Redebeiträge zur Demonstration »Straight to hell!« in Bornhagen

Die Redebeiträge zur Demonstration »Straight to hell!« (Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AFD!) im thüringischen Eichsfeld können hier nachgelesen werden.

Redebeitrag AG NTFK Halle [PDF]

Redebeitrag GEKO Halle [PDF]

Redebeitrag ASSOCIATION PROGRÈS [EXT]

Wer vom Islam nicht reden will,
sollte auch von der AfD schweigen

Redebeitrag von No Tears for Halle aus dem Organisationsbündnis zur Demonstration „Straight to Hell!“ am 5. Mai 2016 in Bornhagen.

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen,

die Bornhagener Himmelfahrtsmeute interessiert sich nicht besonders für das, was wir zu sagen haben. Darum ein paar Worte an Euch: Als wir und unsere Freunde von der Antideutschen Aktion Berlin uns vor ein paar Monaten entschlossen haben, die Genossen aus dem Eichsfeld mit einer Demonstration zu unterstützen, hätten wir nie mit einer solchen Resonanz gerechnet. Denn ganz ehrlich: Wann wurden die Organisatoren eines kleinen Dorfumzugs schon einmal bei Spiegel Online, bei Tagesschau.de oder in der Bild-Zeitung zitiert? Und wann hat eine antideutsche Demonstration schon einmal so viel Zuspruch bei Leuten gefunden, die Nationalismus für eine Kopfsache halten, die mit einer kollektiven Klatschübung auf Marschrhythmusbasis vertrieben werden kann?

Einen großen Teil der Aufmerksamkeit haben wir zweifellos unserem größten Fan zu verdanken, dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Ohne seine Entgleisungen würden wir hier wahrscheinlich nur mit fünfzig Leuten stehen. Anstatt sich um das große Infrastrukturloch zwischen Sachsen und Hessen zu kümmern, hat der Landesvater lieber nächtelang im Internet rumgedaddelt und die Kommentarspalten unserer Mobilisierungsseite zugeschmiert. Dafür sei ihm an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gedankt. Ramelow hat instinktiv erkannt, dass sich unsere Demonstration nicht allein gegen die AfD oder die Witzfigur Bernd Höcke richtet, sondern gegen ein gesellschaftliches Klima, das in der Zone dominant ist – und zu dessen Entstehung sein eigener Verein entscheidend beigetragen hat. Jeder ostdeutsche AfD-Anhänger, das weiß Baron Bodo wohl aus eigener Erfahrung, ist ein potentieller Linkspartei-Wähler.

Dass der Unterstützerkreis dieser Demonstration ungleich größer als bei unseren sonstigen Ausflügen aufs platte Land ist, dürfte trotzdem nicht nur auf die berechtigte Empörung über Ramelows strunzdumme Nazivergleiche und seine anderen Ausfälle zurückgehen, sondern zunächst ganz banal auf das Bedürfnis, etwas gegen die AfD zu unternehmen. Dieses Bedürfnis ist durchaus vernünftig. So stehen Höcke und Co. nicht nur für die Sehnsucht nach einem – im Wortsinn – nationalen Sozialismus, in dem wieder Muttis Geburtsscholle darüber entscheidet, wer bei der Verteilung von Staatskohle bevorzugt wird. Die AfD ist zugleich die Partei der (oft kaum dreißigjährigen) Meckeromas und Meckeropas, die sich permanent belogen und betrogen fühlen und jeden Hinweis auf den Unsinn ihrer Behauptungen mit der Aussage kontern, dass dies aber „ihre Meinung“ sei. Dieses faktenresistente Beharren auf dem eigenen Standpunkt geht auf den Drang zurück, sich die widerspruchsvolle Wirklichkeit so widerspruchslos zu machen, dass sie auf einen Bierdeckel oder besser noch in einen Facebook-Kommentar passt. Die aufdringliche Rechthaberei, die damit verbunden ist, hat sich früher vor allem in den Leserbriefspalten der Regionalzeitungen ausgetobt. Im Internetzeitalter hat sie sich zu asozialer Enthemmung gesteigert und ist zum Massenphänomen geworden, dem die AfD in die Wahllokale und Parlamente verholfen hat.

Das Saublöde ist: Von all diesen guten Gründen, gegen die AfD zu protestieren, fällt auch einigen Leuten, von denen wir zeitweise Zustimmung erhalten haben, kaum einer ein. Die Dümmeren vergleichen Höcke schon mal mit Goebbels und verharmlosen damit in bester antifaschistischer Absicht den Nationalsozialismus. Die Demagogen werfen der AfD hingegen „Islamophobie“ vor – so, als wäre es nicht überaus vernünftig, vor einer Religion zu erschrecken, die den Schlächtern von IS, Boko Haram, Al Nusra das ideologische Rüstzeug liefert. Zu den Ekelhaftigkeiten der AfD gehört vielmehr, dass sie gerade keine Kritik am Islam übt. Ihr Islambashing basiert stattdessen auf einer Mischung aus ordinärer Ausländerfeindlichkeit und Neid. Denn warum sonst sollten Leute, die mit Tradition, Familie, Korpsgeist hausieren gehen, gegen die Halsabschneider des Propheten auf die Straße gehen, die wie kaum jemand anders dafür einstehen wollen? Hier wird ein Konkurrenzkampf um autoritäre Auswege aus der Krise geführt, bei dem der politische Islam vor allem deshalb ins Visier geraten ist, weil er hierfür die im Weltmaßstab attraktivsten Angebote bereithält. Darum hätte zu gelten: Wer vom Islam nicht reden will, sollte auch von der AfD schweigen.

Die Mehrheit der AfD-Gegner tut stattdessen das genaue Gegenteil: Sie spricht von der AfD, um sich nicht zu den Schandtaten des Islam äußern zu müssen, der fast überall dort, wo er sich politisch äußert, als Islamismus auftritt. Mehr noch: Unter Verweis auf Beatrix von Storch oder Pegida wird jede Kritik an dieser verrohten und verrohenden Religion abgewehrt und als „antimuslimischer Rassismus“ denunziert – so, als wäre Moslem-Sein eine unabänderliche Naturtatsache. Dieser linksalternative Welpenschutz für den Islam geht nicht zuletzt darauf zurück, dass viele AfD-Kritiker mehr mit ihren Gegnern gemein haben als ihnen bewusst ist. Sie sind vom Islam – von seinem Lob des schlechten Lebens, seinem Zinsverbot, das Antisemiten seit jeher angezogen hat usw. – oft ebenso fasziniert wie eine Kompanie von Hogesa-Prolls, wenden diese Faszination aber nicht in Ablehnung. Wegen des Aufwinds, den das professionelle und ehrenamtliche Islamverstehertum durch den Durchmarsch der AfD erhalten hat, wird es in nächster Zeit auf jeden Fall schwerer werden, Kritik am Islam zu üben, ohne als Nazi verleumdet zu werden. Auch die Israel-Solidarität, die seit jeher als Spielwiese verkappter Moslemhasser diffamiert wird, wird mit größeren Widerständen zu rechnen haben. Schon jetzt schweigen sich viele Antifa-Gruppen, die 2014 noch gegen die antizionistischen Aufmärsche in deutschen Großstädten protestiert haben, über den Existenzkampf des jüdischen Staates aus.

Das alles soll heißen: Wahrscheinlich ist der innerlinke Zuspruch zu unserer Demonstration deshalb so verhältnismäßig groß, weil es (1.) ein – vielfach falsches – Bedürfnis gibt, gegen die Alternative für Deutschland auf die Straße zu gehen, weil (2.) niemand unseren Aufruf gelesen hat, und weil es (3.) zurzeit nur wenige Angebote gibt, gegen Höcke und Co. zu protestieren. Vielleicht ist alles aber auch ganz anders. Vielleicht geht die Tatsache, dass trotz der abertausenden dümmlichen „FCK AFD“-Aufkleber fast keine nennenswerte antifaschistische Veranstaltung gegen die Partei zustande kommt, auch darauf zurück, dass die herkömmlichen Haudrauf-Antifa-Erklärungen zumindest die Schlaueren in den einschlägigen Gruppen nicht mehr vollends überzeugen. Und vielleicht zweifeln einige ja inzwischen auch daran, dass die bärtigen Jungs mit der Kalaschnikow eigentlich ganz dufte Typen sind, die nur mit dem falschen Fuß aufgestanden sind. Wir geben die Hoffnung nicht auf.

Ihre No Tears for Krauts Halle
(Organisationsbündnis),
Mai 2016

 

Redebeitrag Gruppe  Geko (Gesellschaftskritische Odysee) Bornhagen

Liebe Bornhagener,

nach  unseren  Demonstrationen  in  Insel  und  Tröglitz  dachten  wir,  provinzieller  und  einfältiger  geht es  nicht  mehr.  Dann  aber  kam  Bornhagen  und  mit  euch  die  Provinz-Björns  und  Berufs-Bodos  dieser Republik  und  bewiesen  uns  das  Gegenteil.  Es  schien  fast  so,  als  ob  ihr  und  eure  Oberhäuptlinge einen  schlechten  Witz  machen  wolltet,  indem  ihr  das  Bild,  dass  wir  von  der  ostdeutschen  Provinz gezeichnet  haben,  nicht  nur bestätigt,  sondern  noch  übertrumpft  habt. Da  war  Bodo  Ramelow  von  dem  wir  zunächst  nur  dachten,  er  würde  wie  alle  Ostpolitiker  nur  seine Schäfchen  verteidigen  und  sie  von  der  Verantwortung  ihrer  Wahl  der  AfD  freisprechen.  Als  er  dann seinen  Antifa-Nazimethoden-Vergleich  anbrachte  und  sich  auch  am  lautstarken  Beifall  von  richtigen Neonazis  nicht  störte,  belehrte  er  uns  eines  Besseren:  Anders  als  der  Steins–  und  der  Friesenbach, die  ihr  so  stolz  auf  eurem  neuen  Wappen  tragt  haben  AfD  und  Linkspartei  mehr  als  nur  denselben Wählerquell.  Vielmehr  fließen  sie  an  vielen  Stellen  direkt  ineinander.  Mit  den  beiden  Parteien  ist  es, wie  mit  einem  Bruderstreit  beim  Familienfest  in  Bornhagen:  Das  ganze  Jahr  über  liegen  die  beiden Bauernbrüder  im  Streit,  wenn  aber  zu  Weihnachten  der  verhasste  Onkel  aus  Berlin  kommt,  dann rückt  man  zusammen,  um  sein  Recht  die  Sau  durchs  Dorf  zu  treiben,  gegen  die  großstädtische Libertinage  zu  verteidigen. Die  Häuptlinge  dieser  „Querfront  der  westdeutschen  Ossiversteher”  wie  wir  sie  nannten  sind deshalb  nicht  zufällig  Björn  und  Bodo.  Sie  stehen  auch  persönlich  für  all  das,  was  wir  kritisieren und  womit  ihr  euch  identifizieren  könnt:  Ein  autoritäres  Staatsverständnis,  die  Inszenierung  als verfolgte  Unschuld,  mangelnde  Affektkontrolle  –  die  ihr  unter  dem  Vorwand  des  Herrentages  auch heute  wieder  ausleben  werdet  –  und  nicht  zuletzt  den  Wunsch  zurückzukehren  zu  direkteren persönlichen  Herrschaftsverhältnissen. Euer  Bürgermeister  beweist  das  nur  zu  gut,  wenn  er  sich  nicht  entblödet  sich  in  der Presseöffentlichkeit  zu  beschweren,  dass  Bornhagen  „gar  kein  Mitspracherecht”  bei  unserer Demonstration  gehabt  habe.  Ginge  es  nach  ihm,  dann  dürften  wir,  wie  er  in  der  Zeitung  erklärte, „nur  am  Sportplatz”  unsere  „Runden  drehen.”  In  Bornhagen  ist  noch  nicht  angekommen,  dass mittlerweile  das  Grundgesetz  gilt  und  Versammlungen  nicht  mehr  vom  Gutdünken  lokaler Patriarchen  abhängen.  Kein  Wunder,  denn  in  der  Regel  qualifiziert  in  der  ostdeutschen  Provinz nicht  der  Blick  über  die  Dorfgrenze  und  in  Gesetzestexte  zum  Stammesführer,  sondern  die aggressivste  Weinerlichkeit. Noch  nie  waren  sich  Lokalpolitiker,  verstaubte  Beamte  –  auf  die  ihr  sonst  immer  so  schimpft  —  AfD und  Linkspartei  so  einig,  wie  derzeit,  wo  es  darum  geht  euer  Herrentagsrecht  auf  besinnungsloses Komasaufen  und  kollektive  Enthemmung  zu  verteidigen. Selbst  die  lokale  Versammlungsbehörde  simulierte  für  euch  den  Beschützer  des  kleinen  Mannes  und seines  liebsten  Feiertages,  indem  sie  ein  Signal  des  Verständnis  sendete  und  unsere  Demonstration verbot.  Dass  es  bei  dem  Verbot  um  eine  symbolische  Geste  an  den  hiesigen  Wutbürgermob  geht, war  vollkommen  klar,  schließlich  gaben  sie  nicht  einmal  einen  Verbotsgrund  an  und  dürften gewusst  haben,  dass sie vor Gericht  scheitern  werden.

Wir  hoffen  jedenfalls,  dass  die  wenigen  vernünftigen  Leute,  die  es  hier  gibt  –  wie  die  Menschen  von der  aufrufenden  Antifagruppe  Association  Progres  aus  dem  Eichsfeld  –  so  schnell  wie  möglich diesem  Irrsinn  entfliehen  und  hier  wegziehen  können. In  einem  Punkt  müssen  wir  euch  zum  Abschluss  aber  noch  widersprechen:  So  sehr  wir  uns  darüber freuen,  dass  es  zu  Einbrüchen  des  Tourismus  in  euren  Ort  gekommen  ist,  so  sehr  müssen  wir  die Ehre  zurückweisen,  dass  dies  unser  Verdienst  ist.  Unsere  Demonstrationen  bringen  stets  nur  die Aufmerksamkeit  der  überregionalen  Medien.  Sich  vor  laufender  Kamera  freiwillig  blamieren  und damit  Touristen  verschrecken,  das  macht  ihr  in  der  Regal  selbst.  Egal,  wie  negativ  und hinterwäldlerisch  wir  Bornhagen  zu  beschreiben  versuchen,  sobald  ihr  euch  selbst  zu  Wort  meldet, legt  ihr  noch  eine  Schippe  oben  drauf.  In  diesem  Sinne  möchten  wir  zum  Schluss  einen  O-Ton  von einem  alten  Neonazi  aus  eurer  Mitte  einspielen,  dass  er  auf  youtube  veröffentlichte  und  in  dem  euer Haß auf  die Zivilisation  besser zum  Ausdruck  kommt,  als in  jeder Beschreibung  von  uns.

Nachtrag:  Und  wieder  einmal  habt  ihr  bewiesen,  dass  ihr  in  der  Lage  seid,  jeden Beschreibungsversuch  von  uns  noch  in  den  Schatten  zu  stellen.  Euer  Landrat  brachte  es  fertig  den Neonazi  Heise  in  Sachen  Volksgemeinschaftsrhetorik  und  völkischem  Heimatkitsch  noch  zu überbieten.So  erklärte  er der Presse: „Das  Eichsfeld  reduziert  den  Menschen  nicht  auf  seine  politische  Farbe.  Der  normale  Eichsfelder definiert  sich  aus  seinem  Dorf,  aus  seiner  Religion,  aus  seiner  Verwandtschaft,  aus  seinem  Beruf.”

 

Ein Gedanke zu „Redebeiträge zur Demonstration »Straight to hell!« in Bornhagen

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