle [PDF]

Redebeitrag GEKO Halle [PDF]

Redebeitrag ASSOCIATION PROGRÈS [EXT]

Wer vom Islam nicht reden will,
sollte auch von der AfD schweigen

Redebeitrag von No Tears for Halle aus dem Organisationsbündnis zur Demonstration „Straight to Hell!“ am 5. Mai 2016 in Bornhagen.

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In Halle werden die Dummen nicht alle!

Nachdem gestern der hallische Außenminister Hans Dietrich Genscher verstarb, begann prompt der obligatorische Chor der ergriffenen Laudatoren von der Größe des Staatsmannes etc. zu schwärmen. Dem schließen wir uns selbstverständlich nicht an. Wir bleiben bei dem, was wir schon 2012 in einem Flugblatt anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem 85. Geburtstag festhielten.

Was ist nötig, um zum Ehrenbürger Halles ernannt zu werden? Richtig: Es ist (1.) von Vorteil, in Halle oder Umgebung geboren worden zu sein wie Louis Jentzsch, Gustav Hertzberg und Carl Dryander. Die Saalestadt hat es sich in ihrer Provinzialität gemütlich eingerichtet und will dort auch nicht so schnell heraus. Darüber hinaus ist es (2.) von Vorteil, der Staatsräson alle anderen Dinge unterordnen zu wollen, wie der Erstweltkriegsgeneral und spätere Rechtsaußen-Reichspräsident Paul von Hindenburg, der 1933 zum Ehrenbürger Halles ernannt wurde. Und es ist (3.) von Vorteil NSDAP-Mitglied gewesen zu sein wie Adolf Hitler und Hermann Göring, denen 1933 und 1934 die hallische Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.

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Trutzburg Würzburg

Die Vergangenheitsbewältigung trägt in Würzburg derart anachronistische Züge, dass man zumindest in dem Punkt das Gefühl bekommt, die Berliner Republik sei an der Stadt spurlos vorbeigezogen. Kernstück des Würzburger Opfermythos ist die zentrale Gedenkveranstaltung für die Opfer der Bombardierung der Stadt durch die alliierten Luftstreitkräfte am 16. März 1945, die den Namen „Lichtergedenken“ trägt. Burschis, die andächtig ihre Mütze vom Kopf ziehen und schwarze Fahnen tragen, schweigen dort für 20 Minuten – so lange dauerte der alliierte Angriff – gerührt zum Glockengeläut, einträchtig neben Vertretern der katholischen Kirche und Ökobauern mit Teelichtern in der Hand. Da es in Würzburg niemanden gibt, der gegen das Trauerspiel Einspruch erhebt, entschied sich die AG No Tears For Krauts das Schweigen mit Flugblättern zu stören. Die Kritik kam erwartungsgemäß gut an. Unzählige Flugblätter wurden zerknüllt, zerrissen und verstimmt zurückgegeben. Der Dompfaffe („Das ist mein Platz! Habt ihr eine Genehmigung?“) drohte an, dass wir noch von ihm hören werden. Die Vertreter der NTFK waren übrigens nicht allein in Würzburg. Unterstützt wurden sie von amerikanischen Kampfjets.

[PDF] Ein Flugblatt der „Ag No Tears For Krauts“ gegen das Lichtergedenken.

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Flugblatt: Faszination Klerikalfaschismus

Das Flugblatt wurde bei der Veranstaltung unter dem Titel »Unterwegs auf der ‚Achse des Bösen‘ – Gesichter des Iran«, zu der das Gemeindehaus St. Norbert in Halle geladen hatte, verteilt. Laut Ankündigungstext wollten die Vortragenden „versuchen einen eigenen, persönlichen Blick hinter das negative Image dieses Landes zu werfen, welches in unseren Medien oft als „Gottes-Staat“, „Mullah-Regime“ oder sogar „Reich des Bösen“ (G.W. Bush) bezeichnet wird.“ Ihren Reisebericht stellten sie unter der Frage »Reich des Bösen oder uralte Zivilisation?« vor.

Flugblatt – Iranveranstaltung als PDF

Nachtrag: Auch die Kletterottos vom Geoquest Halle huldigen dem Weltmeister des Terrorismus

Der iranische Gottesstaat hat erst vor kurzem das auf die Ermordung des Schriftstellers Salman Rushdie ausgesetzte Kopfgeld auf 600.000 Dollar erhöht. Die 1989 vom Revolutionsführer Khomeini ausgesprochene Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, das das Todesurteil auf blasphemische Schriften beschließt, hatte eine Welle der Gewalt zur Folge. In Großbritannien wurden Bombenanschläge auf Buchhandlungen ausgeführt, die Rushdies Buch verkauft hatten. Der japanische und der italienische Übersetzer des Buches wie auch sein norwegischer Verleger wurden ermordet. Rushdie selbst entging mehreren Mordanschlägen und ist seither gezwungen, unter schwerer Bewachung ein Leben im Untergrund zu führen. 27 Jahre nach der Verhängung des Todesurteils erneuerten vierzig staatliche Medien im Iran jetzt den Mordaufruf gegen den Schriftsteller. Gelten Medien anderswo als Wahrer der Meinungs- oder Religionsfreiheit, stehen die staatlichen iranischen Medien für das genaue Gegenteil: Im Dienste eines islamistischen Gottesstaates treiben sie die Verfolgung eines Schriftstellers voran, dessen einziges ‚Verbrechen‘ darin bestand, ein Buch geschrieben zu haben, das den Missfallen des totalitären Ideologen Khomeinis und seiner Nachfolger erregt hat.
Die gegenstandslose Hoffnung auf eine gemäßigte Politik des Iran infolge des Atomdeals, der als krisenstabilisierender Partner im Nahen Osten gesehen wird, hat sich erwärtungsgemäß blamiert. Diesem totalitären Regime, das jeden Aufschein individueller wie gesellschaftlicher Emanzipation verfolgt und zerstört, das Widerstand gegen die klerikalfaschistischen Schicksalsbestimmungen der Mullas mit dem Tod bestraft, dem Gottesstaat also, der im Yemen einen erbarmungslosen und folgenschweren Bürgerkrieg austrägt und weiterhin unablässig mit der Vernichtung des jüdischen Staats droht, wird trotzdem von deutschen Regierungsvertretern die Treue gehalten.

Trotz allem, oder gerade deswegen, will dem der deutsche Normalotto in Nichts nachstehen. So veranstalteten die Kletteridioten „Gerald & Chris“ einen Reisevortrag unter dem völlig unironisch gemeinten Titel „Iran: Land der Gastfreundschaft“.
Wer angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Lebensbedingungen im Iran, aus welchen narzisstischen Gründen auch immer, in schamlosem Affirmationskitsch die politische Ideologie des Islam ausblendet, macht gemeinsame Sache mit den Gotteskriegern, betreibt aktiv Propaganda für das klerikalfaschistische Regime und verhöhnt niederträchtig dessen Opfer.

[PDF] Faszination Klerikalfaschismus – Iran Weltmeister des Terrorismus [PDF]

Gegen die Apologie des Terrors - STOP IRAN NOW!

Gegen die Apologie des Terrors – STOP IRAN NOW!

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Was heißt Antifaschismus heute?

Anlässlich ihres 20. Jubiläums stellte die AG Antifa die Frage, was Antifaschismus in den gegenwärtigen Verhältnissen bedeutet. Wir dokumentieren den ersten Teil der auf einer Veranstaltung gehaltenenen Beiträge.

Der folgende ist neben Beiträgen der AG Antifa (Halle) und Jörg Folta (Beatclub Dessau) erschie­nen in: Bon­jour Tris­tesse #19 (Herbst 2015)

AG »No Tears for Krauts« (Halle)
Wenn ich mich heute zur Frage »Was heißt Antifaschismus heute?« äußern soll, muss ich sagen, dass mir das schwer fällt. Die AG »No Tears for Krauts« war nie eine Antifa-Gruppe und sie wird es auch nie sein. Zwar haben wir nichts dagegen, wenn Nazis das Leben schwer gemacht wird. Skurrilerweise kümmern sich die Nokrauts sogar intensiver um so etwas als viele traditionelle linke Gruppen oder Cliquen in Halle, die ihren Antifaschismus wie eine Billigfuselfahne vor sich hertragen. An Protesten gegen Naziaufmärsche haben wir uns – zumindest in Halle – ebenfalls immer wieder beteiligt. Das alles passierte allerdings stets eher lustlos. Einerseits ist uns klar, dass die Nazis auf die Mappe verdient haben und ihnen kein Erfolg zu gönnen ist. Andererseits war es uns immer suspekt, mit SDAJ, PDS, OB und Co. an einem antifaschistischen Image für Halle zu stricken.
Der Hauptgrund dafür, dass wir uns nicht als Antifa-Gruppe verstehen, ist jedoch der, dass mittlerweile jeder, von der Oder bis zum Rhein, von Garmisch bis nach Flensburg, ein Antifaschist ist. Der Begriff unterliegt seit 1945 einer großen, seit 2000 einer riesigen Inflation. Mit »Antifaschismus« kann heutzutage alles gerechtfertigt werden: Der nach wie vor kritikwürdige Jugoslawienkrieg der rot-grünen Regierung wurde mit der Begründung angezettelt, ein neues Auschwitz verhindern zu wollen. Die Beteiligung am nach wie vor vernünftigen Irakkrieg wurde wiederum mit antifaschistischen Argumenten abgelehnt. Man habe ja schließlich aus der eigenen Nazi-Vergangenheit gelernt. Auch im internationalen Maßstab ist »Antifaschismus« jederzeit als Allzweckwaffe einsetzbar: Russland und Ukraine beschimpfen sich im aktuellen Konflikt gegenseitig als »Faschisten«, weshalb es antifaschistische Pflicht sei, den Gegner möglichst effektiv plattzumachen.
Diese Inflationierung des Begriffs zeigte sich letztlich bereits bei dem Ereignis, das in gewisser Weise den Ausschlag für die Gründung von »No Tears for Krauts« gab. Da heute alle Geschichten von früher erzählen, tun wir das auch: Die Neue Autonome Gruppe Halle – Abkürzung NAG –, die mehr oder weniger die direkte Vorgängergruppe der AG »No Tears for Krauts« war, verstand sich um die Jahrtausendwende als Teil der Antiglobalisierungsbewegung. Sie war irrsinnigerweise darum bemüht, innerhalb der radikalen Linken zu agieren, die Antiglobalisierungsbewegung von innen heraus zu korrigieren und in die richtigen Bahnen zu lenken, um schließlich die Revolution zu machen. Noch 2001 tobte sich die NAG bei den Straßenschlachten im Rahmen der sogenannten Antiglobalisierungsproteste in Prag und Göteborg aus. Auf der Busfahrt nach Schweden knüpften wir übrigens (als kleiner Schwank am Rande) erste Kontakte zur Vorgängergruppe der heutigen ADAB, die sich damals ebenfalls als Teil der No-Globals verstand. Während die Berliner Genossen eher mit dem Umkippen von Dixie-Klos beschäftigt waren, erklärte ein nicht ganz unbekanntes NAG-Mitglied vermummt und in einem breiten hallischen Englisch einem TV-Team – das Video gibt es noch irgendwo im Netz –, dass wir selbstverständlich keine »small shops« plündern würden, sondern »only big companies«.
Als die NAG ein Jahr später bei den Protesten gegen ein EU-Treffen in Kopenhagen ein Transparent gegen Antisemitismus und Antizionismus zeigte, wurde sie mehrfach gewaltsam daran gehindert, Kritik am äußerst manifesten Antisemitismus in die globalisierungskritische Bewegung zu tragen. Die Begründung war: Israel sei ein Faschistenstaat und wir wären Nazis, da wir uns nicht gegen den jüdischen Staat stellen würden. Mit Ereignissen wie diesem sowie den Reaktionen der No-Globals auf 9/11 wurde der Glaube der NAG blamiert, die Bewegung von innen auf einen vernünftigen Weg bringen zu können. Es setzte sich immer mehr die Einsicht durch, dass von der deutschen und der internationalen Linken nichts zu erwarten ist.
Als wir kurz darauf schließlich die AG »No Tears for Krauts« gründeten, ging es von Anfang an darum, dort Unruhe reinzubringen, wo sich die Deutschen besonders gemütlich eingerichtet haben. Im Unterschied zu linken Uni-Gruppen, deren langweilige Vortragsveranstaltungen so etwas wie der zweite Bildungsweg für die zu kurz Gekommenen des akademischen Betriebs sind, war und ist sich die »No Tears for Krauts« auch nie zu fein dafür, die offene Konfrontation zu suchen. Immer dann, wenn sich die Landsleute besonders einig sind, guckt die NTFK gerne ganz genau hin und haut auf den Tisch. Neben »Kinderschändern« oder US-Kriegen gehören längst auch die Nazis zu den klassischen Feindbildern der Deutschen. Diese häufig kampagnenartigen Mobilisierungen gegen die neuen Volksfeinde – mal auf regionaler, mal auf Bundesebene – zeigen ein Bedürfnis der Deutschen nach Masse und vor allem nach Hetze gegen Feindbilder. Gegen diese Zusammenrottungen versuchten und versuchen wir mit unseren äußerst begrenzten Möglichkeiten zu intervenieren. So unterstützten wir beispielsweise die Demo im nord-sachsen-anhaltinischen Insel gegen eine Meute aus Anwohnern, die zwei zugezogene Männer lynchen wollten, die ihre Haftstrafen wegen Vergewaltigung abgesessen hatten. Und vor wenigen Monaten beteiligten wir uns an einer Demonstration gegen die Roma-Hetze in der Silberhöhe. Auch hier eine kleine Skurrilität am Rande: viele Antifaschisten und Linke aus Halle, die sonst keine Gelegenheit auslassen, ihre Gegnerschaft zu Rassismus kundzutun, blieben der Demonstration in einem der finstersten Orte Ostdeutschlands fern.
Besonderes Augenmerk richtet die AG »No Tears for Krauts« dabei auf die Linke. Vor allem für Halle gilt: Wenn sich irgendwo zehn Linke über eine Sache einig sind und sich dabei »wohlfühlen«, kann man sich sicher sein, dass wir etwas daran auszusetzen haben. Diese (nennen wir es libidinöse) Bindung an die Linke hat zwei Gründe. Einerseits kommen die meisten von uns selbst aus der Linken und haben früher, wie das Beispiel der NAG zeigt, fast jeden Mist mitgemacht. Gerade weil wir selbst klüger geworden sind und uns keineswegs für Ausgeburten von Hyperintelligenz halten, glauben wir, dass auch andere klüger werden und mit dem linken Unfug brechen können. Einsichten sind ja schließlich keine Frage des IQ oder Schulabschlusses sondern der Bereitschaft zu Reflexion und Erfahrung. Zum anderen kritisieren wir die Linke vor allem wegen ihrer Avantgardefunktion für den Mainstream. Vermeintliche kritische Solidarität mit Israel, die angebliche besondere Verantwortung der Deutschen für die Juden, der Genderquatsch und der kulturalisierende Antirassismus, die längst in den Unis angekommen sind, waren früher randständige linke Erscheinungen, die sich inzwischen allesamt gesellschaftlich durchgesetzt haben. Dass die Kritik an all diesem Quark auf den Begriff des Antifaschismus gebracht werden kann, darf allerdings bezweifelt werden.

Was heißt: „Raus aus der Scheiße“?

Redebeitrag von „No Tears for Krauts“ Halle zur Demonstration „Raus aus der Scheiße, rein in die Stadt – Tröglitz denen, die’s verdienen“ am 1. Mai 2015 in Tröglitz.

Liebe Freundinnen, Freunde, Genossinnen und Genossen,

die Eingeborenen scheinen uns nicht zuhören zu wollen, darum eine Ansprache nur an Euch: Angesichts der Verhältnisse hier im Burgenlandkreis müsste man eigentlich fordern: „Bring back the State!“ Denn Ereignisse und Zustände wie in Tröglitz gehen nicht zuletzt auf einen fast vollständigen Rückzug des Staates und seiner Institutionen zurück. Die nächste Schule, die nächste Polizeistation und das nächste Amt sind oft kilometerweit entfernt, administrative Aufgaben werden schon seit Jahren (wenn überhaupt) bestenfalls auf Ehrenamtsbasis erledigt. Anders als unsere anarchistischen Genossen glauben, erwächst aus dem Rückzug des Staates allerdings leider nicht der Himmel auf Erden – zumindest nicht unter den gegenwärtigen Umständen. Sondern es entsteht das Gegenteil, es entsteht ein neuer Naturzustand, in dem alle gegen alle kämpfen oder die stärkste Horde über die Schwächeren herfällt.
Wir wissen selbstverständlich, dass der Staat Barbaren nicht unbedingt in bessere Menschen verwandelt: Auch wir hatten Geschichtsunterricht. Aber wir wissen, dass die Anwesenheit von Dorfsheriffs und Beamten, die qua Dienstverhältnis noch anderen Instanzen als der Dorfgemeinschaft verpflichtet sind, gelegentlich eine gewisse Mäßigung bewirken können. Und wir wissen, dass die langwierigen Entscheidungsfindungsprozesse der parlamentarischen Demokratie Emotionen abkühlen lassen können: Wenn eine Entscheidung ansteht, ist die aufgehitzte Stimmung, die hierzulande fast immer auf die Forderung „Rübe runter!“ hinausläuft, in der Regel schon vorbei. Das gilt zumindest dann, wenn der Staat und seine medialen Vorfeldorganisationen zumindest dem Ton nach offen gegen Rassismus, Lynchjustiz und Heugabelmeuten auftreten, wie es derzeit der Fall ist. Die bundesweite Empörung über Tröglitz ist Ausdruck dieser Politik.
Trotzdem funktioniert die Trennung zwischen Mob und Staat, zwischen der Barbarei des flachen Landes und der Stadtluft, die frei macht, nicht vollkommen. Auch das zeigt nicht nur die Geschichte, sondern auch die beliebte Praxis, Asylbewerber ausgerechnet in gottverlassenen Gegenden wie dem Burgenlandkreis unterzubringen. Denn auch wenn sich die Vertreter des neuen Deutschlands weltoffen und antirassistisch geben, wollen sie mit den Flüchtlingen, die hier ankommen, nicht viel zu tun haben. In Orten wie Tröglitz ist die Unterbringung nicht nur billig, sondern die politische Klasse und der sie tragende Teil des Mittelstands werden auch nicht permanent mit dem konfrontiert, was unter den gegebenen Verhältnissen alle fürchten: Degradierung und sozialer Abstieg.
Das Wichtigste aber ist: Die Voraussetzung dafür, dass sich Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier, Günther Jauch und Oliver Welke, Der Spiegel und Die Zeit über Barbarenkollektive wie in Tröglitz, Wutbürger wie in Schneeberg oder Pegida-Ossis wie in Dresden empören können, ist das tägliche Verrecken im Mittelmeer. Das europäische Grenzregime ist die Voraussetzung dafür, dass es hierzulande trotz Tröglitz und Pegida immer noch halbwegs friedlich zugeht und das soziale System nicht kollabiert: Die Finanzkrise und der Staatsbankrott in Griechenland haben gezeigt, dass eine Nationalökonomie nicht unendlich belastbar ist. Wenn die Zahl der Asylbewerber in der Bundesrepublik dagegen exorbitant steigen würde, wenn die deutsche Volkswirtschaft nicht mehr dazu in der Lage wäre, für die armen Schlucker zu sorgen, und wenn sich die Krise in finanzieller Hinsicht stärker auswirken würde als bisher, dann könnten auch diejenigen Gefallen an der Parole „Ausländer raus!“ finden, die sich zur Zeit noch über die hinterwäldlerischen Ausländerfeinde in Tröglitz empören. Trotz der regelmäßigen Skandale werden die zuständigen Minister der EU-Staaten darum auch weiterhin am europäischen Grenzregime festhalten. Das tun sie nicht weil sie schlechte Menschen sind (das sind sie möglicherweise auch), sondern das tun sie vor allem, weil sie mit Blick auf den inneren sozialen und politischen Frieden in ihren Ländern nicht anders können – zumindest nicht unter den gegenwärtigen Umständen.
Die Ereignisse der letzten Monate sind insofern ein Lehrstück in Sachen Kapitalismuskritik. Sie zeigen, dass die Rede von der gesellschaftlichen Totalität etwas anderes ist als eine akademische Lockerungsübung. Das soll heißen, die einzige vernünftige Antwort auf die sogenannte Flüchtlingsfrage, die derzeit von Lampedusa bis Tröglitz gestellt wird, wäre – um es präzise, differenziert und sachlich mit Marx auszudrücken – die Abschaffung der „ganzen alten Scheiße“ (MEW irgendwo). Diese Erkenntnis ist natürlich durch und durch unbefriedigend, weil sie wenig bis gar nichts nutzt. So ist weder eine Bewegung in Sicht, die an die Stelle des Alten etwas anderes setzen will als das Hauen und Stechen postindustrieller Wastelands à la Tröglitz, Caracas oder Gaza. Noch gibt es einen potentiellen sozialen Träger, der diese Aufgabe übernehmen würde. Das Proletariat, in das zwei Philosophiestudenten aus dem 19. Jahrhundert ihre großen Hoffnungen setzten, bewegt sich zumindest heute eher außerhalb als innerhalb der Demonstration. Die wenigen Ausnahmen bestätigen nur die Regel.
Wenn wir den Flüchtlingen mehr als warme Worte zukommen lassen wollen, bleibt uns aus diesem Grund nicht viel anderes übrig, als zu fordern: „Raus aus der Scheiße, rein in die Stadt!“ Genauer: Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in einem lebenswerten Viertel der Großstadt ihrer Wahl. Und auch das klingt, ehrlich gesagt, schon ziemlich utopisch.

No Tears for Krauts, 1. Mai 2015 (nokrauts.org)

Aber hier leben, nein danke!

Als im Juli 2014 einige rumänische Familien in das hallische Plattenbauviertel Silberhöhe zogen, organisierten sich sofort mehrere hundert einheimische Stammesbewohner auf Facebook, um die Vertreibung der neuen Nachbarn zu fordern. Unterstützung erhielten sie vom lokalen Bundestagsabgeordneten Christoph Bergner (CDU), dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, der ihrer Onlinepetition Anerkennung zollte und dafür bekannt ist, dass er für jede Schweinerei zu haben ist. Er geriet erst Anfang des Jahres in die Schlagzeilen, als herauskam, dass er den Verein Leo e. V. aus Sangerhausen unterstützt, der »Heilungstherapien« für Homosexuelle anbietet. Auch die Stadtoberhäupter reagierten prompt auf den virtuellen Mob und erhöhten die Präsenz von Ordnungsamt und Polizei im Viertel, die erstaunlicherweise herausfanden, was ohnehin jeder wusste: Keine der Anschuldigungen gegen die neuen Nachbarn, von zunehmender Vermüllung bis zu erhöhter Kriminalität, konnte bestätigt werden. Mitte August fand in der Plattenbausiedlung eine regionale Antifa-Demonstration mit dem Motto »Schnauze in der Platte – gegen die Fremdenfeinde in der Silberhöhe« statt, auf der die widerwärtigen Verhältnisse im Viertel kritisiert wurden. Den autochthonen Anwohnern wurde vorgeworfen, den Dreck des eigenen Viertels auf die neuen Nachbarn zu projizieren. Eine wütende Meute aus Fußballschlägern des Halleschen Fußballclubs (HFC), Müttern mit Kinderwagen und Silberhöhe-Rentnern fand sich am Tag der Antifa-Intervention zur äußerst bierseligen Heimatverteidigung zusammen. Mit dem Banner »Wir wohnen hier – wo wohnt ihr?« und aggressivem Gebaren versuchten die Bewohner, ihre Scholle gegen die Fremden aus der Innenstadt zu verteidigen. Auch die hallische Zivilgesellschaft rund um das Bündnis gegen Rechts wollte die Verunglimpfung des Viertels nicht hinnehmen und bot sich mit der Facebookseite »Halle sagt JA: Hallenserinnen und Hallenser für Roma und für die Silberhöhe« als Konfliktmanager uns Assiflüsterer an. Bald darauf gab es erste Angriffe auf die neuen Nachbarn in der Silberhöhe: Eine Gruppe Kinder und Jugendlicher griff eine 26-jährige Rumänin und ihren zweieinhalb Jahre alten Sohn an. Angespornt durch diese Tat ihrer Zöglinge, setzte der Rest der wütenden Plattenbewohner die kursierenden Phantasien zur Gründung einer Bürgerwehr in die Tat um. Die »Bürgerwehr« kündigte an, von nun an regelmäßig das Viertel bestreifen und dabei Jagd auf zugezogene Roma machen zu wollen. Folgenden Redebeitrag hielt die AG »No Tears for Krauts« auf der oben genannten Antifa-Demonstration (August 2014).

Wenn sich irgendwo im Osten eine Meute zusammenschließt, um gegen Ausländer mobil zu machen, dann sagt das mehr über die Meute aus als über das Verhalten der Ausländer. Es ist unnötig, den Bewohnern der Silberhöhe vorzurechnen, dass der Ausländeranteil in ihrem Viertel – inklusive der EU-Mitbürger – bei gerade einmal fünf Prozent liegt. Die sich derzeit überwiegend auf Facebook austobende Meute hetzt in einem üblen Jargon gegen 60 zugezogene Roma. Ihr Vokabular verrät, dass diese Menschen mit ihren Tiraden weniger die neuen Mitbewohner als sich selbst meinen. Die Vorwürfe gegen die Roma, dass sie Müllberge hinterlassen, in Grünanlagen urinieren und auf Parkbänken saufen würden, zielen auf das ab, was zahllose Bewohner der Silberhöhe selbst den lieben langen Tag tun. Solche durchschaubaren Projektionen legen nahe, dass diejenigen die »Assis« sind, die gegen die Roma hetzen. Asoziale sind sie nicht im Sinne des Wortes, in dem es gegen sogenannte Sozialschmarotzer verwendet wird, sondern in seiner eigentlichen Bedeutung: Unfähig, ein halbwegs vernünftiges Miteinander zu pflegen. Unfähig, die eigenen Bedürfnisse mit denen der Mitmenschen zu arrangieren. Und unfähig, das eigene Verhalten auch nur rudimentär zu reflektieren. Sie sind außerstande, gemeinsam auch nur zwei Minuten an einer Sache zu arbeiten, sofern es nicht gerade um den HFC oder die wenigen Ausländer im Viertel geht.

Man kann diesen Menschen nicht vorwerfen, dass sie in ihrer übergroßen Mehrheit keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, ihr Leben lang auf staatliche Leistungen angewiesen sind und es kaum aus eigener Kraft schaffen, ihre Situation finanziell zu verbessern. Aber man kann den Jennys, Nancys und Ronnys vorwerfen, dass sie es sich in diesem Elend einrichten. Sie lassen sich gehen, werden bzw. bleiben äußerlich und innerlich hässlich und sind hasserfüllt. Sie verachten ihre Nachbarn genauso wie sich selbst. Ihren Kindern, ihren Lebensgefährten und ihren vermeintlichen Freunden begegnen sie mit ungefilterter Feindseligkeit. Wenn sie nun gegen die im Viertel lebenden Roma vorgehen, tun sie dies, um endlich einmal selbst nach unten zu treten. Sie schieben den Zugezogenen genau jene Asozialität unter, die sie selbst kennzeichnet.

Aus diesem Grund sind sie keine Spießbürger, wie es im Aufruf zu dieser Demonstration heißt. Ein Spießbürger zeichnet sich durch den Versuch der Überanpassung an bürgerliche Normen wie Ordnung, Reinlichkeit und Rechtsstaatlichkeit aus. Er neigt zu Pedanterie, verfolgt Übertretungen der Normen obsessiv und belästigt vermeintliche Sünder gerne mit Anzeigen und Meldungen. Sympathisch ist er mit Sicherheit nicht. Andererseits sind sogenannte Spießbürger – im Übrigen ein Feindbild, das Nazis, Linke und Biofreunde eint – selbst erpicht darauf, gesellschaftliche Umgangsformen einzuhalten. Sie legen Wert auf Höflichkeit, halten sich an Konventionen und dürsten eher selten danach, angebliche Volksschädlinge selbst zur Strecke bringen. Das Pack aber, das sich in der Silberhöhe gegen Roma zusammenfindet, ist nicht spießbürgerlich. Es würde die Fremden am liebsten lynchen, wenigstens aber vertreiben. Es geht ihm nicht um eine saubere Reihenhausfassade, sondern um die Verfolgung selbst. Wenn es dafür von einem volldebil anmutenden Ex-Ministerpräsidenten Zuspruch erhält, der dafür sorgt, dass Ordnungsamt und Polizei den Roma auf die Pelle rücken, fühlt es sich für seine Hetze belohnt. Am liebsten jedoch möchte man selbst »aufräumen« und »ausmisten«, anstatt die Freude an der Verfolgung den staatlichen Behörden zu überlassen.

Im Gegensatz zu den Veranstaltern dieser Demonstration fordern wir nicht die Umsiedlung der Anwohner dieses hässlichen Viertels. Wir wünschen stattdessen den Romafamilien ein Leben in einem deutlich schöneren Umfeld, in dem man ihnen nicht feindselig begegnet. Wenn sie denn unbedingt in Halle bleiben wollen, böten sich etwa das bildungsbürgerliche Paulusviertel oder das alternative Mühlwegviertel an. Asozialität und Irrsinn sind zwar auch dort keine Seltenheit – sie haben nur eine andere Ausprägungsform als im Plattenbau angenommen. Aber zumindest die Wohnungen und die Umgebung sind schöner, und wenigstens in der Öffentlichkeit geht es nicht ganz so handfest zu wie in der Silberhöhe. Die autochthonen, hetzenden Zahnlosen sollen jedoch gefälligst hier bleiben und sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Wenn sie ihre aggressiven Triebe nicht mehr auf ein gemeinsames Feindbild richten können, fallen sie wieder übereinander her. Sie haben sich gegenseitig verdient!

AG »No Tears for Krauts«, 8/2014

No Tears for Wuschel!

Es ist tragisch: Kaum bezeichnet man einen Berliner Kuschel- und Wuschel-DJ als Abziehbild einer harmoniesüchtigen Wohlfühllinken, beweisen die Reaktionen wie recht man hat. Mehr noch: Hatten wir beim Verfassen unseres Flugblatts gehofft, dass wir daneben liegen und die versprengte postantideutsche Restszene es als Zumutung empfindet, in einem Atemzug mit einer Vollpflaume wie Daniel Kulla genannt zu werden, übertrafen die Kommentare unsere schlimmsten Erwartungen. Da erklärte jemand ganz ernsthaft, dass der Dany, doch ein „ganz lieber Wuschel“ sei. Ein anderer, der trotz regelmäßiger Marx-Zitation noch nie eine von dessen Polemiken gegen Schapper, Willich, Vogt gelesen zu haben scheint, verlor auch den letzten Rest seines Unterscheidungsvermögens und zog Verbindungen zwischen dem Flugblatt von No Tears for Krauts und den Hinrichtungsvideos des IS.

Es waren vor allem drei Dinge, die auf Empörung stießen: Die werte Internetgemeinde entrüstete sich (1.) darüber, dass wir verraten hatten, dass Daniel „Wuschel“ Kulla nichts vernünftiges gelernt hat, (2.) wurde uns vorgehalten, dass wir uns über sein Aussehen lustig gemacht hätten, und (3.) wurde beanstandet, dass wir während seines Vortrags in Halle, bei dem er – kein Witz! – versuchte, den Zusammenhang von Antisemitismus und Kapitalverhältnis mit dem Schaubild einer Powerpoint-Präsentation zu erklären, nicht mit ihm diskutiert haben. Dazu nur drei Kleinigkeiten:

  1. Uns interessiert nicht, was Kulla privat macht. Es geht vielmehr darum, was er öffentlich von sich gibt. Dass es da kaum einen Unterschied gibt, liegt nicht an uns, sondern daran, dass Wuschel seine 2.100 Facebook-„Freunde“ auch über die persönlichsten Details informiert. Wir sind von diesem Mitteilungsdrang genauso peinlich berührt wie von seiner Selbstinszenierung als Repräsentant einer goldenen Mitte der Linken. Um diesen einheizenden Opportunismus zu erklären, der die dümmsten Anti-Pat-Parolen zu tolerieren bereit ist, kann man entweder auf Kullas „Natur“ verweisen, was uns fern liegt. Oder man kann seinen Zuhörern, gegen die unser Flugblatt primär gerichtet war, sagen, dass ihnen die wuscheligen Aussagen auch darum so gut gefallen, weil sich Kulla nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen an ihren Wünschen orientieren muss. Das richtet sich weniger gegen Kulla, der einem fast leidtun kann, als gegen sein Publikum, das nur sich selbst zuhören will. Fakt ist jedenfalls: Hätte der Wuschel ein verlässlicheres finanzielles Standbein als linke Klitschen, hätte er sich nicht in eine Vokü in Menschengestalt verwandeln müssen. Die Aufregung über diese Banalität ist entweder so groß, weil die Mehrheit der Gemeinde weiß, dass auch sie nichts Vernünftiges gelernt hat: Als Politikwissenschaftler, Soziologen, Medienmenschen sind die meisten Linken zu einem ähnlichen Dasein als Vor- und Nachplapperer verurteilt wie der Wuschel – nur mit anderen, z.T. einträglicheren Bezugsgruppen. Oder man ist empört, weil jemand ausgesprochen hat, was alle wissen: Die individuelle Rebellion gegen die Lohnarbeit, die alle beeindruckend finden, aber für sich selbst ausschließen, ist erbärmlich.
  2. Wir haben uns nicht über Wuschels Aussehen lustig gemacht, sondern erklärt, dass er die Wohlfühllinke auch äußerlich repräsentiert. Das war zwar vor allem gegen diese Szene gerichtet, die sich in Kullas selbstzufriedener Knuffel-Ausstrahlung, die Teil seines innerlinken Erfolgsgeheimnisses ist, wiedererkennt. Trotzdem muss keiner so tun, als könnte niemand etwas für sein Aussehen: Mit Mitte 30 hat jeder das Gesicht, das er verdient. (Es sei denn, er ist einer schweren Krankheit, unverschuldeter Armut oder einem anderen Schicksalsschlag zum Opfer gefallen.) Oder will jemand bestreiten, dass sich das Verhältnis zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zu seiner Umwelt irgendwann in der Mimik, im Sprachgebaren etc. Geltung verschafft? Der Besatzung eines Dorfstammtischs hat sich die Gemeinheit genauso in die Gesichtszüge eingegraben wie die dreiste Überheblichkeit in das Antlitz Dieter Bohlens.
  3. Es stimmt: Wir haben nicht mit dem Wuschel diskutiert. Warum? Weil er die Organisatoren der Veranstaltung gebeten hat, einige von uns des Hauses zu verweisen. Seine Begründung: Er fühle sich sonst unwohl. Wir waren trotzdem nicht traurig. Denn mit Wohlfühllinken ist es so ähnlich wie mit Mülleimern: Man muss nicht in jedem herumstochern, um zu wissen, dass es eklig wird. So etwas macht nicht klüger, sondern davon wird einem schlecht.

No Tears for Krauts, 10/2014

Never trust a Hippie!

Wer Daniel Kulla einlädt, scheut die Konfrontation und das Denken. Er will nur eins: dass sein kleinkindlicher Wunsch in Erfüllung geht und „jede*r sich wohlfühlt“.

Wer die AG No Tears for Krauts kennt, der weiß: Sie ist sich nicht zu schade, sich auch den armseligsten und unbedeutendsten Figuren zu widmen und ihnen die ersehnten drei Minuten Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin sind es oft weniger die Klugen, Reichen und Schönen, an denen sich die neuesten Tendenzen des universellen Verblödungszusammenhanges als erstes ablesen lassen, als ihr Gegenteil, sprich: die Daniel Kullas dieser Welt. Gestalten wie der musizierende Vortragsreisende Kulla, der zu den Dauergästen des hallischen Jugendzentrums Reilstraße 78 gehört, können nicht persönlich beleidigt werden, weil sie durch und durch Abziehbild ihrer Umgebung sind. Jede Aussage über Kulla ist eine Aussage über sein Umfeld, sein Publikum und diejenigen, die ihn zu den beiden immergleichen Vorträgen – „Entschwörungstheorie“ und irgendwas mit Drogen – einladen.

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