„I don’t like Mondays“ – Deutschland, Pegida und der Islamische Staat

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung
mit Lothar Galow-Bergemann (Stuttgart, emafrie.de) und Vertretern der AG Antifa (Halle)

30. Januar 2015, 19:00,
Veranstaltungsraum Radio Corax, Am Unterberg 11, Halle

Es gibt kaum einen namhaften Politiker, der sich in den vergangenen Wochen nicht kritisch zu den Aufmärschen der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) und den Montagsdemonstrationen der Dresdner „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) geäußert hat. Bundespräsident Gauck bezeichnete die Demonstranten als „Chaoten“; Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einer „Schmutzkampagne“. Die Kanzlerin nutzte selbst ihre Neujahrsansprache, um vor Pegida zu warnen. Diese Stellungnahmen zeigen zwar, dass in nächster Zeit weder mit jenem „Bündnis von Mob und Elite“ zu rechnen ist, das Anfang der neunziger Jahre existierte. Noch wird das Ressentiment gegen Moslems zur neuen deutschen Leitkultur, wie einige Journalisten befürchten: Auch nach den Anschlägen von Paris gingen bundesweit mehr als 200.000 Menschen auf die Straße, um gegen Pegida zu demonstrieren. Allein die Vehemenz, mit der sich Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien zu den Dresdner Aufmärschen äußern, sprechen jedoch dafür, dass sie dem Bündnis weiteres Mobilisierungspotential zutrauen. Tatsächlich gibt es in zahlreichen Städten – von Bonn über Düsseldorf bis nach Leipzig und Magdeburg – Nachahmer; auch bei den Pegida-Demonstrationen zeichnet sich noch kein Rückgang der Teilnehmerzahlen ab: Hatte der erste Aufmarsch im Oktober 2014 nur 350 Teilnehmer, waren es Anfang Januar bereits mehr als 20.000.

Aus all diesen Gründen hat sich die AG Antifa in Kooperation mit den Antifanews auf Radio Corax entschlossen, die bereits angekündigte Veranstaltung zur Vorstellung einer Broschüre mit Texten hallischer Antifa-Gruppen aus den Jahren 2000 bis 2014 zur Diskussion folgender Fragen zu nutzen: Woher kommen Hogesa, Pegida & Co.? Wie ist der Zuspruch zu erklären, den sie erfahren? Warum ist der Mobilisierungserfolg der Initiative in Dresden so groß, während Pegida-Ableger in anderen Städten bisher keinen so großen Zuspruch erfahren? Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute?

Wie hilfreich und wie problematisch ist dafür die so genannte „Islamdebatte“? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder „Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Wie ist schließlich ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?

Die genannte Broschüre wird bei der Veranstaltung selbstverständlich ebenfalls erhältlich sein.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Antifanews auf Radio Corax (http://959.radiocorax.de/) und der AG Antifa (antifa.uni-halle.de)

20 Jahre AG Antifa — Party

20jahre ag antifa
Freitag, 19. Dezember 2014
VL, Ludwigstraße 37, Halle

20 Uhr: „Was heißt Antifaschismus heute?“
Podiumsveranstaltung
mit Vertretern der
AG Antifa, AG »No Tears for Krauts«, Antideutsche Aktion Berlin, Beatclub Dessau, Gesellschaftskritische Odyssee, Initiative Sozialistisches Forum, Miteinander e. V., Redaktion Bahamas, VL Ludwigstraße

anschließend:
The Love Dictators (Montenegro) EuroDance
DJ Sören Glutamat (Kreuzberg 36) 50s & 60s
DJ Raketa Moretti (06114–nazifrei) Electro

Antifaschistische Hochschultage im Wintersemester 2014/2015

Infantile Inquisition. Die neuesten Übergriffe der Definitionsmacht.

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Berlin)

Donnerstag, 30. Oktober 2014
19:00 Uhr
Reilstraße 78, Halle (Saale)

Linke Partys gleichen Bürgerkriegen: Überall drohen Gewalttätigkeiten, Übergriffe und Vergewaltigungen. Selbst beim Gang zur Bar oder zur Toilette ist mit zutiefst traumatisierenden Erlebnissen zu rechnen. Das legen zumindest die zahllosen Plakate, Flyer und Broschüren nahe, mit denen die erwarteten Gewalttäter von ihren Plänen abgehalten und potentielle Opfer gewarnt werden sollen. Tatsächlich ist alles ganz anders: In der Regel sind die einschlägigen Partys nicht nur friedlich, sondern auch noch langweilig. Wenn ein Gast ausnahmsweise einmal verbal entgleist, sind die obligatorischen »Haus-Plena« und »Veranstaltungsgruppen« über Wochen hinweg damit beschäftigt, über den Vorfall zu diskutieren. Die Warnungen vor Übergriffen, Entgleisungen, zu viel Alkoholkonsum usw., die in jüngster Zeit vor allem von so genannten »Awareness-Teams« verbreitet werden, haben weniger mit der Realität als mit spezifischen Vorstellungen von Sexualität und Subjektivität zu tun. Sie zeigen vor allem, wie schlecht es inzwischen um das Individuum bestellt ist. Die traditionelle autonome Rede von der »Definitionsmacht«, die allein das subjektive Empfinden zum Kriterium für die Bewertung der Außenwelt gelten lassen will, hat sich entgrenzt.

Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift »Bahamas«. Zusammen mit Uli Krug verfasste er 2000 den Aufsatz »Infantile Inquisition«, in dem die linken Vorstellungen von Sexualität nicht allein kritisch hinterfragt sondern zugleich als Indikator für den Verfall des Individuums herausgestellt werden.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle | antifa.uni-halle.de

Wenn der Wahnsinn epidemisch wird. Die neuen Montagsdemonstrationen.

Vortrag und Diskussion mit Jan-Georg Gerber

Donnerstag, 10. Juli 2014
19:00 Uhr
Radio Corax, Unterberg 11, Halle (Saale)

Die Demonstranten, die sich seit März jeden Montag in mehr als sechzig Städten der Bundesrepublik zusammenfinden, um gegen einen möglichen Krieg in der Ukraine zu protestieren, sind sich einig: Für die Auseinandersetzungen auf dem Kiewer Majdan, die Kämpfe in Donezk und alle anderen Übel der Welt sind der Westen und Amerika verantwortlich. Auch die Parole von der Schuld der Juden macht allenthalben die Runde: Die regelmäßig zu hörende Rede über „die Fed“, die US-Notenbank, hat das Lamento über die „amerikanische Ostküste“ abgelöst. Sie ist zur beliebtesten Chiffre für die die vermeintlich jüdisch kontrollierte Finanzwelt geworden. Daneben haben einige Demonstranten auch noch andere Theorien im Repertoire: Einige glauben, dass den Kondensstreifen von Düsenflugzeugen Chemikalien beigemengt sind, die den Menschen ihre politische Widerstandskraft rauben, andere sind davon überzeugt, Bürger des 1945 untergegangenen Deutschen Reichs zu sein. All diese Vorstellungen bewegen sich unter dem Niveau von Kritik. Zumindest die Vordenker der Proteste scheinen aufgrund ihrer offenkundigen Verrücktheiten weniger ein Gegenstand von Ideologiekritik als ein Fall für den Psychologen zu sein. Das Tragische ist, dass den Protesten wohl auch auf der Therapeutencouch oder im Patientenstuhl nicht wirklich beizukommen ist. Um dem Phänomen der neuen Montagsdemonstrationen auf den Grund gehen zu können, muss vielmehr die Gesellschaft in den Blick genommen werden, die den Wahnsinn immer wieder aus sich selbst heraus erzeugt. Aus diesem Grund wird im Rahmen der Veranstaltung sowohl von der deutschen Spezifik der Proteste als auch vom System der Wertvergesellschaftung zu sprechen sein.

Jan-Georg Gerber ist freier Journalist und schreibt u.a. für „Bahamas“ und „Jungle World“.

Eine Veranstaltung der AG Antifa Halle und der Materialien zur Aufklärung und Kritik.

Protest & Projektion – Der weltweite Aufstand

Konferenz der AG Antifa
Halle an der Saale, Samstag, 18. Januar 2014, Dachritzstraße 6 (Institut für Musik)

Es ist noch nicht lange her, da konnte teils kritisch, teils beruhigt erklärt werden, dass sich die Menschen ihrem Schicksal willfährig ergeben und nicht daran denken, geschichtsmächtig zu werden. So blieb nicht nur der Kampf um Befreiung aus. Auch die Apokalypse, die als Kollektiv losgelassene Einzelne ohne weiteres auszulösen imstande sind, ließ glücklicherweise auf sich warten. Inzwischen ist die Zeit, in der von den lethargischen Massen geschrieben werden konnte, jedoch vorbei. An allen Ecken und Enden der Welt kracht es. Von Rio bis Kairo, von Göteborg bis Athen und von Stuttgart bis Istanbul: Als hätten sie die Parole vom „kommenden Aufstand“, die eine französische Situationistengruppe vor einigen Jahren ausgab, als Aufforderung begriffen, ziehen die Menschen überall auf die Straße. Mal bringen sie ihre Isomatten und Zelte mit und besetzen den öffentlichen Raum, mal zerlegen sie die Innenstädte. Taz, Zeit, Spiegel und Co. behaupten, einen weltweiten Kampf für Demokratisierung und mehr Bürgerbeteiligung zu erkennen; die radikale Restlinke will in den Krawallen, Kämpfen und Platzbesetzungen die Vorboten der Weltrevolution sehen: So setzten sich die schlechter verdienenden Genossen schon bald nach dem Beginn der Proteste in Busse und fuhren als Krawalltouristen nach Griechenland; die besser Betuchten flogen nach Kairo oder Tunis.

Zumindest einige Nachrichten vom weltweiten Aufstand wollen allerdings nicht so recht mit der euphorischen Deutung von einem „neuen 1968“ zusammenpassen, von dem einige Beobachter sprechen. In einigen Ländern haben sich Islamisten an die Spitze der Proteste gestellt; auf dem Peloponnes und den griechischen Inseln mischen Neonazis kräftig mit, während ein Teil der Linken die Juden für die Übel der Welt verantwortlich macht. Auch im Syrischen Bürgerkrieg ist die Unterscheidung zwischen den good und den bad guys nicht mehr möglich. Wer gegen Despoten, Tyrannen und elende Verhältnisse anrennt, tut das nicht immer mit den richtigen Mitteln, Begründungen und Zielen.

Das heißt: Entweder hat die Rede vom „neuen 68“ weniger mit der Situation in Ägypten, Griechenland, Spanien, Syrien usw. zu tun als mit den Wünschen und Sehnsüchten der hiesigen Öffentlichkeit. Oder aber die landläufigen Vorstellungen von 1968 als dem Jahr von Liberalisierung, Demokratisierung und dem Ausbruchsversuch aus den versteinerten Verhältnissen müssen revidiert werden. Auch hierfür spricht einiges. Zumindest mit Blick auf Ägypten und Syrien hat sich dementsprechend schon längst jene Verlaufsform abgezeichnet, die den Internationalismus hierzulande stets prägte: Der blinden Begeisterung folgt blinde Ignoranz; ohne Fehleranalyse und ohne das vorherige Paradies von Revolte und Demokratisierung auch nur noch eines Blickes zu würdigen, werden die revolutionären Sehnsüchte kurzerhand in andere Gegenden des Erdballs verlagert.

Es stellt sich damit sowohl die Frage nach den Hintergründen der hiesigen Reaktionen auf die weltweiten Aufstände als auch nach dem Charakter der Proteste: Was ist von den Riots und Kämpfen in Ägypten, Griechenland, Brasilien, Spanien usw. zu halten? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es? Warum brechen die Proteste gerade jetzt aus? Und: Welche Zukunft haben die weltweiten Aufwallungen vor sich?

Podium 1: Campen und kämpfen (12.15 – 13.45 Uhr)
Referenten: Magnus Klaue & Philipp Lenhard

Wer einen genauen Blick auf die weltweiten Aufwallungen wirft, erkennt zwei Protestformen: Die einen schnappen sich ihre Schlafsäcke und campieren auf öffentlichen Plätzen, die anderen binden sich Taschentücher vors Gesicht und ziehen mehr zerstörend als plündernd durch die Städte. Diese beiden Varianten der Erhebung scheinen für eine jeweils unterschiedliche Klientel zu stehen: In der Besetzung des öffentlichen Raums spiegeln sich die Abstiegsängste der Mittelschichten. Hier ziehen diejenigen auf die Straße, die noch etwas zu verlieren haben. Sie signalisieren durch ihre Protestform, dass sie zu bleiben gedenken. Auf der anderen Seite stehen jene, die nicht mehr absteigen können. Da sie nichts mehr zu verlieren haben, zerstören sie blindwütig alles, was ihnen in den Weg kommt: sowohl das, was sie selbst nicht mehr ertragen, als auch das, was unerreichbar für sie ist.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt regelmäßig für Bahamas, Jungle World und Konkret. Philipp Lenhard ist freier Autor und Redakteur der Zeitschrift Prodomo.

Podium 2: Projektion und Praxis (14.30 – 16.00 Uhr)
Referenten: Harald Jürgen Funke & Anja Finow

Abgesehen von den Protesten gegen Stuttgart 21 und ähnliche Projekte ist der weltweite Aufstand in zweifacher Weise in Deutschland angekommen. Auf der einen Seite legt die linke und linksliberale Öffentlichkeit eine Begeisterung für die Demonstrationen in Kairo, Istanbul oder Athen an den Tag, als würde dort für die originären Interessen des hiesigen wutbürgerlichen Mittelstands auf die Straße gegangen. Auf der anderen Seite scheinen die Krise und die Aufstände dafür zu sorgen, dass vermehrt Asylbewerber und Arbeitsmigranten den Weg nach Deutschland finden. Gegen diesen Zuzug finden insbesondere im Osten der Republik längst Mini-Aufstände statt, die sich in vielerlei Hinsicht von den Ereignissen der 1990er Jahre unterscheiden und es genau aus diesem Grund ratsam erscheinen lassen, den Zustand der Republik noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Harald Jürgen Funke ist Redakteur der Zeitschrift Bonjour Tristesse. Anja Finow spricht als Vertreterin der AG „No Tears for Krauts“.

Podium 3: Gestern und Morgen (16.30 – 18.00 Uhr)
Referenten: Jan-Georg Gerber & Justus Wertmüller

Die Gegenwart verändert nicht allein die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit: Der Anfang ist immer über das Resultat vermittelt. So geben die derzeitigen Proteste nicht nur einen Vorgeschmack darauf, was hierzulande droht, wenn sich die Krise ausweitet: ein wildes Hauen und Stechen, der Rückwurf auf Clanstrukturen, die sowohl familiär als auch regional oder beruflich sein können, und eine Elendsselbstverwaltung wie sie etwa auf dem Tahrir-Platz beobachtet werden konnte, wo Fußballhooligans über Ordnung, Sauberkeit und die korrekte Entsorgung der Fäkalien wachten. Zugleich legen die stetigen Vergleiche mit der Revolte von 1968 nahe, dass sich auch damals ganz andere historische Triebkräfte Geltung verschafften als von den Parolen der Protestbewegung nahegelegt wurde: Triebkräfte, die möglicherweise denen ähneln, welche die Menschen heute weltweit auf die Straßen und Plätze strömen lassen.

Jan-Georg Gerber schreibt u.a. für Bahamas und Jungle World. Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle.
http://antifa.uni-halle.de/

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/agantifaschismus

»Never ending story – Das Israelpseudos der Pseudolinken«. Vortrag und Buchvorstellung mit Anja Worm und Jan Gerber.

Vortrag und Diskussion: Dienstag, 19. November 2013, 19 Uhr in Halle (Saale)

in den Jahren 1969 und 1970 wurden die Bundesrepublik Deutschland und Westberlin von einer beispiellosen antizionistischen Krawall- und Terrorwelle überrollt. Die Täter kamen aus dem Umfeld der Neuen Linken, die ihren zurückhaltenden Proisraelismus nach dem Sechstagekrieg gegen einen vehementen Antizionismus eingetauscht hatte. Vor diesem Hintergrund erschien mit Michael Landmanns Buch »Das Israelpseudos der Pseudolinken« eine der ersten kritischen Auseinandersetzungen mit der Israelfeindschaft der Neuen Linken. Mit ihrer antizionistischen Wende, so Landmann, verwandle sich die Protestbewegung von einer »echten« in eine »Pseudolinke«.

Inzwischen ist die Neue Linke, auf die sich Landmann bezog, zwar verdientermaßen marginalisiert. Sie hat ihre Aufgabe – die Konservierung des Irrsinns von Volk, Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit in einer Zeit, in der kein großer Bedarf danach bestand – jedoch erfüllt. So findet sich der Antizionismus längst nicht mehr nur in linken Klein- und Großsekten wie die der Linkspartei, dem Freiburger »Café Palestine« oder der antiimperialistischen Schlägertruppe, die vor einigen Jahren in Hamburg die Aufführung von Claude Lanzmanns Film »Pourquoi Israël« verhinderte. Sondern der antiisraelische Furor ist im politischen Mainstream angekommen, in dem die Unterscheidung zwischen »links« und »rechts« ohnehin kaum noch getroffen werden kann. Um die einschlägigen Stereotypen zu hören, muss kein Vortrag eines autonomen oder marxistisch-leninistischen Selbstfindungszirkels mehr besucht werden, sondern es genügt, die »Süddeutsche Zeitung« aufzuschlagen oder den Bericht über Israel auf »3Sat« zu schauen.
Aus diesem Grund soll mit Michael Landmann nicht nur einer der ersten linken Kritiker des neulinken Antizionismus gewürdigt werden. Vielmehr soll unter Rekurs auf Landmanns Ausführungen von den Hintergründen des neuen Antisemitismus den Transformationen, die der Israelhass in den letzten vierzig Jahren durchgemacht hat, und der Aktualität der Kritik gesprochen werden.

Es sprechen Anja Worm und Jan Gerber (»Materialien zur Aufklärung und Kritik«). Sie sind Herausgeber der Neuauflage von Michael Landmanns »Das Israelpseudos der Pseudolinken« (Freiburg: ça ira 2013) und Curt Geyer u.a.: »Fight for Freedom. Die Legende vom ›anderen Deutschland‹« (Freiburg: ça ira 2009).

Die Veranstaltung findet in den Räumen von Radio Corax, Unterberg 11, 06108 Halle (Saale), statt.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle | antifa.uni-halle.de

Adolf Hitler, der unmittelbar allgemeine Deutsche. Über die barbarische Dialektik der Souveränität.

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn

In Deutschland wird Hitler als Gegenstand der Geschichtswissenschaft verdrängt, als verlorene Utopie betrauert oder als Bildungserlebnis staatstragender Demokraten gefeiert. Aber gerade als der tobende Teppichbeißer und manische Charismatiker, als den die Historiker ihn dem staunenden Publikum vorführen, ist Hitler doch allererst Anlass zur Staatskritik, zur Reflexion auf das barbarische Potential der kapitalen Souveränität, die den nazistischen »Antisemitismus der Vernunft« entband. Der Begriff des Nationalsozialismus ist demnach, wie ihn auch der Materialist Johann Georg Elser praktisch zu fassen suchte, in der Perspektive zu entwickeln, dass Hitler als Erscheinung des allgemeinen Deutschen, als der Souverän, hinter den Staatsapparaten hervortrat und als Person unmittelbar alles, was deutsch ist, verkörperte. Darin konvergieren die materialistische Kritik der politischen Ökonomie und gewisse Einsichten der Psychiatrie, denn eine barbarische Gesellschaft kann nur von einem Funktionär repräsentiert und ausagiert werden, der seiner psychischen Konstitution zufolge nichts anderes ist als eben: die negative Aufhebung des Subjekts im Individuum selbst, d. h.: ein Barbar sondergleichen. Liest man »Mein Kampf« nicht nur als die ultimative Offenbarung aller in Deutschland definitiv nur möglichen Staatsphilosophie, sondern, was gar kein Widerspruch ist, zugleich als das Dokument einer psychischen Krankheit (wie es der Emmendinger Psychiater Wolfgang Treher in seinem fulminanten Buch »Hitler, Steiner, Schreber. Gäste aus einer anderen Welt« gezeigt hat) und, genauer, als das Protokoll einer seelischen Katastrophe, die das Ich, das internalisierte Subjekt, zerstört hat, und in Schizophrenie eskaliert, wird deutlich, was sich die Deutschen von heute mit der billigen, rationalistischen Deutung Hitlers als eines strategisch-ausgebufften, leider aber größenwahnsinnigen Machiavelli so vom Halse schaffen wollen, dass sie es für immer als ihr ursprüngliches Eigentum behalten können.

Joachim Bruhn ist Co-Autor u. a. von Initiative Sozialistisches Forum »Das Konzept Materialismus« (Freiburg 2009).

Mittwoch 3. Juli 2013 — 19 Uhr
Melanchthonianum
Universitätsplatz Halle (Saale)

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle — antifa.uni-halle.de

Böses Blut. Über einen autoritären Virus, gegen den kein Zwangstest hilft.

Vortragsveranstaltung mit Tjark Kunstreich (Wien) und Sven Warminsky (Magdeburg)

Vor weniger als zwei Monaten verabschiedete die große Koalition aus CDU und SPD im Magdeburger Landtag ein neues Polizeigesetz, dessen Novellierung bereits im Vorfeld für Aufregung gesorgt hatte. Der Grund: Vorgeblich zum Schutz von Polizeibeamten im Einsatz sollten einem ersten Entwurf zufolge Zwangstests auf HIV und Hepatitis rechtlich ermöglicht und auch ohne vorherige richterliche Zustimmung von der Polizei veranlasst werden können. Während kritische Stellungnahmen der Aidshilfe und des Berliner Robert-Koch-Instituts bei einer ersten Lesung im Juli des letzten Jahres von der Presse weitgehend unbeachtet blieben, sorgte eine weitere Lesung kurz vor dem Internationalen Weltaidstag nicht nur für ein größeres, längst überfälliges Medienecho. Auch die Bundesregierung meldete sich zu Wort und beantwortete eine Anfrage der Linkspartei mit dem Hinweis, dass HIV- und Hepatitiszwangstestungen gegen das Grundgesetz verstoßen würden. Infolge der öffentlichen Skandalisierung konnte die Opposition einen kleinen Teilerfolg erzielen: Zwar sind künftig medizinische Zwangstests auf Infektionskrankheiten möglich, allerdings dürfen diese nicht ohne vorherige richterliche Zustimmung durchgeführt werden.

Die Novellierung des Gesetzes wirft die Frage auf, warum in Sachsen-Anhalt zum Problem wird, was in einigen westlichen Bundesländern bereits Wirklichkeit ist – schließlich gibt es ähnliche gesetzliche Regelungen auch in Niedersachsen und Hessen. Offenbar wird befürchtet, dass in Sachsen-Anhalt die gesetzliche Möglichkeit zur Zwangstestung nicht nur ausgereizt, sondern vielmehr jenseits aller Rechtsstaatlichkeit angewandt werden könnte. Dafür spricht nicht allein die Diskussion um das Gesetz, sondern vor allem die hinlänglich bekannte Situation von Minderheiten in Sachsen-Anhalt und deren Isolation.

Sven Warminsky, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe Sachsen-Anhalt, wird vor diesem Hintergrund über die Auswirkungen des Gesetzes auf seine Arbeit und damit vor allem über die Zustände vor Ort und über die Situation von HIV-Infizierten im Osten sprechen.

Über die Vorstellungen und Bedürfnisse, die solchen Gesetzesentwürfen zugrunde liegen, referiert Tjark Kunstreich. Er ist Autor und Publizist und schreibt u.a. für die Zeitschriften Bahamas, Jungle World und Sans Phrase.

Mittwoch 3. April 2013 — 19 Uhr
Melanchthonianum Universitätsplatz Halle (Saale)

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle | http://antifa.uni-halle.de 

Das Magdeburg-Syndrom. Über Anna & Arthur im Gangland.

„Anna & Arthur halten’s Maul!“ – Diese Parole gab die autonome Linke in den achtziger Jahren für den Umgang mit der Polizei aus. Seitdem haben die beiden linken Identifikationsfiguren, die auf Bildern bezeichnenderweise gern als Kleinkinder mit Eimer und Schippe dargestellt werden, ganze Arbeit geleistet. Egal, wie verfeindet die diversen linken Fraktionen sind; egal, welche Sauereien die einschlägigen Politcrews auch begangen haben: Lieber lässt man sich weiterhin von den Westentaschen-Stalins, -Mielkes und -Che-Guevaras, die die deutsche Linke zu bieten hat, terrorisieren, als dass Bedrohungen, Erpressungen und Körperverletzungen angezeigt werden. Nicht nur die autonomen Schlägertrupps handeln weniger nach den Imperativen Marxens, Durrutis und Blanquis als nach dem Vorbild Al Capones oder Egon Olsens, sondern auch viele ihrer innerlinken Gegner: Seit es die (ohnehin stets prekäre) gemeinsame Sache nicht mehr gibt, hat sich die auf sie bezogene Solidarität in einen Ehrenkodex verwandelt. Die Parole „Anna & Arthur halten’s Maul“ ist die linke Variante der Omertà, des Schweigegelübdes der Mafia. Das Problem der linken Ganglands sind somit nicht allein die antiimperialistischen Zentralkomitees, sondern auch diejenigen, die zwar verbal zu ihnen auf Distanz gehen, sich sonst aber verhalten, als wären sie von einem linken Stockholm-Syndrom befallen, sprich: diejenigen, die sich entweder mit ihren Peinigern identifizieren oder zumindest gern bereit sind, ein Auge zuzudrücken und die Verwandlung der Linken in ein Racket mitzumachen.

Jan-Georg Gerber wird u.a. am Beispiel Magdeburgs über die Transformation der autonomen Linken in eine Mischung aus Revierverteidigungskommando, Fußballverein und Schweigekartell sprechen;
Uli Krug wird anhand des Begriffs der Autonomie zeigen, wie sich diese Transformation der Linken in die Verwandlung der gesamten Gesellschaft in ein Geflecht aus Banden, Gangs und Rackets einordnet.

Uli Krug ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“. Jan-Georg Gerber schreibt für „Bahamas“ und „Jungle World“. Er ist Autor und (Mit-)Herausgeber mehrerer Bücher über die Geschichte und den Zerfall der Linken.

Eine Veranstaltung der ag „no tears for krauts“ und der „Materialien zur Aufklärung und Kritik“.

8. März 2013, 20:00 Uhr
Magdeburg, Cafe Central
Leibnizstraße 34
www.cafecentral.cc

»Neustadt Stau – Der Stand der Dinge«

Veranstaltungsankündigung für Mittwoch, den 16.01.2013 in Halle (Saale)

Der Regisseur Thomas Heise hatte im Jahr 2000 im zweiten Teil seiner Dokumentation jene hallischen Nazis wieder vor die Kamera geholt, die er bereits acht Jahre zuvor in »Stau – Jetzt geht’s los« beim Saufen, Grölen und Pöbeln gefilmt hatte. Heise wollte mit der Fortsetzung zeigen, wie es um seine ehemaligen Protagonisten zu dieser Zeit stand. Unfreiwillig gelang ihm damit allerdings eine Bestandsaufnahme von Verhältnissen, in denen die Unterschiede von organisierten Nazis und ihren ganz normalen Nachbarn verschwimmen. Es sind Verhältnisse, in denen die Gewalt roh und unvermittelt zutage tritt. Der Film zeigt den tristen Alltag in Halle-Neustadt. Mittlerweile sind die Nazis von gestern älter und auch äußerlich kaum noch von anderen Neustädtern zu unterscheiden. Zu reden sein wird also über ganz alltägliche Gewalt, die sich gegen die eigene Frau, die eigenen Kinder, den Ausländer an der Ecke oder gegen den Nachbarn, der zu laut Musik hört, richtet. »Neustadt Stau« bietet Einblicke in eine Gesellschaft, in der ärmliche Gestalten ihr aussichtsloses Leben leben. Sie haben kaum eine Chance auf Verbesserung. Trotz dieser zutiefst menschenunwürdigen Umstände ist Mitleid allerdings nicht angebracht. Denn diese Menschen reflektieren nicht auf ihre Situation. Sie bemühen sich nicht um Einsicht in die irrationalen Verhältnisse. Sie machen dagegen Juden und Ausländer für ihr Unglück verantwortlich. Für sie gilt das Recht des Stärkeren, das sie stets brutal umzusetzen bereit sind. Ein NPD-Parteiausweis ist dabei ebenso irrelevant wie das Bekenntnis zum »Nazisein«. Dass die Situation hier in der Zone so unangenehm ist, liegt vor allem an jenen ganz normalen Jugendlichen, die so reden, denken und manchmal auch so handeln wie Nazis.

Filmvorführung mit Einleitungsreferat von Johannes Alberti (Materialien zur Aufklärung und Kritik, Halle).

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle | antifa.uni-halle.de

16. Januar 2013 | 19 Uhr
Kino La Bim | Töpferplan 3, Halle (Saale)