Kundgebung: Gegen Antisemitismus und Israelhass. Kein Forum für Finkelstein!

Einladung zur Kundgebung vor dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale). Anlass ist eine Veranstaltungsreihe mit Norman Finkelstein beim Völkerkunde-Institut. Am kommenden Montag soll er einen Workshop mit dem Titel „GAZA: an inquest into its martyrdom“ abhalten. Gegen die Protektion des Hamas- und Hisbollah-Freundes Finkelstein durch das Max-Planck-Institut wird am Montag, den 23. Januar 2017, um 17 Uhr in Halle protestiert.

Montag, 23.01.2017, 17 Uhr
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
Advokatenweg 36, Halle (Saale)

Gegen Antisemitismus und Israelhass
Kein Forum für Finkelstein

Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung Halle hat Norman Finkelstein für zwei Veranstaltungen am 16. Januar und 23. Januar 2017 eingeladen. Insbesondere die zweite Veranstaltung mit dem Titel „Gaza. An inquest into its martyrdom“ hat es in sich. Bereits in der Ankündigung werden die Angriffe der antisemitischen Terrororganisation Hamas geleugnet und israelische Verteidigungsmaßnahmen dämonisiert.

Schon 2008 solidarisierte sich Finkelstein in einem Interview mit der dschihadistischen Hisbollah und verglich sie mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Das Vorgehen Israels setzte er mit dem der Nazis gleich. In seinem populärsten Buch bezeichnet er das Gedenken an Auschwitz als „Holocaust-Industrie“. Für seine Thesen bekommt Finkelstein weltweit Anerkennung von Antisemiten und Verschwörungstheoretikern. Regelmäßig erhält er Beifall vonseiten rechtsextremer Seite. Der Workshop am 23. Januar wird lediglich auf der Homepage von Norman Finkelstein beworben, nicht aber auf der Webseite des Max-Planck-Institutes. Offensichtlich wissen die Mitarbeiter, allen voran die zuständige Direktorin Marie-Claire Foblets über die Brisanz seiner Person gut Bescheid. In der Vergangenheit wurden bereits mehrere Veranstaltungen mit Finkelstein kurzfristig abgesagt, unter anderem 2010 von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Im Gegensatz dazu hält das Max-PIanck-Institut an der Veranstaltung mit Finkelstein fest. Mehr noch: Es verklärt die Einladung des Hamas- und Hisbollah-Freundes sogar als Ausdruck wissenschaftlicher Toleranz. Aus diesem Grund sehen wir uns genötigt, gegen Finkelstein und das Max-Planck-Institut zu protestieren.

Israelhass ist keine Diskussionsgrundlage. Kein Forum für Finkelstein.

AG Antifa des Studierendenrates der Universität Halle
antifa.uni-halle.de

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Max-Planck-Institut protegiert Leugnung des antisemitischen Terrors der Hamas

Norman Finkelstein wurde vom Ethnologischen Max-Planck-Institut Halle eingeladen um mehrere Veranstaltungen abzuhalten. Gegen den Gastbesuch versammelten sich ca. 50 Demonstranten. Das Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus verteilte Flugblätter an die Teilnehmer des ersten Vortrags und forderte wie auch das Hallische Bündnis gegen Antisemitismus die Absage der Veranstaltung:

Mit Finkelstein kann es keine konstruktive Diskussion zum Nahostkonflikt geben, ist dies doch auch gar nicht seine Absicht. Er bleibt unverbesserlicher Antisemit, der seine Engagements einzig für anti-israelische Propaganda nutzt. Wir fordern das Max-Planck-Institut deshalb auf, Norman Finkelstein umgehend auszuladen und seinen Workshop am 23. Januar 2017 abzusagen.

Keine Plattform für Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus. Eine Intervention gegen die Einladung Norman Finkelsteins; Flugblatt BGAA Leipzig

Finkelsteins Auftritt rief internationale Kritik hervor, so berichtete die Jerusalem Post über die unverschämte Positionierung der MPI-Direktorin Marie-Claire Foblets. Foblets behauptet im Interview, dass Finkelstein kein Antisemit sein könne, da seine Eltern Shoa-Überlebende sind. Mit diesem kruden Antisemitismusbild gibt das MPI zu verstehen, dass es nicht imstande ist gegenwärtige antisemitische Bedohungen zu erkennen, geschweige denn dem Vorschub antisemitischer Einstellungen zu begegnen. Offensichtlich setzt Foblets alles daran, der Verleugnung des Hamas-Terrors öffentlichen Raum zu geben. Tiefer kann eine öffentlich finanzierte Wissenschafts-Institution kaum sinken. Angesichts der protegierenden Haltung des MPI Halle ist nicht mit einer Absage der Veranstaltungsreihe zu rechnen.

Im Januar sind weitere Termine mit Finkelstein angesetzt. Ein Workshop mit dem Titel „GAZA: an inquest into its martyrdom“ soll am kommenden Montag im MPI stattfinden. Schon der Ankündigungstext lässt ein glühendes Fest für Geschichtsrevisionisten und Verschwörungstheoretiker erwarten, so bejubelte der Djihad-Verehrer Martin Lejeune Finkelsteins Auftritt mit einer Liebeserklärung. Für die antisemitismuskritische Öffentlichkeit sind Finkelsteins Antisemitismus-Relativierungen im Gewand der Israelkritik inakzeptabel. Weitere Veranstaltungen am Hallischen Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung dürfen nicht unwidersprochen stattfinden. Im MPI Halle sind dem akademischen Antisemitismus scheinbar keine Schranken gesetzt. Was hier als Gesellschaftskritik verkauft wird ist antisemitisches Ressentiment im Anlitz der Wissenschaft. Mit der Einladung Finkelsteins haben die Verantwortlichen am MPI – allen voran die antisemitische Schreckschraube und Israelhasserin Baronet Marie-Claire Foblets – bewiesen, dass es am Institut nicht um die Kritik der mörderischen Ideologie des Islam gehen kann, sondern darum antiisraelische Proganda im akademischen Betrieb zu manifestieren. Notorischen Antizionisten und Islamverehrern ist dieser Durchbruch schon jetzt ein inniges Vergnügen.

Die JPost berichtet von der Weigerung des Max-Planck-Instituts die Gespräche mit Norman Finkelstein abzusagen:

The Social Democratic MP Michaela Engelmeier expressed astonishment to the Post that “with our history it is possible to welcome academics that play down the Nazi regime’s murder of six million Jews and present it as trivial.”
She added that the fact that talks from the anti-Israel academic Norman Finkelstein at the Max Planck Institute (MPI) are taking place close to International Holocaust Remembrance Day on January 27 is “especially insensitive.” She urged the MPI to cancel next week’s Finkelstein lecture titled “Gaza; an inquest into its martyrdom.”
She listed Finkelstein’s alleged support of the US and EU classified terrorist organization Hezbollah. “In the past, Finkelstein compared the antisemitic terror organization Hezbollah with the resistance against the National Socialists. He compared Israel’s approach with the Nazis. He termed, in his most important work, the remembrance of Auschwitz as the Holocaust Industry.”

She said that Finkelstein’s remarks place him in the “center of right-wing radical deniers of the Holocaust and make him criminally liable in Germany.”

Marie-Claire Foblets, the managing director of the department of law and anthropology at the MPI, played a key role in organizing Finkelstein’s talks and has vigorously defended him. […] The indifference to antisemitism at MPI Halle has raised eyebrows among monitors of modern antisemitism in Germany such as Dr. Efraim Zuroff from the Jerusalem office of the Simon Wiesenthal Center because the MPI played a role in advancing the Hitler movement’s lethal antisemitism. […]
Engelmeier, the social democratic deputy, reminded the MPI that many “artists, academics, social democrats, communists, journalist, and Sinti and Roma were victims of National Socialism. These victims were not disputed by Finkelstein, rather only the Jews.
„Finkelstein blames Israel alone for the terror in the Middle East. With this position, he documents his passion to deny facts and to deny the terror attacks of the anti-Semitic organization Hamas and equates Israel’s defensive measures to the annihilation of the Nazis.”
German research institute trivializes Holocaust to attack Israel‘ , JPost, 18.01.2017

Die Mitarbeiter am Max-Planck-Institut würden gut daran tun, auf eine Absage der Veranstaltungsreihe hinzuwirken. Nehmen sie diesen unverhohlenen Irrsinn widerspruchslos hin, werden sie mit dem Ruf leben müssen die widerlichsten Verteidiger des antisemitischen Terrors zu protegieren. Zwar wird ihrer akademischen Karriere weder betroffenes Schweigen, noch stille Zustimmung oder aufgeregte Pseudoaktivität im Wege stehen. Doch haben diese Feiglinge zu verantworten, dass sie wissentlich Geschäften mit Israelhassern Vorschub geleistet haben. Ihr selbstloser Charakter bezeugt, dass ihnen westliche Freiheiten nichts bedeuten. Unfähig vor dem lebensfeindlichen Djihad zu erschrecken, nehmen sie bereitwillig hin, dass Vernichtungsdrohungen gegen den Staat Israel relativiert werden. Ihrer Direktorin konnten sie bislang nichts entgegensetzen, schließlich haben sie sich als gehorsame Vollstrecker längst der administrativen Autorität unterworfen.
Den vernünftigen Leuten, die vom kritikresistenten Mief der Terrorfreunde angewidert sind, wünschen wir, dass sie den Mut aufbringen Finkelstein eine klare Absage zu erteilen. Alle Anderen haben ihr selbstgewähltes Elend im Kreise veritabler Antisemiten verdient.
 

Anmeldungen zur Teilnahme am Workshop sind noch bis zum 20. Januar möglich:

„GAZA: an inquest into its martyrdom“
Workshop | 23 January 2017 | 14:00 – 18:00

Organiser: Department ‘Law & Anthropology’
Max Planck Institute for Social Anthropology
Main Seminar Room | Advokatenweg 36 | 06114 Halle
Preregistration requested by 20 January to marencakova@eth.mpg.de

Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle hat eine kurze Darstellung der bisherigen Proteste vor dem Max-Planck-Institut Halle gegeben:

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Bonjour Tristesse #21 (Herbst/Winter 2016)

Kurzmitteilung

Die Herbst/Winter-Ausgabe der Bonjour Tristesse ist erschienen und liegt an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus. Hier gehts zu den Artikeln im BT-Blog: bonjourtristesse.wordpress.com

Aus dem Inhalt:

Download [PDF] Bonjour Tristesse 21/2016

Im Diskurs sind alle Katzen grau

Folgender Text wurde gestern im Conne Island in Leipzig verteilt. Anlass war ein Vortrag eines hallischen Nahostexperten. Der Grund für das Flugblatt ist allerdings das Conne Island selber:

[ Flugblatt als PDF ]

Liebe Nahostexperten,

selbstverständlich wollt ihr nicht verpassen, wenn heute im Conne Island die Solidarität mit Israel auf eine Handvoll Lippenbekenntnisse zurechtgestutzt wird. Ganz entledigen kann man sich ihr zwar noch nicht. Doch bis zur endgültigen Abkehr kann man sich zumindest mit einer ausgewogenen Sichtweise behelfen, die als Notausgang für unverhohlenes Israelbashing dient. Denn trotz manch warmer Worte für den Judenstaat versteht jeder die Message der heutigen Veranstaltung: Man soll Israel endlich wieder kritisieren dürfen.

Das Einmaleins der Israelkritik

Bereits der Titel des Vortrags »Die Realität ist grau. Deutsche Linke zwischen ›Israelsolidarität‹ und BDS« verspricht das Differenzieren bis zum völligen Erkenntnisverlust. Die »Boycott, Divestment and Sanctions«-Kampagne steht hier als Platzhalter für den Antizionismus. Freilich ist es nicht die feine Art, die alte Nazi-Parole »Kauft nicht bei Juden« wieder hervorzukramen und gegen Israel zu wenden. Aber um das zu hören, ist mit Gewissheit niemand hierhergekommen. Keiner will mit dem »Antisemitismus von Teilen der Palästinasolidarität« behelligt werden. Denn heute geht es um die »Berechtigung von Kampagnen gegen die militärische Besatzung der Westbank«. Genau dafür ist der Islamwissenschaftler Hannes Bode anerkannter Experte.

Schon seit geraumer Zeit lotet er die Wege zur unverdächtigen Israelkritik aus. In einem Artikel für die Jungle World verbog er die Ursache des Anstiegs von Messerangriffen auf jüdische Israelis vor zwei Jahren zu einer Mischung aus Gewaltspirale und sozialer Ungleichbehandlung gegenüber arabischen Israelis. Von den antisemitischen Motiven der Mörder ist dagegen keine Rede. Im Gegensatz dazu ließ er es sich nicht entgehen, den rechten Flügel des israelischen Parlamentes als »rechtsextrem« zu bezeichnen, ein Adjektiv das hierzulande für die NPD vorbehalten ist. Die Berechtigung für solche Verdrehungen bezieht er aus der Abgrenzung von allzu offensichtlichen Antisemiten. Im Wesentlichen begründet er sein Anrecht auf Israelkritik jedoch mit Nahostbescheidwisserei. Weil der Prahlhans hebräisch und arabisch spricht, glaubt er, gegen Israel differenzieren zu können. Herablassend heißt es im Ankündigungstext, dass Positionierungen »auf allen Seiten umgekehrt proportional zum Umfang des Wissens über historische oder aktuelle Realitäten in der Region« stehen würden.

Dass Bode damit insbesondere auf die »Seite« der Israelsolidarität abzielt, zeigt die Inbrunst, mit der er selbst notorische Israelhasser wie die BDS-Unterstützerin Laurie Penny gegen Antisemitismusvorwürfe verteidigt. Als er seinen Lieblingsrapper Kaveh zu einem Konzert einlud, glänzte der mit Intifada-Rufen. Die Jubelstürme für den Judenmord spielte Bode mit der Behauptung herunter, sie wären in einem ursprünglichen Sinne gemeint, den nur Nahostprofis verstehen. Hier kommt sein Ressentiment gegen Israel mit der vornehmlichen Passion des Islamexperten zusammen. Über die antisemitischen Auswüchse von islamischen Gesellschaften wird schon deshalb hinweggesehen, um die Schwärmerei für die Religion des Orients nicht überdenken zu müssen. Wer dagegen den Islam kritisiert, den überzieht der Es-gibt-nicht-den-Islam-Wissenschaftler mit wilden Rassismusvorwürfen. Dass es sich dabei meist um Leute handelt, die sich der Kritik des Antisemitismus und der daraus resultierenden Solidarität mit Israel verschrieben haben, macht den Wutausbruch perfekt.

Der heiße Brei

Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt das Thema Israel in den Fokus des Leipziger Szeneschuppens gerät. Dabei verschärft sich derzeit weder der Nahostkonflikt, noch gibt es landesweite Proteste wie im Jahre 2014 gegen den Rückzugsort der Juden. Wenn man von den üblichen Verdächtigen absieht, hat gerade kaum jemand das Land im Visier. Auf der Tagesordnung würden gerade vielmehr die Höhenflüge des Islams stehen. Das Thema ist dem Conne Island jedoch zu heiß. Zu stark ist die Sorge vor Rassismusvorwürfen vonseiten des eigenen Publikums.

Das zeigt auch die Stellungnahme zum Anstieg von Übergriffen auf Frauen durch »junge Männer mit Migrationshintergrund«. Darin wird zwar die »stark autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation in einigen Herkunftsländern« erwähnt. Worüber man aber nicht reden will, ist der islamische Background einer Großzahl der Täter. Stattdessen wird abgelenkt, „Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen“ machen gleichermaßen Probleme – ganz so, als wären die Chauvi-Sprüche irgendwelcher Sachsen dasselbe wie der Frauenhass des Islams. Selbst in einer Erklärung, die angeblich Diskussionen anstoßen soll, mag man die Dinge nicht beim Namen nennen. Es fällt dementsprechend schwer zu glauben, dass es dem linken Hausprojekt überhaupt ein inneres Anliegen war, an die Öffentlichkeit zu gehen. Stattdessen liegt der Verdacht nahe, dass es Druck von außen war, der die Verantwortlichen dazu bewegte, einen Text zu veröffentlichen. Während immer mehr Frauen fernblieben, weil sie die Übergriffe leid waren, attackierten die autonomen Antirassisten die Türsteher des Klubs als Rassisten. Angestrebt wurde weniger die Auseinandersetzung, vielmehr soll endlich wieder Ruhe einkehren im Kiez.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Vortrag über den Konflikt im Nahen Osten als Vermeidungsdebatte zu dringenderen Themen, die allerdings eine weitaus größere Sprengkraft besitzen. Mit Beiträgen die sich dem Eindampfen der Israelsolidarität widmen, weicht man auf weniger turbulentes Terrain aus. Große Widerworte sind vonseiten der Leipziger Linken in dem Fall schließlich nicht zu erwarten. Wo das Smashen von Bankfilialen wieder Konjunktur hat, nimmt man es mit der Kritik des Antisemitismus nicht mehr so genau. Die Zeiten in der das Conne Island, trotz der bereitwilligen Teilnahme an jeder Menge Unfug, als eine Hochburg der Israelsolidarität galt, scheint man zugunsten des Szenezusammenhalts endgültig abstreifen zu wollen. Ohnehin bettete sich dieser Ruf zumindest in den letzten Jahren vor allem auf einen Faible für Israelkitsch. Allzu konsequente Freunde Israels wurden bereits in der Vergangenheit wegen haarsträubender Sexismusvorwürfe vor die Tür gesetzt. Da trifft es sich gut, dass mit den Wortführern der damaligen Inquisition, dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig, bereits der nächste Vortrag zur linken Israelsolidarität in den Startlöchern steht. Der Eintracht in Leipzigs Süden steht somit nichts mehr im Wege.

AG No Tears For Krauts
25.10.2016

Antifaschistische Hochschultage 2016

Wir weisen freundlich auf die Veranstaltungen der AG Antifa im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage 2016 an der Uni Halle hin.

Dienstag, 25. Oktober 2016, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uni Halle

Europa und die Linke. Über den Fortschritt der europäischen Integration.
Vortrag und Diskussion mit Ulrich Schuster (Roter Salon, Leipzig)

In Europa stehen die Zeichen auf Desintegration und Renationalisierung; für einen großen Teil der Linken logische Folge neoliberaler Wirtschaftspolitik und deutscher Hegemonie. Linkspopulistische Initiativen wie die Plattform für einen linken EU-Ausstieg Lexit oder die Europa-Bewegung des ehemaligen griechischen Ministers Yanis Varoufakis, DIEM 25, versuchen die Völker Europas zur Verteidigung nationaler Souveränität zu mobilisieren und unterscheiden sich in diesem Punkt wenig von rechten Europafeinden. Hingegen sehen Linksradikale wie die Interventionistische Linke angesichts griechischer Arbeitslosenproteste und des „Kampfs der Flüchtlinge“ ihre Hoffnungen auf eine weltweite, sozialrevolutionäre Bewegung belebt und machen dabei die Rechnung ohne eine realistische Einschätzung der Bedürfnisse und des Bewusstseins der Handelnden. So oder so glaubt linke Kritik durch den Nachweis materieller Interessen des Kapitals den Mythos einer europäischen Friedensordnung zu entzaubern. Was aber, wenn die institutionelle und kulturelle Entschärfung nationalistischer Rivalität ebenso wie die Zivilisierung Deutschlands durch Europa nie im Widerspruch zum vorherrschenden Kapitalinteresse stand? Entgegen einer jahrzehntelang eingeübten Praxis ist heute eine positive Bezugnahme auf den progressiven Gehalt der europäischen Integration wichtig. Zwar verbindet sich damit keine Perspektive gesellschaftlicher Umwälzung und sozialer Gleichheit, allerdings stellt man sich angesichts der Wiederkehr von Nationalismus und europäischen Staatenkonflikten in die Tradition bürgerlicher und antifaschistischer Pro-Europa-Positionen, deren Relevanz sich in die Gegenwart verlängert.


Donnerstag, 3. November 2016, 19 Uhr

Melanchthonianum, Uni Halle

Erdogan. Ein Führer und sein Volk.
Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas, Berlin)

Der 15. Juli 2016, der den verpatzten Versuch türkischer Militärs in ihrem Land die Macht zu übernehmen und Staatschef Erdogan ins Jenseits zu befördern markiert, wurde vom türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim zum „Feiertag der Demokratie“ und von Erdogan zum Zeichen der „Gunst des Allmächtigen“ erklärt. So zynisch Äußerungen wie diese angesichts der Reaktionen auf den Putsch daherkommen, so wenig verwunderlich sind diese zugleich.
Der „Führer“, wie Erdogan von seinen Anhängern genannt wird, demonstriert nur, wie charismatische Herrschaft funktioniert. Ihr oberstes Prinzip – da sind sich der Türken- und der Russenführer sehr ähnlich – ist die Frechheit, und von der Frechheit beseelt sind ihre Anhänger. Nach innen wird das bisschen Rechtsstaatlichkeit, das es sogar in der Türkei gab, öffentlich verhöhnt und kassiert, nach außen zeigt man selbstbewusst den Stinkefinger. In der Türkei finden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung nichts dabei, dass ihr Führer den casus belli mit Syrien durch eine Geheimdienstinszenierung herbeiführen wollte oder dass er und die Seinen sich schamlos bereichern. Man identifiziert sich mit dem Großmaul, das zum Helden avanciert, je mehr er offensichtlich ungehindert Fakten schafft. Die alten Vorbehalte gegen die von Erdogan entmachtete kemalistische Elite sind nur teilweise handlungsleitend. So korrupt und autoritär diese Kreise auch waren, gehasst hat man an ihnen, dass sie, wie verzerrt auch immer, angetreten sind, eine andere Türkei zu schaffen.
Was heute als westlich und untürkisch verdammt wird, ist der gescheiterte Versuch, weg von den Hinterlassenschaften des auf Raub gegründeten osmanischen Imperiums hin zu einem Land zu kommen, in dem die Gleichheit vor dem Gesetz nicht nur in der Verfassung steht und die elende persönliche Abhängigkeit von Privilegierten, dieses scheinbar unausrottbare Geflecht der Beziehungen, endlich abgeschafft wird. Der charismatische Führer stiftet die persönliche Abhängigkeit von der Macht als umfassendes Prinzip neu, nimmt ihr den Geruch des Illegalen und Herabwürdigenden, indem er als dysfunktional, schwach und schutzlos vorführt, was die Voraussetzung für ein erträglicheres Leben wäre: Das Recht als Möglichkeit, auch für Arme und Einflusslose, gegen rechtswidrige Übergriffe von Reichen und Mächtigen vorzugehen, als Schutz des Einzelnen gegen die Zumutungen einer moralischen Ordnung, die der Mehrheitsmob durchzusetzen angetreten ist.

Dezember 2016: Der Wert und das Es. Buchvorstellung mit Uli Krug

Januar 2017: Warum wir über den Islam nicht reden können. Vortrag und Diskussion mit Sama Maani

Infos zu den weiteren Veranstaltungen unter antifa.uni-halle.de

Vortrag von Nils Baratella: Das kämpferische Subjekt. Aufstieg und Fall des Boxens.

Hosted by AG Antifa
Donnerstag, 25. August 2016, 19 Uhr
Radio Corax, Unterberg 11, Halle (Saale)

Der Boxring gilt als ein kulturell und historisch hervorgebrachter Ausnahmeraum, in dem ein ethisierter, ästhetisierter und reglementierter Kampf aufgeführt wird. Nicht um Gewalt geht es hier, sondern um einen Kampf. Die moderne Vorstellung, dass sich zwischenmenschliche Gewalt zivilisieren lasse, ist keine, die genuin im Sport entsteht.

Vielmehr steht diese Idee im Zentrum moderner Philosophie. Anhand zweier Autoren soll die Entwicklung dieser Idee nachgezeichnet werden: Hegel denkt einen konstruktiven, vergesellschaftenden und vereinheitlichenden „Kampf um Anerkennung“. Gegen diese Vereinheitlichung rebelliert Nietzsche. Bei ihm sollen lange unterdrückte Kräfte des Körperlichen als Gegenentwurf zur Unterwerfung durch Disziplinierung entfesselt werden. Beide Theorien können als entgegengesetzte Pole einer Debatte betrachtet werden: Hegel will die Kämpfe rationalisieren und in Richtung vernünftigerer Verhältnisse führen. Nietzsche will durch Kampf und Gewalt einen kathartischen Reinigungsprozess einleiten.

Zudem rückt mit Nietzsche die Bedeutung des Körperlichen und seiner Aufführung in den Fokus philosophischen Interesses. Gemein ist beiden Theorien die heraklitische Idee des permanenten Werdens im Kampf. Sowohl bei Nietzsche als auch bei Hegel wird das Subjekt der Moderne als ein gespaltenes, zerrissenes, agonistisches Wesen verstanden, das sich in Kämpfen und Konflikten erzeugt. Dieses kämpferische Subjekt zeigt sich in vielfältigen Kulturerzeugnissen – ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Sport. Sportliche Aufführungen, und v.a. das Boxen, gewinnen mit der Jahrhundertwende zunehmend massenwirksame Bedeutung. So ist das Boxen ein Phänomen der (atlantischen) Moderne, deren Ideale, deren „Weltbild“ (Heidegger), es in einer sportlichen Inszenierung sichtbar macht: Nahezu gleiche Gegner treten gegeneinander an, um sich zu duellieren.

Das Ergebnis gleicher Voraussetzungen ist jedoch größtmögliche Ungleichheit: Einer steht, der Andere liegt. Für diesen Kampf haben sich die Boxer geformt, hart an sich gearbeitet und ihr Leben diesem Ziel unterworfen. Die Wut und Aggression der kämpfenden Körper muss durch Regeln kontrolliert werden. Erst wenn die Kämpfer dieses Regelwerk inkorporiert haben, der Ethos des Sports ihre körperliche Praxis durchdringt, sind sie, was sie sein wollen, um die Anerkennung des Gegners und des Publikums gewinnen zu können: Das kämpferische Subjekt Boxer. Der faire Kampf als Ideal der Moderne tritt in vielfältigen Kulturerzeugnissen auf. Doch im Boxen wird es in besonders paradigmatischer körperlicher Weise aufgeführt. Kann dieses Ideal unter heutigen Bedingungen aufrechterhalten werden? Und hat es noch Gültigkeit?

Der faschistische Stil. Zur Ideologie und den Strategien der Neuen Rechten

Wir weisen freundlich auf eine Veranstaltung der AG Antifa im StuRa hin:

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Montag, 11. Juli 2016, 19 Uhr
Melanchthonianum, Uni Halle

Mit Pegida und dem Aufstieg des völkischen „Flügels“ der AfD steht die Neue Rechte wieder in Rede. Tatsächlich ist die Neue Rechte ein theoretischer und praktischer Katalysator rechtsnationalistischer Politik. Das lässt sich etwa an dem langjährigen intimen Verhältnis aufzeigen, das etwa die Architekten des „Flügels“, die AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke (Thüringen) und André Poggenburg (Sachsen-Anhalt), zu dem bekanntesten neurechten Aktivisten, Götz Kubitschek, unterhalten.
Dessen Rittergut Schnellroda im südlichen Sachsen-Anhalt ist innerhalb von fünfzehn Jahren zum mythologisch verklärten Anziehungspunkt der Neuen Rechten geworden, wo ein prosperierender Kleinverlag, eine tonangebende Zeitschrift und ein Institut zur Kaderschulung zusammenwirken. „Schnellroda“, unter Rechten zum Ausdruck geronnen, inspiriert ein wachsendes Milieu. Dabei sind die Kubitscheks und Höckes keineswegs originelle Denker und Strategen. Sie imitieren lediglich schablonenhaft altbekannte Vorbilder und geben sich einer heroischen Revolutionsromantik hin.
Die gegenwärtigen Themen der Neuen Rechten, zuvorderst die Feindschaft gegen Flüchtlinge, aber auch Antifeminismus und Geschichtsrevisionismus, sind nur Erscheinungsformen einer prinzipiellen Ablehnung der als „liberal“ gescholtenen bürgerlich-demokratischen Verhältnisse. Im Vortrag soll dies anhand einiger klassischer Autoren der Neuen Rechten, etwa Armin Mohler und Carl Schmitt, sowie mittels einiger aktueller Veröffentlichungen aus den szeneeigenen Verlagen und Zeitschriften aufgezeigt werden.

Matheus Hagedorny lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin und schrieb zuletzt für die Wochenzeitung Jungle World über die „rechtsintellektuelle“ Szene.

Aufbau Mittelost

Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle veranstaltete am 16.06.2016 eine Kundgebung gegen den Empfang des iranischen Botschafters durch die CDU-Mittelständler in Halle. Im Folgenden dokumentieren wir das Flugblatt der AG No Tears for Krauts, das auf der Kundgebung verteilt wurde.

Flugblatt der AG NTFK als PDF

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Kundgebung vor der Franckeschen Stiftung, Halle (16.06.2016)

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Aufbau Mittelost

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung des hallischen CDU-Kreisverbandes hat heute in die Franckeschen Stiftungen geladen, um gemeinsam mit dem ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus und dem hallischen Oberbürgermeister Bernd Wiegand das iranische Comeback »auf dem Weltmarkt« zu feiern. Als Ehrengast wurde der iranische Botschafter Ali Majedi eingeladen, dessen Rede mit Hochstimmung erwartet wird, als wären in Wien nicht die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran deutlich gelockert, sondern Sachsen-Anhalt zur Sonderförderungszone der Europäischen Union erklärt worden. Der Kreisverband stellt »frische Geschäfte« für die heimische Wirtschaft in Aussicht. Allerdings ist den Veranstaltern nicht allein daran gelegen, fette Beute abzugreifen. Sie sind auch daran interessiert, die »jetzige iranische Regierung zu stabilisieren.«

Diese Formulierung ist wohl kaum das Resultat grober Naivität. Denn selbstverständlich kann auch den Christdemokraten aus dem sachsen-anhaltischen Brachland nicht entgangen sein, dass es sich beim Iran um eine klerikalfaschistische Despotie handelt, wo – gemessen an der Einwohnerzahl – mehr Menschen hinrichtet werden, als in irgendeinem anderen Land der Erde. Daran hat sich auch seit dem Machtantritt des „moderaten“ Rohani nichts gebessert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Zahl der Hinrichtungen nahm seit dessen Amtseinführung im Jahr 2013 nochmals drastisch zu. Ungeachtet ihres Alters werden die vermeintlichen Delinquenten für solche Verbrechen wie Homosexualität, außerehelichen Sex, Alkoholkonsum oder Drogenhandel, Gotteslästerung und natürlich Kritik am brutalen Regime der Mullahs hingerichtet. Die ideologische Grundlage für die iranische Schreckensherrschaft liefert der Islam mit seinem Plädoyer für Todessehnsucht und Genussfeindschaft. Das alles schreckt die Freunde der deutsch-iransischen Wirtschaftsbeziehungen nicht ab, vielmehr trotzt ihnen gerade der wohlige Schauer vor der anpackenden Brutalität Sympathien für den iranischen Terrorapparat ab.

Zudem ist der Iran besonders für sein jahrelanges Bemühen bekannt, Israels Auslöschung voranzutreiben. Im Wochentakt überschlagen sich hochrangige iranische Großmäuler mit den Vernichtungsdrohungen. Im Iran belässt man es jedoch nicht bei markigen Worten. Um seinem Ziel näher zu kommen, greift der Mullahstaat antisemitischen Banden wie Hamas und Hisbollah bei ihren Angriffen auf den Staat der Juden unter die Arme oder er organisiert die Anschläge auf israelische Staatsbürger und Botschaften gleich selbst. Um die Judenfrage endgültig lösen zu können, versuchen die Islamfaschisten seit Jahren, in den Besitz der Atombombe zu gelangen. Um das zu verhindern, wurden einst die Wirtschaftssanktionen beschlossen, die vor knapp einem Jahr bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht wurden. Und das, obwohl sich auch am antisemitischen Tatendrang seit der Präsidentschaft Rohanis nichts geändert hat. Das zeigen unter anderem Raketentest vor drei Monaten. Iranische Militärs verkündeten danach stolz, dass die Raketen eine Reichweite von mindestens 2.000 km hätten und – damit niemand die Absicht dieser Übung missverstehen kann – mit den Worten „Israel muss ausradiert werden“ beschriftet wurden. Siegessicher prophezeite Irans Obermullah Ayatollah Khameni, dass sein Land das Raketenprogramm ausweiten werde und der Westen nichts dagegen tun könnte.

Es ist dabei nur scheinbar ein Widerspruch, dass an der heutigen Veranstaltung auch zahlreiche Landesvertreter teilnehmen, die keinen Anlass verstreichen lassen, das Gedenken an die ermordeten Juden zu zelebrieren. Dieter Althaus ist beispielsweise engagiertes Mitglied einer »Maximilian-Kolbe-Stiftung für Wege der Versöhnung aus der Kraft der Erinnerung«. Allerdings gedenken solche Vereine immer nur den toten Juden – an die Lebenden verschwenden sie keinen Gedanken. Stattdessen ist Israelkritik beim Erinnerungsweltmeister beliebter als die Fußball-Europameisterschaft. Das gegen Israel gerichtete Atomprogramm des Iran stört darum fast niemanden in Deutschland. 70 Jahre nach der Niederlage ist man hierzulande lediglich froh, sich nicht selbst die Hände schmutzig machen zu müssen. Für derart geläuterte Deutsche ist der iranische Botschafter Majedi der ideale Ansprechpartner. Er tritt nämlich nicht durch den wüsten Antisemitismus eines Ahmadinedschad in Erscheinung. Der Israelkritik leistet er viel bessere Dienste, indem er das nötige Material und Know-How für Irans Mordmaschinerie ins Land holt. Daran möchte sich der ostdeutsche Mittelstand natürlich gern beteiligen, indem er das Baumaterial für die Folterkammern, Baukräne zur Vollstreckung der Todesstrafe oder Bauteile für Sprengköpfe liefert. Das einzige was der schnellen Wiederbelebung der deutsch-iranischen Kontakte bei solchen Aussichten noch im Wege steht, ist die Doppelkornfahne der sachsen-anhaltischen Unternehmerschaft.

»AG No Tears for Krauts Halle«