Im Zweifel Antisemit

Jakob Augstein, Deutschlands bekanntester Antisemit, veröffentlichte im Sommer dieses Jahres sein Buch »Sabotage: Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen«. Zur Buchvorstellung in der hallischen Thalia‐Buchhandlung ließ es sich die AG »No Tears for Krauts« nicht nehmen, folgendes Flugblatt zu verteilen.

[Das Flugblatt als PDF]

Sehr geehrte Hallenser, liebe Wutbürger, Antikapitalisten, Israelkritiker, MZ‐Leser – liebe Augstein‐Anhänger also!

Sie haben sich heute hier eingefunden, um dem international renommierten Judenhasser Jakob Augstein zu lauschen, vermutlich, weil Ihnen Volker Perthes zu akademisch und Stefan Kornelius zu langweilig daherkommt, kurzum: Weil Sie jemanden wie Augstein brauchen, der wie kaum ein Zweiter für den Antisemitismus der ganz besonders dummen Antisemiten steht.
Höchstwahrscheinlich gehören auch Sie zur übergroßen Mehrheit der Deutschen, die empört darauf reagierte, als das Simon‐Wiesenthal‐Center Anfang dieses Jahres die Hetze des Spiegel‐Schreibers und Herausgebers der antizionistischen Wochenzeitung Der Freitag in seine Hitliste der schlimmsten antisemitischen Verleumdungen 2012 aufnahm: Kann man denn jetzt nicht einmal mehr etwas gegen Juden sagen, ohne als Antisemit zu gelten? Und überhaupt: Klingt dieses Wiesenthal‐Center nicht verdächtig jüdisch? Variationen dieser Verteidigungsstrategien, die in nahezu jeder deutschen Zeitung abgedruckt wurden, fanden Sie seinerzeit natürlich auch in Ihrer Hauspostille, der Mitteldeutschen Zeitung, die Ihnen versicherte, dass Augstein selbstverständlich kein Antisemit sei, nur ein wenig kritisch gegenüber dem Judenstaat vielleicht.
Womöglich wurden Sie aber auch von der Aussicht angelockt, sich heute von Augstein agitieren zu lassen? Immerhin will dieser mit seinem Buch sabotieren und zur Entscheidung – Demokratie oder Kapitalismus? – drängen, ganz so, als wären beides prinzipiell einander ausschließende Gegensätze. Sie sollten sich dabei nicht von der albernen Abhandlung über Farbbeutel in Augsteins »Sabotage« irritieren lassen, mit welcher der Autor bloß ironisch auf die gehässigen Vorwürfe zu reagieren versucht, er sei eigentlich ein etablierter Salonsozialist; das Feuilleton wird ihm die Pseudomilitanz schon augenzwinkernd verzeihen und Ihnen hat Augstein schließlich noch viel mehr zu bieten.
Was ihm nämlich als »Demokratie« vorschwebt, tat Augstein kürzlich anlässlich der Veröffentlichung seines Buches in einem Gespräch mit dem WDR ex negativo kund: »Wir sind eine sehr zivilisierte, gezähmte Gesellschaft.« Lässt sich über den Grad der Zivilisierung in Deutschland – und insbesondere in der Zone – durchaus streiten, so liegt Augstein mit der bedauernd festgestellten Zähmung vollkommen richtig: Eine solche nämlich verhindert einstweilen das Losschlagen gegen jene, die für Augstein und seine Anhänger den Kapitalismus verkörpern, also die da oben allgemein und die von Augstein in seinen Kolumnen obsessiv angegriffenen Merkel, Manager, die USA und die jüdischen Strippenzieher im besonderen.
Die von Augstein eingeforderte Demokratie ist also nichts anderes als die direkte Herrschaft des Mobs, dessen entindividualisierte Bestandteile ihre »Körper auf Demonstrationen einsetzen« sollten anstatt »hinter den Schreibtischen« zu hocken. Dieser »Volkssouverän« in seiner leiblichen Unmittelbarkeit, den Augstein am liebsten bei einem »Marsch auf das Reichstagsgebäude« sich bilden sähe, ist das schaurige Gegenteil der Republik mit ihren vermittelnden Instanzen, Schreibtischen und Parlamenten.
Und wenn der Volkssouverän mit seinen vielen Leibern, die zu einem einzigen riesigen Volkskörper verschmolzen sind, dann vorm Reichstag aufmarschiert ist? Dann dürfte nicht nur mittels Farbbeuteln die Abrechnung mit jenen folgen, die Augstein als sinistre Gestalten hinter der Kapitalakkumulation ausgemacht hat und das sind, na klar: »Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr: Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen«.
Sie beherrschen nicht nur die deutsche Politik, sie führen auch, wie der israelische Ministerpräsident Netanjahu, »die ganze Welt am Gängelband«, betreiben in Gaza ein »Lager«, in dem sie sich ihre »eigenen Gegner ausbrüten« – denn am Antisemitismus sind noch immer die Juden selbst schuld –, und sie lassen keine Gelegenheit verstreichen, friedliche Islamisten zu provozieren, wie etwa mit jenem Film über Mohammed, der vor gut einem Jahr in der islamischen Welt für Bombenstimmung sorgte und dessen Urheber laut Augstein wiederum der ewige Jude war.
Die Stoßrichtung für die heutige Lesung ist also vorgegeben, indes bleibt uns doch noch etwas Häme: Denn wie bereits erwähnt, hatte Jakob Augstein mit seinem Befund der gezähmten deutschen Gesellschaft recht. Mag der Abend also auch noch so schön verlaufen, mag Augstein von noch so vielen Missetaten der Juden und ihrer Knechte erzählen: Das Pogrom fällt zum Glück aus. Sie werden also nicht ungehindert einen Marsch zum Reichstag, zur nächsten Bankfiliale oder zur örtlichen Synagoge veranstalten können, sondern lediglich mit einem schlechten Buch in der Hand nach Hause gehen.

AG »No Tears for Krauts« Halle